Desktop-Laser Sculpfun S9 im Test: Graviert und schneidet Holz bis 10 mm

Sculpfun S9
Pro und Contra
  • einfacher Aufbau
  • tolle Gravur-Leistung
  • gute Schnitt-Leistung
  • kein geschlossenes Gehäuse
  • keine Endschalter
  • 5.0

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Der Sculpfun S9 verfügt dank besserer Fokussierung über mehr Power als die meisten günstigen Desktop-Laser. TechStage hat ihn getestet und verrät, warum uns das Modell so gut gefällt.

Neben 3D-Druckern, Schneidplottern und CNC-Fräsen sind auch Laser-Gravur-Geräte in Preisregionen angekommen, die sie für Privatanwender sehr interessant machen. Die zweiachsigen Laser brennen Texte oder Grafiken per Knopfdruck auf Holz, Bambus, Kork, Leder oder sogar Spiegel oder Fliesen. Die Leistung der aktuellen Modelle reicht sogar aus, um Materialien wie Pappe oder dünnes Holz präzise zu schneiden.

Allerdings sind Laser nicht gerade ungefährlich für die Augen, weswegen man während der Arbeit mit dem Gerät immer eine Schutzbrille tragen sollte. Hochpreisige Modelle verfügen zwar über einen geschlossenen Bauraum, der vor dem Laserlicht schützt – in der Einsteigerklasse mit großer Arbeitsfläche sucht man so ein Gehäuse aber vergeblich. Wir haben uns mittlerweile eine Umbauung inklusive Webcam und Abluftventilator gebastelt und sind damit sehr zufrieden.

Nach den Laser-Gravur-Geräten Laser Pecker (Testbericht), Twotrees Totem S (Testbericht) und Atomstack A5 (Testbericht) muss nun der Sculpfun S9 zeigen, was er in der Praxis leistet und ob sich der Mehrpreis zu den anderen Modellen lohnt. Das Gerät für diesen Test hat uns der Onlinehändler Banggood zur Verfügung gestellt.

Der S9 ist teurer als die bisherigen Desktop-Laser aus unseren Tests. Trotzdem arbeitet er lediglich mit einem vergleichbaren 5,5-W-Lasermodul. Die Fokussierung des Moduls wurde allerdings vom Hersteller verändert, was zu deutlich mehr Leistung beim Schneiden und Gravieren führen soll – was den Preis rechtfertigen würde.

Die Maschine hat im Lieferzustand einen Arbeitsbereich von 410 × 420 mm. Mit einem optional erhältlichen Ausbau-Set erreicht der Arbeitsbereich eine Größe von 950 x 410 mm. Damit können dann ganze Skateboards oder Tischplatten graviert werden. Zum Vergleich: Der Neje KZ schafft gerade einmal 38 × 38 mm, der Laser Pecker (Testbericht) schafft 100 × 100 mm und mit dem Totem S (Testbericht) sind bis zu 300 × 300 mm möglich.

Unser Testgerät wird als 90-Watt-Version angepriesen – dabei handelt es sich allerdings nicht um die Ausgangsleitung des Lasers. Diese erreicht, wie wir das bereits kennen, 5,5 W bei einer Wellenlänge von 455 nm. Im Vergleich zu den 1,6 Watt des Laser Pecker ist das immerhin schon ordentlich.

Der massive Metallrahmen des S9 ist gleichzeitig die y-Achse, auf der sich die x-Achse vor- und zurückbewegt. Der Laser-Kopf sitzt auf der x-Achse und vollführt auf dieser die Seitwärtsbewegungen. Da es sich um ein Lasermodul mit festem Fokus handelt, muss der Abstand zum Werkstück angepasst werden, um das volle Potenzial des Lasers auszuschöpfen. Das funktioniert mittels zweier Schrauben auf der Rückseite des Laserkopfs. Sind diese gelöst, wird das Lasermodul entlang der z-Achse auf und ab bewegt. Für den perfekten Abstand legt der Hersteller einen kleinen Abstandshalter aus Metall bei. Das Fokussieren funktioniert beim S9 ohne Werkzeug. Ganz so bequem wie beim Totem S mit nur einer Stellschraube ist die Lösung allerdings nicht. Trotzdem, diese Methode ist ein guter Mittelweg aus Komfort und Zuverlässigkeit.

Über Endstopps verfügt auch dieser Laser nicht. Schade, die waren uns auch schon beim Atomstack A5 und beim Totem S abgegangen. Wer regelmäßig die gleichen Teile fertigt, muss so bei jeder Nutzung Laser und Objekt neu ausrichten, oder die Endschalter in Eigenregie nachrüsten. Die Daten für Schnitt und Gravur bekommt der S9 per USB-Kabel vom PC. Ein Bestücken per Speicherkarte oder USB-Stick, ist nicht möglich.

Der Bausatz vom S9 kommt ordentlich verpackt in der Redaktion an. Im Inneren liegen die einzelnen Teile des Rahmens inklusive Schrauben und Werkzeug. Auch der vormontierte Laser-Kopf, ein USB-Kabel, einige Musterstücke zum Gravieren und eine knappe Anleitung liegen im Karton. Die Schrauben sind nach den Schritten in der Anleitung geordnet verpackt. Die einzelnen Teile sind alle ordentlich verarbeitet und hinterlassen einen wertigen Eindruck.

Das Montieren des zweiachsigen Desktop-Lasers kostet uns im Test knapp 20 Minuten. Die Anleitung inklusive der Bebilderung ist insgesamt zwar nicht erstklassig, aber völlig ausreichend, um den Laser aufzubauen.

Nach dem Aufbau braucht man zunächst einen geeigneten Platz für den Laser. Neben ausreichend Fläche, einem feuerfesten Untergrund und einem Stromanschluss, sollte es auch eine Möglichkeit zum Lüften geben. Wer Haustiere oder Kinder zu Hause hat, sollte außerdem dafür sorgen, dass diese keinesfalls Zugang zum Laser haben, solange er in Betrieb ist. Wie bereits erwähnt, steht der S9 bei uns in einer abgeschlossenen Kiste mit aktiver Lüftung.

Ein Brett unter dem Laser sorgt nicht nur für Schutz von Boden oder Tischplatte, es dient obendrein als Positionierungshilfe. Vor der Gravur zeichnen wir dazu passgenau einen Rahmen um unser Motiv und brennen diesen in das Holzbrett. So sehen wir, wo genau wir unser eigentliches Werkstück platzieren müssen. Alternativ kann man die Positionierung bestimmen, indem man den Laser einen Rahmen um das Objekt abfahren lässt.

Statt auf die grüne und sehr unbequeme mitgelieferte Brille, greifen wir auf unsere private Sicherheitsbrille zurück. Zwar sollte die im Lieferumfang enthaltene grüne Kunststoffbrille gegen das Laserlicht schützen, allerdings empfanden wir das Modell schon beim Totem S als zu klein und entsprechend unbequem. Da der S9 bei uns in einer geschlossenen Box arbeitet, brauchen wir die Brille mittlerweile gar nicht mehr und nutzen stattdessen eine Webcam zur Beobachtung des Arbeitsfortschrittes. Grundsätzlich ist bei der Arbeit mit Lasern immer Vorsicht angesagt! Die Benutzung eines so starken Lasers ist nicht ohne Risiko. Ob man dieses eingeht, muss man selbst entscheiden.

Der S9 ist für erfahrene Anwender aus dem 3D-Druckbereich und für Nutzer mit ausreichend technischem Grundverständnis sehr einfach zu bedienen. Schon die ersten Tests mit dem Totem S verlaufen äußerst zufriedenstellend. Das Gravieren von Holz, Leder und einer lackierten Fliese funktioniert einwandfrei. Die Tiefe der Gravur zeigt bereits hier, dass der S9 mehr Power als die bisher getesteten Desktop-Laser hat. Der 5,5-Watt-Laser macht, wenn er korrekt fokussiert ist, einen exzellenten Job. Umrisse und Details sind knackscharf und spürbar ins Holz eingebrannt.

Auf dem benutzten 2 bis 3 mm starken Bastelholz sind Kontraste und Graustufen gut zu erkennen und zu unterscheiden. Wir testen für die Gravur Geschwindigkeiten zwischen 800 und 2000 mm/min und 30 bis 80 Prozent Leistung. Während wir beim Totem S für Grafiken mit 1200 mm/min und 60 Prozent ausgezeichnete Ergebnisse erzielt haben, reichen uns beim S9 2000 mm/min bei 55 Prozent Leistung. Wer es eilig hat, kann noch schneller fahren, aber das geht zulasten der Qualität.

Wirklich spannend ist, wie gut der S9 schneidet. Der Totem S hatte hier schon ordentlich abgeschnitten, also sind unsere Erwartungen an den teureren S9 hoch. Sculpfun bewirbt den Laser mit einer Schnittleistung von bis zu 15 mm bei Holz und bis zu 10 mm bei schwarzem Acrylglas. Das erscheint uns vor den Tests sehr hochgegriffen, schließlich kommen andere 5,5-W-Laser schon bei 3-mm dickem Sperrholz an ihre Grenze.

Um es gleich vorwegzusagen: Der Laser hat uns nicht enttäuscht.

2 mm dickes Bastelholz schneidet der S9 bei 280 bis 300 mm/min und einer Leistung von 80 Prozent in nur einem einzigen Durchgang. Sehr beeindruckend und eine extreme Zeitersparnis gegenüber anderen Modellen. Mit dem Totem S sind hier etwa drei bis fünf Durchgänge notwendig. Mit dem A5 waren sogar zehn und mehr Durchläufe nötig. Das anspruchsvollere 3-mm-Sperrholz schneidet der S9 mit identischen Einstellungen in insgesamt drei Durchgängen. Zwar kommt der Laser stellenweise auch schon nach dem zweiten Durchlauf durch das Material, aber eben nicht durchgehend. Hier könnte man noch mit Tempo und Laserpower herumexperimentieren.

Wir benutzen dann auch das beigelegte Musterholz mit einer Stärke von 10 mm. Hier braucht der S9 mit 280 mm/m bei 80 Prozent Leistung gerade einmal fünf Durchgänge! Das erscheint uns unrealistisch. Das muss am beigelegten Musterholz liegen. Dieses ist sehr weich und so tut sich der Laser entsprechend leicht. Wir holen uns also 10 mm dickes Pappelsperrholz aus dem Baumarkt und starten einen erneuten Versuch. Und siehe da, es liegt am Holz. Mit fünf Durchgängen ist beim Baumarktholz kein Durchkommen möglich. Zu unserem Erstaunen reichen aber auch hier schon acht bis neun Durchgänge und das Holz ist sauber geschnitten. 15 mm Holz und schwarzes Acrylglas hatten wir leider nicht zur Verfügung. Aber mit etwas mehr Power, langsamer Geschwindigkeit und ein paar mehr Durchläufen erscheinen uns die Herstellerangaben realistisch.

Schneiden und Gravieren von Leder funktioniert ebenfalls prima. Allerdings sind Rauch- und Geruchsentwicklung extrem unangenehm und so waren wir froh, eine aktive Lüftung in der Laser-Box zu haben. Wir haben zwar nur wenige Versuche mit Lederresten gemacht, aber insgesamt sehr ordentliche Ergebnisse erzielt. Hier ist allerdings deutlich weniger Power nötig als bei der Arbeit mit Holz oder Schiefer.

Wer plant Kunststoffe zu gravieren oder zu schneiden, muss sich vorher unbedingt über die Materialeigenschaften informieren. Bei vielen Kunststoffen entstehen beim Lasern krankheitserregende Stoffe, die keinesfalls ein die Lunge geraten dürfen.

Bei der von Sculpfun empfohlenen Software handelt es sich auch beim S9 um die das kostenlose Programm LaserGRBL. Diese funktioniert zwar, wir finden die Software allerdings weder übersichtlich noch intuitiv. Als Alternative nutzen wir deshalb schon seit einiger Zeit die ebenfalls vom Hersteller empfohlene Software Lightburn. Das Programm kostet etwa 50 Euro, ist aber kostenlos als Testversion für 30 Tage nutzbar. Wer sich für den Kauf eines Laser-Engravers entscheidet, sollte dieses Budget für Software zusätzlich einplanen.

Nach dem Start der Software und Konfiguration der Arbeitsfläche wird lediglich noch die Startposition des Lasers eingestellt. Schon kann der erste Arbeitsvorgang starten. Es folgt der Import der gewünschten Vorlage, einer Pixel- oder Vektorgrafik und die Anpassung von Größe und Position. Lightburn unterstützt neben JPEG, TIFF oder DXF auch zahlreiche andere Formate.

Wir positionieren zunächst Grafik und Spanholzplatte und passen dann die Einstellungen für Geschwindigkeit und Laser-Leistung an. Nun starten wir den Laser, der Motiv abfährt und es dabei in die Oberfläche einbrennt. Während kleine Schriftzüge nach ein paar Minuten fertig sind, dauern größere Grafiken auch schnell mal mehrere Stunden. Wie lange der gesamte Prozess dauert, ist auch von den eigenen Settings abhängig.

Schneller geht das Gravieren mit Vektorgrafiken, die der Laser einfach abfährt. Pixelgrafiken (JPEG) werden hingegen zeilenweise abgefahren. Das dauert deutlich länger, weshalb man Schriften oder Logos aus Zeitgründen unbedingt im Vektorformat verarbeiten sollte. Eine Software zum Erstellen solcher Grafiken ist etwa das kostenlos nutzbare Inkscape. Dieses hilft auch beim Umwandeln von JPEG in Vektorgrafik.

Um das Lasermodul zu entlasten und so eine möglichst hohe Lebensdauer zu erreichen, sollte der Laser möglichst selten mit den vollen 100 Prozent arbeiten. Wir benutzen den Laser mit maximal 80 Prozent Leistung.

In Deutschland kostet der Sculpfun S9 etwa 400 bis 500 Euro. Hinsichtlich der enormen Leistung empfinden wir das als gerechtfertigt. Ehrlicherweise sollte man allerdings noch etwa 50 Euro für die Software Lightburn mit einberechnen.

Leider ist der S9 derart gefragt, dass es zu teils langen Lieferzeiten kommen kann.

Geekmaxi ruft etwa einen Preis von 298 Euro auf. Geliefert wird aus einem EU-Lager – allerdings ist das Modell ausverkauft und mit der Lieferung wird aktuell erst Ende März 2022 gerechnet. Bei Banggood ist der Sculpfun S9 für 307 Euro inklusive Steuern und Gebühren bestellbar. Allerdings ist der Laser aktuell auch dort vergriffen. Bei Geekbuying ist das Modell ebenfalls nicht vorrätig, aber schon für 285 Euro aus dem EU-Lager vorbestellbar.

Bei Tomtop ist der S9 zumindest im chinesischen Lager vorrätig. TomTop verlangt für den S9 326 Euro.

Der Sculpfun S9 ist ein toller Laser-Engraver und mit erstaunlicher Schnittleistung. Wer tatsächlich mit einem Laser schneiden will, bekommt hier ein ausgezeichnetes und zuverlässiges Werkzeug zu einem fairen Preis. Durch die neuartige Fokussierung ist der S9 anderen ähnlich starken Lasern in Sachen Schneideleistung deutlich überlegen.

Geht es um das Gravieren von Holz, können Atomstack A5 oder Twotrees Totem S zwar locker mithalten, spätestens beim Schneiden ist der S9 aber um Welten voraus. Eine Schnittleistung von über 10 mm ist bei einem Dioden-Laser erstklassig. Hier gibt es aktuell nur ein bis zwei Konkurrenzmodelle, die ein ähnliches Preis-Leistungs-Verhältnis versprechen. Der S9 hat in den zahlreichen Gravur- und Schnitttests mit großartigen Ergebnissen und großer Zuverlässigkeit überzeugt. Selbst das Schneiden von günstigem Sperrholz aus dem Baumarkt mit bis zu 10 mm funktioniert erstaunlich problemlos.

In der Praxis stören uns der nicht markierte Nullpunkt und das offene Gehäuse. Zudem ist die beigelegte Brille etwas zu klein und daher unbequem.

Auch der kleine und nur zum Gravieren geeignete Laser Pecker (Testbericht) hatte uns begeistert, allerdings störte dessen kleiner Arbeitsbereich. Der A5 (Testbericht) bietet mit 410 × 400 mm ähnlich viel Platz, dafür ist er aber nicht zum Schneiden geeignet. Der Totem S (Testbericht) ist mit einer Arbeitsfläche von 300 x 300 mm etwas kleiner und hat eine insgesamt deutlich niedrigere Schnittleistung.

Wer Holz bearbeiten möchte, sollte zusätzlich einen Blick in unsere Ratgeber zu Sägen und Schleifgeräten ansehen.

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