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Cambridge Melomania Touch im Test: Ein glänzender Auftritt
Pro und Contra
  • Einfache Touch-Bedienung
  • Highres-Codec
  • Starker Akku
  • Durchschnittlicher Sound
  • kein ANC
  • 4.0

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Mit den ersten True Wireless Kopfhörern hatte Cambridge Audio eine Punktlandung hingelegt. TechStage testet den Nachfolger mit aptX-Codec und zeigt, ob sich das Update lohnt.

Gut ein Jahr ist es her, dass Cambridge Audio mit ihren ersten TW-Kopfhörern Melomania 1 (Testbericht) einen akustisch hervorragenden Start hingelegt haben. Die winzigen Soundstöpsel überzeugten uns mit ihrem guten Klang in Verbindung mit einem sehr attraktiven Preis. Die Melomania Touch treten nun die Nachfolge an – allerdings mit einem anderen Konzept – sowohl optisch, technisch und klanglich, als auch in der Bedienung. Aber fangen wir erst einmal mit den Äußerlichkeiten an, denn hier sind die Unterschiede zum Vorgänger am auffälligsten.

Wo Cambridge Audio mit dem In-Ear-Debut optisch noch etwas wagt, werden nun eher langweilige Pfade beschritten. Das Design entspricht dem vieler anderer In-Ear-Stöpseln: Ein geschwungener Korpus enthält Technik und Akku, der schmale Soundtrichter für den Ohrkanal ragt schräg heraus. Ein kleiner und abnehmbarer Silikonflügel sorgt für mehr Halt im Ohr. Damit die Kopfhörer möglichst vielen Nutzer gut passen, hat Cambridge Audio die Daten von rund 3.000 Ohren ermitteln und das Design entsprechend angepasst. Und tatsächlich: Die mit knapp 6 g leichten Kopfhörer lassen sich einfach einsetzen und fühlen sich erst einmal im Ohr gut an.

Obwohl sie etwas klobig wirken, sie sind auch nach längerer Zeit kaum zu spüren. Viel eher bekommt man das Gefühl, dass der Sitz ab und zu korrigiert werden muss. Was allerdings manchmal zu unschönen Effekten kommen kann. Der Name Melomania Touch verrät es bereits: Schalter, Buttons oder andere offensichtliche Bedienelemente sucht man vergebens. Alle Funktionen werden durch Berührung der hochglänzenden Rückseite ausgeführt. Die Touchoberfläche reagiert sensibel und zuverlässig. Beim Nachjustieren der Position berührt man allerdings unweigerlich die Oberfläche und ruft Funktionen auf. Zwar lässt sich der Korpus mit zwei Fingern greifen, aber weil die Ohrhörer so leicht sind, will man immer noch einmal einen auf die Rückseite drücken. Das sollte man lassen. Besser ist es, die Kopfhörer mit den beigelegten Silikonaufsätzen und -flügeln so zu optimieren, dass man nicht nachjustieren muss.

Die etwas zu groß geratene ovale Ladebox bringt 56 g auf die Waage. Die Oberfläche der Box besteht aus veganem Mikrofaserleder, was sich wirklich toll anfühlt. Doch die hübsche Design-Idee entpuppt sich im Alltag als eher unpraktisch: Bereits nach kurzer Zeit sieht man bei normaler Nutzung – zumindest in der weißen Version – Gebrauchsspuren und Verschmutzungen.

Technisch spielen die Briten ein bisschen mit den Muskeln: Der starke Prozessor arbeitet trotz drei Kernen sehr energiesparend, die 7-mm-Treiber sind mit Graphen beschichtet. Die empfindlichen Mikrofone auf der Innenseite unterdrücken automatisch Geräusche, was allerdings nicht mit ANC zu verwechseln ist. Bei den Melomania Touch sorgt das Feature lediglich dafür, dass Telefonaten Außengeräusche weniger stören. Die Ohrhörer sind nach IPX4 gegen Schweiß und Wasser geschützt.

Die kabellose Ladebox bringt 45,6 g auf die Waage. Sie ist zwar etwas größer als das Case der Airpods ohne Pro, bleibt dennoch hosentaschentauglich. Allerdings ist der verwendete Kunststoff der Box sehr kratzanfällig. Wer Münzen oder Schlüssel in derselben Tasche trägt, braucht sich über viele sichtbare Kratzer nicht zu wundern. Aber das ist lediglich ein optischer Makel, der die Funktionalität nicht beeinträchtigt.

In der Verpackung befinden sich neben der Ladebox und den Ohrstöpseln ein USB-A-zu-USB-C-Kabel und ein große Anzahl an Silikonaufsätzen und Silikon-Ohrflossen in verschiedenen Größen.

Die Ersteinrichtung ist schnell erledigt: Sobald das Case geöffnet wird, ist der Bluetooth-Modus aktiviert, jetzt müssen die Melomania Touch nur noch beim Zuspieler ausgewählt werden. Sitzen die In-Ears im Ohr, werden sie durch Berührung der Rückseite gesteuert. So startet oder stoppt ein Tipp auf die glänzende Oberfläche die Musik. Hält man den Finger länger auf der rechten Seite, wird die Lautstärke erhöhte, mit der linken Seite wird es wieder leiser. Ein Sensor fehlt, wodurch die Musik auch weiterläuft, wenn die In-Ears aus dem Ohr genommen werden. Insgesamt geht die Bedienung selbst mit einem Handschuh leicht von der Hand, die beiden berührungsempfindlichen Rückseiten reagieren sensibel genug, dass ein leichter Tipp genügt.

Cambridge Audio hat für die Melomania Touch die umfangreiche Smartphone-App „Melomania“ hergestellt, die man kostenlos in den jeweiligen Stores herunterladen kann. Auf dem Startbildschirm wird der Ladezustand der beiden In-Ears angezeigt. Zudem lässt sich der Transparenzmodus aktivieren und justieren, damit Umgebungsgeräusche besser wahrgenommen werden können. Und falls man die Kopfhörer verlegt hat, kann man sie per App lokalisieren: Angezeigt wird der letzte bekannte Ort, wo sie mit Smartphone verbunden waren. Mit dem Equalizer lässt sich der Sound nach eigenen Wünschen optimieren, dafür stehen Regler und Presets zur Verfügung.

Die spannendste Funktion ist allerdings in den Einstellungen die Kopfhörersteuerung, denn darüber kann ausgewählt werden, welche Steuerungselemente aktiviert sind. Es ist schön, dass beispielsweise den Aufruf des Sprachassistenten per Tipp deaktivieren kann. Besser hätte es uns gefallen, Funktionen und Tipp-Gesten nach eigenen Wünschen zuzuordnen – etwa die Seite für eine Geste auszuwählen oder die Anzahl der für eine Funktion benötigten Berührungen. Per App lässt sich die Firmware der Kopfhörer aktualisieren, auch ein Energiesparmodus ist an Bord. Die App bietet insgesamt einige praktische Features für die Ersteinrichtung, im Alltag wird sie dann sicher nur selten gebraucht.

Die Melomania Touch haben sowohl die Codecs SBC und AAC also auch aptX an Bord. Mit unserer Test-Playlist überprüfen wir, welche Auswirkungen das beim Sound hat.

Beginnen wir mit The Black Keys und deren „Everlasting Light“. Der Blues-Rock-Stamper im Retrogewand startet mit simplen Riffs und Schlägen auf den Drums. Die Stimme des Sängers wird leicht verzerrt, ab und zu singt ein Frauenchor „Shu-ahhh“. Immer wieder hört man leicht im Hintergrund ein flüsterndes A-cappella-„Shhhht“, sogar das Einatmen ist deutlich wahrnehmbar. Der Sound ist mit den Melomania Touch raumfüllend und kraftvoll. Die Nuancen sind sehr fein ausgeprägt. Die Tiefen dampfen vor sich hin, ohne zu dröhnen. Die Mitten sorgen für Halt und geben dem Sound viel Raum. Und die Höhen akzentuieren den Song hervorragend, ohne dabei schrill zu wirken. Selbst bei höherer Lautstärke bleibt der Klang klar, ohne klinisch zu werden und satt und sich dumpf anzuhören.

Mit „Love ist Black“ geht es im Motown-Stil weiter: Bläser, funky Gitarren, ein Drum-Teppich mit coolen Rhytmen und einem Bass-Lauf zum Kopfnicken, darüber die rauchige Schmelzstimme von Celeste. Die Melonamia Touch sind hier ein Zeitreise-Ticket in die souligen 60er. Warm und weich klingt es in den Tiefen, breit und luftig in den Mitten, in den Höhen wird es ein wenig dünn – aber dadurch kommt der analoge Sound tatsächlich noch besser zur Geltung. Allerdings werden die In-Ears bei zu viel Druck und Dynamik ein wenig kurzatmig, der Sound wird für einen kurzen Moment leicht schrill.

Bei „Blinding Lights“ von The Weeknd soll der Dancefloor beben, der Club-Sound liefert dafür alle benötigten Sound-Zutaten. Doch das Süppchen, welches die Melomania Touch daraus kochen, bringt höchstens den Kopf ein bisschen ins Wippen. Die Bässe sind zwar satt, voll und bringen den nötigen Wumms mit, doch in den Höhen wird es fade. Die Mitten schaffen zwar viel Platz für Stimme, Klang und Effekte, doch es bleibt insgesamt farblos. Ähnlicher Effekt bei „Stuck?“ von Digitalism. Der Sound beginnt mit einem tiefen und flauschigem Teppich, doch dann verlieren sich Mitten und Höhen zu schnell in einer klanglichen Beliebigkeit. Es wirkt unaufgeräumt, so als wären die Kopfhörer von modernen Klängen ein bisschen überfordert. Es klingt nicht schlecht, für ein paar Songs sogar recht gut. Doch es wirkt so natürlich, dass man auf Langstrecke begeistert ist.

Zum Schluss dürfen noch einmal die Gorillaz mit „The Valley oft he Pagans“ ran. Es beginnt gefällig. Bass und Drums geben mit coolen Breaks einen angenehmen Beat vor, im Hintergrund poppen ein paar Soundeffekte auf, dann setzten die typisch-verfremdeten Vocals ein, eine Stimme singt im Falsett: „It feels so good to have the perfect sound“. Tja, leider ist diese Aussage etwas zu hoch gegriffen, die Verwendung des Konjunktivs wäre hier passender. Der Bass ist gut. Da wummert es ordentlich, die Bühne ist bereitet. Doch die Mitten und Höhen können das Fundament nicht nutzen, es klingt etwas fahrig, nicht hält wirklich zusammen, dieser Song klingt hier nur nach Standardware.

Tadellos ist allerdings der Sound beim Telefonieren – in beide Richtungen. Auch bei Filmen und Spiele ist der latenzfreie Sound prima.

Die Melomania Touch haben das Potenzial für einen großen Sound. Bei manchen Songs ist man sogar ein wenig verliebt in den Klang. Besonders wenn es kracht und die Rockgitarren durch analoge Verstärker gejagt werden, zeigt sich die Stärke der In-Ears. Doch sobald der Sound differenzierter wird, wird der Klang schnell beliebig. Sowas hat man auch schon häufig bei Billigheimern gehört, in Summe hat es aber nichts mit einem Highend-Klang zu tun, den der Name Cambridge verspricht.

Laut Cambridge Audio hält der nicht wechselbare Akku – abhängig von der gewählten Lautstärke und aktivierter Geräuschunterdrückung – bis zu 9 Stunden durch. Das hört sich prima an, wird aber nur im Energiesparmodus erreicht, wodurch man Einbußen beim Klang hinnehmen muss. Sechs bis sieben Stunden halten wir für realistischer, was dennoch ein guter Wert ist. In Verbindung mit der Ladebox kommen noch einmal bis zu 41 Stunden Laufzeit dazu.

Der UVP der Airpods Pro liegt bei 140 Euro – vor allem wegen der langen Laufzeit ein angemessener Preis. Die True-Wireless-Kopfhörer sind in weiß und schwarz erhältlich.

Mit den Melomania 1 konnte uns Cambridge Audio begeistern, das Gesamtpaket aus Preis, Leistung und Design war klasse. Doch einen ähnlichen Überraschungseffekt gibt es beim Update nicht. Die Melomania Touch bietet fast alles, was man von einem aktuellen True-Wireless-Modell erwartet und was man inzwischen bei unzähligen Modellen von Mitbewerbern findet.

Das Design ist ansprechend, die Verarbeitung ist gut. Über das verwendete Material bei der Box lässt sich streiten, dafür ist die Akku-Leistung klasse. Die Touch-Bedienung ist gut umbesetzt, schade ist lediglich, dass man diese nicht vernünftig per App individualisieren kann. Aber immerhin gibt es eine App, mit der sich der Klang nach eigenen Vorstellungen anpassen lässt. Ohne Finetuning ist der Sound insgesamt wenn schon nicht außergewöhnlich, dann immerhin ordentlich bis gut. Auch der Preis spiegelt die durchschnittliche Leistung perfekt wider. Wer die Melomania Touch kauft, bekommt ordentliche True-Wireless-Kopfhörer, die allerdings trotz der Hochglanz-Optik keinen großen Aha-Effekt bieten.

Wer Wert auf einen erstklassigen Sound legt, sollte sich die Sennheiser Momentum True Wireless 2 (Testbericht) ansehen . Deutlich weniger Einstellungsmöglichkeiten, aber einen ähnlich guten Sound zu einem niedrigeren Preis bieten Modelle wie die Soundcore Spirit Dots 2 (Testbericht) .

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist „In the name of the review“ zu finden.

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