AGM Glory G1S im Test: Outdoor-Handy mit Nachtsicht & Wärmebildkamera

AGM Glory G1S
Pro und Contra
  • Wärmebild- und Nachtsichtkamera
  • extrem robust
  • gute Akkulaufzeit 
  • nur Android 11
  • Display zu dunkel
  • teuer 
  • 4.0

Teile diesen Beitrag

Beliebt auf TechStage

Top 10: Das sind die besten Smartphones bis 750 Euro

Top 10: Die besten Smartphones bis 750 Euro – Spitzenleistung zum fairen Preis

Überwachungskameras mit Beleuchtung ab 90 Euro: Modelle, Preise, Technik

Überwachungskameras ab 80 Euro: Außenleuchten mit Kamera, Flutlicht & Co.

Geschenkratgeber: RC-Autos, Bagger, Flugzeuge und Hubschrauber zu Weihnachten

Geschenktipp RC-Spielzeug: Ferngesteuerte Autos, Bagger, Hubschrauber & Co.

Digitalradio: DAB+ im Auto und zu Hause ab 25 Euro nachrüsten

Digitalradio: DAB+ im Auto und zu Hause ab 25 Euro nachrüsten

Das AGM Glory G1S ist hart im Nehmen, ausdauernd, kann per Infrarot nachts sehen und Wärme erkennen. Wie gut das Outdoor-Smartphone ist, zeigt der Test.

Outdoor-Smartphones bieten sich für jeden an, der ein stabiles Handy sucht, das einen Sturz überlebt und auch nicht wasserscheu ist. Genau in diese Kategorie gehört das äußerst robuste AGM Glory G1S. Neben einem wasserdichten und stoßfesten Gehäuse bietet das Smartphone spannende Features: Eine Wärmebildkamera sowie eine Infrarot-Linse für Aufnahmen bei Nacht. Ein Laserpointer ist ebenfalls an Bord. Das macht das Handy interessant für Handwerker, Heimwerker sowie Tierfreunde, die nachts im Wald die Natur erkunden möchten.

Wie sich das AGM Glory G1S in der Praxis schlägt, zeigt unser Test. Weitere robuste Mobilgeräte dieser Art zeigen wir in unserem Beitrag Die 10 besten Outdoor-Smartphones: Robust und wasserdicht.

Den Outdoor-Charakter sieht man dem Glory G1S sofort an. Ummantelt mit einer dicken Gummischicht bekommt das Smartphone so einen recht martialischen Look. Das Display ist umrahmt von einer orangefarbenen Linie, die auch die Kameralinsen auf der Rückseite ziert. Der Rahmen überragt dabei den Bildschirm um etwa 0,3 mm, um zusätzlich vor einem Display-Bruch vorzubeugen. Die Anschlüsse für USB-C und die 3,5-mm-Klinke sind unter einer Abdeckung vor Staub und Wasser geschützt. Das Gleiche gilt für den Slot für die SIM- und Micro-SD-Karte links oben. Unten rechts in der Ecke des Mobilgeräts befindet ferner sich eine Befestigungsmöglichkeit für ein Lanyard – ein Umhängeband, damit das Gerät nicht aus der Hand rutscht.

Die Hauptkamera auf der Rückseite ordnet die Linsen x-förmig an. Beim großen Objektiv in der Mitte handelt es sich um die Wärmebildkamera. Zusätzlich befinden sich dort drei weitere Linsen sowie ein LED-Blitz, der auch als Taschenlampe genutzt werden kann. Unterhalb der Kamera hinten liegt der Fingerabdrucksensor. Links befindet sich eine programmierbare Taste – die auffällig orange gehalten ist. Rechts ist die Lautstärkewippe und der Power-Button. Sämtliche Knöpfe bieten einen festen Druckpunkt. Die Frontkamera für Selfies wiederum ist in einer Waterdrop-Notch am oberen Bildschirmrand eingefasst.

Das AGM Glory G1S ist groß und schwer – was für ein Outdoor-Gerät wenig überraschend ist. Mit einem Gewicht von 315 Gramm wiegt es sogar mehr als das iPad Mini 6. Die Abmessungen fallen zudem wuchtig aus mit 172,7 mm x 81,28 mm x 15,2 mm. Dafür ist das Smartphone stabil. Laut Hersteller AGM übersteht das Glory G1S einen Sturz aus 1,5 Meter Höhe auf Beton. Dabei erfüllt es die Vorgaben für Stöße, Sand und Schmutz, extreme Temperaturen und schwierige Umgebungsbedingungen nach der Militärnorm MIL-STD-810H. Wir haben es ein paar Mal aus Hüfthöhe jeweils auf einen Laminat-, PVC- und Steinboden fallen lassen. Das Gerät hat dabei außer ein paar minimalen Kratzern keinen nennenswerten Schaden genommen.

Das Outdoor-Handy ist nach der Schutzklasse IP68 und IP69K gegen Wasser und Staub geschützt. So soll es einen Aufenthalt in Süßwasser ohne Zusatzstoffe bei einer Tiefe von 1,5 Meter für 30 Minuten schadlos überstehen. Mehr zu den einzelnen Schutzklassen erklären wir in der Top 10: Die günstigsten wasserdichten Smartphones mit IP-Zertifizierung.

Der Bildschirm nutzt LCD-Technologie mit einem LTPS-Panel und bietet eine Diagonale von 6,53 Zoll. Die Auflösung beträgt 2340 x 1080 Pixel (FHD+), was zu einer hohen Bildschärfe mit einer Pixeldichte von 394 ppi (Pixel pro Zoll) führt. Das ist für ein Outdoor-Smartphone viel, nicht selten bieten diese robusten Geräte nur HD-Auflösung. Beim Glory G1S sind damit Pixel mit dem bloßen Auge faktisch nicht zu erkennen.

Die Bildqualität ist wirklich gut und wirkt natürlich bei der Farbgebung. Die Blickwinkelstabilität ist aus nahezu allen Lagen ordentlich. Mit den ausgeprägten Kontrasten und Schwarzwerten eines OLED-Bildschirms kann das LCD naturgemäß nicht ganz mithalten. Allerdings findet sich OLED als technik kaum bei Outdoor-Smartphones. Nicht mehr ganz „State of the Art“ ist die Bildwiederholfrequenz von 60 Hertz – was aber nicht ungewöhnlich ist für diese Geräteklasse. Aus unseren bisherigen Tests von Outdoor-Geräten bietet nur das Samsung Galaxy Xcover 6 Pro (Testbericht) 120 Hertz.

Weniger überzeugend ist das Display bei der Helligkeit. Wir konnten im manuellen Modus lediglich einen Wert von 385 cd/m² messen, bei adaptiver Bildschirmhelligkeit erreich der Screen höchstens 405 cd/m². Das schränkt die Ablesbarkeit des Bildschirms bei gutem Wetter deutlich ein, was schade ist, denn wie der Name schon sagt, nutzt man ein entsprechendes Gerät vorwiegend im Freien. Zum Vergleich: Selbst das preiswerte und technisch einfach ausgestattete Samsung Galaxy Xcover 5 (Testbericht) kommt auf 450 cd/m². Das Nokia XR20 (Testbericht) erreicht immerhin knapp 600 cd/m². Wirklich helle Displays sind vor allem hochpreisigen Flagship-Smartphones vorbehalten.

Beim Glory G1S kommt eine Reihe an Linsen zum Einsatz. Die Hauptkamera nutzt ein Objektiv mit dem Sensor Sony IMX 582 mit 48 Megapixel. Per Pixel Binning fasst die Knipse vier Pixel zu einem zusammen, womit die Bilder in etwa 12 Megapixel entsprechen. Zusätzlich kommt eine Makrolinse mit mageren 2 Megapixel für Nahaufnahmen zum Einsatz. Weitwinkelobjektiv oder Telelinse gibt es hingegen nicht. Für Selfies steht eine Linse mit 16 Megapixel zur Verfügung.

Bei Tageslicht gelingen mit der Hauptkamera sehr ordentliche Aufnahmen mit ausgeprägter Bilddynamik und ausreichend Bilddetails. Die Farbgebung ist sehr natürlich. Die Makrolinse hätte sich AGM hingegen sparen können, denn aufgrund der niedrigen Auflösungen bietet die Nahaufnahmen nur eine mäßige Bildschärfe mit wenig Details. Hier wäre eine Weitwinkellinse die bessere Option gewesen. Videos bieten ebenfalls gute Bildqualität, mangels eines optischen Bildstabilisators wirken diese allerdings zu verwackelt. Selfies wirken gelungen, Luft nach oben gibt es im Porträtmodus, wo der Bokeh-Effekt nicht ganz ohne Fehler rund ums Profil auskommt.

Sehr ungewöhnlich hingegen sind die Infrarot-Linse (Sony IMX 350) für Nachtsicht mit 20 Megapixel sowie die Wärmebildkamera mit einem ungekühlten Infrarotdetektor. Mit der Nachtsicht-Linse bleiben Details auch bei Dunkelheit sichtbar, allerdings in Schwarzweiß. Das Smartphone dient damit auch als Nachtsichtgerät. Videos sind mit der Nachtsichtkamera ebenfalls möglich. Ist es allerdings vollkommen dunkel, erkennt man nicht mehr viel, denn die Nachtsicht benötigt immer etwas Restlicht.

Wirklich spannend ist die Wärmebildkamera. Dieses Feature ist nicht nur lustig, da es an die Sicht des Aliens aus dem Film „Predator“ erinnert, sondern auch nützlich für Handwerker. Die Wärmebildkamera misst Temperaturen bis zu einer Entfernung von 5 Meter im Bereich zwischen -20 und 500 Grad Celsius. So erkennt man etwa, wo die Wohnung schlecht gedämmt ist oder wo Wasserleitungen verlaufen. Das Bild zeigt dabei an, wie warm jeweils die Umgebung ist. Naturfreunde entdecken damit bei Nacht auch Tiere im Wald - sofern sie nah genug sind. Videoaufnahmen mit der Wärmebildkamera sind mit bis zu 25 fps (Frames pro Sekunde) möglich. Die maximale Auflösung beträgt 256 x 192 Pixel. Ein ähnliches Feature bietet auch das Outdoor-Handy Cat S62 Pro (Testbericht). Hier kommt allerdings ein hochwertiger Sensor von Flir mit deutlich höherer Auflösung zum Einsatz.

Als Antrieb dient beim Glory G1S ein Snapdragon 480. Diesen nutzt auch das Nokia XR20 (Testbericht). Hochleistungen sollte man von der Octa-Core-CPU eher nicht erwarten, allerdings bietet der Chipsatz eine mehr als ausreichende Performance für gängige Alltagsaufgaben sowie 5G. Das System läuft damit weitgehend flüssig. Beim Benchmark Work 3.0 von PCmark erreicht das Glory G1S knapp über 9000 Punkte. Damit liegt das Mobilgerät etwa im Mittelfeld unserer Test der letzten beiden Jahre. Nur für Spiele mit aufwendiger Grafik ist das Smartphone nicht die erste Wahl, beim Test „Wildlife“ von 3Dmark erreichten wir knapp unter 1000 Punkte. Gaming-Smartphones mit schnelleren Prozessoren starten hier in der Regel bei 6000 Punkten und erreichen bis über 10000 Punkte. Topaktuelle Modelle reizen "Wildlife" sogar ganz aus, sodass "Wildlife Extreme" zum Einsatz kommen muss.

Die Ausstattung ist mit 6 GByte RAM und 128 GByte internem Speicher für ein Outdoor-Handy recht üppig. Damit liegt es auf Augenhöhe mit dem Samsung Galaxy Xcover 6 Pro (Testbericht). Eine Erweiterung ist per Micro-SD-Karte möglich. Neben einem USB-C-Anschluss gibt es einen 3,5-mm-Klinkeneingang für kabelgebundene Kopfhörer. Allerdings stört bei der Nutzung hier etwas die Abdeckung. GPS und NFC sind selbstverständlich mit an Bord, Angaben zu den unterstützten Satellitennetzwerken macht AGM aber nicht.

Der Fingerabdrucksensor liegt auf der Rückseite unter der Kamera und arbeitet meistens zuverlässig. Die benutzerdefinierte Taste auf der linken Seite kann mit unterschiedlichen Funktionen belegt werden, um etwa die Kamera zu starten oder den im Handy integrierten Laserpointer. Weniger überzeugend ist die Software. Es läuft nur Android 11, der Sicherheitspatch ist zudem maßlos veraltet und stammt aus Januar 2022. AGM verschont die Nutzer immerhin mit Bloatware und belässt die Benutzeroberfläche nahezu unverändert.

Sehr angemessen für ein Outdoor-Smartphone ist die üppige Akkukapazität von 5500 mAh. Die meisten modernen Smartphones bieten hier 4500 bis 5000 mAh. Das weckt natürlich hohe Erwartungen. Beim Battery Test von PCmark kamen wir bei einer mittleren Helligkeit von 200 cd/m² im simulierten Betrieb auf knapp unter 13 Stunden. Das ist an sich ein guter Wert – allerdings hätten wir mehr erwartet angesichts der Kapazität des Akkus und nur 60 Hz beim Display. Ähnlich lang hält etwa das Nokia XR20 (Testbericht) durch – und das mit einem kleineren Akku. Das Gigaset GX290 Plus (Testbericht) schafft bei dem Test fast 17 Stunden – ist aber auch deutlich langsamer.

Das beigelegte Netzteil leistet 18 Watt und lädt das Glory G1S in etwa 2 Stunden auf. Zusätzlich gibt es auf der Rückseite Pogo-Pins, was das Aufladen mit etwa 10 Watt über ein Dock erlaubt. Kabelloses Laden ist nicht möglich.

Das AGM Glory G1S kostet derzeit knapp 730 Euro bei Amazon. Das ist nicht gerade wenig. Allerdings dürfte allein die Wärmebildkamera sowie Nachtsicht den Preis wieder relativieren.

Beim AGM Glory G1S handelt es sich um ein richtig gutes Outdoor-Smartphone. Es ist zwar ziemlich groß und schwer, erweist sich aber als äußerst stabil. Die Performance ist für die meisten Aufgaben mehr als ausreichend. Das LCD bietet gute Bildqualität und hohe Bildschärfe, die Hauptkamera macht zudem einen ordentlichen Job. Sehr spannend ist die Nachtsicht- und Wärmebildkamera. Für ein Outdoor-Gerät ist das Display allerdings zu dunkel. Störend: Die Software ist nicht annähernd aktuell.

Wer speziell auf der Suche nach einer Wärmebildkamera ist, bekommt mit dem Cat S62 Pro (Testbericht) eine günstige Alternative. Der Flir-Sensor ist besser, allerdings bietet das Handy selbst nur veraltete Hardware. Ein starkes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet das Nokia XR20 (Testbericht). Wer bei einem Outdoor-Smartphone nicht auf starke Hardware verzichten will, greift zum Samsung Galaxy Xcover 6 Pro (Testbericht).

Weitere Alternativen zeigen wir im Beitrag Die 10 besten Outdoor-Smartphones: Robust und wasserdicht. Wer vor allem auf der Suche nach einem wasserfestem Gerät ist, wirft einen Blick auf die Bestenlisten Top 10: Wasserdichte Smartphones mit IP-Zertifizierung sowie Top 10: Die meisten günstigen und wasserdichten Smartphones sind von Motorola.

Tags:

Affiliate-Information

- Bei den mit gekennzeichneten Links handelt es sich um Provisions-Links (Affiliate-Links). Erfolgt über einen solchen Link eine Bestellung, erhält TechStage eine Provision. Für den Käufer entstehen dadurch keine Mehrkosten.