TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Yi 360 VR im Test: 360-Grad-Kamera mit 16,6 Megapixel

von  // 

Die günstige 360-Grad-Kamera Yi 360 VR besticht im Test mit hoher 16,6-Megapixel-Auflösung. Aber kann sie mit den sehr guten Insta One X und Gopro Fusion mithalten?

Die Yi 360 VR ist eine sehr gut ausgestattete 360-Grad-Kamera, die mit unter 400 Euro deutlich günstiger zu haben ist als vergleichbare Modelle. 360-Grad-Aufnahmen faszinieren nicht nur beim Blick durch eine Virtual-Reality-Brille. Auch in Social Networks wie Facebook lassen sich die Aufnahmen inzwischen einbinden. Wer keine komplette Rundumaufnahme benötigt, kann alternativ einen Bildausschnitt auswählen.

Die Yi 360 VR ist im Vergleich zur kürzlich getesteten Insta One X (Testbericht) ein echter Brocken. Die rechteckige Kamera mit je einer Linse auf der Vor- und der Rückseite ist 102 mm hoch, 53 mm breit und knapp 30 mm tief. Die Kamera wiegt inklusive des austauschbaren 1400-mAh-Akkus und einer Micro-SD-Karte 187 g. Damit ist sie deutlich schwerer als die Insta One X, aber etwas leichter als die Gopro Fusion (Testbericht). Haptik und Verarbeitung sind gut, allerdings ist die 360 VR wegen Ihrer Größe verhältnismäßig unhandlich.

Die 360 VR ist nicht gerade kompakt. Kleines Bild: Vergleich zur Insta One.

Auf der Oberseite sitzen zwei Funktionstaster und ein Monochrom-OLED mit einer Auflösung von 96x64 Bildpunkten. Auf der linken Seite sitzen, versteckt hinter einer Gummiabdeckung, Akkuschacht, Speicherkarten-Einschub, USB-C-Buchse und Micro-HDMI-Ausgang. Trotz der Abdeckung über den Anschlüssen ist die Kamera nicht wasserdicht. Ein passendes Unterwassergehäuse ist aktuell nicht erhältlich. Der Auslöse- und Power-Taster sitzt auf der rechten Gehäuseseite. Unter den beiden Linsen mit einer Blende von f/2.0 sitzen zwei Status-LEDs. Diese sind bei sehr heller Umgebung allerdings nur schwierig zu erkennen. Mittig auf der Unterseite sitzt ein Standard-Gewinde zur Befestigung an Selfie-Stick oder Stativ.

Die Yi 360 VR kommt zusammen mit einem Akku, einem stabilen Ministativ, einem USB-C-Kabel und einem Transportbeutel zum Kunden. Die für den Betrieb notwendige Speicherkarte und das USB-Netzteil gehören nicht zum Lieferumfang. Um die hohen Datenraten bei voller Auflösung zu garantieren, empfiehlt der Hersteller Micro-SD-Karten der Klasse U3 oder schneller.

Der Lieferumfang der Yi 360 VR.

Die Yi-VR-Kamera eignet sich für 360-Grad-Foto- und Videoaufnahmen. Um eine Rundumsicht zu bekommen, verfügt die Kamera über zwei gegenüberliegende Weitwinkel-Linsen. Um die beiden Einzelbilder miteinander zu verbinden ist entweder ein Smartphone oder ein Computer notwendig.

Die maximale Video-Auflösung bewirbt Yi mit 5,7K. Umgerechnet beträgt sie 16,6 Megapixel oder 5760×2880 Bildpunkte bei 30 Einzelbildern pro Sekunde (fps). Für die Aufnhamen kommen zwei Sony 12-MP-CMOS-Bildsensoren vom Typ IMX377 (1/2,3") zum Einsatz. Damit spielt die Kamera in einer Liga mit Gopro Fusion (Testbericht), Insta One X (Testbericht) oder Garmin Virb 360. Wer die Auflösung auf 2,5K (2560×1280 Bildpunkte) verringert, kann die Bildrate auf 60 fps erhöhen. Bei einer Reduzierung auf 2K (1920×960) sind sogar 120 fps möglich. Die eigentlichen Video-Daten werden im mp4-Format (H.264) abgespeichert. Neben einer zusätzlichen, niedrig aufgelösten Vorschaudatei wird auch eine Datei mit den Daten der Bewegungssensoren abgespeichert. Diese sind für die elektronische Stabilisierung notwendig. Wer möchte, kann mit der Kamera auch 360-Grad-Zeitrafferaufnahmen machen. Das Bildintervall ist zwischen 0,5 und 60 Sekunden einstellbar.

Die App ist verständlich aufgebaut, bietet aber wenig Optionen.

Wer seine Videos mit iOS oder Android bearbeitet, stößt hier auf die erste größere Einschränkung. Die App kann Filme maximal mit 4K-Auflösung zusammenfügen. Die Schnittstelle zwischen den beiden Einzelaufnahmen ist deutlich zu erkennen.

Wer die Videos in höherer Auflösung zusammenfügen und per Software stabilisieren will, braucht einen Computer. Und hier kommt bereits die nächste Einschränkung: Die kostenlose Software Yi360 Studio ist lediglich für Windows verfügbar. Mac-Nutzern wird die Third-Party-Software mistika VR empfohlen. Diese kostet allerdings zwischen 49 und 69 Euro – pro Monat.

Insbesondere bei bewegten Aufnahmen, wie beispielsweise mit dem Selfie-Stick, ist der Einsatz der elektronischen Bildstabilisierung sinnvoll. Die Ergebnisse der per Gyroskop-Daten stabilisierten Videos sind erfreulich gut, auch wenn sie nicht ganz mit denen der Gopro-Fusion mithalten können. Ärgerlich, dass dies bei Yi nur mit Hilfe des PCs funktioniert. Beim der kürzlich getesteten One X klappt die nachträgliche Stabilisierung bei maximal 4K-Auflösung mit Hilfe von Smartphone oder Tablet.

Wer die Kamera auf einem Selfie-Stick benutzt, sollte die Videos im Nachhinein stabilisieren.

Die Windows-Software von Yi ist übersichtlich. Das Ergebnis der zusammengefügten Bilder und Videos ist deutlich besser als bei der Bearbeitung per App. Die Schnittkante zwischen den Einzelaufnahmen ist nur bei ungünstigen Lichtverhältnissen zu erkennen. Diese hohe Qualität kostet allerdings viel Zeit. Das Zusammenfügen und Stabilisieren eines 60-Sekunden-Videos mit 5,7K dauert im Test, bei höchster Qualitätsstufe, etwas mehr als eine halbe Stunde. Und das auf einem aktuellen und gut ausgestatteten Macbook Pro mit installiertem Windows. In anderen Erfahrungsberichten dauert das Rendern sogar noch länger. Wer mit der Yi arbeitet und auf Qualität achtet, sollte es also nicht zu eilig haben. Viel mehr als ein Video zusammenfügen und stabilisieren kann die Software übrigens nicht. Wer sein Video schneiden, bearbeiten oder mit Musik untermalen möchte, braucht ein zusätzliches Bearbeitungsprogramm.

Fotos landen mit einer Auflösung von 5760×2880 Bildpunkten auf der Speicherkarte. Neben einem Auslöse-Timer steht auch ein Burst-Modus mit maximal 10 Bildern pro Sekunde zur Verfügung. Die Fotos lassen sich ⇥problemlos am Smartphone zusammenfügen, der Unterschied zur Bearbeitung am PC ist weit geringer als bei Videos.

Auch Live-Streams sind mit der Rundumkamera möglich. Die maximale Auflösung bei Übertragungen zu Youtube oder Facebook ist auf 3840×1920 Bildpunkte begrenzt.

Die Fotoqualität des automatischen-Modus ist insgesamt gut, trotzdem hätten wir uns mehr manuelle Einstellungsmöglichkeiten wie zum Beispiel bei der Belichtungsdauer gewünscht. Die gibt der Hersteller mit maximal 30 Sekunden an – einstellen können wir das aber nicht. Der Nutzer hat lediglich Zugriff auf den ISO-Wert, den Weißabgleich, die Schärfe und verschiedene Helligkeitsstufen. Bei ausreichender Beleuchtung sind die Ergebnisse wirklich gut. Bei sehr wenig Licht beginnen die Fotos zu rauschen. Wer mit einem Stativ arbeitet, sollte deshalb den ISO-Wert manuell heruntersetzen.

Die Qualität der Videos ist für eine 360-Grad-Kamera erfreulich gut. Schärfe, Farben und Dynamikumfang sind gut und brauchen den Vergleich zu Gopro Fusion oder Insta One X nicht zu scheuen. Mit der knackigen Schärfe aktueller 4K-Kameras können die Rundum-Aufnahmen, wie bei 360-Grad-Kameras gewohnt, nicht mithalten. Aufgrund des schlechten Wetters haben wir leider nur einige graue und trostlose Testaufnahmen zur Verfügung, weshalb wir an dieser Stelle lieber ein Youtube-Video verlinken.

Der Akku hält bei maximaler Auflösung knapp über 60 Minuten lang durch. Im Test dauert das Aufladen mit einem 2A-USB-Netzteil etwa 90 Minuten. Wer die Kamera für Zeitrafferaufnahmen nutzt, kann sie während der Nutzung mit Strom versorgen. Das Stromkabel sollte dann allerdings einen abgewinkelten Stecker besitzen, da es sonst im Video zu sehen ist.

Die Yi 360 VR lässt sich entweder drahtlos per Smartphone oder per Funktionstasten bedienen. Die Bedienung ist einfach und intuitiv gestaltet und das gilt nicht nur für die Steuerung per App. Im Test zeigt sich allerdings, dass das OLED für helle Umgebungen einfach zu dunkel ist. Deshalb haben wir die Kamera meistens mit dem Smartphone bedient.

Das OLED ist in heller Umgebung kaum zu erkennen.

Bei der Nutzung der App erscheint das Vorschaubild mit einer minimalen Verzögerung, diese ist aber deutlich weniger spürbar, als bei der Insta One X. Wer aufgenommene Videos auf dem Smartphone überprüfen will, muss sie entweder mit maximal 4K auf das Telefon übertragen oder sich mit einer niedrigen Vorschauauflösung zufriedengeben. Das gleiche gilt auch für Fotos.

Die Videos sind – wie man es von 360-Grad-Kameras gewohnt ist – etwas verwaschen. Trotzdem gefällt uns die Bildqualität insgesamt gut. Wer besseres will, muss gleich deutlich mehr Geld in die Hand nehmen.

Yi 360 VR

Yi 360 VR

SanDisk Extreme  R160/W90 microSDXC   128GB Kit, UHS-I U3, A2, Class 10 (SDSQXA1-128G-GN6MA)

128 GByte Speicherkarte

Die 360 VR überzeugt mit einer guten Bildqualität und einem günstigen Preis. Aktuelle Konkurrenzmodelle kosten bei ähnlicher Ausstattung deutlich mehr. Wer die Kamera nutzen möchte, muss aber mit Einschränkungen leben. So ist die Kamera relativ groß und außerdem nicht wasserdicht. Für Action geladene Aufnahmen ist sie somit deutlich schlechter geeignet als beispielsweise die Insta One X (Testbericht) oder die Gopro Fusion (Testbericht).

Wer seine Fotos und Videos per Smartphone bearbeiten will, kann weder auf die volle Auflösung, noch auf die elektronische Bildstabilisierung zurückgreifen. Wer die Aufnahmen am Computer bearbeitet, bekommt zwar tolle Ergebnisse, allerdings nur unter Windows. Mac-Nutzer müssen derzeit auf Drittanbieter-Software zurückgreifen.

Um lediglich 2D-Videos in 16:9 aufzunehmen, empfehlen wir nach wie vor den Griff zu einer klassischen Actioncam. In Frage kommen hier Modelle wie die Gopro Hero 7 (Testbericht), Yi 4K Plus (Testbericht) oder Sjcam SJ8 Pro (Testbericht).

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige