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Asus ROG Phone 5
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Gaming-Smartphones sind nicht für Jedermann, das Asus ROG Phone 5 versucht aber, eine gute Balance zwischen Zocken und Alltag hinzubekommen. Das gelingt auch ohne Einbußen beim Gaming überraschend gut.

Wer sich wundert, dass das ROG Phone 4 an ihm vorbeigegangen ist: Keine Sorge, ein solches Modell gab es nie. Angeblich, weil die Vier in China eine Unglückszahl ist, entsprechend hat Asus sie einfach übersprungen. Entsprechend folgt auf das ROG Phone 3 (Testbericht) nun das ROG Phone 5 und das will mit Spitzenleistung, schickem Design und zusätzlichen Schultertasten erneut bei Gamern in aller Welt punkten. Neben Snapdragon 888, OLED-Display mit 144 Hz und viel Speicher gibt es aber auch einen Rückschritt zu verzeichnen: Der ansteckbare Lüfter, der zuvor immer im Lieferumfang lag, ist nun nicht mehr kostenlos dabei. Dafür zusätzliche Sensortasten auf der Rückseite – allerdings nur beim Ultimate-Modell. Das verfügt zudem über besonders viel Speicher, aber auch das von uns getestete ROG Phone 5 ist alles andere als ein Speicher-Knauserer.

Extrem auf Blickfang ausgelegt ist das Asus ROG Phone 5 nicht. Klar: Es gibt auf der Rückseite eine farbige LED-Matrix, auf der das ROG-Logo (Republic of Gamers) in allen erdenklichen Farben blinken, pulsieren oder auch permanent leuchten kann. Ansonsten geht gerade die dunkle Version eher als schick denn extrovertiert durch. Die Rückseite ist aus Glas (Victus) und ist an den Rändern ordentlich gerundet, damit das Smartphone gut in der Hand liegt. Darauf gibt es diverse Punkt- und Strichmuster zu sehen, außerdem auch einige rote Farbakzente. Ein paar Worte und Ziffern sorgen zudem für Aufmerksamkeit, sofern man genauer hinschaut. Auch die Kameraeinheit ist vieleckig ausgelegt und dadurch vergleichsweise außergewöhnlich. Das alles ist aber nicht um jeden Preis auffällig, sondern passt: Erst auf den zweiten Blick hebt sich das Modell – abgesehen vom leuchtenden Logo – von herkömmlichen Smartphones ab.

Der Metallrahmen verbindet Front- mit Rückseite. Er ist wie der Rest des Smartphones hervorragend verarbeitet, wodurch das Zockerhandy fast wie aus einem Guss wirkt. Im Hochformat auf der linken Seite befindet sich der rot akzentuierte SIM-Tray für zwei Nano-SIMs und eine Gummiabdichtung. Die ist zwar notwendig, aber gleichzeitig auch der größte Kritikpunkt in puncto Verarbeitung. Die schmale, etwa 2 cm lange Abdeckung schützt den mittig angebrachten zusätzlichen USB-C-Port, der auch beim Zocken im Querformat störungsfreies Laden erlaubt. Direkt daneben befindet sich ein PIN-Connector anstelle des bei älteren Modellen zusätzlich verwendeten USB-Anschlusses für andockbares Zubehör wie den eingangs angesprochenen aktiven Lüfter. Da der PIN-Connector nicht sehr weit ins Gehäuse steht, will dort die Gummiabdeckung nicht so recht halten und beim Drüberstreichen mit den Fingern kann sich früher oder später der Schutz lösen und verlorengehen. Das hat wohl auch der Hersteller erkannt und legt gleich einen Ersatz mit in den Lieferumfang. Ansonsten ist die Verarbeitung makellos, auch die Tasten lassen sich perfekt bedienen.

Vorn fällt – abgesehen vom riesigen Display an sich – der zumindest oben und unten recht breite Rahmen auf. Das liegt daran, dass Asus keine eventuell bei Spielen störende Notch für die Frontkamera integriert hat, stattdessen die breiteren Ränder. Sie enthalten neben der Frontkamera an beiden Enden des Panels je einen kräftigen, nach vorn gerichteten Lautsprecher. Bleibt noch eine Anmerkung zu den Maßen: Das ROG Phone 5 ist gute 10 Millimeter dick und wiegt fast 240 Gramm – das ist ein ganz schöner Klopper. Immerhin rechtfertig ein 6000 mAh starker Akku die Bauform, außerdem merkt man die erst, wenn man das Gaming-Smartphone in die Hand nimmt, denn plump wirkt es sicherlich nicht. Schwitzige Hände sollten beim Gamen kein Problem darstellen, eine IP-Zertifizierung darüber hinaus gibt es nicht.

Das Display des Asus ROG Phone 5 ist dem Thema Gaming entsprechend richtig groß: Knapp 6,8 Zoll misst der Screen, der auf OLED-Technik und eine Auflösung von 2448 x 1080 Pixel setzt. Dabei schafft das Panel eine Bildwiederholungsrate von stolzen 144 Hz, was die Darstellung bewegter Inhalte sichtbar flüssiger wirken lässt. Das Smartphone schaltet automatisch zwischen 60, 120 und 144 Hertz um, Werte dazwischen kann es nicht ansteuern. Die Helligkeit des Displays liegt im manuellen Modus bei ordentlichen 450 cd/m2, im Automatikmodus konnten wir sogar rund 750 cd/m2 messen – ein sehr guter Wert. Damit können Inhalte auch im Freien gut abgelesen werden.

Das liegt natürlich auch an den guten sonstigen Werten. OLED-typisch ist die Blickwinkelstabilität sehr gut, Kontraste, Schwarzwert und Farbintensität sind auf Wunsch sehr ausgeprägt. Im Modus „natürlich“ werden Farben hingegen sehr realitätsnah angezeigt, der voreingestellte „Standard“-Modus wirkt hingegen etwas kühl. Neben weiteren Einstellungsmöglichkeiten bietet das Gaming-Phone schicke Always-on-Display-Varianten, die gut zum Thema passen. Insgesamt ist das Display des Asus ROG Phone 5 klasse.

Bei der Kamera enttäuscht das Asus ROG Phone 5. Nicht weil die Fotos, die dabei herauskommen, schlecht wären, sondern darum, weil sich im Vergleich zum Vorgänger nichts geändert hat. Das geht in der 1000-Euro-Klasse eigentlich nicht, zumal sie dort auch schon nicht Highend war. So verpasst Asus es, aus dem Nischenprodukt Gaming-Smartphone ein Gaming-Alltags-Smartphone zu machen. Einfach, indem der Hersteller eine richtig gute Kamera eingebaut hätte. Stattdessen setzt er auf die gleichen Komponenten wie im Vorgänger ROG Phone 3: Hauptkamera mit 64 Megapixel und f/1.8 (Sony IMX686), Weitwinkel mit 13 Megapixel und f/2.4 sowie Makrokamera mit 5 Megapixel.

Bei Tageslicht sind die Ergebnisse auf den ersten Blick ordentlich, im Detail werden dann aber doch einige Mängel sichtbar. Das betrifft vor allem Bildschärfe und Bilddynamik, beides kann nicht mit ähnlich teuren Topmodellen anderer Anbieter mithalten und bewegt sich letztendlich eher auf dem Niveau der gehobenen Mittelklasse. Das passt nicht zum Flagship-Preis und der restlichen Hardware. Hinzu kommen blasse Farben und Bildrauschen, das bei wenig Licht schnell zunimmt. Gerade dann wird der Unterschied zu guten Smartphone-Kameras wie etwa in einem Samsung Galaxy S21 Ultra (Testbericht) sehr deutlich, ohne wirklich schlechte Qualität abzuliefern – Mittelklasse halt.

Die Makroaufnahmen gehen in Ordnung, nach dem ersten Ausprobieren dürften die meisten Nutzer mangels Brillanz aber eh darauf verzichten. Die Frontkamera knipst mit ihren 24 Megapixel ausreichend kontrastreiche und gesättigte Bilder, etwas mehr Schärfe wäre aber schön gewesen. Bei Videos gilt in ähnlicher Form das, was auch für Fotos gilt: Die Qualität ist generell gut, ebenfalls die Bildstabilisierung. Preislich ähnlich angeordnete Flagship-Modelle der Konkurrenz sind aber auch hier klar besser. Videos in 8K sind in erster Linie eines: Datenblatt-Aufhübscher und Speicherfresser. 10 Sekunden benötigen mal eben locker 140 MByte, dabei sinkt die Leistungsfähigkeit der Bildstabilisierung und mangels 60 FPS sehen Bilder selbst bei 7680 × 4320 Pixel bei Schwenks nicht ganz scharf aus – dann doch lieber “nur” 4K/60. Schade: Obwohl die Qualität der beiden Hauptlinsen nicht übel ist, passen sie wie schon beim Vorgänger und anderen Gaming-Smartphones einfach nicht zu Preis und restlicher Ausstattung. Warum müssen sich Gamer immer zwischen toller Hardware und guter Kamera entscheiden?

Es wurde bereits angesprochen: Die Hardware des Asus ROG Phone 5 ist über alle Zweifel erhaben. Angetrieben wird das Gaming-Smartphone von einem Qualcomm Snapdragon 888 mit Adreno-660-GPU, dem aktuell schnellsten Smartphone-SoC in Android-Geräten. Zusammen mit bis zu 18 GByte RAM in der Ultimate-Edition ergibt das Leistung ohne Ende. Unser Testgerät hat „nur“ 16 GByte RAM und 256 GByte internen Speicher, der nicht erweiterbar ist. In Benchmarks erreicht das neue Modell, bei PCmark Work 3.0 stolze 19.000 Punkten und hängt den Vorgänger ROG Phone 3 (Testbericht) locker ab. Bei 3DMark Wildlife kommt es auf über 5700 Punkte und gehört damit zu den schnellsten Smartphones auf dem Markt. Modelle wie ein Xiaomi Mi 11 (Testbericht) mit gleichem Chipsatz schneiden bisweilen deutlich schlechter ab, das spricht für eine gute Kühlung und/oder bessere Treiberanpassung im Asus-Smartphone. Im Alltag ist das alles egal, schneller als schnell geht einfach nicht. Ruckler sind dem ROG Phone 5 fremd, Ladezeiten sind im Rahmen der Möglichkeiten im Nu vorbei. Einer der Gründe dafür dürfte der schnelle UFS-3.1-Speicher sein, den der Hersteller einbaut. Mit 144 bzw. 120 Hertz im Gaming-Modus (X-Mode) wirkt das Zockerhandy in allen Lebenslagen absolut überlegen. Das funktioniert auch ohne den externen Lüfter, der beim Rog Phone 5 dazugekauft werden muss. Beim Vorgänger nervte er zwar bei längerem Gebrauch wegen seines klar hörbaren Lüftergeräusches, kühlte das Smartphone aber spürbar herunter.

Dass diese Leistung auch in Spielen abgerufen werden kann und dort voll zur Geltung kommt, sollte klar sein. Fast alle Spiele laufen mit maximalen Details unglaublich schnell und flüssig, nur bei wenigen Ausnahmen wie etwa PUBG Mobile bringt die hohe Bildwiederholungsfrequenz des Displays nichts, da selbst die Leistung des Asus-Smartphone dafür nicht reicht. Hier werden meist um 40 FPS angezeigt. Solche Anzeigen bietet unter anderem der Game-Genie, der in Spielen einfach mit einem Fingerstreich von links aufgerufen werden kann. Er bietet wie schon beim Vorgänger enorm viele Anpassungen für Gamer. Besonders toll: Asus zeigt Spielern, welche Games etwa für 120 oder 144 Hertz oder eine Gamepad-Steuerung ausgelegt sind. Das spart viel Suchzeit im Play Store.

Der zweite USB-C-Anschluss, der sich neben dem PIN-Connector im Querformat unten befindet, bietet USB 3.2, Bildübertragung per Displayport und HDMI sowie Quick Charge 5.0. Beim Vorgänger fehlte sie, beim ROG Phone 5 ist sie wieder da: eine 3,5-Millimeter-Klinke. Sie verspricht dank Quad-DAC hochwertige Audioausgabe. Weiteres Highlight sind die beiden Ultraschall-Schultertasten, die Asus Airtrigger nennt. Sie reagieren auf Berührung, aber auch Berührungsstärke. In Spielen lassen sich damit alle Funktionen belegen, die sonst auf virtuellen Tasten auf dem Bildschirm ausgeführt werden, im Alltag lassen sie sich mit allerlei Funktionen wie dem Starten vordefinierter Apps und Funktionen belegen. Der Fingerabdrucksensor im Display arbeitet zuverlässig, in Relation zum Rest des Smartphones aber vielleicht einen Tick zu langsam. Die Stereolautsprecher sind sehrt laut und klingen für ein Smartphone erstaunlich voll – klasse.

Über Android 11 liegt die ROG UI von Asus, alternativ können Nutzer auch eine klassische Vanilla-Ansicht wählen. Der Game-Genie wurde bereits angesprochen, weitere Funktionen wie ein Bildschirmaufnahme-Tool sind im X-Mode, dem Gamemodus, untergebracht. Hier lassen sich alle möglichen Parameter wie Bildschirmfrequenz, Tastenbelegungen und Netzwerkleistung einstellen. Für Turniere gibt es jetzt außerdem einen speziellen Modus, der einige besonders hilfreiche Funktionen deaktiviert, damit Spieler keinen unfairen Vorteil durch das ROG Phone 5 haben. Der Sicherheits-Patch unseres Testmodells stammte von Juni 2021 und war damit ausreichend aktuell.

Es wurde bereits angedeutet: Satte 6000 mAh leistet der Akku des Asus ROG Phone 5, das ist enorm. Da überrascht es, dass der Battery Test von PCmark nur auf rund 11 Stunden kommt - weniger als beim Vorgänger. Das dürfte an den 120 Hertz liegen, die im X-Mode aktiv sind – und den verwendet das Smartphone bei jedem Benchmark. Geladen ist der auf zweimal 3000 mAh aufgeteilte Akku mit dem serienmäßigen 65-Watt Netzteil nach einer knappen Stunde, das ist richtig schnell. Kabelloses Laden unterstützt das Smartphone hingegen nicht.

Das Asus ROG Phone 5 gibt es in Schwarz und Weiß. In der UVP verlangt der Hersteller für die Speichervariante 8/128 GByte 799 Euro, 12/256 GByte kosten 899 Euro und 16/256 sogar 999 Euro. Die Ultimate-Edition mit 18/512 GByte und zusätzlichen Sensortasten und rückseitigem Display auf der Rückseite kostet sogar 1299,99 Euro – heftig.

Heftig, was Asus mit dem ROG Phone 5 wieder mal auf die Beine gestellt hat. Die Leistung des Gaming-Smartphones ist dank Snapdragon 888 und massenweise Speicher über alle Zweifel erhaben, das OLED-Display eine Wucht. Das Design ist aufregend genug für ein Zockermodell, aber auch hinreichend zurückhaltend, um Käufern jenseits der 30 nicht die Schamesröte bei der Nutzung ins Gesicht zu treiben. Die Akkuleistung ist ebenfalls gut, allerdings ist der Stillstand bei der Kamera ein Rückschritt.

Nach wie vor baut Asus in das Gaming-Modell nur eine Mittelklasse-Kamera ein, noch dazu eine aus dem Vorgängermodell – das ist dem Preis des 5er-Modells nicht angemessen und stellt zudem eine verpasste Chance dar. Mit richtig guter Kamera könnte das Modell nämlich endlich nicht nur für Gamer interessant sein. Auch im Detail fehlt es immer wieder mal im Vergleich zu „normalen“ Highend-Modellen: Kein kabelloses laden, keine IP-Zertifizierung – vielleicht versucht man so, Käufer für beide Smartphone-Arten zu generieren. Denn wer sollte ein normales Gerät kaufen, wenn das Gaming-Modell alles noch besser könnte?

An Gaming-Smartphones haben wir zuletzt außerdem das Lenovo Legion Phone Duel (Testbericht) und das Asus ROG Phone 3 (Testbericht) angezockt.

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