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Bose QuietComfort Earbuds im Test: erstklassiges ANC
Pro und Contra
  • sehr gutes ANC
  • guter Klang
  • komfortable Bedienung
  • klobiges Design
  • durchschnittliche Akkuleistung
  • 4.0

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Bei Kopfhörern mit ANC ist Bose seit vielen Jahren tonangebend. TechStage verrät, ob das auch mit den True-Wireless-Modell QuietComfort Earbuds gelingt.

Lange galt Bose als das beste Unternehmen, wenn es um aktive Geräuschunterdrückung geht. Und auch wenn inzwischen mehrere Hersteller tolle ANC-Kopfhörer produzieren, erhielten die letzten beiden Modelle Bose NC 700 (Testbericht) und Bose QuietComfort 35 II (Testbericht) bei uns hervorragende Noten. Nun schickt sich Bose an, auch beim Thema True Wireless mitzumachen.

Doch diesmal waren andere Hersteller schneller, der Markt ist mit großartiger Technik gesättigt, gefühlt kommt jeden Tag ein neuer kabelloser Stöpsel in den Handel. In den vergangenen Tests mussten beispielsweise folgende True-Wireless-Modelle mit ANC zeigen, was sie können:

Um da zu bestehen, muss ein In-Ear-Kopfhörer deutlich mehr bieten, als einen ohne Zweifel vorhandenen guten Namen. Trommelwirbel, Auftritt QuietComfort Earbuds.

Bose ist nicht wirklich für großen Mut bekannt, wenn es ums Design geht. Das ist bei den Bügel-Kopfhörern so – und das setzt sich auch bei den In-Ears fort. Nur bei der Größe ist man mutig: Das knapp 75 g schwere und kabellos aufladbare Case erinnert optisch an ein Brillen-Etui, sie ist so groß, dass sie nur bei Jogging-Hosen bequem in die Tasche passt. Auch die Earbuds sind weder klein, noch mit je 8,5 g Leichtgewichte. Der Body ist zwei Zentimeter breit und mehr als drei Zentimeter lang. In der Mitte der klobigen Teile, die im fast rechten Winkel angebrachten Ohr-Trichter mit wuchtigen Silikon-Aufsätzen. Die Rückseite mit der Touchoberfläche ist mattiert, auf der Innenseite ist der Kunststoff hochglänzend. Das sieht bei dem schwarzen Modell hervorragend aus – allerdings sieht man aus der Nähe jeden Fingerabdruck und Fussel darauf.

Dank der Größe lassen sich die In-Ears gut mit zwei Fingern greifen und mit einem kleinen Dreh Einsetzen. Und überraschenderweise sitzen sie – zumindest Anfangs – trotz der wuchtigen Bauart bequem im Ohr, das Gewicht spürt man kaum. Uns sollte man nach längerem Tragen ins Schwitzen kommen, ist das kein Problem: Die Earbuds sind nach IPX4 gegen Schweiß und Wasser geschützt – nur damit schwimmen oder duschen sollte man nicht.

Beim Design hat sich Bose nicht viel Mühe gegeben. Ja, es ist zeitlos, allerdings sind die Earbuds deutlich zu groß – besonders im Vergleich mit der Konkurrenz. Sitzen sie im Ohr, könnte man sie glatt mit Bluetooth-Headsets zum Telefonieren verwechseln. Offenbar brauchte man viel Platz, um die hochwertige Technik unterzubringen. Davon abgesehen ist die Verarbeitung exzellent, die In-Ear-Stecker fühlen sich wertig an.

Die QuietComfort Earbuds gibt es in den Farben Mattschwarz und Soapstone – einer Art Hellgrau. Neben den Earbuds und der Ladebox befinden sich in der Verpackung das USB-C-Ladekabel und Ohreinsätze aus Silikon in drei Größen.

Sobald die Ladebox erstmalig geöffnet wird, suchen die Earbuds per Bluetooth eine Audio-Quelle. Mit einer warmen Tonfolge wird die erfolgreiche Verbindung signalisiert. Gesteuert werden die In-Ears durch Berührung der Rückseiten: Die Lautstärke wird durch rauf- und runterwischen verändert, per Klopfzeichen startet und stoppt man die Musik, nimmt Gespräche entgegen oder aktiviert die Geräuschabschirmung. Zusätzlich lässt sich durch korrektes Tippen der Sprachassistent aufrufen, dieser lässt sich aber per App deaktivieren. Die Bedienung ist simpel und geht leicht von der Hand. Zudem lässt sich die Belegung der Funktionen in geringen Maßen individualisieren.

Für das Finetuning der Earbuds wird mit Bose Music dieselbe App genutzt, die auch für die Bügel-Kopfhörer verwendet wird. So opulent die App wirkt, so wenig lässt sich damit anstellen. Neben der Lautstärke kann man die ANC-Stärke justieren, drei Stärkegrade lassen sich als Favoriten speichern. Außerdem kann man hier bestimmen, ob ein längerer Druck auf der linken Seite den Batteriestand ansagt oder den nächsten Track abspielt. Sensoren erkennen, ob die Earbuds getragen werden, unter dem Punkt Trageerkennung lässt sich festlegen, was beim Herausnehmen und Einsetzen der Kopfhörer passieren soll. Die App zeigt zudem an, welcher Titel gerade gespielt wird, allerdings handelt es sich nur um ein Schaufenster und nicht um einen dezidierten Software-Player mit Zugriff auf die Musikbibliothek. Auch einen manuellen Equalizer sucht man vergebens. Darüber hinaus kann man sich per App zeigen lassen, welche Funktionen es gibt – und wie man diese bedient.

Die QuietComfort Earbuds haben sowohl die Codecs SBC und AAC an Bord. Mit unserer Test-Playlist überprüfen wir, welche Auswirkungen das beim Sound hat.

Beginnen wir mit „Come In Closer“ von Rhye. Die alte Orgel gleich zu Beginn klingt herrlich analog, sogar den Anschlag hört man perfekt heraus. Doch schon nach wenigen Takten wird es soundtechnisch modern – und vor allem sehr warm und weich. Die hohe Stimme Mike Milosh säuselt sich sanft in den Gehörgang, während die Percussions breit aufgefächert den ganzen akustischen Raum einnehmen. Die Mitten sind optimal austariert, die Höhen akzentuieren an den richtigen Stellen, ohne dabei klinisch zu wirken. Es ist ein Heimspiel für die Earbuds, der Sound ist wunderbar, mit geschlossenen Augen könnte man fast denken, man sitzt in einem Privatkonzert.

Auch bei „Apricots“ von Isles überzeugt der Klang von Beginn an. Ein tief-wabernder Synthie-Sound wandert von links nach rechts und zurück, während die Elektro-Drums dezent vor sich hinloopen. Von Gesang kann man bei den Stimmen-Samples nicht sprechen, aber dennoch gehen sie – im wahrsten Sinne – nicht aus dem Ohr. Die Keys gewinnen immer mehr an Dynamik. Das hätte eine undefinierbare Klangsuppe ergeben können, ergibt aber stattdessen eine Sound-Collage, bei der jeder Sound für sich erkennbar bleibt.

Zeit für Gitarren und ordentlich Lärm. Den gibt es von You Me At Six mit „Makemefeelalive“. Die Lead-Gitarre flirrt zu Beginn ein wenig herum, dann donnern die Drums los, als gäbe es kein Morgen, der Bass zimmert am Fundament und der Sänger schreit seine Zeilen ins Mikro. Das hätte den Gehörgang freipusten müssen und ein Gefühl erzeugen sollen, als wollte man in den nächsten Pit springen. Aber es fehlt das Feuer, als würden die Earbuds mit angezogener Handbremse unterwegs sein. Der Druck fehlt, der Sound wirkt so, als solle er im Nachmittagsradio nicht beim Bügeln stören: Die Mitten sind lasch, die Höhen einen Tick zu schrill, die Tiefen ohne Erinnerungswert. Davon wird der Herzschlag nicht wirklich auf Trab gebracht.

Vielleicht hilft eine Live-Aufnahme wie Daniel Norgren mit „Howling Around My Happy Home“, mit einer Länge von zwölf Minuten mehr Konzert als Song. Während Norgren die Gitarre wie eine Dampflock klingen lässt, hört man um sich herum die anderen Zuschauer. Hier ein Pfiff, dort ein Rufen, die Earbuds sind hier gewissermaßen das Ticket zum Konzert. Doch ein perfekter Auftritt hört sich anders an. Der Bass ist zu diffus, die Mitten haben keinen Grip, die Höhen zu kantig. Besonders beim Soli zum Ende des Tracks, wenn sich die hohen Noten gegenseitig jagen, werden die Spitzen ein wenig Schrill. Der Sound ist alles andere als schlecht, aber es wirkt wie eine Party bei Tageslicht, bei der man die Tür offen gelassen hat.

Tadellose Arbeit leisten die Earbuds bei Telefonaten und Videocalls. Bei Filmen und bei Smartphone-Games konnten wie keinerlei Latzen feststellen. Der Clou ist aber die Geräuschunterdrückung. Bei voller Stärke wird sogar das Tippen der Tastatur fast vollständig ausgeblendet. Straßenverkehr findet nur noch optisch statt, zu hören ist davon so gut wie nichts. Bei einem am Bürofenster mit Blaulicht vorbeifahrenden Krankenwagen ließ sich die Sirene nur erahnen. In dieser Disziplin zeigt Bose eindrucksvoll, warum die Produkte des Unternehmens seit vielen Jahren als Blaupausen für gute Geräuschunterdrückung gelten – besser kann man es kaum machen. Und das versöhnt dann auch wieder mit dem nicht ganz optimalen Sound. Aber um es an dieser Stelle klar zu sagen: Wir klagen beim Klang auf allerhöchstem Niveau. Bei dem Preis darf man Exzellenz erwarten und nicht einfach „nur“ ein gut bis sehr gut.

Bei der Laufzeit bekleckert sich Bose nicht mit Ruhm. Die In-Ears halten zwar immerhin bis zu sechs Stunden durch, die Ladebox schafft aber nur zwei weitere Ladungen. Insgesamt sind 18 Stunden deutlich zu wenig – zumal man diesen Wert auch nur bei mittlerer Lautstärke und ohne Geräuschunterdrückung schafft. Immerhin genügen 15 Minuten am Strom für zwei weitere Stunden Spielzeit, vollständig sind Etui und Kopfhörer nach drei Stunden aufgeladen.

Der UVP der QuietComfort Earbuds liegt bei 279 Euro. Ein stolzer Preis, der allerdings durch das herausragende ANC gerechtfertigt ist.

Bose hat mit den QuietComfort Earbuds gute In-Ear-Kopfhörer mit einer sehr gut funktionierenden Geräuschunterddrückung produziert. Verarbeitung und Material sind klasse, beim Design hätten wir uns aber ein bisschen mehr Mut gewünscht. Vor allem sind Kopfhörer und Ladebox etwas zu groß. Nach längerem Tragen kann es unangenehm sein, die Earbuds im Ohr zu haben. Hier schneiden Apple Airpods Pro (Testbericht) oder Sennheiser Momentum True Wireless 2 (Testbericht) besser ab.

Der Sound ist insgesamt gut, wenn auch nicht perfekt. Die Tiefen sind warm und weich, aber es fehlt ihnen etwas Kraft. Die Mitten halten den Sound gut zusammen und geben ihm viel Raum, aber bei einigen Songs fehlt der Grip. Die Höhen können häufig Akzente setzen und dem Sound Struktur verleihen, doch ab und zu wird es in den Spitzen leicht schrill oder klinisch. Es sind zwar nur Nuancen, aber diese unterscheiden einen guten von einem sehr guten Sound. Die Earbuds sind tolle Begleiter für die ruhigeren Klänge, bei Jazz, Soul und sogar Elektro machen sie eine gute Figur. Geht es dagegen rockig zur Sache, fehlt der Druck und die Leidenschaft.

Dafür ist die Geräuschabschirmung exzellent. Bose wird seinem herrvorangenden Ruf in dieser Diziplin gerecht. Wir gehen sogar so weit und würden die ANC-Funktion in der Kategorie In-Ears als perfekt bezeichnen.

Leider ist die Akkuleistung eher durchschnittlich. Wer nur musikalische Begleiter sucht, findet günstigere Modelle, die mindestens genauso gut klingen – und dabei sogar noch besser sitzen, wie beispielsweise die Huawei Freebuds Pro (Testbericht) . Wer allerdings Wert möglichst gute Geräuschabschirmung legt, kommt an den Earbuds von Bose nicht vorbei.

Übrigens: Alle Testtracks sind auf der Spotify-Playlist In the name of the review zu finden.

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