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Xiaomi Redmi Note 8 Pro: Der „König der Mittelklasse“ im Test

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Das Redmi Note 8 Pro von Xiaomi kommt nach Deutschland. Mit starkem Prozessor, hochauflösender Kamera und schickem Design verspricht das günstige Smartphone viel.

Xiaomi hat inzwischen auch in Deutschland längst das Image einer billigen Chinesen-Klitsche abgelegt. Stattdessen freuen sich Kunden über ein richtig gutes Preis-Leistungsverhältnis bei Xiaomi-Produkten (und davon gibt es viele) und je nach Modell auch über erstklassige Technik. Viel Ausstattung für wenig Geld verspricht auch das Xiaomi Redmi 8 Pro, das in Deutschland mit Global ROM ab dem 8. Oktober unter anderem bei Amazon gekauft werden kann. In China ist das Gerät schon länger erhältlich, unterstützt aber unter anderem nicht alle hierzulande gebräuchlichen LTE-Frequenzen. Auf der Vorstellung sprach der Hersteller vom "König der Mittelklasse". Große Worte. Was steckt dahinter?

Nach 230 Euro sieht das Xiaomi Redmi Note 8 Pro nun wirklich nicht aus. Es wirkt hochwertig und schick und auch bei einem Verkaufspreis von 350 Euro würde wohl niemand meckern. Auf der Front befindet sich ein großes Display mit ziemlich schmalen Rändern, selbst unter dem Screen gibt es nur wenige Millimeter Rand. Das war beim Redmi Note 7 (Testbericht) noch ganz anders. Oben befindet sich eine angemessen dimensionierte Tropfen-Notch für die Frontkamera und auch, wenn das Glas über dem Panel gerade und nur an den Rändern minimal abgerundet ist, wirkt das Smartphone mit seinem sanften Übergang in den in Gehäusefarbe eloxierten Rahmen alles andere als billig.

Schickes Design

Der Rahmen ist dann aber auch der Punkt, an dem der niedrige Preis des Modells trotz allem bemerkbar ist. Denn dabei handelt es sich nicht wie bei hochpreisigeren Modellen um einen Metallrahmen, sondern der Hersteller setzt auf günstigeren Kunststoff. Das spürt man, wenn man das Smartphone in der Hand hält. Auf der Rückseite setzt Xiaomi dann aber nicht mehr auf Kunststoff, sondern auf zu den Seiten hin deutlich gebogenes Gorilla Glas 5, das je nach Lichteinfall interessante Reflektionen erzeugt. Auffällig ist hier ansonsten vor allem die Triple-Cam, die sicht- und spürbar aus dem Gehäuse hervorsteht und von Fingerabdrucksensor und vierter Kamera samt LED-Blitz flankiert wird.

Die Verarbeitung ist tadellos, auch Lautstärkewippe und Power-Taste lassen sich optimal bedienen. Mit 161,4 × 76,4 × 8,8 Millimeter und 200 Gramm ist das Redmi Note 8 Pro definitiv kein kleines oder leichtes Smartphone, angesichts großen Touchscreens und Akkus geht das aber in Ordnung. Bis auf eine glastypische Ruschigkeit liegt das Modell gut in der Hand.

Der Touchscreen des Redmi Note 8 Pro ist stattliche 6,5 Zoll groß und bietet erweiterte Full-HD-Auflösung. Mit knapp 400 Pixel pro Zoll ist die Darstellung im Alltag scharf. Kontrastreich und angenehm farbintensiv ist sie obendrein. Gemessene 370 cd/m² reichen normalerweise aus, um auch im Freien noch ordentliche Ablesbarkeit zu gewährleisten. Die Blickwinkelstabilität ist dafür auch ausreichend gut, das IPS-LCD zeigt mit zunehmend flacherem Betrachtungswinkel nur leichte Abschattung.

Display mit Tropfen-Notch.

Besonderen Wert legte Xiaomi bei der Vorstellung des Redmi Note 8 Pro auf die Kamera des Mittelklasse-Smartphones. Der Grund ist einfach: Das Modell kommt nicht nur mit vier Kameras zum Kunden, sondern die Hauptlinse bietet stolze 64 Megapixel. Zur Verbesserung der Bildqualität bei gleichzeitiger Reduzierung der Bildgröße verwendet Xiaomi Pixel Binning und wirft in der Grundausstellung Fotos mit 16 Megapixel aus.

Hervorstehende Quad-Cam.

Die Hauptkamera greift dabei auf den neuen Sensor von Samsung zurück, den Isocell GW1. Die Linse hat dabei eine Offenblende von f/1.89, eine Pixelgröße von 0,8 µm und ein Sichtfeld von 79 Grad. Bei der zweiten Optik handelt es sich um eine Ultraweitwinkelkamera mit 120 Grad Sichtfeld und 1,12 µm. Hinzu kommt eine Makrokamera mit 2 Megapixel und 1,75 µm sowie eine Tiefenkamera mit ebenfalls 2 Megapixel für künstliches Bokeh. Die Frontkamera knipst Selfies mit 20 Megapixel, f/2.0 und 0,9 µm großen Pixel.

Im Alltag sind die Ergebnisse bei gutem Licht sehr ansehnlich, tatsächlich lohnt hier der Wechsel in den 64-Megapixel-Modus. Dann sind Fotos zwar im Schnitt etwa drei Mal größer und 20 bis 25 MByte pro Bild sind keine Seltenheit, allerdings werden feine Details auch in größerer Entfernung wesentlich feiner in den Speicher gebannt. Das sieht man zwar erst in der Vergrößerung, dann aber deutlich. Dafür ist die Bilddynamik im 64-Megapixel-Modus weniger ausgeglichen, Aufnahmen sind insgesamt etwas dunkler und weniger gleichmäßig belichtet. Das schwache Bildrauschen der großen Aufnahmen wird im 16-Megapixel-Modus erfolgreich unterdrückt.

Die Makrokamera mit ihren 2 Megapixel kann in manchen Situationen zwar wirklich eine gute Wahl sein, weil der Nutzer einfach viel näher an ein Objekt heran kann, leidet aber unter der niedrigen Auflösung und die Nähe zum Objekt kann – etwa durch Schattenwurf – auch nachteilig sein. Enttäuschend ist die Weitwinkeloptik. Sie bietet wesentlich weniger Bildschärfe und Detailreichtum als die Hauptkamera, auch Bildrauschen wird hier sichtbar. Diese Linse sollte wegen des starken Qualitätsunterschied am besten gleich außen vor gelassen werden. Stattdessen ist die gute Panoramafunktion vorzuziehen.

Die Frontkamera erlaubt bei gutem Licht ausreichend scharfe Bilder mit ordentlicher Bilddynamik. Besonders gut hat uns das künstliche Bokeh gefallen, das selbst auf hoher Einstellung erstaunlich fehlerarm arbeitete. Das gilt auch für die Hauptkamera, deren Bildschärfe klar höher ausfällt. Videos sind in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde möglich, in 1080p auch mit 60 fps. Zeitlupenvideos lassen sich sogar mit 960 fps in den Speicher bannen. Entsprechende Filmchen sind wenige Sekunden lang, der Wechsel in die Ultrazeitlupe erfolgt im letzten Viertel des Clips automatisch. Die Bildqualität ist dabei ordentlich. Zwar wird auch hier möglichst viel Licht benötigt, das starke Bildrauschen wie bei Sonys ersten Versuchen in Smartphones tritt hier aber nicht auf. Die Bildqualität von Videos ist mit Blick auf Bildstabilität und Bildschärfe in Relation zum niedrigen Verkaufspreises des Redmi Note 8 Pro absolut in Ordnung, teurere Modelle von Samsung machen aber beides deutlich besser. Für 4K-Videos sollte am besten gleich ein Stativ her.

Neben der Kamera stellte Xiaomi auf der ursprünglichen Vorstellung des Redmi Note 8 Pro die Leistung des Smartphones in den Vordergrund. Als Antrieb dient dem Modell nämlich ein – wie schon bei der Kamera – ebenfalls recht neuer Chip, der in diesem Fall allerdings von Mediatek stammt. Dieser Hersteller, der gerade in Smartphones für Europa im Gegensatz zu einem Zeitraum von vor zwei oder drei Jahren aktuell kaum noch eine Rolle spielt, hat mit dem Helio G90T aber offenbar einen Chip geschaffen, um den Xiaomi nicht herum kam. Tatsächlich schlägt sich der Chipsatz mit seinen beiden A76- und sechs A55-Kernen mit bis zu 2,05 GHz im Verbund mit der Mali-G76-3EEMC4-Grafikeinheit und 6 GByte RAM hervorragend. Mit fast 230.000 Punkten in Antutu lässt der Chip die Mittelklasse-Konkurrenz klar hinter sich, auch der ebenfalls nicht alte Snapdragon 710 von Qualcomm wird klar abgehängt. Zur besseren Kühlung – neben höherem Stromverbrauch das Hauptproblem von Mediatek-Chips – verwendet Xiaomi eine sogenannte LiquidCool-Technik. Tatsächlich wurde das Smartphone im Test nicht unangenehm heiß.

Im Alltag macht sich die Leistung in flüssiger Bedienbarkeit des Mittelklasse-Smartphones bemerkbar und Apps starten schnell. Daran hat allerdings auch der interne, je nach Version 64 oder 128 GByte große UFS-2.1-Speicher seinen Anteil. Der lässt sich per Micro-SD erweitern, solange Nutzer keine zweite SIM-Karte verwenden wollen. Ansonsten gibt es an Technik fast alles, was für Nutzer interessant sein könnte. Dazu gehört neben schnellem LTE mit allen in Europa benötigten Frequenzbändern auch NFC, ein 3,5-Millimeter-Port, USB C, WLAN ac und GPS mit Unterstüzung von Glonass und Galileo. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite des Gerätes ist in die Kameraeinheit integriert, die spürbar aus dem Gehäuse hervorsteht. Daher ist er gut zu treffen, außerdem funktioniert er schnell und zuverlässig.

Bei der Software kocht Xiaomi wie immer sein eigenes Süppchen. Über Android 9 Pie stülpt der chinesische Hersteller seine Nutzeroberfläche MiUI, die viele Menüpunkte überarbeitet und zusätzliche Funktionen mit sich bringt. Das erschwert beim ersten Mal den Wechsel auf Xiaomi-Modelle, ist aber mit etwas Einarbeitungszeit durchaus machbar.

4500 mAh leistet der Akku im Xiaomi Redmi Note 8 Pro, das ist ein richtig guter Wert und mehr als beim Vorgänger. Ausdauernder ist das neue Modell aber nicht. Grund dürfte hier der bereits angesprochene Mediatek-Chipsatz sein, letztendlich ist das aber nicht dramatisch. Denn altes und neues Note-Modell ordnen sich nicht weit unten, sondern im Gegenteil eher im oberen Mittelfeld der Ausdauerkünstler unter den „normalen“ Smartphones ein. An Langläufer wie das Moto G7 Power (Testbericht) kommt das Xiaomi-Modell mit seinen rund 9,5 Stunden Durchhaltevermögen im Battery Test von PCmark zwar nicht heran, dennoch ist das ein ordentlicher Wert. Im Alltag kommen Normalnutzer damit im Schnitt zwei Tage ohne Nachladen hin. Kabelloses Laden gibt es nicht, über das mitgelieferte Ladegerät dauert eine volle Dröhnung rund zwei Stunden.

Das Xiaomi Redmi Note 8 Pro gibt es in den Farben Grau, Grün und Weiß, außerdem haben Interessenten die Wahl zwischen 64 und 128 GByte internem Speicher. Die kleine Speichervariante war zum Testzeitpunkt für 239 Euro vorbestellbar, die größere Version kostete 30 Euro mehr.

Xiaomi Redmi Note 8 Pro  64GB mineral grey

Xiaomi Redmi Note 8 Pro  64GB forest green

Grün

Xiaomi Redmi Note 8 Pro  64GB pearl white

Weiß

Xiaomi Redmi Note 8 Pro 128GB mineral grey

128 GB Grau

Xiaomi Redmi Note 8 Pro 128GB forest green

128 GB Grün

Xiaomi Redmi Note 8 Pro 128GB pearl white

128 GB Weiß

Das Redmi Note 8 Pro bietet ein beeindruckendes Gesamtpaket. Ordentliches Display, gute Gesamtausstattung, schickes Design, bisweilen richtig gute Kamera und leistungsstarker Chipsatz würden durchaus auch zu einem 100 Euro teureren Modell passen. Gerade auch 6 GByte RAM sind unter 300 Euro noch lange nicht alltäglich.

Schade ist allerdings die schlechte Qualität des Ultraweitwinkels und auch der Einsatz der Makrokamera lohnt in den meisten Fällen nicht. Das deutliche Hervorstehen der Kameraeinheit ist ebenfalls nicht schön, das ist allerdings schon eher ein Kritikpunkt aus der Rubrik „aber ich muss doch irgendwas kritisieren“ - und das sagt eigentlich schon alles. Für deutlich unter 300 Euro gibt es derzeit kaum besseres, das Redmi Note 8 Pro ist tatsächlich ein echter "König der Mittelklasse". Für noch weniger Geld gibt es den Vorgänger Redmi Note 7 (Testbericht), ansonsten lohnt ein Blick auf Smartphones wie Honor 8X (Testbericht) oder das Samsung Galaxy A50 (Testbericht). Außerdem haben wir kürzlich einen Vergleich der aktuellen Topmodelle von Xiaomi gezogen.

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