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Zenec Z-E3150: Nahtlose Integration, aber zu viele Bugs

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Hersteller wie Zenec bieten speziell auf bestimmte Fahrzeuge abgestimmte Multimedia-Nachrüstlösungen an. Das Z-E3150 ist ein Naviceiver mit DAB+, der alte Audis einem Lifting unterzieht.

Infotainmentsysteme im Auto sind schnell veraltet. Während das kleine Smartphone in der Hosentasche navigiert, telefoniert, Musik abspielt und dank Apps immer up to Date ist, wirkt der Klotz im Auto schon nach wenigen Jahren beinahe anachronistisch. Nachrüst-Radios sollen Abhilfe schaffen, doch die wirken je nach Fahrzeugtyp und Geschmack schnell deplatziert, weil sie sich nicht in den Stil der Fahrzeuginnenausstattung einfügen. Wer damit leben kann, dem empfehlen wir unseren Vergleichstest dreier Moniceiver mit Google Auto und Apple Carplay.

Anders ist das bei Systemen, die speziell auf bestimmte Fahrzeugtypen zugeschnitten sind. Sie sind auf den ersten Blick von Originalradios der Autohersteller nicht zu unterscheiden und integrieren sich auch technisch perfekt. Einer der Hersteller, die solche Modelle auf den Markt bringen, ist Zenec.

Vor dem Umbau: Das originale Audi-Radio mit Navigationsfunktion und rotem Monochrom-Display.

Der Hersteller aus der Schweiz, dessen ACR-Carhifi-Kette Autoenthusiasten ein Begriff sein dürfte, bietet solche Nachrüst-Naviceiver für Audi, BMW, Fiat, Mercedes, Toyota und VW an, außerdem natürlich auch Fahrzeug-übergreifende Geräte. Wir haben uns für einen Test das Zenec Z-E3150 ausgesucht, das speziell für den Audi A3 (8P/8PA) der ersten und zweiten Generation ab 2006 bis 2012 gedacht ist. Eine Kompatibilitätsliste findet sich auf der Seite des Herstellers. Je nach Version und Alter des Gerätes kann es sein, dass nicht alle Informationen des Kraftfahrzeugs an das Radio weitergegeben werden können.

Der Einbau des Z-E3150 von Zenec soll vom Fachhändler durchgeführt werden – so steht es zumindest in der Bedienungsanleitung. Eine Einbauanleitung sucht man entsprechend im Lieferumfang vergeblich. Der Hersteller begründet das damit, dass Infotainer der Marke Zenec Fachhandelsprodukte sind und 90 Prozent der verkauften Geräte direkt beim Händler eingebaut werden. Werkzeug zum Entfernen des Radios ist allerdings dabei, eine Umbauanleitung findet man auf der Homepage des Herstellers.

Einfach Plug & Play - viele Kabel vom Auto gibt es nicht.

Der Einbau ist mit etwas technischem Verständnis auch in Eigenregie durchzuführen, da das meiste Plug & Play ist: Altes Radio raus, Kabel aus dem Lieferkarton an das Zenec-Radio anschließen, die Kabel mit den Kabeln des Fahrzeugs verbinden, Radio vorsichtig wieder einschieben – fertig. Schwieriger wird da höchstens das Verlegen des optional erhältlichen externen Mikrofons, der ebenfalls optional erhältlichen DAB+-Scheibenantenne, der beiliegenden GPS-Antenne und der beiden beiliegenden USB-Verlängerungen.

Der Doppel-DIN-Naviceiver Zenec Z-E3150 bietet einen nicht übermäßig, aber ausreichend scharfen, 7 Zoll großen kapazitiven Touchscreen mit UKW- und DAB+-Radioempfang. Weiterhin stehen für iPods, iPhones und Android-Smartphones Bluetooth für Musik-Streaming und ggf. für Hands-free-Telefonate zur Verfügung, außerdem lassen sich Smartphones mit Google-Betriebssystem via Smartlink einbinden und anschließend über den Touchscreen des Zenec-Modells steuern. Die Navi-Hardware ist zwar ab Werk direkt mit dabei, allerdings muss die Navi-Software für rund 130 Euro einzeln dazu gekauft werden.

Zum Abspielen von Musik und Videos gibt es zudem ein DVD-Laufwerk, 2 USB-Ports, einen 10-Band-Grafik-Equilizer inklusive Presets und eine 5-Kanal-Laufzeitkorrektur. Als Verstärkerleistung gibt der Hersteller 4 × 45 Watt (PMPO) Leistung an, in Sinus-Leistung sind das 4 × 15 Watt. An Anschlüssen bietet das Gerät 4.2 Cinch Vorverstärkerausgänge mit 3 Volt, einen Cinch-Eingang für eine Rückfahrkamera (CVBS), zwei USB-2.0-Port mit 1000 mA Ladestrom für Smartphones, ein mal Cinch Aux-In, Video-In, Video-Out und einen HDMI-Eingang.

Viele Funktionen benötigen viele Kabel.

Der Clou dabei: Fahrzeugfunktionen wie Rückfahrkamera oder optische Parksensoren, die Klimasteuerung, die Lenkradfernbedienungstasten, das kleine FIS (Fahrer Informations System) im im Armaturenbrett und aktive Soundsysteme inklusive der Sonderausstattung von Bose mit Subwoofer werden ohne zusätzliche Adapter direkt integriert. Das bedeutet auch, dass Informationen wie offene Türen, nicht angeschnallte Mitfahrer, gezogene Handbremse, aktiviertes Licht und vieles mehr auf dem Naviceiver dargestellt werden – klasse!

Voraussetzung für derartige Anzeigen ist ein entsprechendes Signal über den CAN-Bus des Fahrzeugs. Bei unserem 2010er-Testfahrzeug konnte daher die Klimasteuerung nicht über das Zenec-Gerät bedient werden, da die erst ab dem Modelljahr 2012 entsprechende CAN-Bus-Signale sendet. Bereits im Fahrzeug befindliche GPS- oder DAB-Antennen können natürlich statt der genannten Module verwendet werden.

Optisch fügt sich das Zenec Z-E3150 tatsächlich nahtlos in das Design des Fahrzeugs ein. Die Anordnung der Tasten und Drehknöpfe ist zwar anders als beim Original, Optik und Haptik der Bedienelemente mit ihren Chrom-Applikationen sind aber perfekt umgesetzt. Sie können wahlweise rot oder weiß beleuchtet werden. Der Zenec-Naviceiver mit seiner Mischung aus Hardware-Tasten und Touchscreen-Bedienung passt exakt zum A3.

Etwas mehr Power hätte dem Zenec-Naviceiver dabei aber durchaus gutgetan, ganz flüssig ist die Bedienung nicht. Immer wieder gibt es leichte Ruckler zu sehen, und Eingaben werden überwiegend mit leichter Verzögerung umgesetzt. Das schaffen heute selbst Einsteiger-Smartphones besser und Zenec muss sich die Frage gefallen lassen, warum man hier am falschen Ende spart. Denn grundsätzlich will man mit so einer Nachrüstlösung sein Fahrzeug im Bereich Infotainment auf den neuesten Stand bringen – Ruckeln passt da einfach nicht.

Grundsätzlich ist die Bedienbarkeit in Bezug auf die Geschwindigkeit des Systems aber noch im Rahmen. Gut umgesetzt ist die Menüstruktur und die Navigation durch die einzelnen Menüebenen. Als Schnellzugriffe dienen die zu beiden Seiten des Touchscreens angebrachten Tasten für Home, Navigation, DAB, Bluetooth-Funktionen, Quellenwahl und ein Drücker für selbst belegte Funktion. Hinzu kommen eine Taste für Fahrzeuginformationen und die beiden Wählknöpfe für Lautstärke und das Wechseln von Menüpunkten. Außer den Hardware-Elementen lassen sich Menüs zusätzlich immer entweder wie vom Smartphone gewohnt mit dem Finger auf dem Touchscreen „weiterschieben“ oder über eingeblendete Navigationspfeile scrollen. Menüs sind überwiegend selbsterklärend, meist gibt es auf Wunsch einen kurzen Hilfstext, der einzelne Menüpunkte erklärt. Die Übersicht verliert man höchstens wegen der Flut an Einstellungsmöglichkeiten und Informationen.

Die Verbindung von Smartphones mit dem Naviceiver nach dem Neustart des Fahrzeugs erfolgt innerhalb weniger Sekunden, andere Funktionen brauchen da länger. Während das UKW-Radio noch am schnellsten loslegt, braucht gerade die Navigationsfunktion zu lang. Bisweilen vergehen über 20 Sekunden, bis navigiert werden kann.

Hier finden sich Zugriffe auf alle Anschlüsse und Funktionen des Naviceivers. Ab Werk werden drei Symbole auf dem Touchscreen angezeigt, eine Anzeige von sechs Symbolen ist möglich und schafft mehr Übersicht. Die offenbar relativ niedrige Auflösung des Touchscreens fällt hier nicht auf, das bemerkt man eher bei Youtube-Videos über Smartlink.

Hauptmenü mit 3 großen Icons.

Die Navi-Funktion muss separat für rund 130 Euro erworben werden. Dafür erhält der Käufer eine microSD mit dem aktuellen Kartenmaterial, Updates sind ein Jahr lang kostenlos. Die Karte verschwindet unter einer als Bedienknopf getarnten Blende rechts unten neben dem Touchscreen. Die Navifunktion bietet sehr viele Einstellungsmöglichkeiten. Dazu gehören zahlreiche Stimmen mit und ohne Nennung von Straßennamen, anpassbarer 2D- und 3D-Darstellung, Geschwindigkeitswarnung, POIs und vieles mehr.

Die Wegführung stellte sich im Test nicht immer als perfekt, insgesamt aber zuverlässig heraus. Dabei profitiert der Fahrer von optimaler grafischer Darstellung auf dem gut ablesbaren Display inklusive Straßenschildern und Spurassistent. Die Navigationsstimme gibt Anweisungen frühzeitig, das sorgt insgesamt für eine stressfreie Fahrt. Staus und sonstige Verkehrshindernisse werden mittels TMC umfahren. Schade: Unter „Straßennamen vorlesen“ versteht das Zenec-Navi häufig nicht den gebräuchlichen Straßennamen wie etwa „Finsinger Straße“, sondern teils kryptische Bezeichnungen wie „EBE18“.

Gute Darstellung und Routenführung der Navigationsfunktion.

Die Darstellung der über DAB+ empfangenen Radiosender ist etwas trist, immerhin gibt es dank DLS Infotexte zu gerade gespielten Songs und laufenden Sendungen. Der Empfang ist sehr gut, bei Verlust des Senders wechselt das Gerät dank Doppeltuner automatisch oder auf Knopfdruck auf UKW-Empfang. Eine Senderliste lässt sich speichern, mangels spezieller Stationstasten ist die aber etwas umständlich zu erreichen.

Das Z-E3150 unterscheidet grundsätzlich zwischen Musik über Bluetooth via A2DP und Freisprechfunktion, dafür gibt es unterschiedliche Menüpunkte. Das Koppeln mit einem Smartphone funktioniert einfach und schnell, anschließend kann der Fahrer über Lenkradfernbedienung, am Handy oder über den Touchscreen des Naviceivers unter anderem auf Telefonbuchkontakte zugreifen oder Favoriten erstellen. Wer nicht ein externes Mikrofon mitkauft und einbauen lässt, der muss auf das eingebaute Mikrofon im Naviceiver zugreifen. Dafür lässt sich zwar eine Mikrofonverstärkung zuschalten, allerdings ist die Klangqualität, die Gesprächspartnern entgegenschlägt, eher schlecht. Im Test fielen dafür des Öfteren Adjektive wie „blechern“ und „leise“.

Zugriff auf das Telefonbuch des Smartphones.

Durch die Verknüpfung von Fahrzeug und Zenec-Gerät werden Informationen auch auf dem kleinen FIS-Display im Armaturenbrett angezeigt. Das gilt auch für Musik, die vom Smartphone gestreamt wird. Grundlegende Funktionen wie Skippen oder Stoppen lassen sich über die Lenkradfernbedienung verwenden.

Allein die Erwähnung eines Equalizers lässt Hifi-Enthusiasten die Haare zu Berge stehen, die meisten Nutzer werden so eine Möglichkeit der Klanganpassung hingegen zu Recht begrüßen. Dank Möglichkeiten wie Laufzeitkorrektur bis zu 10 Millisekunden und DSP klang die Anlage unseres Testfahrzeugs im Zusammenspiel mit dem im Zenec-Gerät eingebauten 4 × 45 Watt-Verstärker gleich viel wuchtiger als zuvor. Im Pro-Modus des DSP-Menüs dürfen sogar Übergangsfrequenzen für einen Subwoofer (Lowpass-Filter) und vieles mehr festgelegt werden. Selbst die Klangqualität via Bluetooth ist beeindruckend.

Laufzeitkorrektur für perfekten Klang.

Zum Betrachten von Videos über microSD, USB oder DVD muss das „Parking-Kabel“ eigentlich an die Handbremse angeschlossen werden – schließlich soll die Videowiedergabe laut Gesetzgeber nur im Stand und bei gezogener Handbremse funktionieren. Ein Anschluss des Kabels an Dauer-Plus umgeht diese Vorgabe – gesetzeskonform ist das natürlich nicht. Kauf-DVDs funktionieren anschließend problemlos. Per HDMI lassen sich noch weitere Geräte anschließen.

Mit einem per Smartlink und über USB verbundenen Android-Smartphone lässt sich die Einschränkung, dass Videos nur im Stand geschaut werden können, umgehen. Abgesehen von einem Drive-Mode mit großen Icons kann dann nämlich auch der komplette Display-Inhalt des Smartphones gespiegelt werden. So ist dann auch die Nutzung von Google Maps, Youtube oder sonstigen Internet-Inhalten möglich. Dafür ist die Einstellung "USB-Debugging" in den Entwickleroptionen des Smartphones nötig.

Drückt der Fahrer den „Car“-Button oben links am Gerät, erscheint ein Fenster mit sämtlichen per CAN-Bus vom Auto an das E3150 übertragenen Informationen. Dort sieht er dann etwa die Batteriespannung in Volt, den verbleibenden Tankinhalt in Litern, die aktuelle Geschwindigkeit und die Motordrehzahl. Außerdem gibt es Angaben zur Laufleistung des Fahrzeugs, der Außentemperatur und zahlreiche weitere Informationen zum verbundenen Smartphone. Zudem wird auf Wunsch ein Fenster eingeblendet, sobald etwa Türen, der Kofferraum oder die Motorhaube geöffnet oder die Scheinwerfer an- oder ausgeschaltet werden.

Nach dem Umbau: Dank Touchscreen und perfekter Einpassung ist der Wagen um 10 Jahre verjüngt.

Was nützt ein riesiger Funktionsumfang, wenn das Radio immer wieder abstürzt? Innerhalb von 14 Tagen ist es trotz aktueller Firmware mehrfach vorgekommen, dass sich das Z-E3150 ganz oder teilweise aufhängte. Da war etwa die Fehlermeldung im plötzlich aufpoppenden Fenster, das verdächtig nach Windows NT aussah und mangelnden Arbeitsspeicher auswies. Oder das Radio ließ sich zwar bedienen, nicht aber die Lenkradfernbedienung. Einmal dudelte das Radio munter auf zu hoher Lautstärke weiter, ließ sich aber nicht mehr um- oder gar ausschalten. Auch mehrfache Neustarts nach dem Anlassen des Fahrzeugs kamen einmal vor. In solchen Fällen verschaffte nur ein Neustart von Gerät und Fahrzeug Abhilfe. Das nervt und mindest den sonst guten Ersteindruck, den der Zenec-Naviceiver im Test hinterlässt.

Fehlermeldung wegen zu wenig Speicher - meistens gab es nur Aufhänger oder Abstürze ohne Fehlermeldung.

Auch das laute Lüftergeräusch des Gerätes, das im eingebauten Zustand zumindest bei ausgeschaltetem Motor zu hören ist, wirkt etwas laienhaft. Das hat der Hersteller wohl auch erkannt und verspricht, dass die nächste Generation lüfterlos funktioniert.

Nicht jeder möchte, dass sein Fahrzeug durch Nachrüstradios an Fast & Furious erinnert – genau an diese Personengruppe wendet sich Zenec mit dem Z-E3150. Der Naviceiver integriert sich optisch und technisch perfekt in den Audi A3 und verjüngt das Auto dabei gefühlt um zehn Jahre. Das hat seinen Preis: Aktuell knapp 560 Euro kostet das Gerät, hinzu kommen je nach Bedarf Navi-Software, DAB-Antenne und externes Mikrofon. Das ist eine ganze Menge Geld, einfache Moniceiver von JVC, Sony und Kenwood (Vergleichstest) bieten durch Apple Carplay und Android Auto eine ähnliche Funktion über das Smartphone für deutlich weniger Geld. Denen fehlt aber die nahtlose Integration in das Fahrzeug – sowohl optisch, als auch bei der Anzeige von Informationen. Wer diese Integration wünscht, muss dann eben mehr Geld in die Hand nehmen.

Eine eindeutige Empfehlung für das Zenec Z-E3150 können wir an dieser Stelle trotz eines sehr guten Ersteindrucks allerdings nicht aussprechen. Dafür traten im Test zu viele Fehler auf. Bleibt zu hoffen, dass Zenec die mit Software-Updates behebt. Bis dahin bleibt es bei der Note "befriedigend".

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