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Asus Zenfone 7 Pro: Turbo-Smartphone mit Flip-Kamera
Pro und Contra
  • Design
  • Display
  • Ausstattung mit Flip-Kamera
  • Keine IP-Zertifizierung
  • Kein Wireless Charging
  • 4.0

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Mit Rechenpower, Flip-Kamera-Konzept und Spitzen-Display will Asus im High-End-Bereich der Smartphones mitmischen. Ob das gelingt, klären wir im Test.

Der taiwanische Hersteller Asus wird hierzulande hauptsächlich mit Computer-Hardware in Verbindung gebracht. Letztes Jahr überraschte er den Smartphone-Markt mit dem ausgefuchsten Flip-Kamera-Konzept im Zenfone 6 (Testbericht) , dem allerdings auf den letzten Metern etwas die Puste ausging. Ein Jahr später ist Asus mit dem Zenfone 7 zurück und setzt diesmal auf eine überarbeitete Flip-Kamera und mehr Rechenpower. Wir haben die Pro-Variante getestet.

Mit seinen 235 Gramm ist das Zenfone 7 Pro nicht unbedingt ein Fliegengewicht, aber bei einer Größe von 158 x 77,8 x 8,1 Millimeter größentechnisch durchaus noch im Rahmen. Große Hände sind hier sicherlich einen Vorteil, aber auch Anwender mit kleinen Händen kommen nach etwas Eingewöhnungszeit schnell mit dem Handling zurecht. Die Verarbeitung ist durchaus ansprechend, grobe Verarbeitungsmängel wie ungleichmäßige Spaltmaße gibt es nicht. Nur leichte Kanten am Übergang vom Display zum Gehäuse stören etwas den fast perfekten Gesamteindruck, fallen aber im Alltag kaum ins Gewicht. Die Antennenfugen lassen sich beim Abtasten nur erahnen, was den sehr wertigen Eindruck unterstreicht. Vorder- und Rückseite sind mittels fast aktuellem Gorilla Glas 6 geschützt, bei den Seiten greift Asus auf dunkles Aluminium zurück, was dem Zenfone eine hohe Wertigkeit verleiht.

Die Rückseite ist hochglänzend und bietet hier einen spannend changierenden, grün-bläulichen Farbeffekt. Zwar sieht man auch hier Fingerabdrücke, diese halten sich aber trotz der Hochglanzoberfläche in Grenzen und fallen auch bei direktem Lichteinfall nicht zu sehr ins Gewicht. Schade aber kein Beinbruch: Auf dem mitgelieferten Testmodell befindet sich ein CE-Aufkleber, der sich nicht ohne unschöne Klebereste entfernen lässt. Fingerabdrücke und der Aufkleber lassen sich dank den beiden im Lieferumfang enthaltenen Schutzhüllen problemlos vermeiden, außerdem packt Asus eine Schutzfolie für das Display in den Lieferkarton.

Aufgrund der Flip-Kamera entfällt die Notch auf der Vorderseite, wodurch die Darstellung auf dem Display nirgendwo gestört wird. Der schmale Bildschirmrand fügt sich mit je 3 Millimeter links und rechts sowie 4 Millimeter oben und unten gut in das moderne Gesamtbild. Die Flipkamera steht etwas aus der Rückseite heraus, schließt mit der mitgelieferten Hülle jedoch nahezu bündig ab. An der rechten Seite befinden sich der Volume-Regler sowie die Power-Taste, die gleichzeitig auch per integriertem Fingerabdruck-Scanner das Handy entriegelt. Der Hub des Volume-Reglers geht soweit in Ordnung, allerdings ist die Führung etwas wackelig, wodurch sowohl Power- als auch Volume-Schalter wenige Millimeter Spiel besitzen. Das sollte in der Oberklasse nicht vorkommen, allerdings ist Asus nicht der einzige Hersteller mit solchen kleinen unschönen Details. An der Fußseite befinden sich USB-C-Anschluss, Lautsprecher und eine Status-LED.

Das OLED-Display des Zenfone 7 Pro besitzt bei 6,67 Zoll eine FHD+-Auflösung von 2400 × 1080 Pixel. Dies ergibt eine Pixeldichte von 395 ppi (Pixel pro Zoll), was in der Preisklasse zum Durchschnitt gehört. Zum Vergleich: Das günstige Mittelklassemodell Xiaomi Redmi Note 9 Pro (Testbericht) besitzt denselben ppi-Wert, kostet allerdings nur ein Drittel des Zenfone 7 Pro. Davon abgesehen begeistert das Zenfone 7 Pro im Alltag mit einem gestochen scharfen und kontrastreichem Bildschirm, der zudem mit einer dauerhaft aktiven 90-Hertz-Funktion überzeugt. Dies ermöglicht flüssiges Scrollen und ist angenehmer für die Augen. Auffällig: Eine 60-Hertz-Option gibt es nicht, diese könnte sich allerdings positiv auf die Akkulaufzeit auswirken.

Hinsichtlich Farben, Kontrast und Blickwinkel gibt sich das Zenfone 7 Pro keine Blöße. Im Vergleich zum iPhone 11 wirken die Farben etwas präsenter, das iPhone hingegen etwas wärmer. Der Kontrast wirkt gestochen scharf, die Farben sehen natürlich aus, auch aufgrund der HDR+-Funktion und der Blickwinkel wird es der Preisklasse gerecht. Die Helligkeit von 470 cd/m² ist in der Oberklasse nicht übermäßig hoch, Platzhirsche wie Samsung bieten teils etwa doppelte Leuchtkraft. Im Alltag schlägt sich der Screen des Zenfone aber ordentlich, auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Display noch gut ablesbar.

Das Highlight des Zenfone 7 Pro ist die Flip-Kamera, die aus einem waagerecht nebeneinander angeordneten Dreifach-Modul mit Weitwinkel-, Ultraweitwinkel- und Telekamera besteht. Eine dedizierte Frontkamera gibt es nicht, durch den motorischen Klappmechanismus wird die Hauptkamera zur Selfie-Cam. Sie bietet dadurch alle Annehmlichkeiten der Hauptkamera wie hohe Bildschärfe, optischen Zoom und Bildstabilisierung. Angst vor schnellem Verschleiß und mechanischer Fehlfunktion müssen Nutzer dabei nicht haben. Asus garantiert problemlose 200.000 Öffnungen, wodurch das Zenfone auch bei Vielnutzung mindestens fünf Jahre problemlos seinen Dienst verrichten soll. In unserem vergleichsweise kurzen Testzeitraum machte der Schrittmotor für die Kamera keinerlei Probleme.

Die Hauptkamera bietet 64 Megapixel und setzt auf einen Sony-IMX686-Sensor und F1.8-Blende. Dieser Sensor kommt auch in etlichen Topmodellen anderer Hersteller zum Einsatz und bietet rechnerisch eine effektive Pixelgröße von 1,6 µm dank Pixel-Binning. Dadurch nimmt das Smartphone ab Werk Bilder mit 16 Megapixel auf, bei Bedarf kann man aber auch die vollen 64 Megapixel verwenden. HDR wird dabei laut Hersteller nicht unterstützt. In der Ultra-Weitwinkel-Kamera arbeitet ein Sony IMX363 Flaggschiff-Sensor, die Pixelgröße beträgt 1,4 µm bei 12 Megapixel und auch Makroaufnahmen sind möglich, bei denen man 4 Zentimeter nah ans Motiv herankommt. Als drittes Objektiv steht die Tele-Kamera mit 8 Megapixel zur Verfügung, die einen dreifach-optischen sowie einen zwölffachen digitalen Zoom (Pro-Version) ermöglicht. Er besitzt wie die Hauptkamera eine optische Bildstabilisierung (ebenfalls der Pro-Version vorenthalten).

Im Praxistest überzeugt die Hauptkamera mit scharfen Bildern und die hervorragende Bilddynamik begeistert. Beim Ultra-Weitwinkel fällt die fehlende Verzerrung an den Bildrändern positiv auf. Der bei Bedarf automatisch aktivierte Makro-Modus verrichtet problemlos seinen Dienst, allerdings wäre hier etwas mehr Bildschärfe wünschenswert gewesen. Der Nachtmodus hinterlässt einen guten Eindruck. Zwar verschwimmen im Hintergrund die Lichter etwas, der Bildmittelpunkt wird jedoch gut und mit ausreichender Bildschärfe dargestellt. Auch das Teleobjektiv mit seinem festen dreifachen objektiven Zoom leistet gute Arbeit, es holt Motive ohne sichtbaren Qualitätsunterschied deutlich näher.

Highlight der Kamera ist und bleibt die Flip-Funktion. Per Knopfdruck schwingt sie nach vorn, wodurch sich nun die drei Objektive im Selfie-Modus verwenden lassen. Der Porträt-Modus erzeugt einen schönen und natürlichen Bokeh-Effekt. Besonders nützlich gestaltet sich die Flip-Kamera im Panorama-Modus. Hierbei hält man das Zenfone einfach quer und der Schrittmotor setzt sechs Winkel an, mit denen ein 180-Grad-Blickfeld abgedeckt wird. Eine Bewegung von Smartphone oder Nutzer ist dadurch nicht nötig, die Flip-Kamera übernimmt alle nötigen Ausrichtungen selbständig.

Der Schrittmotor kommt zudem optional bei Videoaufnahmen im Bewegungsverfolgungs-Modus zum Einsatz, bei dem das anvisierte Objekt automatisch von der Kamera verfolgt wird. Im Test stellt sich jedoch heraus, dass die Funktion bei schnellen Objekten ihre Schwierigkeiten hat. Bei ausreichender Entfernung ergibt die mechanische Verfolgung in Kombination mit der Bildstabilisierung hingegen durchaus einen Mehrwert. Bei Bedarf lassen sich Videos mit 8K-Auflösung und 30 fps aufzeichnen. Entsprechende Fernseher oder Monitore sind allerdings nach wie vor so teuer, dass diese hohe Auflösung kaum Vorteile bietet. Bewegt sich die Kamera, ergibt dies zudem mangels ausreichender Bildstabilisierung ein unruhiges Bild und bei Schwenks kommt wegen der niedrigen Bildzahl pro Sekunde trotz des Pixel-Overkills Unschärfe hinzu. 4K und Full-HD lassen sich hingegen mit 60 FPS aufnehmen und bieten einen ruhigen Bildfluss.

Während das Zenfone 7 mit einem modernen Qualcomm Snapdragon 865 mit 2,84 Gigahertz ausgestattet ist, greift die Pro Version mit dem Snapdragon 865+ auf einen Achtkern-Prozessor mit der erhöhten Taktrate von 3,1 Gigahertz zurück. Der Snapdragon 865+ gehört aktuell zu den schnellsten Prozessoren im Smartphone-Bereich, was sich in im Benchmark PCMark Work 2.0 durch einem Performance-Score von rund 15.500 bemerkbar macht. Im neuen 3DMark-Wildlife-Benchmark erreicht das Smartphone einen Wert von etwa 4130 Punkten. Beide Werte können sich wirklich sehen lassen und sprechen für die Leistungsfähigkeit des Zenfone 7 Pro.

Der LPDDR5-RAM ist 8 GByte groß und passt dank der aktuellsten Technik gut in die Preisklasse des Zenfone 7 Pro. Im Alltag merkt man die Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers besonders durch schnelle Ladezeiten und fehlender Latenz bei vielen geöffneten Programmen. Die Pro-Variante verfügt über 256 Gigabyte internen Speicher, das Standardmodell nur 128 Gigabyte. Bei Bedarf lässt sich der Speicher per MicroSD erweitern, der Kartenslot nimmt außerdem zusätzlich zwei Sim-Karten auf. Der Fingerabdrucksensor ist schnell eingerichtet und funktioniert problemlos, optional steht auch eine Gesichtserkennung zur Verfügung. Diese muss allerdings manuell ausgelöst werden und per PIN alle 24 Stunden bestätigt werden, was etwas umständlich anmutet, aber wegen der niedrigeren Sicherheit von einfachen 2D-Kameras als Entsperrmethode erklärbar ist. Mit Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1, 5G und NFC ist das Zenfone 7 Pro zudem gut für die Zukunft gerüstet. Schade nur, dass kein USB-C-auf-Klinke-Adapter im Lieferumfang enthalten ist, dafür unterstützt Bluetooth jedoch den Hifi-Audio-Codec aptX und aptX HD. Für ein Topmodell unpassend: Eine IP-Zertifizierung und damit Schutz vor äußeren Einflüssen wie Wasser und Staub fehlt.

Als Software verwendet das Zenfone 7 Pro Android 10, Asus gibt hierbei eine zweijährige Update-Garantie des Betriebssystems und des Sicherheits-Patches. Dieser ist bei der Testversion allerdings auf Stand vom 5. September 2020, was nicht gerade aktuell ist und zügig aktualisiert werden sollte. Das Userinterface ZenUi 7 ist in seiner Bedienbarkeit tadellos und wirkt aufgeräumt. Asus legt noch eine Data-Transfer-App drauf, unnötige Drittanbieter-Apps halten sich zum Glück in Grenzen und lassen sich bei Bedarf schnell deinstallieren.

So viel Leistung benötigt natürlich auch entsprechend Energie, weswegen Asus das Zenfone Pro 7 mit einem Akku mit satten 5000 mAh ausstattet. Daher überrascht es, dass dieser im PCMark Battery Test bei Maximal-Leistung mit 8,25 Stunden und bei ausgeglichener Leistung auch nur mit 10,5 Stunden vergleichsweise mittelmäßig abschneidet. Bei 5000 mA hätten wir mehr erwartet. Abhilfe hätte hier eine Reduzierbarkeit der Bildwiederholungsfrequenz auf 60 Hz schaffen können, auf die verzichtet Asus allerdings wie eingangs erwähnt. Wer möchte kann über das übersichtliche Batteriemanagement noch Extra-Laufzeit herauskitzeln. Und mit der Quick-Charge-Schnellladefunktion in Kombination mit dem mitgelieferten 30-Watt-Netzteil lassen sich 50 Prozent des Akkus in gerade einmal einer halben Stunde laden. Wermutstropfen ist allerdings, dass es keine Möglichkeit zum induktiven Laden gibt, was in der gehobenen Preisklasse mittlerweile recht weit verbreitet ist.

Das Zenfone 7 Pro ist in den Farben Aurora Schwarz und Pastell Weiß erhältlich. Die getestete Pro-Version hat eine UVP von 799 €.

Das Zenfone 7 Pro weiß durchaus zu überzeugen. Zwar stellt sich die Frage, ob sich der Aufpreis der Pro-Version für 128 Gigabyte mehr Speicher, einen etwas schnelleren Prozessor und den Bildstabilisator der Kamera lohnt. Da der in der schwarzen Version aber sehr überschaubar ausfällt, würden wir dazu raten.

Das Display wird der gehobenen Preisklasse gerecht und weist hohe Qualität auf. Mit überzeugender Rechenleistung und sonstiger Ausstattung ist das Zenfone 7 Pro für die Zukunft gut gerüstet. Die Flip-Kamera als Kernfeature des Asus Zenfone 7 Pro hinterlässt gemischte Gefühle. Die Qualität ist klasse, der Mehrwert beschränkt sich allerdings in erster Linie auf Benutzer, die viel mit der Frontkamera arbeiten. Unterliegt diese bei anderen Smartphones nämlich hinsichtlich Auflösung und Features meist der Hauptkamera, muss man mit der Flip-Kamera nun keine Kompromisse mehr eingehen. Wer die Selfiecam jedoch kaum nutzt, wird von der Flip-Funktion eher weniger Gebrauch machen. Dann bleibt nur ein cooles Feature, was bei Umstehenden sicherlich für einen Überraschungseffekt sorgen wird.

Negativ wirken sich für den aufgerufenen Preis das fehlende IP-Zertifikat sowie der Verzicht auf das Wireless-Charging aus, die bei der Konkurrenz inzwischen weit verbreitet sind. Schade auch, dass sich Asus gegen einen Klinken-Anschluss für Kopfhörer entschieden hat und der Käufer den USB-C-Adapter separat erwerben muss. Vom Akku hätten wir uns ebenfalls etwas mehr erwartet, auch wenn er im Alltag ausreichend ist.

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