Creality Ender 3 S1 Pro im Test: Jetzt für 340 statt 515 Euro

Creality Ender 3 S1 Pro
Pro und Contra
  • einfacher Aufbau
  • tolle Druckergebnisse auch mit exotischem Filament
  • gute Haftung
  • hoher Preis
  • mäßige Bauteilkühlung
  • keine Einhausung
  • 5.0

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Der Ender 3 ist zu Recht einer der beliebtesten 3D-Drucker überhaupt. Mit dem S1 Pro bekommt er einen großen, starken Bruder, der alles so gut macht wie das Original – und dank Hochtemperatur-Extruder auch exotische und besonders stabile Kunststoff-Filamente wie TPU, Nylon und Polycarbonat druckt.

Der Ender 3 (Testbericht) ist der Klassiker unter den 3D-Druckern. Seit 2018 bietet Creality den günstigen Bausatz-Drucker an, der mit seiner schlichten, aber effektiven Konstruktion ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis erreicht. Auch weil das komplette Gerät unter Open Source steht, entwickelte es sich zum Bestseller und Community-Liebling, für den es inzwischen hunderte Tuning-Teile und Verbesserungsmöglichkeiten gibt. Schon der überarbeitete Creality Ender 3 V2 (Testbericht) ist günstig, bietet eine für den Preis hervorragende Druckqualität und ist in nur 25 Minuten aufgebaut. Die zweite Version des Bestsellers brachte viele Verbesserungen im Detail.

Der Creality Ender-3 S1 Pro ist eine Neuauflage der Ender-3-Serie. In der dritten Generation wurden von Creality einige Komponenten komplett überarbeitet oder neu konstruiert. So wurde aus dem Ender-3 S1 Pro ein kleiner Industriedrucker. Seine Ausstattung liest sich wie der Wunschzettel eines 3D Spezialisten: Ein starkes 24-Volt-Netzteil mit 350 Watt, ein Direct-Drive-Dual-Gear-Extruder, Cr-Touch-Auto-Bed-Leveling, doppelte synchronisierte Z-Achsenführung, PEI beschichtetes Druckbett aus Federstahl, Riemenspanner, 32-Bit-Mainboard mit leisen TMC-Motortreibern und einem schicken User-Interface auf dem farbigen 4,3-Zoll-Touchscreen. Viel Benutzerkomfort gepaart mit Hochleistungskomponenten können den Ender-3 S1 Pro auf die Spitze des Olymps bringen.

Der momentane Preis von über 500,- Euro ist aber nicht ohne, da sollte auch gleich ein Vergleich zu der Standardversion des Ender 3 S1 für etwa 400 Euro und dem mehrjährigen Top-Ten-Platzhalter Ender 3 V2 für gute 200 Euro gezogen werden – was wir am Ende des Artikels tun.

Der Bausatz des Druckers besteht aus zwei großen Rahmenteilen, an denen schon alle mechanischen Teile vormontiert sind. Besonders schick: die Nahtstelle, auf der die Enden des oberen U-Rahmens aufgesetzt werden, ist aufwendig mit einer CNC Fräse glatt gezogen. So sitzen die Stutzen nahtlos auf dem Rahmen des unteren Chassis.

Der obere U-Rahmen wird auf diese Nahtstelle des unteren Chassis aufgesetzt und mit zwei Schrauben fixiert. Danach noch das 4,3´ Zoll große Touchdisplay anbringen und den Filamentrollenhalter anklipsen. Nun den Kabelbaum mit den oberen Motoren paaren, die Z-Motoren am unteren Ende des U-Rahmens mit den Kabelenden des Chassis verbinden und den Touchscreen anschließen. Der Sprite-Extruder-Pro wird lediglich mit fünf Schrauben an der linken Seite mit dem Zugschlitten verankert.

Erstens ist das eine einfachere, schnellere Montage als bei Vorgängermodellen, zweitens kann so der Druckkopf schneller durch das CV-Lasermodule mit 24V und 1.6 W ausgewechselt werden. Dieses ist nicht im Lieferumfang enthalten und kann für 80 Euro optional gekauft werden. Einen ausführlichen Bericht dazu werden wir noch veröffentlichen.

Nach der Fertigstellung gilt abermals die goldene Bausatzregel für 3D-Drucker: Alle Teile auf stabilen Halt und korrekte Ausrichtung prüfen. Bewegliche Teile sollte man zusätzlich auf einen stabilen, ruhigen Lauf checken. Vor allem Druckkopf, Druckschlitten und Riemen sitzen ab Werk oft zu locker. Dort einfach an den Zentriermuttern der kugelgelagerten Nylonrollen bzw. Riemenspanner nachjustieren.

Ist dies alles überprüft muss man nur noch den Drucker einschalten, die vollautomatische Druckbettvermessung starten, das Filament einführen, die SD-Karte einlegen und den ersten Testdruck starten.

Auf dem mitgelieferten USB-Stick sind Bedienungsanleitungen in neun verschiedenen Sprachen und der Creality Slicer enthalten. Die hauseigene Software hat dabei große Ähnlichkeit mit dem bekannten Slicer Cura. Ein Druckerprofil für den Ender 3 S1 Pro zur Nutzung mit anderer Software und zwei Tutorial-Videos sind ebenfalls gespeichert. Auf dem einen Video ist das klassische 4-Punkt-Leveling mit Papier zu sehen. Der andere Clip begleitet den Zuschauer durch den kompletten Aufbau des Ender-3 S1 Pro in englischer Sprache.

Die Benutzeroberfläche auf dem 4,3-Zoll-Touchscreen ist übersichtlich aufgebaut und modern. Der Nutzer findet im Printing-Modus, alle wichtigen Einstellungen, die zu Beginn eines Druckes verfügbar sein müssen: Düsentemperatur, Heizbetttemperatur, Geschwindigkeit und vor allem Z-Offset, der Abstand von Düse zu Druckbett. Im Off-Modus des Druckers können noch unzählige weitere Werte geändert werden. Es ist erstaunlich, dass sich selbst bei einem so hoch entwickelten Gerät noch ein paar sehr unglückliche Übersetzungen genutzt werden. So gibt es bei den Advanced-Settings die eigentlichen Grundeinstellungen, wie die Grenzen des Druckbettes, Motorsteps und Pit-Tuning. Unter dem Menüpunkt „Bereit“ können dann Heizwerte und Z-Offset abgeändert werden.

Der Rahmen ist stabil und insgesamt sehr präzise gefertigt. Das untere Chassis ist komplett in einem Kunststoffkasten eingearbeitet. In diesem befindet sich ein großes Ausziehfach für Kleinteile. Das Innenleben ist unauffällig, das 32-Bit-Mainboard ist mit leisen TMC-Steppermotoren bestückt. Als Druckoberfläche hat Creality für die Pro-Variante das PEI beschichtete Federstahlblech gewählt. Mit diesem lassen sich die Drucke durch einfaches Biegen nach dem Abkühlen leicht entfernen. Die raue PEI Kunststoffoberfläche bietet mehr Grip für Kunststoffe, die zu starkem Schrumpfen neigen. PEI-Kunststoff bietet selbst für stark warpende Materialien einen guten Untergrund, aber ohne Haftmittel funktioniert es trotzdem nur bei sehr kleinen Bauteilen. Für alle Materialien außer PLA und PETG empfehlen wir zusätzlich das Haftmittel Magigoo zu verwenden.

Der farbige Touchscreen mit seinen abgekanteten Phasen sieht zeitgemäß aus und ist übersichtlich aufgebaut. Der kugelgelagerte Filamenthalter kann bequem, mit wenig Aufwand, auf das Aluprofil aufgeklipst werden. Die Position kann man selber festlegen. Der Filamentsensor hat zwei um 90 Grad gewinkelte Verbindungen und ist somit leichtgängig in alle Richtungen. Außerdem besitzt der Ender-3 S1 Pro Riemenspanner für die X- und Y-Achse. Die doppelte Z-Achsenführung ist zusätzlich am oberen Ende mit einem Riemen verbunden, was zu einer gleichmäßigeren Z-Hebung führt. Zusätzlich ist ein Handgriff für das Druckbett vorhanden. Am oberen Ende sitzt ein LED-Lichtbügel, so bekommt das meditative Beobachten der Druckbewegungen eine ganz neue Qualität.

Die Standardvariante des Ender 3 S1 besitzt lediglich ein 4,3-Zoll-Display mit alter Menüstruktur und Drehrad statt Touch-Funktion. Als Druckplatte dient eine einfache Polycarbonat-Druckauflage, die mit einem Federblech verklebt ist. Diese Druckoberfläche ist bekannt von älteren Modellen der Ender-5-Reihe (Testbericht). Sie ist zwar höher im Verschleiß, bietet bei etwas niedrigeren Kosten aber sehr gute Haftung. Dies alles ist eher Geschmacksache, der große Unterschied ist der zwischen Creality-Sprite-Extruder und dem Creality-Sprite-Extruder-Pro.

Der neu entwickelte Extruder überträgt seinen Anpressdruck auf zwei ineinandergreifende Zahnräder, die das Filament mit bis zu 80 N ins Hotend schieben. Durch die 1:3,5-fache Übersetzung und den kurzen Weg zu dem Hotend sollte er so jedes Filament fest im Griff haben. Das Gewicht des Extruders liegt bei 210 Gramm und dessen Bauteilkühler sitzt in einem schicken Gehäuse aus Edelstahlblech. Von der rechten Seite kann der Anpressdruck über eine kleine Öffnung verändert werden.

Der maßgebliche Unterschied zwischen den zwei beiden Extruder-Varianten ist die Heatbreak. Diese kleine Röhre verbindet Cold- und Hotend miteinander und ist in der Mitte besonders dünn, um möglichst wenig Wärme von dem Heizblock nach oben ins Coldend weiterzugeben. Bei der Standardversion ist es ein Stahlzylinder in dem ein kleines Teflon Röhrchen sitzt, bei der Pro Variante ist diese Heatbreak komplett aus Titan gefertigt. Doch was ist besser? Nun da scheiden sich die Geister, manche sagen Teflon-Tubes sind für PLA, PETG besser geeignet, da höhere Retractwerte gefahren werden können. Sprich, das Teflon-Inlay strahlt weniger Wärme ab und isoliert das Filament besser vor der Abwärme. Das verspricht höhere Retractwerte, weniger Spinning, schönere Drucke. Das Titan Inlay, auch All-Metal-Hotend genannt, ist allerdings für alle Materialien ab 260 Grad Celsius die einzige Wahl, da sich Teflon ab diesem Temperaturwert zersetzt.

Wir haben an vielen 3D-Druckern festgestellt, dass sich dieses kleine Teflonstück mit der Zeit durch den wiederholenden Retract-Vorgang ausweitet. Dadurch entstehen erst unsaubere Drucke und schlussendlich ein Düsenverschluss. Nach unserer Meinung ist der Sprite Pro Extruder wartungsfreier, vorausgesetzt die richtigen Einstellungen sind gefunden.

Der Ender 3 S1 Pro hat uns das bis dato schönste Benchy aus flexiblen TPU gedruckt. Das Druckbild zeigt fast kein Spinning und einen sehr gleichmäßigen Verlauf. Hier hat sich die Entwicklung eines neuen Extruders mit kurzem Weg zwischen Extruder und Cold End auf jeden Fall gelohnt. Dagegen hat der Ender 3 S1 Pro bei hohen dünnen Spitzen mit PLA nicht gut abgeschnitten. Creality hat beim Extruder auf einen einzelnen Axiallüfter gesetzt. Auf jeden Fall eine schicke Lösung, aber eben nicht sehr effizient. Die stärkste Bauteilkühlung und die somit schönsten Abschlüsse haben wir ausschließlich bei Druckern mit mehreren Radiallüftern gesehen.

Zusätzlich haben wir anspruchsvolles ABS-PC-Filament verdruckt. Dieses Material braucht mindestens 280 Grad an der Düse und mindestens 100 Grad auf dem Druckbett – besser noch mehr. Hier hatten wir allerdings ohne Einhausung keine Chance gegen das starke Warping und so sind hier keine vorzeigbaren Ergebnisse entstanden.

Danach wurde noch eine Wand mit ASA-Filament gedruckt. Diese hat der Ender3 S1 Pro gut und problemlos umgesetzt. Das Druckbild ist insgesamt sehr ordentlich.

Im Großen und Ganzen arbeitet der neue Ender 2 S1 Pro sehr sauber ­– bis auf Kleinigkeiten, die aber auf nicht optimale Slicer-Einstellungen zurückzuführen sind. Die große Stärke ist aber nicht allein das gute Druckbild, sondern die Tatsache, dass der Creality Ender 3 S1 Pro viele Materialien, darunter auch Exoten wie Nylon und TPU, gut in den Griff bekommt.

Mit regulär über 500 Euro ist der Creality Ender 3 S1 Pro nicht günstig – aber jeden Cent wert - zumindest, wenn mehr als nur Standard-Filament gedruckt werden soll. Im Creality Store findet man den Drucker für 529 Euro. Bei Geekbuying erhält man den Drucker zum bisherigen Bestpreis von 340 Euro mit Code NNNE3S1PRO1111 und Zahlung via Paypal. Der Versand findet aus dem tschechischen Lager des Shops statt.

Der neue Ender 3 S1 Pro ist ein toller Drucker, der selbst anspruchsvolles Filament gut verarbeitet. Die breite Materialpalette, kurze Aufheizzeiten und ein tolles Druckbild sprechen klar für den neuesten Ender 3. Doch wie schneidet er gegen die anderen Modellvarianten ab?

Der Ender 3 V2 für etwa 200 Eurist ebenfalls ein toller und empfehlenswerter FDM-Drucker. Wer allerdings mehr Bedienkomfort und aktuellere Technik möchte, der sollte sich den Ender 3 S1 anschaffen. Wer den neuesten Stand der Technik sein Eigen nennen will und auch mal Projekte mit Hochleistungskunststoffen, wie Nylon und Polycarbonate realisieren will, der sollte sich den Ender-3 S1 Pro gönnen und am besten nochmal 80 Euro für eine Einhausung drauflegen. Dann sind auch Materialien wie ABS kein Problem.

An anderer Stelle zeigen wir 3D-Drucker mit großem Bauraum, und wer vor allem an kleinen Druckerzeugnissen mit sehr hoher Qualität interessiert ist, sollte sich mit den Flüssig-Harz-3D-Druckern auseinandersetzen.

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