Deutsche Smart-Home-Zentrale Homee im Test: WLAN, Zigbee, Z-Wave, Enocean – und ein großes Aber

Homee
Pro und Contra
  • lokale Ausführung, kein Cloud-Zwang, hoher Datenschutz
  • Einrichtung und grundsätzliche Bedienung sehr einfach
  • auch am Desktop über Web-App nutzbar
  • komplexe Wenn-Dann-Regeln und Szenarien möglich
  • Gruppierung von Komponenten möglich
  • begrenzte Kompatibilität
  • relativ teuer
  • Hilfestellungen für Anfänger ausbaufähig
  • 4.0

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Mit zahlreichen Funktechnologien unterstützt Homee viele Komponenten unterschiedlicher Hersteller. Wie gut das in der Praxis funktioniert, zeigt der Test.

Eine Smart-Home-Plattform für Geräte aller Hersteller gibt es nicht. Stattdessen existieren zahlreiche Insellösungen, die zueinander in der Regel inkompatibel sind. Smart-Home-Anwender müssen daher bei der Erweiterung ihres smarten Zuhauses penibel darauf achten, dass neue Produkte zum verwendeten Smart-Home-System passen. Wer also Apple Homekit einsetzt, benötigt Homekit-kompatible Produkte. Das Gleiche gilt etwa für Homematic IP, Bosch, Smart Life (Tuya), Elesion (Pearl) und Devolo Home Control, sowie für die kabelgebundene Lösungen KNX, Loxone und SPS, um nur einige zu nennen. Das beschränkt die Auswahl erheblich.

In der Regel decken die jeweiligen Smart-Home-Systeme viele Anwendungsszenarien ab. Mithilfe eines Bewegungsmelders kann man etwa das Licht oder den Fernseher einschalten. Auch komplexere Automatisierungen sind möglich, sofern die dafür nötigen Sensoren und Aktoren unterstützt werden. Doch wer etwa einen neuen Luftreiniger (Ratgeber) mithilfe eines leistungsfähigen Raumluft-Messgeräts (Ratgeber) wie dem Air-Q effizienter steuern möchte, wird feststellen, dass es viele Geräte außerhalb dieser Systeme gibt, die sich nicht ohne Weiteres integrieren lassen. Die Problematik betrifft dabei nicht nur exotische Anwendungsszenarien, sondern nahezu sämtliche smarten Geräte wie Steckdosen, Schalter und Dimmer, Beleuchtung, Thermostate für Heizkörper und Fußbodenheizungen sowie Überwachungskameras.

Aus Anwendersicht ist es also ratsam, auf eine Smart-Home-Zentrale zu setzen, die möglichst viele Geräte unterstützt. Homee, entwickelt und gefertigt von der gleichnamigen GmbH aus Berlin, will diesen Anspruch erfüllen.

Die Smart-Home-Zentrale Homee ist modular aufgebaut. Basis ist der in Würfelform erhältliche Brain Cube, der Smart-Home-Geräte auf Basis von WLAN integriert. Zusätzliche Würfel stellen Kompatibilität zu Zigbee-, Z-Wave- und Enocean-Komponenten her. Im Komplettausbau erschließt Homee damit sämtliche relevanten Funkstandards im Smart-Home-Bereich und bietet außerdem noch Erweiterungen für proprietäre Herstellertechnologien wie Hörmann Bisecure, Warema WMS und Becker Centronic Plus.

Im Lieferumfang des Brain Cubes befindet sich für die Stromversorgung ein 6-Watt-USB-Netzteil mit fest angeschlossenem Micro-USB-Kabel. Alternativ lässt sich Homee auch an einer USB-Steckdose (Ratgeber) oder einer Powerbank betreiben. Ein optionales Erweiterungsmodul wie der Zigbee-Würfel wird einfach auf den Brain-Cube gesetzt und verbindet sich wie der im Test verwendete Zigbee-Cube über vier Kontakte und einer magnetischen Halterung mit der Zentraleinheit. Der Ausbau mit anderen Erweiterungen funktioniert auf die gleiche Weise.

Die Inbetriebnahme von Homee erfolgt mit der gleichnamigen App. Sie steht für Android und iOS zur Verfügung. Der Hersteller bietet unter my.hom.ee allerdings auch eine Web-Anwendung, mit der Anwender die Smart-Home-Zentrale bequem vom Desktop aus verwalten, Automationen erstellen oder ein Backup auf ein Dropbox-Konto überspielen können. Homee bietet auch eine Anbindung an Apple Homekit, sodass die mit Homee verwalteten Geräte auch unter der Smart-Home-Plattform von Apple zur Verfügung stehen. Experimentierfreudige Anwender können unter beta.hom.ee neue Funktionen ausprobieren, bevor diese generell zur Verfügung stehen. Das war etwa bei der Homekit-Anbindung der Fall.

Anhand einer Kompatibilitätsliste können Anwender nachschlagen, welche Smart-Home-Produkte kompatibel zu Homee sind. Auch in der App informiert der Anbieter unter Homee-Welt über kompatible Produkte, die Anwender bei Interesse auch gleich erwerben können. Abseits dieser Produkte gelingt die Anbindung von Geräten von anderen Smart-Home-Plattformen nicht.

Von Aqara (Ratgeber) wird beispielsweise nur der Temperatur- und Luftfeuchtigkeitssensor unterstützt. Die Anbindung von den für diesen Kurztest verwendeten Produkten wie dem Philips-Luftreiniger (Ratgeber), den LED-Strips von Govee und Yeelight sowie den Outdoor-Leuchten von Innr (Ratgeber) oder den Teckin-Steckdosen (Ratgeber) funktioniert nicht. Somit sind Nutzer auf Produkte der Homee-Kompatibilitätsliste beschränkt. Doch diese ist umfangreicher als von manch großem Smart-Home-Hersteller und zeigt mit der Gruppierung nach Anwendungsszenarien unterteilt nach Energie, Garagen und Garten, Komfort, Sicherheit und Smart Life, dass Homee relevante Smart-Home-Bereiche abdeckt. Und wer eine Fritzbox (Ratgeber) verwendet, kann die daran angeschlossenen Smart-Home-Komponenten auch unter Homee nutzen.

Heimautomatisierungen ermöglicht Homee über Wenn-Dann-Regeln (Homeegramme), Pläne und Szenarien. Als Auslöser von Regeln dienen Modus (Zuhause, Schlafend, Abwesend, Urlaub), Zeit (Einmalig, Täglich, Wöchentlich, Experten-Intervall), Gerät, (Homeegramme), Plan, Szenario, Gruppe, Wetter, Sonnenstand, Webhook (IFTTT), Anwesenheit, Standortmodus, Wetter und Sicherheitsmodus.

Szenarien können aus mehreren Regeln bestehen. Wer etwa mehrere Regeln zur Steuerung von zwei Leuchten auf der Terrasse erstellt, sollte diese bei Bedarf gleich in einem Szenario zusammenfassen. Denn die Smartthings-App erlaubt leider nicht, aus bestehenden Regeln ein Szenario zu erstellen. Regeln können Anwender mit mehreren Bedingungen und Vorbedingungen versehen, sodass auch komplexe Logiken abgebildet werden können. Erleichtert wird die Erstellung von Regeln und Szenarien durch Beispiele (Entdecken), die gleichzeitig als Vorlage für eigene Regeln dienen können.

Sind einmal Geräte, Automationen und Szenarien eingerichtet, sollte die Bedienung eines Smart-Home-Systems zweitrangig sein. Im Idealfall sorgen die Automatisierungen für einen reibungslosen Betrieb der smarten Technik. Im Test hat das mit Homee tadellos funktioniert. Die Beleuchtung wurde bei Bewegungserkennung in Abhängigkeit von Zeit und Helligkeit automatisch eingeschaltet, inklusive der Wahl eines bestimmten Farbtons und Intensität. Wichtig ist natürlich auch, dass sich die Beleuchtung wieder ausschaltet, sobald keine Bewegung registriert wird. Auch das hat funktioniert. Das Abschalten bestimmter Steckdosen, um etwa die Energieverschwendung im Standby-Betrieb zu minimieren, bewältigt Homee im Test ebenfalls problemlos.

Ein besonders Highlight ist das Tagebuch, das einen detaillierten Verlauf sämtlicher Ereignisse anzeigt. Anwender können dabei die Darstellung nach ihren persönlichen Wünschen gestalten und die Anzeige auf bestimmte Ereignisse eingrenzen. Die Filter-Optionen sind dabei sehr umfangreich, sodass Anwender schnell einsehen können, welche Ereignisse direkt über Homee oder etwa über Apple Homekit gesteuert wurden. Toll ist auch die Gruppierungsfunktion, mit der Nutzer Geräte zusammenfassen, aber auch Räumen zuordnen können.

Smartphone- und Web-App hinterlassen insgesamt einen positiven Eindruck. Smart-Home-Enthusiasten werden sich über die Vielzahl an Möglichkeiten bezüglich Regeln (Homeegramme) und Szenarien freuen. Auch die integrierte Backup-Funktion auf einen FTP-Server ist eine feine Sache. Im Notfall können Nutzer nach einem Reset die Konfiguration von Homee leicht wiederherstellen.

Anfänger könnten in Sachen Bedienung allerdings etwas überfordert sein, da die zahlreichen Möglichkeiten der Steuerung und Konfiguration nicht erklärt werden. Für jene ist beispielsweise Smart Home by Hornbach (Testbericht) dank zahlreicher Hilfestellungen in Form grafisch gut aufbereiteter Anleitungen deutlich besser geeignet.

Die Aktivierung des Homee-Skills für Amazon Alexa funktioniert ebenfalls ohne Probleme. Allerdings müssen Anwender hierfür nicht nur die Zugangsdaten angeben, sondern auch die Homee-ID. Neben Amazon Alexa unterstützt Homee auch den Google-Sprachassistenten.

Die Basis Homee Brain Cube, mit der WLAN-Komponenten gesteuert werden, kostet regulär 149 Euro. Bei Homee gibt es sie im Rahmen einer Rabattaktion gerade für 104,30 Euro. Die Zigbee- und Z-Wave-Erweiterungen sind aktuell für 91,30 Euro erhältlich. Das Starter-Set bestehend aus einem Brain Cube und einer Zigbee- oder Z-Wave-Erweiterung kostet 174,30 Euro. Um möglichst viele Smart-Home-Komponenten einzubinden, empfiehlt sich die Kombination aus Brain Cube, Zigbee- und Z-Wave-Erweiterung. Sie kostet insgesamt 264,90 Euro. Smart-Home-Komponenten auf Basis von Enocean sind anders als Zigbee- und Z-Wave-Devices nicht so verbreitet, sodass der Kauf der entsprechenden Homee-Erweiterung nur im Ausnahmefall lohnt.

Sämtliche Komponenten in einem Smart Home unter einer Oberfläche zu verwalten, bleibt auch weiterhin ein Traum. Homee bietet mit der Unterstützung aller im Smart Home relevanten Funkstandards zumindest eine gute Basis. Die zwar umfangreiche, aber doch begrenzte Unterstützung von Smart-Home-Komponenten zeigt aber, dass vor den Berlinern Entwicklern noch viel Arbeit liegt.

Mit dem letzten Update unterstützt Homee immerhin nun auch Geräte von Shelly. Die Release Notes versprechen für die Zukunft auch die Integration von Komponenten anderer, noch nicht unterstützter Hersteller. Das würde der Plattform gut zu Gesicht stehen. Denn sie bietet gerade in Sachen Datenschutz, komplexen Szenarien und der lokalen Ausführung von Regeln ohne Cloud-Zwang viele Vorteile und je mehr Produkte unterstützt werden, desto besser ist das. Insgesamt ist Homee eine leistungsfähige und zuverlässige Plattform, die sämtliche Szenarien eines Smart Homes abdeckt. In Sachen Kompatibilität punktet sie nicht mit Masse, sondern mit einer kleinen aber feinen Auswahl, die auch die Steuerung von Garagentoren und Türen von Hörmann, sowie Jalousien, Markisen und Rollläden von Warema WMS und Becker umfassen.

Während erfahrene Anwender mit der Bedienung von Homee keine Probleme haben dürften, könnten Anfänger wegen fehlender Hilfestellungen womöglich überfordert sein. Für jene sind andere Plattformen wie Smart Home by Hornbach (Testbericht), Samsung Smartthings (Testbericht) deutlich attraktiver. Für Smart-Home-Profis, die an einer möglichst breiten Kompatibilität und einer umfassenden, aber dennoch einfachen Steuerung gelegen ist, stellt Homey Pro von Athom (Testbericht) die bessere Wahl dar.

Mehr Informationen zu einer intelligenten Haussteuerung bietet unser Themenschwerpunkt Smart Home. Für Einsteiger ins Thema empfehlen wir unseren Ratgeber Smart Home: Auch mit wenig Geld zum Erfolg. Auch interessant: Elesion als günstige Smart-Home-Alternative von Pearl. Wer smart heizen will, sollte sich den Ratgeber Smarte Thermostate für Fußbodenheizungen durchlesen und die Bestenliste Top 10: Die besten smarten Heizkörperthermostate 2022 ansehen. Und wie man den Standby-Verbrauch von Geräten reduzieren kann, erklärt der Beitrag WLAN-Steckdosen in der Praxis: Modelle, Einsatzzweck, Preise. Und im Beitrag Bessere Luft: Smarte Raumluft-Sensoren für CO₂, Radon, Ozon, Feinstaub & Co erklären wir, wie man auf Basis smarter Sensoren das Raumklima verbessern kann. TechStage hat bislang folgende Smart-Home-Zentralen getestet:

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