AVM Fritzbox 6690 im Test: Diese Kabel-Fritzbox empfängt Internet und Fernsehen

Fritzbox 6690 - Bilderstrecke
Pro und Contra
  • Wifi-6
  • solides Betriebssystem
  • Fit für schnelle Kabel-Anschlüsse
  • Preis
  • 2,5 GbE-Anschluss zickig im Test
  • 4.5

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Mit der Fritzbox 6690 Cable schickt AVM einen neuen Fritzbox-Router mit integriertem Kabelmodem ins Rennen. Wir testen das Gerät und zeigen, wo es gegenüber dem Vorgänger Fritzbox 6660 punktet und wer besser zur älteren Variante greift.

Die Kabel-Fritzbox 6660 Cable (Testbericht) bekommt einen Nachfolger. Die neue Fritzbox 6690 unterstützt Kabel-Zugänge und Wifi-6 mit bis zu 6000 MBit/s, bietet einen 2,5 GbE Anschluss fürs LAN und kann sogar Kabel-TV empfangen (zumindest unverschlüsselt). Dazu kommt eine Telefonanlage samt DECT-Station, USB 3.0 und noch mehr. Wir testen in der Themenwelt WiFi-6-Router, ob sich die hohen Kosten für die neue Fritzbox lohnen.

Die Fritzbox 6690 passt vorzugsweise an schnelle Kabel-Internet-Anschlüsse. Das verbaute DOCSIS-3.1-Kabelmodem verspricht bis zu 6.000 MBit/s im Download und maximal 2.000 MBit/s im Upload. Sofern man einen Provider findet, der einen solchen Speed anbieten kann. Tatsächlich liefern die meisten Kabel-Internet-Anbieter in Deutschland maximal 1000 MBit/s, der Upload liegt maximal bei 100 MBit/s. Daneben hat die 6690 auch einen Fernsehempfänger an Bord. Damit kann sie kostenlose, unverschlüsselte, digitale Radio- und Fernsehprogramme aus dem DVB-C-Netz empfangen. Vorteil: Die DVB-C-Programme funktionieren auch bei einem Internet-Ausfall, und sie belasten ein eventuell limitiertes Surf-Kontingent nicht. Nicht geraten, sondern bei jedem Internetausfall immer wieder selbst getestet.

So lassen sich digitales Radio und TV per LAN oder WLAN auf mehrere PCs und Laptops in alle Räume streamen und dort mit dem kostenlosen VLC Media Player anschauen oder anhören. Auf Smartphones & Tablets lässt sich das Radio-TV-Programm aus der Fritzbox per WLAN mittels FRITZ!App TV übertragen, die es für Google und Apple Betriebssysteme ebenfalls kostenlos gibt.

Als Funknetzwerk verwendet die 6690 Wifi-6 alias 11ax, mit 1200 MBit/s bei 2,4 GHz plus 4800 MBit/s bei 5 GHz. Zeitgleich, simultan, parallel. In Summe also 6000 MBit/s WLAN Bruttogeschwindigkeit. Der gelbe LAN-Ethernet-Block schafft dreimal 1000 und einmal 2500 MBit/s Ethernet. Die 6690 Cable für 319 Euro hat außerdem zwei USB-3-Buchsen. Daran kann man neben USB-Stick oder -Festplatte auch einen Drucker oder einen LTE-Stick als Internet-Fallback anschließen.

Wie immer ist eine komplette Telefonanlage integriert. Für analoge Telefone, Faxgeräte, Anrufbeantworter oder Türöffner gibt es zwei schmale RJ11 und eine längliche TAE-Buchse. ISDN, egal ob intern oder extern, fehlt der 6690 komplett. Wer Haus-internes ISDN im Jahre 2022 noch braucht, greift lieber zur optisch ähnlichen, ebenfalls aufrecht stehenden Fritzbox 6591 Cable. Diese nunmehr fast drei Jahre alte 6591 hat aber noch kein WiFi-6. Die liegende Fritzbox 6660 Cable schließlich, vom Februar 2020, hat zwar schon WiFi-6, aber ebenfalls kein ISDN mehr an Bord. Irgendwann darf auch ein Fritzbox-Hersteller diese alten Zöpfe abschneiden, weil sie halt kaum noch jemand braucht.

Im Inneren läuft das funktionsreiche und trotzdem immer noch leicht bedienbare Betriebssystem FRITZ!OS. Kurzum: Die Ausstattung ist auf der Höhe der Zeit. Es sei denn, man braucht unbedingt noch ISDN. Oder man will schon WiFi-6e.

Neben dem maximalen Durchsatz messen wir wie immer die Reichweiter der Fritzbox an fünf immer weiter entfernten Messstationen. Wir schließen dazu unsere bewährte 10-Gigabit-NAS-Station Synology DS1618+ an den 2,5 GbE Port der 6690 an und bekommen einen Durchsatz um die 950 MBit/s auf unser WiFi-6-Notebook. Große Enttäuschung! Das ist zu wenig für einen 4800-MBit/s-Funker. Offenbar limitiert unsere 6690 den Durchsatz am 2,5-GbE-Port knapp unter 1000 MBit/s herunter. Also hängen wir eine andere, vielfach Test-bewährte 10-Gigabit-NAS von Buffalo an die 6690 und der Durchsatz bremst sich erneut bei 950 MBit/s ein. Offenbar zickt der 2,5-GbE-Port unserer 6690. Ist das ein Einzelfall? Eine Suche im Web zeigt, dass auch andere Kollegen dieses Problem haben, allerdings nur teilweise.

Um den „empfindlichen“ 2,5-GbE-Port zu umgehen, verbanden wir unsere zwei 10-Gigabit-NAS-Server mit den zwei 1-Gigabit-LAN-Ports 3 und 4 der 6690. Dann griffen wir mit zwei performanten WiFi-6-Workstations gleichzeitig per WLAN auf große Dateien in den zwei NAS-Servern zu. Dabei lief jede WLAN-6-Workstation ruckzuck auf 950 MBit/s hoch, in Summe also 1900 MBit/s gleichzeitig, per WLAN. Leider hatten wir keinen dritten Multi-Gigabit-NAS-Server, sonst hätten wir diesen auch noch an den dritten 1-GbE-LAN-Port der 6690 angeschlossen und per WLAN darauf zugegriffen. Vielleicht hätten wir so die 2-Gigabit-Marke per WLAN knacken können.

Im Weiteren geht es nicht um den maximalen Durchsatz nur auf kurze Distanz, sondern um die WLAN-Reichweite, genauer gesagt, um das Rate-over-Range-Verhalten der 6690. Wir messen den WLAN-Durchsatz mit drei verschiedenen Smartphones (von Wifi-5 bis Wifi-6E) an fünf zunehmend schwierigen Stellen unserer Stadtwohnung. Das heißt, in einem leider sehr übervölkerten 2,4-GHz-Band, und in einem gottlob nur mäßig verschmutzten 5-GHz-Band. Dabei steht die Fritzbox 6690 vorsätzlich an der funktechnisch ungünstigsten Stelle der Wohnung, links oben, im Dachgeschoss, damit die Teststrecke so schwierig wie möglich wird. Die Frage lautet nun: Wie viel WLAN-Speed kommt an den Messpunkten 1, 2, 3, 4, 5 tatsächlich an?

Im 2,4-GHz-Band lag das Wifi-6E-Handy Google Pixel 6 Pro (graue Kurve) im Netto-Speed nur knapp über dem normalen Wifi-6-Handy Samsung Note10+ (braune Kurve). Das 5 Jahre alte LG G6 dagegen (blaue Kurve) hat erheblich weniger Speed aus der 6690 herausgeholt.

Schön sind die ausgesprochen flachen Kurven: Das heißt, der Durchsatz sackt nicht gleich ab, sondern kommt auch am entfernten Messpunkt 5 bei allen Smartphones noch sehr brauchbar an.

Im 5-GHz-Band dagegen funkte das Wifi-6E-Handy von Google (graue Kurve) im Netto-Speed merklich schneller als das normale Wifi-6-Handy von Samsung (braune Kurve). Das 5 Jahre alte LG G6 dagegen (blaue Kurve) hat viel weniger Speed aus der 6690 herausgeholt.

Und was bedeutet das nun für die Internet-Verteilung in der Wohnung? Würde man der 6690 nur VDSL 50 (über ihren WAN-LAN-Port) zuspielen, dann könnte sie diesen Speed in allen Räumen auf alle fünf Handys verlustfrei verteilen. VDSL 100 würde sie im hintersten Zimmer nur auf das WLAN-starke Google Pixel 6 Pro verlustfrei übertragen.

Würde die 6690 selber und direkt an einem guten Kabel 500 Internet-Anschluss hängen, dann könnte zumindest das Pixel 6 Pro WiFi-6E-Handy den vollen Speed in Zimmer 1 und 2 empfangen. Das Samsung Note10+ läge in Zimmer 2 schon knapp unter 500 MBit/s.

Ganz nebenbei zeigen unsere Messungen: Die Leistung einer Fritzbox 6690 hängt sehr stark davon ab, mit welchem WLAN-Endgerät wir darauf zugreifen.

Zur Überprüfung der Reichweite haben wir die 6690 auch mal auf unsere Outdoor-Messstrecke zum Friedensengel München mitgenommen.

  • Messpunkt 1 war direkt am Fuße des Engels, drei Meter von der rot-weißen 6690 entfernt.
  • Messpunkt 2 war in 100 Meter Sichtweite, am Ost-Ufer der Isarbrücke.
  • Messpunkt 3 war in knapp 200 Sichtweite, am Westufer der Isarbrücke.

Bei 100 Metern Entfernung, auf Messpunkt 2, waren die jüngeren Handys mit Wifi-6 und Wifi-6E im 2,4 GHz Band fast gleich gut: 61 und 69 MBit/s. Das ältere Wifi-5-Handy war hier mit 18 MBit/s ebenfalls noch brauchbar.

Bei knapp 200 Metern, auf Messpunkt 3, schaffte das Wifi-5-Handy nur noch 8 MBit/s. Die beiden moderneren Handys lagen dagegen bei 37 und bei 38 MBit/s.

Etwas größer waren die Unterschiede im leistungsstärkeren 5 GHz-Band. Das moderne Google-Wifi-6E-Handy holte am weitesten Punkt, bei fast 200 Metern, noch 259 MBit/s aus der entfernten Fritzbox 6690. Das ebenfalls recht gute Samsung-Wifi-6-Handy schaffte noch 87 MBit/s. Und auch das WLAN-technisch viel schwächere LG G6 war auf knapp 200 Meter Distanz mit 57 MBit/s ebenfalls noch zum Surfen und Video-Streamen voll brauchbar.

Die WLAN-Reichweite der 6690 ist also gut, drinnen wie draußen. Sie schlägt auch die Leistung der Fritzbox 6660. Man kann die 6690 an trockenen Tagen auch mal auf eine überdachte Loggia stellen, um einen großen Garten mit WLAN zu versorgen. Alternativ empfiehlt sich für große Freiflächen der Einsatz eines wetterfesten Outdoor-WLAN-Funkers. Etwa die von uns getesteten Modelle AP 17 von Aruba (Testbericht) oder EAP110 von TP-Link (Testbericht).

Im Standby zog die Fritzbox 6690 etwa 13,3 Watt aus der 230-Volt-Dose. Dabei war nur ein einziges WLAN-Gerät über 5 GHz mit dem Router verbunden. Beim Download großer Dateien aus der NAS via WLAN waren es knapp 16,6 Watt.

Die Standby-Werte sind besonders relevant, weil vor allem WLAN-Router, aber auch WLAN-APs oder WLAN-Mesh-Repeater oft bis zu 365 Tage im Jahr nonstop am 230-Volt-Strom hängen.

Für viele User dürfte die 6690 die beste Kabel-Fritzbox aller Zeiten sein. Sie hat WiFi-6, genau wie die kleinere 6660 Cable, schafft aber mit 4800 MBit/s den doppelten Durchsatz. Auch die acht großen WLAN-Antennen der 6690 sind besser als die vier winzigen in der 6660. Zusammen mit Zero Wait DFS funkt die 6690 stabiler und weiter als die 6660. Dzu kommt ein praktischer TV-Empfänger.

Beim Kabel-Modem liegt die 6690, genau wie die 6660, mit 6 Gigabit im Download und 2 Gigabit im Upload weit über den Raten, die ein Internet-Provider hierzulande liefert. Hatte die 6660 noch 1x USB-2, sind es bei der 6690 nun 2x USB-3. Wer schnelle Speicher extern an die 6690 anbinden und damit eine kleine NAS bauen will, wird sich freuen.

Beim gelben LAN-Block hat die 6690 Cable 3x1000 und 1x2500 MBit/s. Die 6660 hatte sogar schon 4x1000 und 1x2500 MBit/s. Ein LAN-Port weniger wäre ja nicht das Problem, aber ausgerechnet der 2,5-GbE-Port der 6690 hat im Test gezickt. Just dieser schnellste Port ist für User mit einer größeren Multi-Gigabit-Umgebung, oder auch nur einer einzigen Multi-Gigabit-NAS-Station, von essenzieller Bedeutung. Alle anderen User werden es kaum merken, dass am 2,5-GbE-Port mitunter nur 1000 MBit/s kommen.

Zurück ins Gestern: Wer noch hausinternes ISDN braucht, muss zum WiFi-5-Vorgänger 6591 Cable aus dem Jahr 2019 greifen. Das hat AVM bei der 6660 schon weg gespart. Und wer schon in der Zukunft lebt, also mit WiFi-6E störungsarmes WLAN im 6 GHz Band genießen will, muss bei AVM noch eine Weile warten.

Empfehlung? Der Autor dieser Story ist wieder zur Fritzbox 6660 (Testbericht) zurückgekehrt. Die läuft seit 2020 stabil an einem Vodafone Kabel 1000 Anschluss. Und auch der 2,5 GbE Port hat an der 6660 noch nie gezickt.

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