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Xiaomi Roborock S5 Max im Test: saugt und wischt

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Xiaomi hat mit seinen Roborock-Saugrobotern den Markt kräftig aufgemischt, jetzt ist der Nachfolger des erfolgreichen Roborock S6 da. Ist der wirklich noch besser?

Was kann Xiaomi eigentlich nicht? Mit seinen Smartphones schockt das Unternehmen die Konkurrenz genauso wie mit seinen Saugrobotern mit Roborock-Brand. Neuestes Mitglied der Saubermänner ist der Roborock S5 Max, der trotz seines Namens nicht der Nachfolger des inzwischen über ein Jahr alten Roborock S5 (Testbericht) ist, sondern des 2019er Roborock S6. Logisch erscheint die Namensgebung nicht so recht, sinnvoller wäre wohl „Roborock S6 Max“ gewesen – das hätte einerseits die Chronologie der Modelle und andererseits auch den Umstand klargemacht, dass es sich beim S5 Max eigentlich um einen nur leicht aufgemotzten S6 handelt. Böse Zungen nennen so etwas ein Facelift, dazu passt auch, dass das neue Modell kaum ein halbes Jahr nach dem S6 hier bei uns verfügbar ist. Lohnt eine Neuanschaffung da überhaupt?

Äußerlich ist zu den Vorgängermodellen Roborock S6 und Roborock S5 (Testbericht) kaum ein Unterschied zu sehen. Auch das neue Modell kommt in wahlweise weißem oder schwarzem Kunststoff zum Kunden und brilliert mit hervorragender Verarbeitung. Beinahe mittig auf dem etwa 35 cm durchmessenden, runden Roboter platziert Xiaomi erneut den kleinen Laser-Turm, mit dem sich der Roborock S5 Max im Raum orientiert. Dank einer Gesamthöhe von knapp unter 10 cm dürfte das Modell bei den meisten Interessenten unter typische Möbel wie Kommoden oder das Bett kommen. Vorn auf der Oberseite sitzen die beiden Bedientasten. Sie sind beleuchtet und erlauben die manuelle Reinigungsaufnahme sowie deren Beendigung. Gleichzeitiges Drücken der Tasten leitet außerdem das Zurücksetzen der WLAN-Verbindung ein.

Seitenbürste aus Gummi

Die glänzende Oberseite des Roboters lässt sich zum Großteil aufklappen und gibt den Blick auf den leicht zu entnehmenden, 460 ml fassenden Schmutzbehälter und ein Reinigungswerkzeug frei. Außerdem sitzt hier ein manueller Reset-Button, der den kompletten Sauger zurücksetzt, sowie eine WLAN-Status-LED. Der Frontbumper, der bei Auffahren auf ein Hindernis zum Schutz von Möbelstücken als letzte Sicherungsebene fungiert, besteht wie der Rest des Gehäuses aus Hartplastik – hier hätten wir uns eine Gummierung gewünscht. Da der Roborock S5 Max aber normalerweise Hindernisse zuverlässig erkennt und nur sehr langsam anfährt, nutzt er den Bumper wirklich nur zur letzten Absicherung. Eine Beschädigung ist daher vermutlich auch bei Weichholzmöbeln nicht zu befürchten. Vorn und auf der rechten Seite des Bumpers sind Sensoren zur Hinderniserkennung im Nahbereich zu sehen.

Der hintere, untere Bereich des Saugroboters ist vom großen, rund 290 ml fassenden Wassertank geprägt. Er lässt sich ebenfalls sehr einfach mit nur einem Klick entfernen. Die zentral unter dem Roboter platzierte Hauptbürste ist zu S5 und S6 kompatibel und weist eine Anordnung der Bürstenreihen in Wellenform auf. Das reduziert das Geräusch, wenn die Borsten auf Hartboden treffen. Die vorne rechts angebrachte Seitenbürste besteht wie schon beim Roborock S6 nicht mehr aus einzelnen Kunststoffborsten, sondern aus fünf gummierten Bandpaaren. Das soll vermutlich die Haltbarkeit der Seitenbürste erhöhen, da das jetzt verwendete Material stabiler ist.

Insgesamt 14 Sensoren baut Xiaomi in den Roborock S5 Max ein, mit denen sich der Roboter in seiner Umgebung orientiert. Hauptverantwortlich für die Präzision ist das Lidar-System im kleinen Laser-Turm auf der Oberfläche des Bots. Der darin befindliche rotierende Laser erfasst seine Umgebung und erstellt damit eine Karte, die in der App dargestellt wird und mittels derer der Sauger weiß, wo genau er sich gerade befindet. Einen Extrasensor wie noch beim Roborock S6 hat der Laser-Turm allerdings nicht mehr. Schafft es der S5 Max also, mit dem Körper unter ein Objekt zu fahren und anschließend mit dem Turm hängenzubleiben, hat das nicht das sofortige Zurücksetzen zur Folge. Stattdessen versucht der Sauger einige Sekunden weiter, unter das Hindernis zu fahren. Auf diese Weise wurden Stühle im Test immer wieder zentimeterweise verschoben. Festgefahren hat sich der Roboter im Test dennoch nicht.

Die Navigation des Roborock S5 Max erwies sich im Test als vorbildlich. Intransparente Hindernisse jeglicher Art wurden problemlos und zuverlässig erkannt, sofern sie sich in etwa auf Höhe des Laser-Türmchens befanden. Anschließend fährt der Roboter sanft vor Hindernisse vor und gewährleistet so eine maximale Annäherung, um möglichst viel Boden drum herum zu reinigen. Beschädigungen der Möbelstücke sind dabei nicht zu befürchten. Das Verhalten im Abfahren der Kanten eines Raumes ist in den meisten Fällen vorbildlich, der Roboter kommt Wänden so nah, dass er mithilfe der Seitenbüste allen Schmutz aufnimmt. In Ecken ist der Sauger wegen seiner runden Bauart hingegen limitiert, dort sammelt sich auf Dauer unter Umständen etwas Staub. Das ist aber bei allen Saugrobotern so, auch bei D-förmigen Modellen wie etwa dem Neato Botvac Connected D7 (Testbericht). Einen vollwertigen Ersatz für einen Handsauger bieten auch im Jahr 2019 kein verfügbares Robotermodell. Auch wenn der S5 Max durch jede Lücke navigiert, die etwas breiter als er selbst ist, stellen auch ihn Stuhlbein-Wälder oder in der Ecke stehende Pflanzentöpfe vor ein unüberwindbares Hindernis. Für Türschwellen bis 2 Zentimeter gilt das nach Angaben des Herstellers übrigens nicht, auch in Altbauten sollte der Roborock S5 Max daher gute Dienste leisten können.

Tolle Saugleistung dank 2000 PA und Rollenbürste

Der Staubbehälter des Xiaomi-Saugers lässt sich mit einem einfachen Handgriff entnehmen, nachdem die obere Abdeckung des Bots aufgeklappt wurde. Den Behälter selbst können Nutzer ebenso leicht öffnen und somit entleeren, indem sie den Kunststoffbehälter am dafür vorgesehenen Scharnier auseinanderklappen. Der eingesetzte Papierfilter lässt sich auf diesem Weg ebenfalls wechseln.

Der 5200-mAh-Akku des Roborock S5 Max erlaubt Saugzeiten von etwa 1,5 Stunden, danach fährt der Roboter automatisch zur Ladestation zurück. Nach der Ladezeit, die bis zu 6 Stunden betragen kann, setzt der S5 Max die Reinigung an der zuletzt gereinigte Stelle fort. Wohnungen mit bis zu 150 m² sollten problemlos am Stück gereinigt werden können, zumal der tatsächlich zu reinigende Bereich wegen raumeinnehmender Möbel ohnehin deutlich geringer ausfällt. Etwas enttäuschend fanden wir die Implementierung des Sprachassistenten Alexa von Amazon. Dafür wird einerseits zwingend ein Mi-Account benötigt, andererseits wird der Sauger nur als Schalter eingebunden, sodass nur die Befehle „Roborock ein“ und „Roborock aus“ möglich sind. Oder zumindest möglich sein sollen. In unserem Test funktionierte das leider nicht. Stattdessen bemängelte Alexa stets, dass sie kein Gerät mit Namen Roborock finden könne. Nach der Umbenennung des in der Alexa-App gefundenen Gerätes in „Staubsauger“ wurde der Befehl „Alexa, Staubsauger an“ mit dem Hinweis quittiert, dass „Staubsauger“ nicht antwortet. Schade. Ein Grund dafür könnte die Roborock-App sein.

Xiaomi bat uns, den Roboter vorerst mit der Roborock-App zu testen und nicht mit der Mi-Home-App – diese sei „noch nicht ganz startklar“, hieß es. Alles funktioniert allerdings leider auch in der Roborock-App nicht. So finden sich in der deutschen Lokalisierung noch Menüpunkte mit chinesischen Schriftzeichen und es funktioniert noch nicht alles wie gewünscht. Das gilt nicht nur wie zuvor beschrieben für die Sprachbefehle, sondern leider auch für die Raumerkennung. Denn eigentlich sollte der Roborock S5 Max nach dem Erstellen der Karte einzelne Räume definieren oder zumindest eine entsprechende Einteilung erlauben, in unserem Test wurde das mit dem Hinweis, wir mögen bitte die Reinigungszone überprüfen, abgelehnt. Lediglich über einen Umweg, nämlich durch das Aufteilen eines Raumes (bei uns der ganzen Etage) war es bisweilen möglich, mit viel Aufwand einzelne Räume zu erstellen. Komplett funktionierte das aber auch dort nicht und wir konnten nicht alle Bereiche als Raum definieren. Eine mögliche Ursache: Nicht alle Räume waren komplett geschlossen, so wurde etwa im Schlafzimmer ein Spiegelschrank nicht erkannt und entsprechend in der App keine durchgehende Wand gezogen. Dieses Problem haben alle Staubsaugerroboter mit Laser-Navigation: Spiegel und vor allem Glastüren werden nicht erkannt. Beim S5 Max scheint das dazu zu führen, dass ein wichtiges Feature nicht funktioniert. Die entsprechende Funktion ist allerdings in der App auch als Beta gekennzeichnet und dürfte früher oder später per Update überarbeitet werden.

Die Roborock-App im Überblick (14 Bilder)

Der Rest der App ist dafür vorbildlich aufgebaut. Der Nutzer darf No-Go-Areas in Form von Grenzlinien, Quadraten und sogar freier Form anlegen, temporäre Zonen einzeichnen, die der Bot ein-, zwei- oder dreimal säubern soll und insgesamt drei Karten Speichern. Dabei handelt es sich um zwei Versionen älterer Reinigungsflächen und eine aktuelle Karte. Schon neu eingerichtete Sperrzonen gelten dabei als neue Karte und überschreiben die älteste Karte – das ist gerade zu Beginn, wo man noch viel herumexperimentiert, suboptimal gelöst. An anderer Stelle hat Xiaomi mehr Hirnschmalz investiert. So darf nicht nur die Saugintensität und – beim S5 Max neu – die Wasserintensität per App eingestellt, sondern beides abhängig von der Reinigungszone gespeichert werden. Dafür wird der Punkt „Mode Einstellungen“ verwendet, der ansonsten in chinesischer Schrift über seine Funktion aufklärt. Das Einstellen unterschiedlicher Reinigungsleistungen funktionierte bei uns ebenfalls nicht mehr, nachdem wir wie oben beschrieben Zonen per Workaround erstellt hatten.

Die weiteren Funktionen sind in der Oberklasse üblich. Darunter fallen das Erstellen von Zeitplänen, nach denen der Roboter automatisch reinigt, automatische Saugkraftanhebung beim Befahren von Teppich und ein definierbares Zeitfenster, in dem der Roboter keinerlei Aktivitäten wie Reinigung oder Sprachbestätigungen von sich geben soll. Letzteres tut der Roboter gern – egal ob Laden, Reinigen, Festfahren oder das Einsetzen des beiliegenden Mopps: Alles wird per (auf Wunsch) deutscher Spracheausgabe dokumentiert. Diese Mitteilsamkeit macht den Roborock S5 Max zumindest ein bisschen menschlich – vor allem dann, wenn man ihn per App sucht und ein fröhliches „hey, hier bin ich!“ ertönt.

Die Saugleistung des Roborock S5 Max passt zur hervorragenden Navigation des Saugers: sie ist ebenfalls richtig gut. Natürlich darf man einen Staubsaugeroboter mit 2000 PA nicht mit einem kabelgebundenen Sauger mit einem Vielfachen der Leistung gleichsetzen. Spätestens auf hochflorigem Teppich in Kombination mit feinem Sand wird das sichtbar. Für einen Roboter verrichtet der S5 Max seine Arbeit aber vorbildlich und Neulinge werden erstaunt sein, wie viel Staub und Schmutz der Xiaomi-Bot noch aus der scheinbar sauberen Wohnung holt.

Beim Wischen ist das bei Hybrid-Modellen wie dem Roborock S5 Max oder dem Eufy Robovac L70 Hybrid von Anker (Testbericht) immer so eine Sache. Auch wenn der Mopp beim Xiaomi-Modell per Federdruck auf den Boden gepresst wird und der Sauger durch seine aktive und per App regelbare Wassermengenzuführung eigentlich gute Arbeit verrichtet, ist das in unseren Augen kein echtes Wischen, sondern eher ein Staubwischen. Das klappt wunderbar, der S5 Max zieht dann gleichmäßige und gleichmäßig benetzte Bahnen. Allerdings verfügt das Modell im Gegensatz zum Ecovacs Deebot Ozmo 950 (Testbericht) nicht über eine Teppicherkennung, die ein Befahren von Brücken oder Auslegeware verhindert, sondern fährt munter auch über das Textilmaterial. Außerdem ist auch keine Reinigung im herkömmlichen Sinne möglich – einen getrockneter Kaffeefleck auf den Küchenfliesen schwächt der Roboter vielleicht minimal ab, mangels Druck des gerade einmal 3,5 Kilogramm schweren Bots verschwindet der aber beileibe nicht. Für die Entfernung so eines Fleckens ist mehrfaches „Rubbeln“ mit Kraft nötig, das schafft so ein kleiner Roboter nicht. Eine Ausnahme könnten Geräte wie der Hobot Legee 668 sein, der über zwei Reinigungspads für den Wischvorgang verfügt, die sich bis zu 10 Mal pro Sekunde bewegen und so eine „Schrubbfunktion“ bieten.

Der Staubbehälter ist einfach zu entnehmen

Übrigens: Die Schutzmatte zum Unterlegen unter die Ladestation, die dafür sorgen soll, dass der Boden unter dem Roboter bei aktivierter Wischfunktion keine Feuchtigkeitsschäden nimmt, ist beim neuen Modell so billig und labbrig, dass sie kaum mehr als eine dicke Folie ist. Statt mittels Gummifüßchen wie beim Vorgänger ist Xiaomi beim S5 Max der Meinung, dass Kunden den Schutz per Einmal-Klebepads auf den Boden kleben sollen. Erstaunlich, auf welche Ideen manche Hersteller kommen… Zum Glück ist der Feuchtigkeitsschutz vom älteren S5 (ohne Max) kompatibel – der wirkte um Welten hochwertiger. Und wo wir grad beim Meckern sind: Die Ladestation ist zwar kleiner als beim Roborock S6, bietet aber kein Kabelmanagement und das Stromkabel lässt sich nur auf einer Seite anstöpseln. Auch das ist eine Verschlimmbesserung, die absolut nicht sein muss! Denn mit einer UPV von 549 Euro stößt Xiaomi längst in eine Preisregion vor, von der sicherlich niemand mehr von „billig“ sprechen wird.

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Xiaomi Roborock S5 Max weiß (XM200018)

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Eigentlich ist der Roborock S5 Max von Xiaomi ein richtig tolles Produkt. Zwei Sachen haben uns im Test allerdings gestört: Einerseits passte mit der Software und/oder der App noch nicht alles, wodurch einige wichtige Funktionen verloren gingen. Außerdem ist der S5 Max zum Vorgänger S6 kein großer Fortschritt, sondern eher eine behutsame Weiterentwicklung – ein passender Name hätte darauf gut hinweisen können. „S5 Max“ deutet eher auf ein Modell, dass Leistungstechnisch zwischen Roborock S5 (Testbericht) und S6 angesiedelt ist, nicht aber auf einen Nachfolger des S6. Ebenfalls unpassend sind der billige Feuchtigkeitsschutz und die Ladestation ohne Kabelmanagement. Hier setzt Xiaomi den Rotstift an der falschen Stelle an.

Insgesamt überzeugt das neue Modell dennoch, für ein Hybrid-Gerät kann sich jetzt im Gegensatz zum S6 auch die Wischleistung sehen lassen. Besitzer eines S6 haben hingegen davon abgesehen keinen Grund, das neue Modell zu erwerben. Derzeit sollten aber auch Besitzer eines älteren Modells lieber noch auf erste Updates warten, die die beschriebenen Probleme mit Alexa und der Raumerkennung lösen. Denn dann wird voraussichtlich aus dem schon jetzt sehr guten Modell ein nahezu perfekter Saugroboter.

Alternativen zum Roborock S5 Max sind unter anderem der Eufy L70 Hybrid (Testbericht) oder der Neato Botvac D6 Connected (Testbericht). Eine Kaufberatung zu Staubsaugerrobotern haben wir auch bereits veröffentlicht.

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