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Apple Airtag
Pro und Contra
  • einfache Einrichtung
  • gut funktionierende Community-Suche
  • funktioniert ohne zusätzliche App
  • funktioniert nur mit iOS
  • Grafische Suchfunktion erst ab iPhone 11
  • keine Befestigungsmöglichkeit
  • 4.5

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Bluetooth-Schlüsselfinder helfen beim Auffinden verlorener Gegenstände, das ist auch beim Apple Airtag so. TechStage zeigt den entscheidenden Unterschied zu anderen Keyfindern und klärt, wann sich der Kauf lohnt.

Schlüsselfinder wie der Tile Pro (Testbericht) oder der Musegear finder 2 (Testbericht) helfen beim schnellen Auffinden von Schlüsselbund, Geldbeutel & Co. Per Smartphone-App wird ein Alarm ausgelöst oder die letzte bekannte Position auf einer Karte dargestellt. In der Vergangenheit haben wir bereits verschiedene Modelle in unserer Themenwelt Schlüsselfinder getestet.

Nun muss das kürzlich veröffentlichte Apple Airtag zeigen, was es in der Praxis leistet und ob sich der Kauf des 35 Euro teuren Gadgets lohnt.

Das Apple Airtag kommt in einer flachen Verpackung und durch aufgeklebte Folie geschützt beim Kunden an. Außer dem Tracker befinden sich lediglich eine Anleitung in der Verpackung.

Das kleine Bluetooth-Gadget hat einen Durchmesser von 32 mm und eine Höhe von 8 mm, was etwa der Größe anderer Tracker entspricht. Das Gewicht beträgt elf Gramm; etwas leichter als beispielsweise der Tile Pro (Testbericht) mit 14 Gramm.

Die Oberseite des Airtags besteht aus einer verspiegelten Metalloberfläche mit dem mittig platzierten Apple-Logo. Die weiße Rückseite aus mittelmäßig hochwertigem Kunststoff ist allerdings weit weniger ansehnlich. Sie versprüht den Charme eines Whiteboard- oder Kühlschrankmagneten. Optik und Haptik sind zwar in Ordnung, so wirklich hochwertig wirkt das Konstrukt dennoch nicht.

Was uns im Vergleich zu allen bisher getesteten Geräten sofort auffällt, ist das Fehlen einer Befestigungsmöglichkeit. Andere Tracker verfügen immer über eine Öse zur Befestigung am Schlüsselbund oder wenigstens über eine Klebefläche – beim Airtag ist eine Anbringung erst mit zusätzlichem Zubehör möglich. Mehr dazu im Abschnitt Zubehör.

Keyfinder helfen bei der Ortung verlorener Gegenstände und dies funktioniert beim Airtag nicht anders als bei anderen Trackern. Die Unterschiede liegen im Detail.

Zur Nutzung wird der Keyfinder zunächst per Bluetooth mit dem Smartphone verbunden; und dieses muss in beim Airtag ein iPhone sein. Während andere Tracker im Appstore oder Playstore herunterladbare Software nutzen, setzt Apple auf die herstellereigene Wo-ist-Anwendung (vergleichbar mit der Gerätesuche von Android), mit deren Hilfe sich auch die Standorte von iPhone oder iPad anzeigen lassen. Für Android-Nutzer sind die Airtags somit nicht verwendbar - der erste große Unterschied zu anderen Keyfindern.

Sind iPhone und Airtag einmal verbunden, kann der Nutzer innerhalb der Bluetooth-Reichweite per App einen akustischen Alarm am Tracker auslösen und ihn so bequem wiederfinden. Eine Rückwärtssuche, bei der man das Smartphone per Tracker klingeln lassen kann, ist beim Airtag allerdings nicht möglich. Bei den Trackern von Tile ist diese Funktion beispielsweise vorhanden.

Zudem speichert das iPhone die GPS-Position, an der Airtag und Smartphone zuletzt Kontakt hatten. Das hilft beim Auffinden von Gegenständen, die sich außerhalb der Bluetooth-Reichweite befinden. Allerdings hilft diese Funktion nur, wenn sich der Gegenstand nicht bewegt.

Die dritte wichtige Funktion ist deshalb die sogenannte Commuity-Suche. Diese ermöglicht das Auffinden des Trackers mithilfe von anderen Nutzern. Sobald ein Apple-Gerät mit der Wo-ist-App in Reichweite eines beliebigen Airtags kommt, sendet es dessen Position an einen Server, der sich wiederum beim Besitzer des Transponders meldet. Hat man seinen Tracker beispielsweise im Bus liegen lassen, würde die App normalerweise lediglich die genutzte Bushaltestelle als letzten Kontaktpunkt anzeigen. Dank anderer iPhone-Nutzer wird die Position des Airtags aber auch während der Weiterfahrt regelmäßig aktualisiert.

Die Einrichtung des Airtags ist, typisch Apple, völlig unkompliziert und innerhalb weniger Minuten erledigt. Nach dem Entfernen der Schutzfolie wird der Batteriekontakt geschlossen und das Airtag schaltet sich ein. Innerhalb weniger Sekunden bekommen wir eine Meldung auf dem daneben platzierten IPhone und beginnen mit der Einrichtung des Trackers. Letztlich stimmen wir dazu nur dem Binden und der Nutzung der Wo-ist-App zu und vergeben einen Gerätenamen. Dieser sollte beschreiben, was man eigentlich sucht, wie beispielsweise Schlüsselbund, Rucksack oder Kopfhörer.

Anschließend bekommen wir das Airtag in der Wo-ist-App angezeigt. Befindet sich der Tracker in Bluetooth-Reichweite, können wir direkt einen Alarm am Airtag auslösen. Das Piepen ist zwar nicht sehr laut (etwa 60 dB aus einem Meter Entfernung), hilft aber zumindest in ruhiger Umgebung beim Wiederfinden. Aktuelle iPhones aus Serie 11 und 12 ermöglichen zudem die Suche per grafischer Richtungsanzeige mithilfe von UWB (Ultra Wide Band). Das iPhone zeigt dann die genaue Richtung und Entfernung zum Tracker an. Bei einer Annäherung unter einem Meter Entfernung beginnt das iPhone dann zu vibrieren. Je näher wir dem Tracker kommen, desto stärker wird die Vibration. Diese Art der Suche hilft vor allem in lauter Umgebung. Bei der Suche in Wohnung oder Büro halten wir die Funktion für unnötig. Das Suchen per Alarm erscheint uns im Normalfall ausreichend und einfacher. Zudem klappt die Suche per Richtungspfeil nicht immer ganz zuverlässig. Während wir bei einigen Versuchen Reichweiten von 12 Metern und mehr erreicht haben, meckerte das iPhone manchmal bei zwei Metern Entfernung über eine schlechte Verbindung und verweigerte die Anzeige. Das Auslösen des Alarms klappt hingegen problemlos schon bei zehn Metern Entfernung und mehr.

Alternativ können wir den letzten bekannten Standort per Kartenansicht überprüfen. Dieser wird selbst dann aktualisiert, wenn sich andere iPhone-Nutzer in der Nähe des Trackers aufhalten. Und genau hier liegt der große Vorteil des Airtags. Kein anderer Tracker konnte bisher mit der Community-Suche überzeugen. Dies ist der Tatsache geschuldet, dass deren gemeinsame Suchfunktion nur mit Geräten mit der herstellerspezifischen Tracker-App funktioniert. Und die Anzahl der Nutzer ist schlicht zu gering, um eine vernünftige Abdeckung zu gewährleisten. Zum besseren Verständnis: Im gesamten Süd-Osten Münchens sind derzeit gerade einmal knapp über 200 andere Nutzer von Tile-Schlüsselfindern unterwegs – das ist für eine große Stadt ernüchternd wenig. Auf dem Land dürfte die Abdeckung noch deutlich dünner ausfallen. Bis hier mal ein anderer Nutzer am Tracker vorbeikommt, dürfte viel Zeit vergehen.

Und genau hier spielt Apple seinen Trumpf aus: Die Airtags werden von allen Apple-Geräten mit der Wo-ist-App getrackt und diese sind bekanntermaßen weitverbreitet. Das Tracking durch andere Nutzer funktioniert beim Airtag durch die weite Verbreitung von iOS-Geräten deutlich besser als bei allen anderen getesteten Geräten. Wir hatten genau diesen Punkt in der Vergangenheit oft kritisiert. Diese Keyfinder-Hersteller müssten einen gemeinsamen Standard nutzen, um eine ausreichend hohe Anzahl an Nutzern für eine gemeinsame Suche zu ermöglichen. So aber ist das Apple Airtag der einzige Schlüsselfinder, bei dem das Tracking beweglicher Objekte tatsächlich sinnvoll funktioniert – zumindest an belebten Plätzen.

In der Praxis lässt sich das Tag zwar auch in einer Großstadt nicht ganz in Echtzeit tracken, eine ungefähre Verfolgung von Bewegungen ist mit einem geringen Zeitversatz (von etwa 10 bis 20 Minuten) trotzdem möglich. Ein missbräuchliches Tracking von Dritten ist somit leider nicht ganz ausgeschlossen. Zwar hat Apple hier vorgesorgt, allerdings vor allem für iOS-Nutzer. Befindet sich ein Tacker außerhalb der Reichweite des Eigentümers und bewegt sich gleichzeitig für einen längeren Zeitraum mit einem fremden iPhone, so warnt dieses den Besitzer und zeigt, wie man das Airtag durch Entnahme der Batterie deaktivieren kann. Android-Handys warnen Ihre Besitzer nicht vor fremden Tracking-Versuchen. Zwar beginnt das Airtag sich nach drei Tagen außerhalb der Reichweite des gekoppelten iPhones auf sich aufmerksam zu machen, in der Praxis dürfte dies aber nicht ausreichen. Der Tracker piept nämlich nur knapp 15 Sekunden lang und schweigt dann wieder. Wer keine Ahnung davon hat, was da eigentlich piept, wird den heimlich im Rucksack platzierten Tracker wahrscheinlich eher durch Zufall finden als durch das kurze Piepskonzert.

Im Praxistest haben wir neben der Rückwärtssuche auch eine Position-Teilen-Funktion vermisst. Wer das Airtag beispielsweise am gemeinsam genutzten Schlüsselbund befestigt hat, kann dessen Position nicht mit anderen Personen teilen. Bei anderen Trackern ist dies in der Regel problemlos möglich.

Wer will, kann den Status seines Airtags auf Verloren setzen. Andere iPhone-Besitzer können dann mithilfe der Wo-ist-App die Anschrift des Eigentümers auslesen und so Kontakt aufnehmen. Android-Nutzer haben diese Möglichkeit nicht.

Wie bereits anfangs erwähnt lässt sich das Airtag ohne Zubehör gar nicht erst an anderen Gegenständen befestigen – eigentlich unverständlich, denn genau dafür ist das Gerät ja gedacht.

Wer seinen Tracker nicht gerade in der Notebooktasche oder seiner Handtasche nutzen will, braucht also zusätzliches Zubehör, um den Tracker beispielsweise am Schlüsselbund zu befestigen. Entsprechende Cases, Hüllen und Taschen gibt es in zahllosen Varianten ab unter zehn Euro.

Am günstigsten sind einfache Hüllen mit Schlüsselring aus Silikon oder Kunstleder. Diese gibt es in vielen Farben und Designs. Ein Fünfer-Paket gibt es ab circa 17 Euro. Minimal teurer sind Hüllen aus Metall oder Leder, etwa ein mit Glitzersteinen verzierte Anhänger für zehn Euro. Wer sein Airtag nutzen will, um die Katze im Keller aufzuspüren, der bekommt auch Hüllen für die Befestigung am Halsband. Auf Thingiverse finden sich zudem einige kostenlose 3D-Druckvorlagen, um den Tracker beispielsweise am Fahrradsattel oder dem Airpod-Ladecase zu befestigen.

Einzeln kostet das Airtag derzeit 35 Euro. Ein Vierer-Paket schlägt mit etwa 116 Euro zu Buche. Damit ist das Modell zwar teurer als billige China-Tracker (Vergleichstest), aber ähnlich teuer wie andere namhafte Keyfinder von Tile & Co. Um das Airtag in der Praxis vernünftig verwenden zu können, kommen hier allerdings noch ein paar Euro für eine entsprechende Hülle dazu. Weitere Kosten für das Tracking fallen nicht an.

Das Apple Airtag ist der Schlüsselfinder mit der aktuell besten Community-Suche auf dem Markt. Das Verfolgen von sich bewegenden Trackern durch Dritte funktioniert zuverlässig und deutlich besser als bei allen anderen Keyfindern, die wir bisher getestet haben.

Bei der Suche von nicht bewegenden Objekten ist das Airtag letztlich aber identisch zu anderen Keyfindern. Hier macht das Gerät zwar einen guten Job, kann sich aber nicht von der Konkurrenz absetzen.

Außerdem ist das Airtag lediglich zu iOS-Geräten kompatibel und auch sonst sind wir nicht restlos überzeugt. Da ist zum einen die fehlende Rückwärtssuche, um mithilfe des Schlüssels das Smartphone zu finden. Auch die fehlende Möglichkeit einen Standort mit anderen Personen zu teilen, fehlt uns beim Gerät von Apple. Wirklich ärgerlich finden wir, dass der Hersteller keine passende Hülle mit Befestigungsmöglichkeit beilegt. Ein Unding und typisch Apple, um den Nutzern noch ein paar Euro mehr aus der Tasche zu siehen!

Für iPhone-Besitzer ist das Airtag aber zweifelsfrei der beste erhältliche Tracker auf dem Markt. Insbesondere die einfache Einrichtung und die gut funktionierende Community-Suche sprechen für den Keyfinder von Apple.

Wer ein Android-Smartphone benutzt, Rückwärtssuche oder Position-Teilen-Funktion braucht, der muss sich nach einem anderen Modell umsehen. Geeignete Geräte zeigen wir in unserem Vergleichstest von 16 Bluetooth-Schlüsselfindern.

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