Amazon Fire Phone im Test: Android ohne Google

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Das Fire Phone sorgt definitiv für Aufmerksamkeit. Es gibt fünf Kameras auf der Vorderseite, von denen vier den Nutzer ständig im Blick behalten, um 3D-Effekte zu ermöglichen. Es gibt einen kostenlosen Support-Videochat, der tagtäglich von 6 bis 24 Uhr mit Problemchen hilft. Und das Fire Phone hat einen direkten Draht zu Amazons gigantischer Multimedia- und Shopping-Maschinerie, Alles-Such-Dienst Firefly inklusive.

Einzigartig, das ist das Fire Phone definitiv. Aber gelingt es Amazon, aus den vielen spannenden Bauteilen eine Einheit zu formen, die funktioniert – oder liegt vor mit auf dem Schreibtisch ein Frankenstein-Phone fürs Gruselkabinett?

Das Amazon Fire Phone fällt auf. Es hat einen für Android-Smartphones eher untypisch, länglichen Formfaktor und ähnelt damit ein wenig den aktuellen iPhones. Die Abmessungen sind in Länge und Breite sogar fast zum aktuellen Apple-Handy identisch, doch das Fire Phone ist mit 8,9 gegenüber 6,9 Millimetern signifikant dicker – und mit 160 Gramm vergleichsweise schwer.

Immerhin: Das stolze Gewicht sorgt für einen soliden Eindruck. Front sowie Rückseite bestehen aus Gorilla Glass 3 und sind von einem Rahmen aus gummiertem Kunststoff eingefasst. Prinzipiell handelt es sich dabei zwar um hochwertige Materialien, doch die Verarbeitung kann nicht überzeugen. Das Glas und der Polyurethan-Kunststoff schließen nicht bündig miteinander ab. Stattdessen gibt es hier einen scharfkantigen Übergang. In dem Spalt zwischen Glas und Kunststoff sammelt sich zudem schnell Dreck.

Die Glasscheibe auf der Vorderseite wird nur an zwei Stellen unterbrochen: Oberhalb des Displays vom Lautsprecher und unterhalb der Anzeige durch den Home-Button, der sich leider etwas billig anfühlt. Ansonsten gibt es auf der Front noch eine ganze Batterie an Kameras, die den Nutzer durch die Glasscheibe anstarrt. Eine davon ist eine 2,1-Megapixel-Kamera für Selfies und Videochats, die anderen vier sollen die Kopfposition des Nutzers erfassen und dadurch eine Reihe von 3D-Effekten ermöglichen. Aber dazu später mehr.

Auf der linken Seite des Gehäuses befinden sich noch eine Wippe zur Regelung der Lautstärke sowie eine Kamera/Firefly-Taste. Der Ein/Aus-Schalter sitzt auf der Oberseite des Mobiltelefons – was bei diesem Format zumindest für meine durchschnittlich großen Hände noch in Ordnung geht. Ich muss mich zwar schon etwas strecken, erreiche den Taster aber noch ohne Verrenkungen.

Das Fire OS 3.6 auf dem Fire Phone ist einfach aufgebaut: Es gibt einen seitenweise vertikal scrollenden App-Drawer, der sämtliche installierten Apps auflistet, und das Anlegen von Ordnern („Sammlungen“) erlaubt. Wer am oberen Ende des App Drawers angekommen weiter nach oben scrollt, landet im sogenannten Karussell, eine horizontal scrollbare Liste, die eine Mischung aus zuletzt genutzten und wichtigen Apps bereithält.

Im Karussell zeigt Fire OS oben ein großes Symbol der jeweiligen App an, darunter finden sich dazu passend kontextabhängige Inhalte. Bei der Kamera-App beispielsweise sind hier die zuletzt geschossenen Fotos zu sehen, bei der SMS-App die neuesten Nachrichten und bei der Maps-Anwendung empfohlene Orte.

Dieser Aufbau ist für Android-User etwas ungewohnt, geht aber schnell in Fleisch und Blut über. Ich persönlich habe das Karussell allerdings weniger genutzt, da sich die Reihenfolge der dort aufgeführten Apps ständig ändert. Über den App-Drawer gelange ich schneller zum Ziel.

Weiterhin setzt Amazon bei der Bedienung des Fire Phone stark auf Gesten. Einerseits auf Wischgesten mit den Fingern, andererseits auf Kipp- sowie Schwenkgesten mit dem Smartphone selbst.

So fehlt beispielsweise der vertraute Zurück-Button von Android, stattdessen muss der Nutzer mit dem Finger von außerhalb des unteren Displayrands nach oben wischen. Setzt man nicht ausreichend weit unten an, passiert: nichts. Eine Wischgeste mit dem Finger von außerhalb des rechten Displayrands nach Innen holt einen kontextabhängig gefüllten Dialog hervor. Im Browser gibt es hier beispielsweise die Bookmarks, auf dem Homescreen bietet das Fire Phone Wettervorhersage, anstehende Termine und Favoriten-Kontakte an. Den gleichen Effekt hat auch ein schwungvolles Kippen des Geräts von rechts nach links. Mit einem Wisch beziehungsweise Kippen nach links verschwindet der Dialog wieder.

Auf die gleichen beiden Arten und Weisen lässt sich vom linken Displayrand ein weiteres kontextabhängiges Menü hervorzaubern. Im Browser bietet das Menü beispielsweise Downloads, Verlauf, Einstellungen et cetera an. Auf dem Homescreen zeigt der Dialog Verknüpfungen zu den wichtigsten Rubriken an, also Spiele, Apps, Browser, Musik, Videos, Audiobooks, Shop, Prime und so weiter. Ein Wisch von oben ins Display hinein bringt die obligatorische Notification Bar aufs Display.

Leider wurden in der kurzen Zeit, in der ich das Fire Phone ausprobiert habe, meine Feinmotorik und Amazons Gestensteuerung keine Freunde. Zu oft stand ich mit zuckendem Handgelenk da und versuchte, ein Menü ins Display zu kippen, während das Fire Phone fleißig auf meine scheinbaren Neige-Versuche ansprach und Zusatzinformationen einblendete. Zusatzinformationen, die man häufig ohnehin schon hätte ungefragt einblenden können.

Ich werde das Fire Phone im Rahmen der Leihfrist von Amazon noch weiter nutzen. Sollte ich mich mit diesen Gesten im Laufe der Zeit anfreunden können, werde ich diesen Artikel noch einmal aktualisieren.

Bei der Hardware bietet das Amazon Fire Phone eine übliche Mittelklasse-Ausstattung. Das 4,7 Zoll große Display löst 1280 × 720 Pixel auf und kommt damit auf 315 ppi. Leider enttäuschen die Schwarzwerte. Flächen, die schwarz sein sollen, wirken gräulich. Zudem schimmert die Hintergrundbeleuchtung des LC-Displays im oberen Bildschirmbereich hell durch. Hier sei fairerweise dazugesagt, dass das in der Praxis nur auffällt, wenn das Fire Phone sehr dunkle Inhalte darstellt.

Unser Display-Messgerät schließlich bestätigt die Eindrücke: Der Kontrast ist mit 882:1 vergleichsweise schwach. Dafür zeichnen sich wie bereits erwähnt die schlechten Schwarzwerte verantwortlich – die Helligkeit des Displays ist mit knapp 500 cd/m² sehr ordentlich. Davon profitiert die Ablesbarkeit bei Tageslicht. Ebenfalls auffällig ist die maximale Abweichung bei den Schwarzwerten von 19 Prozent – hier grüßt die durchschimmernde Hintergrundbeleuchtung.

Um den Vortrieb kümmert sich beim Fire Phone ein 2,2 GHz schneller Quad-Core-Prozessor vom Typ Snapdragon 800. Dazu gibt es eine Adreno-330-GPU und 2 GByte Arbeitsspeicher. Das ist nicht mehr die absolute Oberklasse, sollte für die alltäglichen Aufgaben aber locker genug Power bieten.

Im Geekbench beispielsweise erzielt das Fire Phone 866 Single-Core- und 2673 Multi-Core-Punkte. Damit findet es sich damit auf einem Niveau wieder mit anderen Snapdragon-800-Geräten wie dem Samsung Galaxy Note 3.

Fünf Kameras hat das Amazon Fire Phone auf der Vorderseite. Eine davon dient als Selfie-Knipse beziehungsweise Webcam, vier erfassen die Kopfposition des Nutzers. Letzteres ermöglicht es dem Smartphone, die Inhalte auf dem Bildschirm anzupassen, wenn der Nutzer den Kopf bewegt. So kann man beispielsweise durch ein Lehnen zur Seite in Spielen um Gegenstände herumsehen. Und auch in vielen Menüs und Dialogen sowie der mitgelieferten Karten-Applikation Amazon Maps verschiebt sich die Perspektive leicht, wenn man den Kopf hin und her bewegt.

Und, wie könnte es anders sein, kommt das Feature auch in der Amazon-Shopping-App zum Einsatz. Mangels 3D-Modellen von der gesamten Produktpalette hält sich hier der Nutzen allerdings in Grenzen. Kippt man auf der Produktübersichtsseite das Fire Phone ein wenig nach links, vergrößert sich das Bild. Kippt man weiter, zeigt das Smartphone ein weiteres Produktfoto an, beispielsweise nach der Vorder- nun die Rückseite einer Jacke. Auch hier gilt: Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich mit dem Daumen durch einen Stapel von Bildern wischen kann.

Darüber hinaus gibt es eine Handvoll Spiele, die diese 3D-Tricks nutzen. Allerdings wirken zumindest die von Amazon auf dem Fire Phone vorinstallierten Games sehr um die 3D-Technologie herum konstruiert – und gleichzeitig wenig revolutionär: In Planet Puzzles muss der Spieler auf einem Würfel verschiedene Felder auf unterschiedlichen Seiten miteinander verbinden. Das Drehen des Würfels geschieht durch Kippen des Smartphones. In Clay Doodle kann sich der Spieler an einer Figur aus Ton austoben und mit dem Finger modellieren. Auch hier ist es möglich, das eigene Machwerk durch Bewegungen des Handys von allen Seiten zu betrachten. Und Monkey Buddy schließlich ist eine Art Tamagotchi , das unter anderem gefüttert werden möchte. Und manchmal verstecken sich die Bananen dann so hinter dem Affen, dass sie nur durch Perspektivenveränderungen greifbar sind.

Die 3D-Features sind prinzipiell zweifelsohne faszinierend, gerade auch der Lockscreen mit seinen 3D-Bildern immer wieder ein echter Blickfang. Aber der praktische Nutzen ist leider verschwindend gering.

Die Frontkamera mit 2,1 Megapixeln haben wir bereits erwähnt. Auf der Gehäuserückseite bietet das Fire Phone noch eine 13-Megapixel-Kamera mit rückseitig belichtetem Bildsensor und F2.0-Objektiv. In dunklen Umgebungen steht der Knipse ein LED-Blitz zur Seite. Im Videomodus fängt das Fire Phone Full-HD-Clips mit 30 Bildern pro Sekunde ein.

Prinzipiell praktisch ist die Taste auf der linken Gehäuseseite, die bei einem kurzen Druck die Kamera startet; und bei einem langen Druck in die Firefly-Applikation wechselt, Amazons visuelle Produktsuche. Aber dazu später mehr. Bei gestarteter Kamera-Anwendung dient der Foto-Button auch als (einstufiger) Auslöser. Wer ihn zu lange gedrückt hält, springt in die Firefly-App anstatt ein Bild zu schießen. Hier ist ein wenig Vorsicht angesagt. Alternativ dienen hier auch die beiden Lautstärke-Tasten als Auslöser.

Die Kamera-App ist schlicht und effizient aufgebaut: Rund um das Sucher-Bild gibt es Icons für Blitz, Rück-/Frontkamera, Einstellungen, Foto-/Videomodus, Auslöser und aufgenommene Fotos. Unter den Einstellungen finden sich noch Optionen zu HDR-Modus, Rückschau der gerade aufgenommenen Fotos und Best Shot sowie zwei weitere Kamera-Modi namens Linsenraster und Panorama.

Ist Best Shot aktiviert, knipst das Smartphone bei jeder Betätigung des Auslösers drei Fotos. Bei Portraitfotos beispielsweise ist dann hoffentlich eine Aufnahme dabei, bei der die Person vor der Kamera nicht gerade blinzelt. Im Modus Linsenraster schießt der Nutzer eine Reihe von unterschiedlichen Fotos von einem Motiv. Beim Betrachten kann er dann durch Kippen und Neigen des Smartphones die verschiedenen Aufnahmepositionen noch einmal nachvollziehen – und so beispielsweise einen Gegenstand von allen Seiten betrachten. Im Panorama-Modus schwenkt der Anwender das Smartphone wahlweise horizontal oder vertikal über das Motiv und fängt so ein Ultrabreit- beziehungsweise Ultrahoch-Bild ein.

Weiterhin fällt die Kamera noch positiv damit auf, dass sie dem Nutzer bei sehr kontrastreichen Motiven – beispielsweise bei Gegenlicht – empfiehlt, den HDR-Modus zu aktiveren. Abgesehen davon fällt die App sehr rudimentär aus. Einstellungsmöglichkeiten zu Belichtungskorrektur, Weißabgleich, ISO-Empfindlichkeit, Bildgröße und dergleichen gibt es nicht.

Die Qualität der Fotos ist unterm Strich recht gut: Bei guten Lichtverhältnissen wirken die Aufnahmen erfreulich detailliert. Bei aus der Entfernung fotografierten Bäumen verwandeln sich die Blätter nicht in einen grünen Matsch, und Makro-Fotos gefallen durch zahlreiche Feinheiten. Hier hilft sicherlich auch, dass das Fire Phone auf eine vergleichsweise geringe JPEG-Kompression setzt – die Aufnahmen sind im Schnitt zwischen 2 und 5 MByte groß.

Der automatische Weißabgleich des Fire Phone leistet bei Kunstlicht gute Dienste – sowohl unter kaltem Neonröhrenlicht als auch unter warmem Glühlampenlicht hält sich die Farbverfälschung in Grenzen. Bei schlechten Lichtverhältnissen schließlich nehmen Bildrauschen zu und Detailwiedergabe ab. Das Fire Phone präsentiert sich hier unterm Strich aber sehr ordentlich. Es fällt allerdings noch auf, dass das Smartphone bei wenig Licht recht optimistische Belichtungszeiten wählt, die zittrige Hände seitens des Fotografen nicht verzeihen – wer sich nicht konzentriert, wird mit unscharfen Fotos bestraft. Zu guter Letzt fällt noch auf, dass das Fire Phone an Übergängen mit hohen Kontrasten teilweise deutliche Farbsäume aufs Bild bringt – in der Galerie mit unseren Beispielfotos ist das etwa in Bild fünf deutlich zu sehen.

Einen ganz fundamentalen Unterschied gibt es noch zwischen dem Fire Phone und dem Gros der Android-Smartphones: Auf dem Amazon-Handy fehlen der Google Play Store – und sämtliche Google-Apps von Maps und GMail über YouTube und Hangouts bis Chrome und Drive. Die meisten „großen“ Apps von WhatsApp über Dropbox bis Angry Birds & Co. finden sich zwar auch in Amazons App Store, doch mit rund einer Viertelmillion Apps kann man nicht gegen den rund fünfmal stärkeren Play Store anstinken.

Zwar ist es prinzipiell kein Problem, per Sideloading nahezu beliebige Android-Apps auf dem Fire Phone zu installieren. Doch die Google-Anwendungen erfordern die Google Play Services – und da heißt es dann: Ende Gelände. Mit dem gleichen Problem hat übrigens auch die eine oder andere Google-fremde Android-Anwendung zu kämpfen.

Wer sich für das Amazon Fire Phone interessiert, sollte sich im Zweifelsfall vorher im Amazon App Shop vergewissern, dass die Lieblingsapps auch verfügbar sind. Positiv bleibt hier noch anzumerken, dass Amazon regelmäßig im Rahmen von Sonderaktionen tonnenweise Apps verschenkt.

Ansonsten habe ich testweise mal die zehn beliebtesten Google-Play-Apps beim Amazon-Store gegengecheckt: WhatsApp, Facebook Messenger, Facebook, Skype, eBay und Instagram sind am Start. Dagegen fehlen Diamond Digger Saga, Voice Changer sowie FaceQ – und von FIFA 15 findet sich aktuell lediglich der Vorgänger im App Shop.

Der Otto-Normal-Verbraucher dürfte mit der Auswahl zufrieden sein – alle „überlebenswichtigen“ Anwendungen sind auch bei Amazon am Start. Wer aber ständig den allerneuesten Shit auf seinem Smartphone haben muss, der sollte lieber zu einem Gerät mit Google Play Store greifen.

Ansonsten gibt es auf dem Fire Phone natürlich die alle Möglichkeiten, sich von Inhalten aus Amazons Medien-Universum berieseln zu lassen. Es stellt sich dann allerdings die Frage, ob der Serienmarathon auf dem 4,7 Zoll großen Display wirklich so viel Spaß macht. Die ganzen Streaming-Features sehe ich auf den Amazon-Tablets sinnvoller untergebracht.

Auf dem Papier klingt Amazons Alles-Finder Firefly spektakulär: 54 Millionen Produkte soll die visuell über die Kamera arbeitende Suchmaschine erkennen, außerdem 30 Millionen Songs sowie 29.000 Filme und TV-Episoden. Der Gedanke dahinter leuchtet ein: Der Fire-Phone-Besitzer soll Produkte scannen, die er toll findet – und dann natürlich auf Amazon kaufen.

Einen Pritt-Stift oder den Karton der LG G Watch hat Firefly korrekt erkannt, an der Jodsalz-Packung ist es dagegen genauso gescheitert wie an der Tube Senf auf meinem Schreibtisch oder meinen Turnschuhen. Präsentiere ich Firefly die jeweiligen Barcodes, dann erkennt das Fire Phone zumindest auch den Senf, das Salz scheint nicht im Produkte-Katalog enthalten zu sein. Eine englischsprachige Folge von „Friends“ dagegen hat der Dienst im Test ebenso einwandfrei erkannt wie Tarantula von Pendulum oder Seventeen Years von Ratatat. Auf Shazam & Co. dürfte man getrost verzichten können.

Abseits der Musik- und Videoerkennung: Unterm Strich ist Firefly mit der optischen Erkennung von Produkten, ohne dafür den Barcode zu benötigen, zwar ganz interessant. Aber ich frage mich: Was soll ich damit eigentlich alles einscannen? Zumindest für mich ist das eine Lösung für ein Problem, das ich gar nicht habe. Nett ist noch die Möglichkeit, mit Firefly Telefonnummern, Webseiten und Adressen abzuscannen. Nett, aber zumindest für mich eben auch weder ein echtes Killer-Feature noch ein Alleinstellungsmerkmal. Oder seht Ihr das anders?

Hier findet Ihr unser Hands-on-Video vom Amazon Fire Phone:

Aktuell gibt es das Amazon Fire Phone nicht einzeln zu kaufen – sondern ausschließlich in Kombination mit einem Vertrag der deutschen Telekom. In Verbindung mit dem Tarif MagentaMobil M kostet das Smartphone dann bei einem einmaligen Gerätepreis von 1 Euro monatlich 44,95 Euro, nach zwölf Monaten erhöht sich die Grundgebühr auf 49,95 Euro.

Zur Preis-Orientierung ziehen wir das iPhone 6 zu Rate, das bei der Telekom mit 16 GByte Speicherkapazität einmalig 99,95 Euro und dann im MagentaMobil M monatlich erst 53,95 Euro und dann 59,95 Euro kostet. Über die Vertragslaufzeit von 24 Monaten ergibt das eine Preisdifferenz von 327 Euro – das neue iPhone 6 kostet ohne Vertrag 699 Euro.

Letztendlich sortiert sich das Fire Phone dieser Hilfsrechnung nach in der mittleren Preisklasse zwischen 300 und 400 Euro ein, in der beispielsweise auch Google Nexus 5 oder Huawei Ascened P7 spielen. Und wer noch ein bisschen Geld drauflegt, bekommt auch schon ein LG G3.

Unterm Strich bleibt für mich die Frage: Für wen will das Amazon Fire Phone sein?

Die vier Sensoren in der Front, die Kopfposition des Nutzers ermitteln und dadurch interessante 3D-Effekte ermöglichen, machen sicherlich den einen oder anderen Technik-Nerd ganz schön spitz. Auf der anderen Seite ist der Nutzwert dieser Technologie frappierend gering. Die Kipp-Gesten des Smartphones zum Aufrufen zusätzlicher Informationen sind zumindest bei mir in dem kurzen Test-Zeitraum nicht in Fleisch und Blut übergegangen.

Auf der anderen Seite zielt das Amazon Fire Phone auf blutige Einsteiger. Es gibt täglich von 6 bis 24 Uhr einen kostenlosen Video-Support, der bei Problemen hilft und bei Bedarf auch per Fernzugriff die Konfiguration des Smartphones anpassen kann. Aber ob sich blutige Einsteiger, insbesondere die reifere Käuferschicht, mit den ganzen Gesten anfreunden können? Es fällt ja mir schon schwer.

Aber auch an den Multimedia-Konsumenten, auf die Amazons Interpretation von Android zweifelsfrei ausgerichtet ist, dürfte das Fire Phone vorbeigehen. Im Gegensatz zu den größeren Tablet-Brüdern hat das Amazon-Smartphone einfach zu wenig Displaydiagonale, um bei Serien-Marathons Spaß zu machen.

Für mich steht das Fire Phone unterm Strich als durchaus faszinierendes Stück Technik zwischen den Stühlen. Im Handy-Museum wird das Amazon-Smartphone seinen Platz finden – in den Hosentaschen dieser Welt aber eher nicht.

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