E-Bike nachrüsten: Geräuschloser Mittelmotor Pendix Edrive 300 im Test

Pendix
Pro und Contra
  • geräuschloses und angenehmes Fahrgefühl
  • sehr hochwertig verarbeitet
  • keine störenden Kabel sichtbar
  • App mit Navigationsfunktinon
  • sehr teuer
  • Motorunterstützung ist ruckelig
  • kommt schwer aus dem Stand los
  • Akku nicht direkt abschließbar
  • 4.0

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Kein Getriebe, kein Geräusch, kaum nervige Kabel – Pendix bietet das Luxusprodukt unter den Nachrüst-Kits für E-Bikes. Wir zeigen, was der Mittelmotor für 1.6490 Euro kann.

Wer bereits ein Fahrrad hat und es motorisieren will, greift zu Nachrüst-Sets. Diese starten samt Motor und Akku bereits ab 300 Euro. Mehr dazu in unserem Ratgeber Fahrrad legal zum E-Bike nachrüsten: Motor & Akku ab 300 Euro.

Nach dem Test des günstigen und sehr guten Kits Bafang MM G340 (Testbericht) schauen wir uns nun das Kit vom deutschen Anbieter Pendix an. Es ist mit 1.550 Euro deutlich teurer als günstige Alternativen aus Fernost, soll aber mit hochwertigen Komponenten und unauffälligem Design punkten.

Für unseren Test haben wir uns für das derzeit günstigste Set von Pendix entschieden, den Edrive 300 mit Mittelmotor und Akku. Das Kit kostet derzeit 1.550 Euro, weitere Sets wie Edrive 500 und Edrive 1000 bieten eine größere Batterie, kosten mit 1.750 beziehungsweise 2.310 Euro aber mehr.

Der Edrive 300 bietet einen 250 Watt starken Mittelmotor mit 330 Wattstunden starkem Akku. In der Kombination soll man auf etwa 40 bis 80 Kilometer Reichweite mit Trittunterstützung kommen. Das Gewicht der Komponenten liegt bei knapp 7 Kilo und liegt damit auf einer Höhe mit anderen Sets zum Nachrüsten.

Das Paket zum Edrive 300 gestaltet sich übersichtlich. Es beinhaltet den Mittelmotor, Tretlager mit Beschleunigungssensor, Kurbeln und Beschleunigungssensor. Beleuchtung oder Display gibt es nicht. Die Beleuchtung muss man selbst kaufen. Das Smartphone samt Pendix-App ersetzt das Display. Darüber hinaus gibt es eine Bedienungsanleitung samt bebilderter Montageanleitung und die Möglichkeit, die Montage per Youtube-Video anzusehen.

Wer bei Pendix kauft, landet bei einem Vertragshändler. Dieser ist für Wartung und Reparatur zuständig. Auf Wunsch montiert der Vertragshändler das Pendix-Kit am bestehenden Drahtesel. Sparfüchse montieren das Set in Eigenregie.

Die Montage ähnelt der des Bafang MM G340 (Testbericht). Allerdings verzichtet Pendix auf diverse Komponenten des Bafang-Sets, was die Montage vereinfacht.

  1. Alte Pedale, Kurbeln und Tretlager entfernen.
  2. Mittelmotor mit neuem Tretlager anbringen, festschrauben und neue Kurbeln sowie alte Pedale befestigen.
  3. Geschwindigkeitssensor am Hinterrad anbringen.
  4. Akku an Vorrichtung für Getränkehalter festschrauben.
  5. Kabel zwischen Motor und Akku sowie Motor und Geschwindigkeitssensor miteinander verbinden und entlang des Rahmens mit Kabelbindern fixieren.
  6. Fertig.

Frontleuchte, Display, Gashebel oder neue Bremshebel gibt es wie bei den Sets aus Fernost auch bei Pendix nicht. Laut Pendix sitzt die gesamte "Intelligenz" im Mittelmotor, Bedienelemente für verschiedene Fahrmodi sowie An-/Aus-Taster sitzen am Akku. Das Smartphone wird durch die Pendix-App zum Display.

Werkzeug zur Montage ist nicht enthalten. Hier sollte man einen Sechskantschlüssel und einen Innenlagerschlüssel für das Tretlager bereithalten.

Wir sind mit dem Pendix-Kit eine komplette Akkuladung weit gefahren. Das hat bei uns im Modus Sport mit maximaler Trittunterstützung für knapp 40 Kilometer gereicht. Der Modus Smart sorgen für dezenteren Antrieb, der eher einem Rückenwind gleicht. Eco ist nochmal schwächer. Er erleichtert das Treten, dient für uns jedoch nur als kleine Anschiebhilfe auf langen, geraden und eintönigen Strecken.

Alle Einstellungen inklusive Ein- und Ausschalten des Systems erfolgen über den Akku. Dieser bietet einen Drehschalter für die Fahrmodi und einen Knopf für die Aktivierung des Systems. Der Akku wirkt wie aus einem Guss, ist massiv gebaut und hat eine beeindruckende Haptik, die man vielleicht von Apple kennt, aber sicher nicht von E-Bikes.

Ein LED-Ring am Akku zeigt den Ladestand an. Leuchtet der Ring durchgehend grün, ist der Akku voll. Bei Gelb ist der Akku zur Hälfte leer und bei Rot hat man noch etwa für zehn Kilometer bis zur nächsten Steckdose. Fängt der Akku an, rot zu blinken, ist er komplett leer. Der Akku ist also nicht nur als Energiespender relevant, sondern auch als Info- und Steuereinheit. Entsprechend sind wir überrascht, dass der Akku nicht abschließbar ist, sondern nur über eine Lasche mit einem Fahrradschloss gesichert werden kann. Auch beim Laden hat der Akku einen Nachteil: Man muss ihn immer entnehmen und in die Ladestation stecken. Schade, hier wäre eine direkte Lademöglichkeit per Kabel auch schön gewesen.

Genauere Informationen zu Akkustand und die aktuelle Geschwindigkeit zeigt die Pendix-App. Ein USB-C-Ausgang am Akku lädt auf Wunsch das Smartphone; natürlich zu Lasten des E-Bike-Ladestands. Zudem kennt die App individuelle Fahrprofile. Hier konfiguriert man etwa die Trittunterstützung oder die maximal zulässige Geschwindigkeit bis 25 Kilometer pro Stunde. Darüber bietet die App integrierte Navigation mit Google Maps; das ist sehr praktisch. Merkwürdig: Man kann über die App einstellen, dass diese sich automatisch per Bluetooth verbindet. In der Praxis funktioniert das aber leider nicht zuverlässig.

Der Mittelmotor von Pendix ist geräuschlos. Das ist für uns eine vollkommen neue Erfahrung. Sämtliche E-Mountainbikes unserer Bestenliste tönen im Betrieb. Das ist auch bei Nachrüst-Kits wie dem Bafang MM G340 (Testbericht) der Fall.

Nicht so beim Edrive von Pendix. Der Motor mit Direktantrieb und maximalem Drehmoment von 65 Nm hat nämlich kein Getriebe. Das hat den besagten Vorteil, dass der Motor geräuschlos ist; und ganz nebenbei wartungsärmer. Der große Nachteil findet sich aber beim ersten Fahren. Der Motor „tritt nach“. Wir erleben bei jeder Pausierung unseres Tretens, dass die Kurbeln mit spürbarer Kraft nach vorne drücken. Das ist sehr ungewohnt im Vergleich zu anderen Mittelmotoren, aber einfach erklärt: Die Magnete drücken immer noch nach, bis sie an der nächsten Spule andocken. Laut Pendix lässt das im Laufe der Zeit nach, weil der Motor lernen würde. Dennoch: Der Motor tritt nach, das ist ungewohnt. Wer sich damit arrangiert, bekommt dafür aber einen komplett geräuschlosen Motor.

Bei der alltäglichen Fahrt macht das Pendix-Set in der Regel einen guten Job. Es unterstützt sauber bei der Fahrt. Bergauf schaltet man allerdings lieber ein paar Gänge herunter, hier kommt der Motor nicht immer mit. Auch das Anfahren gestaltet sich in hohen Gängen manchmal behäbig. Der Drehmomentsensor erkennt unsere Tritte nicht immer sofort, sodass wir ein paar Umdrehungen treten müssen, bevor er anspringt. Das Messtretlager misst nur auf der linken Pedalseite. Wenn man mit der rechten Pedale anfängt zu treten, passiert in der Regel erstmal nichts. So kommt man aus dem Stand schwerer los. Schade, hier hätten wir uns mehr vom Sensor erhofft. Trotzdem: Läuft der Motor einmal, ist die Fahrt eine echte Freude. Das Pendix-Set ist vielleicht nicht zum motorgestützten Expressradeln gedacht, unterstützt aber wie ein schöner Rückenwind im Alltag.

Der Pendix Edrive 300 ist mit 1.649 Euro kein Schnäppchen. Dafür ist das System geräuschlos, fällt kaum auf und es gibt keine nervigen Kabel, aber auch kein eigenes Display. Das Pendix-Kit hat drei Jahre Garantie (bei Registrierung) und ist hochwertig verarbeitet. All das rechtfertigt einen hohen Preis. Mit Gutschein-Code HeiseMedien2022 sparen sich Käufer 149 Euro auf der Website von Pendix. Dann liegt das Set bei 1.500 Euro glatt.

Wer allerdings ein vollwertigen Nachrüstsatz sucht, der merklich bei jeder Unebenheit und Steigung unterstützt, sollte zu anderen Lösungen greifen. Diese sind deutlich günstiger und etwa ab 300 Euro zu haben, wie wir in unserem Ratgeber Fahrrad legal zum E-Bike nachrüsten: Motor & Akku ab 300 Euro zeigen. Unser derzeitiger Favorit ist der Bafang MM G340 Mittelmotor samt Haniwinner-Akku für rund 700 Euro.

Der Pendix Edrive 300 macht Spaß. Er wirkt auf uns wie ein Hybrid. Er ist kein richtiger, vollwertiger Nachrüstsatz, sondern eine Unterstützungshilfe für angenehmeres Fahren. Es fehlt ihm bei Anstiegen an Kraft und er kommt aus dem Stand schwer los. Dafür ist der Antrieb geräuscharm und einfach toll verarbeitet. Auch weitere Details gefallen uns sehr gut; etwa die App mit Navigationsfunktion oder der Aspekt, dass man keine optisch störenden Kabel sieht. Es gibt aber auch eine Reihe von Kritikpunkten: Der ruckelige Antrieb, das schwerfällige Anfahren aus dem Stand und der nicht direkt abschließbare Akku. In der Summe ist der Pendix Edrive 300 toll, hat aber auch noch Luft nach oben.

Wer günstigere Alternativen mit mehr Power sucht, findet etwa in unserer Bestenliste der E-Komplett-Mointainbikes oder in unserer Übersicht zu Nachrüst-Kits weitere Alternativen.

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