Commodore CVR 300
Pro und Contra
  • sehr gute Navigationsleistung
  • gute Reinigungsleistung
  • ordentliches Gesamtpaket
  • kein Alleinstellungsmerkmal außer "Kultmarke"
  • 4.0

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Drei Saugroboter sind unter dem Kult-Namen Commodore auf den Markt gekommen. Wir haben uns das Topmodell mit Laser-Navigation, starkem Akku und App-Steuerung angeschaut.

Wem die Computer C64 und Amiga 500 etwas sagen, der dürfte beim Namen Commodore aufhorchen, denn dabei handelte es sich um den Hersteller der seinerzeit führenden und für viele Menschen prägenden Kult-Rechner. Seit 1994 gibt es das Hauptunternehmen nicht mehr, stattdessen wurden die Markenrechte immer weiter herumgereicht. Inzwischen hat sie die österreichische KSR-Group erworben, die vor allem namenhafte Zweiradmarken wie Royal Enfield, Benelli und NIU vertreibt. Die neuesten Produkte sind aber entgegen des kultigen Commodore-Brands weder Heimcomputer noch Zweiräder, sondern Saugroboter. Topmodell ist der CVR 300, der mit besonders langer Saugdauer überzeugen soll. Wir haben uns das Gerät im Test angeschaut.

Beim Design geht Commodore beim CVR 300 auf den ersten Blick gewohnte Wege: Das Gerät ist rund, bietet eine lange Seitenbürste vorne rechts, verfügt über den typischen Frontbumper und einen mittig oben platzierten Laserturm. Der verfügt über einen eigenen Mikroschalter, mit dessen Hilfe der Sauger erkennt, wenn er beim Unterfahren von Möbeln am Turm hängenbleibt. Im Gegensatz zum restlichen Korpus ist die Turmoberfläche chromglänzend mit feiner Riffelstruktur in filigranen Kreisbahnen gehalten. Der Rest des Roboters weist ein dezentes Hellgrau auf. Dabei könnten einige Interessenten genau dieses Grau 90er-Jahre-mäßig piefig, andere als Retro-schick empfinden. An der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen.

Positiv wirkt sich hier die Glasoberfläche ähnlich wie beim Lenovo T1 Pro (Testbericht) aus. Im Gegensatz zu den meisten Saugrobotern wird beim Commodore-Modell nicht eine Kunststoffabdeckung hochgeklappt, um dann den Staubbehälter entnehmen zu können, sondern die Glasplatte ist fest installiert. Der Staubbehälter wird stattdessen hinten aus dem Roboter entnommen, zum zusätzlichen Wischen wird an dieser Stelle auch der einfache Staubbehälter gegen einen etwas Kleineren mit zusätzlichem Wassertank und Wischtuchaufnahme getauscht.

Die KSR-Group verspricht, dass sich die Commodore-Saugroboter an Menschen richten, "die bislang Berührungsängste [mit Technik wie von Saugrobotern] haben und so einen einfachen Zugang in das Zukunftsthema Smart Home" bekommen. Das sieht man beim Lieferumfang immerhin durch eine beiliegende Fernbedienung, über die die wichtigsten Grundfunktionen des Saugers gesteuert werden können – auch, wenn man kein Smartphone besitzt und entsprechend keine App verwenden kann oder möchte. Der Rest ist eher Standard: Neben einer Gebrauchsanweisung in Papierform und gutem Deutsch finden sich ein Ersatzfilter, eine Ersatz-Seitenbürste, eine Ladestation mit Kabelmanagement, ein Erstatz-Wischtuch sowie ein Tauschbehälter, der zusätzliches Wischen ermöglicht.

Beim Anlernen des Roboters scheint diese Einfachheit für weniger technikaffine Menschen wieder vergessen. Zumindest reicht hier in der App nicht ein einfacher Klick auf neues Produkt hinzufügen, sondern Nutzer müssen zusätzlich manuell in das WLAN-Netzwerk des Roboters wechseln, damit eine Verbindung stattfinden kann. Das machen manche Hersteller besser, etwa durch die zusätzliche Verwendung von Bluetooth, über die Verbindungen automatisch hergestellt werden. Immerhin funktioniert der Weg von Commodore fehlerfrei und die zu absolvierenden Schritte sind gut beschrieben und klappen auf Anhieb. Außerdem versteht sich der CVR 300 sowohl auf 2,4 GHz-WLANs als auch auf 5 GHz – das stellt eine Fehlerquelle weniger und zudem mehr Flexibilität bei der Nutzung dar.

Die App ist auch sonst selbsterklärend. Sie beinhaltet alle wesentlichen Funktionen, die auch von der Konkurrenz bekannt sind. Dazu gehören Spot-Reinigung, Bereichsreinigung, automatische und anpassbare Raumerkennung- und Kartografierung, das Einrichten von NoGo-Zonen und virtuellen Grenzen sowie das Erstellen von Zeitplänen für eine automatische Reinigung. Zudem lassen sich hier Firmware-Updates herunterladen, ein Nicht-Stören-Modus aktivieren, der die deutschen Sprachansagen des Roboters deaktiviert oder eine Verknüpfung mit Google Home oder Amazon Alexa erstellen. Letzteres sagt zumindest der Hersteller, eine passende Funktion dafür konnten wir in der App nicht finden - auch nicht im Handbuch oder auf der Herstellerseite.

Das gilt auch für eine automatische Teppicherkennung, stattdessen darf der Nutzer lediglich Saugkraft und Wasserzufuhr in drei Schritten anpassen – das ist nicht sehr zeitgemäß. Davon abgesehen ist die App übersichtlich und selbsterklärend. Sie funktioniert normalerweise schnell und gut und die Live-Darstellung der Reinigung punktet mit recht wenig Zeitverzug.

Bisweilen gibt es einige Sekunden lang einen Hänger bei der Ausführung von Befehlen, dann kommt meist der Hinweis, dass keine Verbindung zum Netzwerk hergestellt werden kann. An unserer Testumgebung sollte das eigentlich nicht liegen, vielleicht gibt es hier noch Optimierungsbedarf für den Hersteller. Das gilt auch für einige wenige Punkte in der App, an dem noch ein ziemliches Durcheinander herrscht. So gibt es einen Punkt namens „Ob ihr Roboter mit einem WLAN-Netzwerk verbunden ist“. Klickt man ihn an, folgen offenbar vier Vorschläge, wie man das sicherstellen können soll. Klickt man sie an, verstecken sich dahinter englischsprachige Tipps zur Fehlerbehebung – gerade für Menschen mit „Berührungsängsten“ dürfte das wenig hilfreich sein. Ebenfalls nacharbeiten sollte der Hersteller bei dem Punkt „Über uns“. Wer dort anschließend auf „User Agreement“ klickt, soll offenbar über den Browser zu einer entsprechenden Seite gelotst werden. Stattdessen bekommt der Nutzer einen 404-Seitenladefehler.

Gute Reinigungsleistung resultiert aus ordentlicher Navigation durch die Wohnung und starker Saugleistung. Beim Punkt Navigation hinterlässt der Commodore CVR 300 einen sehr guten Eindruck. Räumlichkeiten werden wie von Laser-navigierten Geräten gewohnt schnell und präzise vermessen, Hindernisse meist sehr schonend angefahren und dank zusätzlicher Nahbereichssensoren eng umkreist. Festgefahren hat sich der Roboter im Test auch in schwieriger Umgebung nicht, die Präzision beim Abfahren der Ränder ist ebenfalls sehr hoch. Dank Absturzsensoren erkannte der Sauger im Test Treppenabsätze und fiel entsprechend nicht hinunter. Sowohl auf Hartboden als auch auf mittelhohem Teppich schlug sich das Testexemplar vorbildlich.

Bei der Reinigungsleistung können wir ebenfalls nur Positives berichten. In unserem Testparcours mit Hartboden, kurzflorigem Teppich und mittellangem Flauschteppich fand der Sauger in Ermanglung einer automatischen Teppicherkennung im mittleren Modus 37 der 50 Gramm Testschmutz, bestehend aus 20 Gramm feinem Vogelsand und 30 Gramm Vogelfutter. Grund für die gute Reinigungsleistung dürfte die stark gedrehte Hauptbürste mit einem Wechsel aus Borsten und Gummilamellen sein. Damit kommt der Sauger zwar nicht ganz an Spitzenmodelle wie einen Roborock S7 (Testbericht) oder unseren Preis-Leistungssieger Xiaomi Dreame D9 (Testbericht) heran, schlägt sich aber ordentlich. Im mittleren Modus entwickelt er nach Herstellerangaben 1500 der maximalen 2600 Pascal Saugleistung und kam auf rund 63 Dezibel Lautstärke. Auf Maximalstufe erfasste unser Messgerät rund 70 Dezibel.

Die Entnahme des Staubbehälters am hinteren Ende des Roboters ist zwar nicht ganz so praktisch wie bei der Konkurrenz, bei der der obere Deckel hochgeklappt werden kann und dann direkten Blick auf den Behälter gewährt. Insgesamt funktioniert das aber auch beim Commodore CVR 300 problemlos. Beim Entleeren des Behälters zeigt sich allerdings eine nicht ganz durchdachte Konstruktion. Sie sorgt mit hohen Überhängen und niedriger Bauform des Behälters dafür, dass Haare nur unter Zuhilfenahme der Finger entfernt und Sand und Krümmel nur nach längerem Geschüttel nahezu rückstandsfrei im Mülleimer oder daneben landen. Das machen einige Konkurrenten deutlich besser und offenbar hatte Commodore hier auch eine bessere Lösung geplant - das Handbuch zeigt einen großflächig zu öffnenden Behälter, der es offensichtlich allerdings nicht ins Endprodukt geschafft hat.

Die Wischfunktion erhält der CVR 300 durch den Wechsel des normalen Staubbehälters gegen den im Lieferumfang befindlichen mit Wischauflage. Dabei wird das Staubbehältervolumen auf 0,24 Liter halbiert, zusätzlich nimmt der zweite Tank dann 0,26 Liter Wasser auf. Das Wischtuch wird wie bei den meisten Modellen einfach nur unter dem hinteren Ende des Saugers hergezogen. Daher stellt das unserer Meinung nach bestenfalls Staubwischen dar und wir haben diese eher überflüssige Funktion nicht weiter getestet.

5200 mAh leistet der Akku des Commodore CVR 300, damit soll er bis zu 200 Minuten am Stück reinigen. Das gilt sicherlich nur für den Eco-Modus, im mittleren Standardmodus reicht das eher für 60 bis 80 Minuten. Als grobe Faustformel darf beim CVR 300 gelten: 1 Prozent Akku entspricht 1 m² Reinigungsfläche in etwa 1 Minute. Entsprechend reicht das Modell auch für größere Haushalte mit 150 Quadratmetern, die im Normalfall durch Möbel und andere Hindernisse echte 100 Quadratmeter Reinigungsfläche bieten dürften. Bei noch größeren Flächen fährt der Sauger zurück zur Ladestation, lädt bis zu 5 Stunden nach und setzt dann die Reinigung fort.

Die UVP des Herstellers liegt beim Commodore CVR 300 bei 399 Euro, eine andere Farbe als Grau gibt es nicht.

Den Einstand der wiederauferstandenen Kult-Marke Commodore hätten sich Fans sicherlich anders vorgestellt, als Saugroboter ist der CVR 300 aber ein gelungenes Produkt. Besonders gut gefallen haben uns die hervorragende Navigation und die gute Reinigungsleistung. Die App ist absolut brauchbar und übersichtlich, verlangt aber noch etwas Nacharbeit seitens des Herstellers. Besonders das Fehlen einer automatischen Teppicherkennung hat uns negativ überrascht. Auf die Wischfunktion hätte der Anbieter wie bei den meisten Modellen dieser Art eigentlich gleich verzichten können. Bis auf Kleinigkeiten macht Commodore alles richtig.

Hauptproblem des Commodore CVR 300 sind fehlende Alleinstellungsmerkmale und der Preis, der als neues Produkt derzeit höher ist, als bei einigen besseren und schon länger am Markt befindlichen Modellen. So gibt es außer Nostalgie kaum einen Grund, nicht lieber zum Xiaomi Dreame D9 (Testbeicht) für unter 250 Euro bei gleichem Funktionsumfang zu greifen. Und auch den Klassenprimus Roborock S7 (Testbericht) gibt es ohne Absaugstation schon für kaum mehr als 400 Euro – da hat es Commodore schwer – Kult hin oder her.

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