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Xiaomi Redmi 9 im Test: Das fast perfekte Smartphone

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Full-HD-Display, ausreichend Speicher und Power, dazu eine Quad-Cam und ein ordentlicher Akku – das klingt gar nicht nach Einsteiger-Klasse. Ist es preislich aber.

Langsam wird es unübersichtlich bei Xiaomi. Es gibt drei Redmi-9-Modelle, dazu drei Redmi-Note-9-Modelle und alle sind effektiv für unter 200 Euro zu bekommen – wer soll da noch durchblicken? In diesem Test haben wir uns für die “goldene Mitte” entschieden, nämlich für das Xiaomi Redmi 9. Das Modell ist höher als Redmi 9A und Redmi 9C positioniert, aber unterhalb der Redmi-Note-Modelle wie dem Redmi Note 9 Pro (Testbericht).

Auch günstige Smartphones können ordentlich aussehen. Das beweist Xiaomi beim Redmi 9 durchaus eindrucksvoll. An klar teurere Modelle mit Metallrahmen und Glas-Rückseite kommt das günstige Smartphone zwar nicht heran, allein deshalb, weil man das um die Seiten gezogene Kunststoffgehäuse auch als solches erkennt. Billig sieht das aber definitiv nicht aus. Das liegt an der ordentlichen Verarbeitung, bei der nichts knarzt oder knirscht und die Tasten perfekt eingebaut und bedienbar sind. Außerdem versieht Xiaomi die Rückseite unseres bläulich-türkisen Testgerätes mit feiner, kreisförmiger Riffelung. Das sieht nicht nur schick aus, sondern fühlt sich auch gut an und verhindert Fingerabdrücke weitgehend.

Dazu passend ist das Redmi 9 mit 163 × 77 × 9 Millimeter für heutige Verhältnisse ausreichend handlich, zumal alle Kanten und Ecken gut gerundet sind. Die 200 Gramm Gewicht empfinden wir aber gerade wegen des Kunststoff-Gehäuses als zu hoch, das passt irgendwie nicht zusammen. Andererseits muss Xiaomi den niedrigen Preis ja irgendwie hinbekommen und erkauft ihn sich zum Teil offenbar über das Gewicht – verschmerzbar. Eine Schutzhülle liegt wie fast immer bei Xiaomi im Lieferumfang bei, außerdem ist eine Schutzfolie auf das Display aufgebracht. Wer das nicht mag (sie ist sicht- und beim Drüberstreichen auch spürbar), kann sie problemlos entfernen. Beim niedrigen Preis des Xiaomi Redmi 9 sind die schmalen Display-Ränder auf der Front durchaus eine Erwähnung wert, lediglich unterhalb des Screens ist der Rand etwas breiter. Insgesamt wirkt das günstige Modell weit hochwertiger, als der niedrige Preis vermuten lässt.

Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite ist übrigens generell wegen leichtem Hervorstehen fühlbar, allerdings patscht man wegen der Integration in die Kameraeinheit gern mal auf die unterste von drei Linsen. Auf den ersten Blick sieht der Sensor wie eine vierte Linse aus, die befindet sich allerdings neben den drei Hauptlinse.

Alle Bilder zum Xiaomi Redmi 9 im Test (17 Bilder)

6,5 Zoll sind heute nichts Besonderes mehr, Full-HD-Auflösung bei Modellen unter 150 Euro hingegen schon noch. Das Xiaomi Redmi 9 liefert beides und macht dabei seine Arbeit hinsichtlich der Darstellungsqualität dank IPS-LCD sogar noch recht ordentlich. Mit Ausnahme der Helligkeit, die wir im Test mit nur 315 cd/m² maximal gemessen haben – das weicht nicht nur deutlich von der Herstellerangabe ab (400 cd/m²), sondern passt auch gar nicht zur trotz allem ausreichend guten Ablesbarkeit bei hellem Umgebungslicht. Kontraste, Farbdarstellung und Blickwinkelstabilität sind hingegen nicht nur für ein so günstiges Smartphone gut. Ebenfalls überzeugend: Die bereits angesprochenen schmalen Ränder um das Panel, auch die Tropfen-Notch mittig am oberen Panel-Rand ist ebenfalls vergleichsweise platzsparend ausgelegt.

Schmale Ränder, kleine Notch

Gleich vier Kameras baut Xiaomi auf der Rückseite ein – in ein Einsteiger-Modell! Das merkt man allerdings an den technischen Daten der einzelnen Linsen, denn alle vier Exemplare protzen nicht gerade mit Megapixeln. Sie setzt die Hauptkamera auf 13 Megapixel (f/2.2), die Weitwinkeloptik auf 8 (f/2.2) und der Tiefensensor auf nur noch 2 Megapixel – ganz abgesehen davon, dass der eigentlich ohnehin überflüssig ist, ist das doch arg wenig. Das gilt grundsätzlich auch für die Makrokamera, doch die hat immerhin 5 (f/2.4) statt der sonst üblichen 2 Megapixel. Das ist die Makrokamera mit 2 Megapixel im wesentlich teureren Xiaomi Mi 10 (Testbericht) gleich noch einmal unverständlicher.

Die Quad-Cam macht sich auf dem Papier gut, bei Sonnenschein auch im Alltag

Fehlende Pixel-Flut hin- oder her: Ohne Auto-HDR wirken Farben und Dynamik etwas blass, mit ist alles in Ordnung. Mit aktivierter AI-Funktion werden Farben bisweilen überbetont, was dann einem typischen Bonbon-Effekt nahekommt. Ansonsten ist die Bildqualität in Relation zum Preis des Smartphones ziemlich ordentlich, das betrifft sogar die generelle Bildschärfe, auch wenn der Detailgrad der Aufnahmen natürlich nicht mit höherpreisigen Smartphone-Kameras mithalten kann. Selbst der Weitwinkel geht halbwegs in Ordnung, zumindest für Social-Media-Aufnahmen reicht er. Für alles andere sind Bildschärfe und abnehmende Qualität zu den Rändern hin zu schlecht.

Größtes Problem für die Redmi-9-Kameras: Licht. Selbst bei bedecktem Himmel sinkt die Bildqualität schon leicht, bei wenig Licht sogar überproportional schnell. Das zeigt sich dann in deutlich nachlassender Schärfe und vermehrter Artefaktbildung. So eine Schönwetterkamera ist im Einstiegssektor nicht ungewöhnlich, Nutzer müssen das bei ihrer Kaufentscheidung aber berücksichtigen.

Gemessen am Preis ist die Kamera des Redmi 9 für Fotos trotz allem ziemlich gut. Das gilt sogar für die Makrokamera, die dank 5 Megapixel bisweilen richtig ordentliche Bilder mit weit weniger Artefakten als bei den sonst häufig verwendeten 2-Megapixelern knipst. Dennoch ist es bisweilen schwer, ein scharfes Bild damit zu bekommen und richtig nah kommt man einem Motiv auch nicht – dann werden Bilder nämlich unscharf. Die Frontkamera liefert mit ihren 8 Megapixel Selfies mit ebenfalls ausreichender Qualität, solange das Licht stimmt.

Während Fotos gerade für den niedrigen Straßenpreis des Redmi 9 durchaus überzeugen, patzt Xiaomi bei der Videofunktion. Filme lassen sich maximal mit Full-HD und 30 Bildern aufnehmen, eine Bildstabilisierung gibt es offenbar gar nicht. Entsprechend fehlt es in nahezu allen Lebenslagen an Bildschärfe und die unruhigen Aufnahmen tun ihr übriges - sehr schade.

Xiaomi verpasst seinem günstigen Redmi 9 einen Helio G80 von Mediatek als Antrieb, der je nach Version von 4/64 oder 3/32 GByte RAM und internem Speicher flankiert wird. Der Achtkerner mit Mali-G52-GPU reicht sogar für die meisten 3D-Spiele, solange eine Reduzierung der grafischen Darstellung auf ein Minimum möglich ist, einfache Games laufen problemlos. Im Alltag reagiert das Smartphone erstaunlich direkt, nur hin und wieder kommt es zu kurzen Gedenk-Zehntelsekunden. Das ist ein guter Fortschritt zum ohnehin schon nicht unbedingt schneckenlahmen Vorgänger Redmi 8, der auch von Antutu bestätigt wird: Etwas über 200.000 Punkte im Benchmark sind mehr als doppelt so viel wie beim Redmi 8. Der Chipsatz schneidet in Relation zum Preis des Smartphones insgesamt ziemlich gut ab, lediglich Custom-ROM-Fans kommen nicht auf ihre Kosten – Mediatek-Modelle unterstützen das meist nicht.

LTE ist mit allen in Deutschland benötigten Frequenzen vorhanden, sogar VoLTE (Telefonate per LTE) und VoWIFI (Telefonate via WLAN) sind möglich. Hinzu kommen Bluetooth 5.0, 3,5-Millimeter-Anschluss für Klinkenstecker, sogar NFC und ein besonders seltenes Feature: Radio ohne angeschlossenes Headset. Normalerweise dient das als Wurfantenne, beim Redmi 9 ist sie integriert. Sonderlich gut ist der Empfang damit allerdings nicht. GPS samt Unterstützung von Glonass und Beidou stellte sich im Test als überraschend stark heraus, der durchaus kräftige Lautsprecher macht das Redmi 9 damit zum vernünftigen Navigationsgerät. Wie so oft bei Xiaomi-Smartphones ist auch ein IR-Blaster mit an Bord, mit dem das Smartphone zur Fernbedienung für Fernseher und Co. wird.

Als Nutzeroberfläche legt Xiaomi über Android 10 wie immer seine MIUI. Beim Redmi 9 gibt es durchaus einiges an Bloatware, darunter fünf Spiele und Apps wie AliExpress, Ebay und LinkedIn. Die Apps lassen sich allerdings problemlos entfernen. Suboptimal: Der Sicherheits-Patch stammte auf unserem Testgerät noch von Mai 2020 – das ist länger als der normale 2-Monats-Rhythmus und der Patch entsprechend zu alt. Mit weiteren Updates ist erfahrungsgemäß aber zu rechnen.

Das Xiaomi Redmi 9 verspricht auf dem Papier, ein richtiger Langläufer zu sein. Denn im Datenblatt steht ein 5020 mAh leistender Akku, das ist eine ganze Menge. Dass das Gerät mit etwas über 9 Stunden Dauernutzung bei 200 cd/m² im Battery Test von PCmark für einen derart großen Akku vergleichsweise mittelmäßig abschneidet, dürfte ein Ergebnis des verwendeten Mediatek-Chipsatzes sein. Denn der wird nur in 12 Nanometer gefertigt, das ist längst nicht mehr State of the Art. Zum Vergleich: Das teurere Xiaomi Redmi Note 9 Pro (Testbericht) mit gleich großem Akku, aber einen moderneren Snapdragon 720G schaffte über 2 Stunden mehr. Das Redmi 9 sollte trotz allem für durchschnittlich 2 Tage ohne Nachladen gut sein – ein solider Wert. Mit dem mitgelieferten Ladegerät und 10 Watt dauert eine volle Ladung etwa 3 Stunden.

Das Xiaomi Redmi 9 gibt es in den Speichervarianten 3/32 und 4/64 GByte, der interne Speicher ist erweiterbar. Farblich haben Interessenten die Wahl zwischen Grau, Lila und Grün. Die UVP beginnt bei 139 Euro, zum Testzeitpunkt lag der Tiefstpreis bei 112 Euro.

Für nur wenig mehr als 100 Euro bietet das Xiaomi Redmi 9 erstaunlich viel – und das nicht nur auf dem Papier. Für ein so günstiges Smartphone macht die Kamera bei gutem Licht tolle Bilder, der Akku sorgt für überdurchschnittliche Laufleistung, das Display bietet trotz niedriger Helligkeit gute Alltagstauglichkeit und die Leistung des eingebauten Chipsatzes passt auch zu klar teureren Smartphones. Im Vergleich zur sonstigen Mittelklasse müssen Interessenten nicht einmal spürbare Einbußen hinnehmen.

Perfekt ist das Einsteigergerät natürlich nicht. So ist die Quad-Cam eine Schönwetterkamera und Videoaufnahmen sollte man damit besser gleich ganz vergessen. Außerdem liefert das Smartphone trotz enorm großem Akku nur leicht überdurchschnittliche Laufleistung ab. Unterm Strich ist das aber genauso zu vernachlässigen, wie das etwas hohe Gewicht und das Kunststoffgewand. Zusammengefasst bedeutet das: Es gibt derzeit kaum Modelle, die mehr fürs Geld bieten. Nur Luxus sollte Käufer nicht erwarten.

Wie gut das Redmi 9 wirklich ist, zeigt ein Blick in unseren Ratgeber: Wie viel Smartphone gibt es bis 100 Euro und den Ratgeber: Die zehn besten Smartphones bis 200 Euro.

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