Besser geht es nicht (für 100 Euro): PTZ-Überwachungskamera Aqara G3 mit WLAN im Test

Aqara G3: Die Überwachungskamera mit integriertem Zigbee-Hub ist kompatibel zu Homekit. Die Videoauflösung beträgt dann wegen der Limitierung von Apple allerdings nur FullHD.
Pro und Contra
  • Gestensteuerung und Tracking
  • Zigbee-3.0-Hub
  • Nachtsicht
  • Automatisches Tracking von Menschen und Tieren
  • Konfigurierbare Kamerafahrt
  • Kompatibel zu Alexa, Google und Apple Homekit, inklusive Secure Video
  • Verzögerungsfreie Ausgabe des Live-Bilds auf smarten Displays wie Echo Show
  • Einbindung von Infrarot-Fernbedienungen
  • Videos könnten schärfer sein, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen
  • kabelgebunden
  • Nicht alle Funktionen gleichzeitig nutzbar
  • Einbindung von Infrarot-Fernbedienungen nicht fehlerfrei
  • App nur auf Englisch
  • Bedienung der App teilweise wenig intuitiv
  • 4.5

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Der Funktionsumfang der Aqara G3 ist beeindruckend. Sie bietet etwa eine nützliche und spaßige Gestensteuerung und auch sonst hat die Kamera einiges zu bieten.

Es gibt Tage als Testredakteur, die bleiben für immer in Erinnerung – heute ist so ein Tag. Denn die Aqara G3 bietet enorm viel fürs Geld. Sie kommt mit einem schwenk- und neigbaren Objektiv zur 360°-Überwachung und nimmt Videos mit bis zu einer Auflösung von 2304 x 1296p auf. Sie kann Gesichter, Menschen sowie Haustiere erkennen und generell auf sich bewegende Objekte reagieren. Zum Beispiel soll sie Menschen und Tiere dank einer Trackingfunktion nicht mehr aus den „Augen“ verlieren. Mit dem integrierten Zigbee-3.0-Hubs können Anwender nicht nur bis zu 128 Smart-Home-Komponenten steuern, sondern auf Basis der Kamerafunktionen vielseitige Automatisierungen erstellen. Außerdem ist sie kompatibel zu Amazon Alexa, Google Assistant und Apple Homekit (Ratgeber), inklusive Secure Video. Sie kann obendrein Infrarot-Fernbedienungen anlernen und so dumme Geräte in eine Smart-Home-Steuerung (Themenschwerpunkt) integrieren. Dank Unterstützung von 2,4- und 5-GHz-Funknetzen inklusive WPA3-Verschlüsselung zeigt sich die G3 sehr vielseitig. Sie speichert Videos auf einer microSD-Karte und kann auch ohne Internetverbindung lokal gespeicherte Automatisierungen ausführen. Ob die Funktionen in der Praxis alle überzeugen und was die Kamera mit integriertem Zigbee-3.0-Hub (Ratgeber) sonst noch zu bieten hat, zeigt der Testbericht.

Die Aqara G3 misst 123,4 x 85,1 x 67,8 mm und wiegt etwa 500 Gramm. Sie kommt mit einem 10-Watt-USB-A-Netzteil, einem etwa zwei Meter langen USB-C-auf-USB-A-Kabel und einem mehrsprachigen Benutzerhandbuch. Deutsch gehört ebenfalls dazu. Bei der App muss man allerdings mit Englisch vorliebnehmen, es sei denn, man versteht eine der unterstützten Sprachen wie Chinesisch, Koreanisch oder Russisch besser.

Das Gehäuse besteht aus weißem Kunststoff, während das neigbare Objektiv in einer schwarzen Kugel im Inneren untergebracht ist. Die Kamera sitzt auf einem hellgrauen Sockel, auf dem sie sich um bis zu 340 Grad horizontal drehen kann. Das 110 Grad Weitwinkelobjektiv kann per Motor um 30 Grad nach oben und 15 Grad nach unten geneigt werden. Trotz motorisierter Bewegung bleibt sie sehr leise.

Der obere Teil der G3 ist von einer Schutzhaube umgeben. Auffälliges Merkmal sind dabei die beiden Katzenohren, die der Kamera gut zu Gesicht stehen. Im ausgeschalteten Zustand erscheinen zusätzlich noch zwei aufgedruckte Wimpern, die zusammen mit dem microSD-Card-Slot die Illusion einer schlafenden Katze erzeugen. Nett.

Auf der Vorderseite der Kamera befindet sich ein Helligkeitssensor sowie links und rechts vom Objektiv jeweils ein Mikrofon. Zusammen mit dem an der Rückseite untergebrachten und überraschend gut klingenden Lautsprecher können Anwender die G3 somit auch als Gegensprechanlage nutzen. Das hat im Test gut funktioniert, auf beiden Seiten kommt die Sprache gut rüber. Zudem gibt es auf der vorderen Gehäuseseite noch eine Funktionstaste, mit der man einen Push-Alarm (3 Sekunden drücken) auslösen kann sowie die Netzwerkeinstellungen (10 Sekunden drücken) und die Kamera auf Werkseinstellungen zurücksetzen kann (10 Mal schnell drücken). Umgeben ist die Funktionstaste von einer Status-LED, die im Normalbetrieb dauerhaft blau leuchtet. Mit rot signalisiert sie, dass gerade das Live-Video der Kamera in der App oder auf einem Smart Display wie Echo Show angezeigt wird. Außerdem zeigt die LED noch weitere Betriebsmodi wie Verbinden mit dem Netzwerk, die Inbetriebnahme und Firmware-Updates an.

Laut Hersteller ist die G3 zwischen -10° und 40° Celsius bei einer Luftfeuchtigkeit von bis zu 95 Prozent einsatzfähig. Sie ist ausschließlich für den Inneneinsatz gedacht.

Die Inbetriebnahme der Kamera mit der Aqara-App ist in wenigen Minuten abgeschlossen. Wer sie mit Apple Homekit koppeln möchte, findet den dazu nötigen Code an der Unterseite. In Verbindung mit Homekit müssen Anwender allerdings einige Einschränkungen in Kauf nehmen. Zwar funktioniert Secure Video und die Integration als Sicherheitssystem inklusive Bewegungsmelder, doch wegen der von Apple vorgegebenen Limits bleibt die Auflösung der G3 mit Homekit auf Full-HD begrenzt. Außerdem hat man mit der Apple-Software keinen Zugriff auf zahlreiche Funktionen der Kamera. Schwenken und Neigen steht nur mit der Aqara-App zur Verfügung. Das Gleiche gilt für Gesichtserkennung, Tracking und Gestensteuerung.

Sehr gut funktioniert die Ausgabe des Kamera-Live-Bilds auf smarten Displays wie den Echo-Show-Varianten oder Google Nest Hub. Im Unterschied zu vielen Kameras anderer Hersteller stellen sowohl Nest Hub als auch die verschiedenen Echo-Show-Modelle den Livestream der G3 sofort und verzögerungsfrei dar.

Doch das ist sicher nicht das wichtigste Feature der Aqara-Überwachungskamera. Gesichtserkennung, Gestensteuerung und das Tracking-Feature dürften für viele Anwender interessanter sein.

Damit die Kamera ein Gesicht einer Person zuordnen kann, benötigt sie eine Referenzaufnahme. Nicht jedes Bild eines Gesichts ist dafür geeignet. Das Gesicht muss von vorne aufgenommen werden und gut ausgeleuchtet sein. Erst dann überträgt die App das Foto an die Kamera. Anhand der Gesichtserkennung, die im Test einwandfrei funktioniert, können Anwender nun Automatisierungen erstellen.

Und wer noch kein smartes Gerät im Einsatz hat, kann mit der G3 sehr populäres damit anlernen. Sie kann man Infrarot-Fernbedienungen einbinden, sodass Nutzer Automatisierungen anhand einer erkannten Person und den Funktionen der Fernbedienung erstellen können. Beispiel gefällig? Eine Routine könnte "Wird Person XY erkannt, schalte den Fernseher ein" sein.

Vor der Kür kommt allerdings die Pflicht. Und zwar die Pflicht, seine Fernbedienung mit der Aqara G3 zu koppeln. In Verbindung mit zwei TV-Geräten von Sharp und Samsung hat eine Koppelung mit der von der App angebotenen Auswahl des Geräteherstellers keinen Erfolg gebracht. Immerhin steht ein manueller Anlernmodus zur Verfügung, sodass die Fernbedienungen der beiden Gerätehersteller manuell integriert werden konnten. Beim Samsung-Modell hat das Anlernen nicht mit jeder Taste auf der Fernbedienung funktioniert. Außerdem konnte man die TVs im Test zwar ausschalten und auch bestimmte Tasten wie etwa für Youtube nutzen, doch ließen sich weder der Samsung- noch der Sharp-TV mit der virtuellen Fernbedienung einschalten. Hier besteht also noch Nachbesserungsbedarf. Klar ist obendrein, dass die G3 auf das jeweilige TV-Gerät ausgerichtet sein muss, damit die virtuelle Infrarot-Fernbedienung überhaupt funktionieren kann. Immer mehr aktuelle Geräte setzen zudem auf Bluetooth für die Fernbedienung - das klappt dann ebenfalls nicht.

Ein Highlight im Test ist die Gestensteuerung, deren Nutzung auf zuvor per Gesichtserkennung identifizierte Personen begrenzt werden kann. Mit fünf verschiedenen Gesten können Anwender Funktionen der Kamera aktivieren. Man kann sie beispielsweise per Handzeichen ausschalten oder eine der vielen Alarmtöne abspielen. Zudem können Nutzer auch eigene Sounddateien auf die G3 laden. Diese dürfen allerdings nicht größer als 5 MByte sein. Damit lässt sich die Überwachungskamera mit einem einfachen Handzeichen zum Abspielen eines kleinen Liedes bewegen. Das ist zwar nicht besonders sinnvoll, macht aber Spaß.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe nützlicher Funktionen, die man per Handgeste steuern kann. So können Anwender zum Beispiel den Cruise-Modus aktivieren, bei der die Kamera anhand vordefinierter Wegpunkte den Raum überwacht, und zwar kontinuierlich. Dabei können Anwender diese auch selbst definieren, um damit räumliche Begebenheiten bei der Kamerafahrt zu berücksichtigen. Allerdings ist dabei zu beachten, dass beim Wechsel in einen der Verfolgungsmodi Human Tracking oder Dogs and Cats Tracking automatisch deaktiviert wird.

Das automatische Tracking funktioniert im Test in Verbindung mit Menschen und Katzen einwandfrei. Allerdings verharrt die G3 in der Position, in der sie zuletzt das zu verfolgende Objekt erfasst hat. Das kann dazu führen, dass sie anschließend kaum noch Personen oder Tiere erfasst, weil sie den ursprünglichen Bereich nicht mehr überwacht. Das Problem lässt sich mit einer einfachen Automatisierung beheben, indem man die Kamera anweist, auf die ursprüngliche Position zurückzufahren.

Intuitiv sind die manuellen Steuerungsmöglichkeiten: Neben einem grafischen Steuerelement, mit der man die Kamera nach oben, unten, links und rechts bewegt, lässt sie sich auch mit Touch-Gesten direkt in der Live-Ansicht steuern.

Die Aufnahmequalität der G3 ist bei Tageslicht gut. Bei schlechten Lichtbedingungen könnten die Bilder aber etwas mehr Details vertragen. Das zeigt sich vor allem bei der Nachtsicht. Etwas besser ist die Qualität, wenn man die Standardeinstellung „Auto“ ändert und manuell die maximal möglichen Auflösung von 2304 × 1296p auswählt.

Die Aqara G3 ist aktuell bereits für unter 90 Euro erhältlich. Im laufenden Betrieb hat die G3 eine Leistungsaufnahme von etwa 3 Watt. Somit muss man bei einem Dauerbetrieb jährliche Stromkosten in Höhe zwischen 8 (0,33 Cent pro kWh) und 13 Euro (0,50 Cent pro kWh) rechnen. Eine microSD-Karte muss man noch zusätzlich einkalkulieren. Doch die kosten nicht mehr die Welt: 64-GByte-Modelle sind schon für wenige Euros verfügbar. Und bei Mediamarkt gibt es gerade eine 200-GByte-Variante von Sandisk für 20 Euro.

Nicht jedes Produkt ist so beeindruckend wie die Aqara-Überwachungskamera G3 mit integriertem Zigbee-3.0-Hub. Dank Gestensteuerung und Gesichtserkennung können Anwender vielseitige Automatisierungen erstellen. Das ist nicht nur nützlich, sondern kann auch witzig sein. Etwa dann, wenn man ihr per Geste ein Lied entlockt. Ansonsten ist auch das Trackingfeature sinnvoll: Einmal eingefangene Objekte verliert die G3 damit nicht mehr aus den Augen. Jedenfalls so lange, wie sich Mensch oder Tier im Sichtfeld der Kamera befindet. Und das ist dank des drehbaren Objektivs lange der Fall. Zudem erlaubt sie das Anlernen von Infrarot-Fernbedienungen und kann damit "dumme" Geräte ins Smart Home einbinden. Technikbegeisterte sollten die knapp 90 Euro in die G3 investieren. Der Preis ist für den Spaß, den man mit der G3 hat, allemal wert. Und nützliche Funktionen bietet sie genügend, inklusive eines Hubs zum Aufbau eines Smart Home mit Kompatibilität zu Apple Homekit (Ratgeber).

Auch die einfache Inbetriebnahme spricht für die Aqara-Überwachungskamera. Die App sollte der Hersteller jedoch noch verbessern: Viele wichtige Funktionen verstecken sich teilweise hinter verschachtelten Menüs. Und sicher freuen sich viele Anwender auch über eine App mit deutschsprachiger Oberfläche.

Überwachungskameras gibt es viele. Zahlreiche Tests und Ratgeber finden TechStage-Leser in unserem Themenschwerpunkt Überwachungskameras. Eine gute erste Anlaufstelle ist der Beitrag WLAN, Cloud, Solar: Überwachungskameras für innen & außen ab 30 Euro. Darin erläutern wir die wichtigsten Kaufkriterien und präsentieren die besten Überwachungskameras der verschiedenen Kategorien mit Preisen zwischen 30 und 500 Euro.

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