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Einsteiger-Set im Test: Drohne mit Videobrille für 130 Euro
Pro und Contra
  • Niedriger Preis
  • Gute Performance
  • Standard-Komponenten
  • Billige Haptik
  • Standardeinstellung wenig direkt
  • 4.0

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Für das Fliegen per Videobrille sind Drohne, Akku, Ladegerät, Handsender und FPV-Brille nötig. Das kostet - was taugt da ein Set für 130 Euro? TechStage hat ein Einsteigerset von Emax getestet und verrät, ob sich der Kauf lohnt.

Video-Drohnen wie die DJI Mini 2 (Testbericht) oder die Mavic Air 2 (Testbericht) sind mit hochauflösenden Kameras und GPS ausgerüstet und ermöglichen ruhige Flüge für unverwackelte Aufnahmen. Ganz anders sieht es bei FPV-Coptern aus. Hier ist zwar ebenfalls eine Kamera an Bord, diese dient aber als reines Hilfsmittel zur Steuerung aus Sicht der Drohne. Die Steuerung ist so sehr intuitiv und deutlich einfacher als bei einem klassischen Flugmodell, das ermöglicht waghalsige Flugmanöver. Mehr dazu im Ratgeber FPV-Drohnen: Multicopter mit Brille und Kamera .

Das größte Problem dieses Hobbys sind die hohen Kosten, die für eine professionelle Ausrüstung anfallen. Zwar gibt es sogenannte FPV-Drohnen wie die Navigator U31W (Testbericht) oder S9W (Testbericht) auch zu niedrigen Preisen ab 30 Euro, allerdings handelt es sich hierbei letztlich nur um Spielzeug. Bei der dort genutzten Bildübertragung per WLAN kommt es nämlich zu einer spürbaren Verzögerung. Für die präzise Steuerung einer Drohne ist dies ein No-Go. Echte FPV-Systeme übertragen das Videobild nahezu ohne Latenz und nutzen in der Regel das 5,8-GHz-Band. Für die Steuerung kommt das 2,8 GHz-Band zum Einsatz. Zwar gibt es mittlerweile auch digitale HD-Übertragung für FPV-Flüge, durch die noch höheren Kosten lohnt sich dieses System aber nicht für Einsteiger. Bei Profis sind die Systeme wegen der besseren Bildqualität zwar beliebt, mit Kosten von über 500 Euro sind sie aber nur für Vielflieger interessant.

Schon PAL-Videobrillen von Markenherstellern kosten gerne 300 Euro und mehr. Wer auf sein Budget achten muss oder nur mal ins Hobby hineinschnuppern will, muss entweder gebrauchte Ware kaufen, FPV am Simulator üben (Ratgeber) oder zu einem Einsteigerset greifen. Das Set von Betafpv kostet etwa um 200 Euro und konnte im Test bereits überzeugen. In diesem Test zeigen wir, ob es noch günstiger geht: Das Set von Emax kostet gerade einmal 130 Euro.

Das RTF-Set (ready to fly) von Emax kommt in einer schicken Tragetasche im Carbon-Look zum Kunden. In dem praktischen Koffer steckt beinahe alles, was man für den Start ins Hobby braucht. Enthalten sind die Mini-Drohne mit Kamera, ein kompakter Handsender im Design eines Game-Controllers, ein Flug-Akku, ein Mehrfachladegerät, Ersatzpropeller, Anleitung, Micro-USB-Kabel und Videobrille inklusive Akku. Letztlich fehlt nur ein USB-Netzteil, um das kleine Mehrfachladegerät, Handsender und den Brillen-Akku mit Strom zu versorgen.  

Das Auffälligste an der handtellergroßen Drohne mit dem Namen Tinyhawk ist dessen Aufbau mit den nach unten gerichteten Propellern in sogenannter Pusher-Bauweise. Der Rahmen des Mini-Copters besteht aus weißem Kunststoff und ist dadurch weniger verwindungssteif als große Racing-Drohnen mit Carbon-Rahmen. Die Vorteile dieser Bauweise sind das geringe Gewicht und die hohe Belastbarkeit des flexiblen Kunststoffs. Für den Antrieb sorgen vier kleine 0802er Brushless-Motoren, sie sind wartungsfrei und bieten im Vergleich zu Bürstenmotoren deutlich mehr Schub. Der im Copter integrierte Flight-Controller arbeitet mit der beliebten Firmware Betaflight, welche auch in professionellen und teuren FPV-Drohnen zum Einsatz kommt. Der installierte RC-Empfänger arbeitet mit dem Frsky-Protokoll. Für die Stromversorgung ist der mitgelieferte, einzellige 3,8 V Akku mit 450 mAh zuständig. Das Videobild der fest installierten Kamera wird per 5,8-GHz-Videosender übertragen.  

Der Videoempfänger steckt in der mitgelieferten FPV-Brille. Die Haptik der weißen Kunststoff-Brille ist zwar nicht extrem hochwertig, aber die Verarbeitung ist immerhin ordentlich. Der Videoempfang mithilfe von zwei getrennten Empfangseinheiten sorgt für eine ausreichend stabile Übertragung ohne lange Bildaussetzer. Durch die Nutzung des 5,8-GHz-Bandes, ist die Videobrille zu allen analogen FPV-Coptern kompatibel. Für eine ausreichend helle und ausreichend scharfe Darstellung sorgen ein LCD mit einer Auflösung von 480 × 272 Pixeln und eine davor angebrachte Fresnel-Linse. Die insgesamt 37 Empfangskanäle sind per Hand umschaltbar; deutlich komfortabler ist allerdings der automatische Suchlauf, der im Test zuverlässig und schnell funktioniert. Der externe Akku der Brille wird per Micro-USB-Anschluss geladen.  

Das Design des Handsenders aus weißem Kunststoff und der aufgesetzten Stabantenne könnte auch von einem billigen Spielzeug-Copter stammen. Letztlich geht es aber um die Funktion und nicht um das Aussehen. Und so ist der integrierte 6-Kanal-Sender der Fernsteuerung zu allen Frsky-Empfängern kompatibel und erlaubt daher auch die Steuerung von anderen Drohnen wie der UK65 (Testbericht) oder des Mobula6  HD (Testbericht) . Die Verarbeitung des Senders ist in Ordnung, auch wenn er nicht so hochwertig wie das Modell aus dem Starter-Set von Betafpv (Testbericht) ist. Insbesondere die beiden Steuerknüppel wirken billig. Zur Stromversorgung dient ein fest installierter Akku, der per Micro-USB-Kabel geladen wird.

Das USB-Ladegerät lädt bis zu sechs Flug-Akkus gleichzeitig. Mangels geschlossenem Gehäuse wirkt es allerdings sehr spartanisch. Im Test hat es trotzdem gut und zuverlässig funktioniert. 

Neben dem Laden der Akkus muss vor dem ersten Flug in der Regel die Steuerung am PC konfiguriert werden. Dazu schließt man den Copter per USB-Kabel am Rechner an und nutzt die kostenlose Software Betaflight . Das klappt für erfahrene Anwender in wenigen Minuten, kann für Anfänger durch die große Funktionsvielfalt aber problematisch sein.  

Beim Emax-Set ist diese Konfiguration allerdings gar nicht notwendig. Handsender und Drohne sind ab Werk miteinander verbunden und die Steuerung vernünftig vorkonfiguriert. Wer die Steuerungsmethode, Tastenbelegung oder Sensibilität verändern will, kann dies natürlich tun. Piloten, die mit der klassischen Mode-2-Eingabemethode steuern, können sich den Schritt guten Gewissens sparen und direkt loslegen. Die für uns entscheidenden Einstellungen sind alle vorab programmiert: Neben der eigentlichen Steuerung sind auch die Schalter für Motor-Start/Stopp und Flugmodi passend belegt und so geht es ohne Umwege an den Erstflug. Lediglich das Kopfband der Videobrille und deren Schärfe stellen wir vorab ein.

Der Tinyhawk ist ein klassischer FPV-Copter im Mini-Format. So steht zwar ein stabilisierender Flugmodus zu Verfügung, auf Komfort wie automatische Rückkehrfunktion, Höhensensor oder gar Hindernissensoren muss der Pilot allerdings verzichten. Letztlich kann der Pilot steuern, die Flugmodi ändern, Motoren an- und ausschalten und einen Piepser aktivieren. Dieser erleichtert das Auffinden einer abgestürzten Drohne.

Im Stabilitätsmodus stellt sich die Drohne gerade in die Luft, sobald keine Steuerbefehle getätigt werden. Auch die maximale Neigung des Fluggerätes ist dann beschränkt. Dann sind nur überschaubare Geschwindigkeiten und keine Loopings oder Rollen möglich. Dieser Flugmodus ist ideal für Anfänger. 

Im halb-stabilisierten Modus richtet sich der Copter ebenfalls automatisch gerade aus, allerdings sind bei Vollausschlag am Sender auch Rollen oder Salti möglich.

Wirklich interessant ist der manuelle Modus. Hier gibt es keine Einschränkungen und der Pilot ist ganz alleine für die Steuerung verantwortlich. Nur so sind maximale Agilität und volles Tempo gegeben, was beispielsweise bei Rennen unverzichtbar ist. Auch wenn das manuelle Steuern gerade am Anfang sehr kompliziert erscheint, lohnt es sich erfahrungsgemäß, so schnell wie möglich darauf umzusteigen. 

Während des Fluges übermittelt die Drohne neben dem Videobild auch einige hilfreiche Daten und blendet diese für den Piloten ein. Das ermöglicht beispielsweise die Überprüfung von Empfangsqualität, Flugmodi-Einstellung und Ladezustand des Akkus während des Fluges. Was an welcher Stelle des Bildschirms eingeblendet wird, kann der Pilot per Software am PC einstellen.

Mit vielen Jahren Flugerfahrung waren unsere Erwartungen an das günstige Set nicht besonders hoch. Zwar haben wir bereits günstige Drohnen mit tollen Flugeigenschaften getestet, UK65 (Testbericht) oder Mobula6  HD (Testbericht) kosten allerdings schon ohne weiteres Zubehör so viel wie das komplette Emax-Set. Das gute Flugverhalten des Starter-Sets hat uns dementsprechend positiv überrascht.

Die vorkonfigurierte Steuerung ist für Anfänger ordentlich abgestimmt, aber eine Spur zu schwammig. Erfahrene Piloten werden die Empfindlichkeit der Steuerung deshalb erhöhen müssen, um Spaß zu haben. Trotzdem fühlen wir uns von der ersten Sekunde mit dem Tinyhawk vertraut. Das Ansprechverhalten ist gut und so klappen mit etwas Übung langsame präzise Flüge ebenso, wie schnelle und rasante Manöver. 

Während wir den Erstflug noch im verhältnismäßig zahmen stabilisierten Modus absolvieren, schalten wir ab Akku Nummer zwei das volle Potenzial frei und steuern voll manuell. Rollen, Salti oder schnelle Sprints klappen auf einem ansehnlichen Niveau - allerdings sollte man genügend Platz haben und dafür besser in den Hinterhof gehen. Im direkten Vergleich zum Meteor 75 Lite aus dem Betafpv-Set (Testbericht) fehlt es dem Tinyhawk bei extremen Manövern minimal an Power und so schaffen wir es nicht immer rechtzeitig, wieder an Höhe zu gewinnen. Das ist aber nicht weiter schlimm, da der kleine Copter erfreulich viel wegsteckt. Wer sich einmal auf dieses kleine Power-Loch eingestellt hat, kann es mit dem Tinyhawk trotzdem ordentlich krachen lassen. Durch die Bauweise mit nach unten gerichteten Propellern ist der Multicopter sowieso besser für Indoor-Flüge als für Rennen auf dem Feld geeignet. Und für Innenräume ist die kleine Drohne vollkommen ausreichend motorisiert.  

Die Flugzeit liegt, je nach Flugstil, zwischen 3 und 4 Minuten. Das Aufladen mit dem im Set enthaltenen Ladegerät dauert circa eine halbe Stunde.

Der Videoempfang ist für eine 5,8-GHz-Übertragung insgesamt in Ordnung. Hindernisse zwischen Copter und Videobrille führen zwar schon in direkter Umgebung sofort zu leichtem Bildrauschen, kurzen Bildaussetzern oder Streifen im Bild, das ist allerdings der Technik geschuldet und nicht auf die Komponenten des Sets zurückzuführen. FPV-Piloten gewöhnen sich in der Regel schnell daran. Im Test mit direkter Sichtverbindung war das Videobild bis zu einer Entfernung von circa 150 ausreichend gut, um die Drohne zu kontrollieren. Für ein Rennen durch die Wohnung oder auf dem Hinterhof ist die Bildqualität locker ausreichend. Im Vergleich zu billigen WLAN-FPV-Spielzeugen ist die Verbindung nicht nur auf größere Distanzen möglich, sie ist vor allem verzögerungsfrei, was beim Steuern unverzichtbar ist. 

Während der Testflüge kommt es zu einigen Abstürzen, die allerdings ausnahmslos auf den Piloten, nicht auf Copter oder Sender zurückzuführen sind. Crashes übersteht der Tinyhawk bis auf einige Abschürfungen vollkommen unbeschadet. Allerdings sollte man regelmäßig die Propeller und Motoren auf Fussel und Haare überprüfen, die sich durch die Pusher-Bauweise deutlich schneller festsetzen als bei anderen Coptern. 

Anbei ein kurzes Flugvideo aus Sicht des Piloten.

Im Preisvergleich und auf Amazon ist das Set von Emax ab etwa 200 Euro zu finden. Für ein komplettes Starter-Set mit solchen Flugeigenschaften ist dies eigentlich ganz ok. Im direkten Vergleich zum gleich teuren, aber stärkeren und insgesamt eine Spur besser verarbeiteten Betafpv Advanced Set, ist dieser Preis aber zu hoch.  

Wer das Emax-Set bei Banggood kauft, zahlt zum Recherchezeitpunkt allerdings lediglich 130 Euro. Mit dem Code BGGEMWP gibt es zeitlich begrenzt zusätzlich einen Nachlass von 12 Prozent. Und dieser Preis ist mehr als angemessen. Alternativ bietet der Händler noch zwei weitere, fast identische Sets von Emax an. Das Piloten-Anfänger-Set ist für 90 Euro (Code: BGEmaxEZ) , das verbesserte Tinyhawk-2-Set für 143 Euro (Code: BG11WHOOP) erhältlich.

Egal ob für den Einstieg, als Immer-dabei-Set oder als Gäste-Drohne – für unter 150 Euro bekommt das FPV-Set von Emax eine Kaufempfehlung. Mittelfristig sollte man sich aber noch passende Ersatzakkus zulegen, um so auch längere Zeit fliegen zu können.

Da das Set von Emax auf Standard-Komponenten zurückgreift, ist es eine gute Grundlage, die sich zukünftig noch aufbauen und erweitern lässt. Wer bereit ist etwasa tiefer in die Tasche zu greifen und 200 Euro zu bezahlen, sollte allerdings besser gleich zum Betafpv Advanced Set 2 (Testbericht) greifen. Im direkten Vergleich ist dieses Set schlicht hochwertiger, und mit mehreren Flug-Akkus und DVR in der Videobrille auch besser ausgestattet. 

Wer mit seiner Drohne lieber Videos drehen, anstatt durchs Wohnzimmer flitzen möchte, der braucht etwas völlig anderes. Mehr dazu im Ratgeber Welche ist die beste Video-Drohne für Einsteiger .

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