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Xiaomi Mi Note 10 im Test: 108 Megapixel und Monster-Akku

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Im Xiaomi Mi Note 10 trifft ein Premium-Kamera-Setup mit 108-Megapixel-Sensor auf einen riesigen 5260-mAh-Akku und Mittelklasse-Hardware. Ob das funktioniert, zeigt der Test.

Üblicherweise haben Smartphones mit einem Premium-Kamera-Setup auch exzellente Hardware. Xiaomi geht mit dem Mi Note 10 einen anderen Weg. Denn während seine Hardware mit dem Midrange-Prozessor Snapdragon 730G und UFS-2.1-Speicher eher der gehobenen Mittelklasse entspricht, gibt es gleich fünf Kameras, von denen eine sogar 108 Megapixel liefert. Trotzdem verlangt Xiaomi in Europa für das Mi Note 10 eine recht hohe UVP von 550 Euro. Das passt auf den ersten Blick nicht zusammen. Ob das Xiaomi Mi Note 10 unterm Strich ein guter Kauf ist, verrät der Test.

Die Rückseite des Xiaomi Mi Note 10 wirkt mit langgezogener Kamera-Einheit, fingerabdruckabweisendem Perlmutt-Finish und silbernem Schriftzug sehr schick. Sie ist ein echter Hingucker. Doch irgendwie wirkt sie vertraut. Kein Wunder, ähnelt sie der Rückseite des Huawei P30 Pro (Testbericht) doch so sehr, dass man vermuten könnte, die beiden sind vom gleichen Band gefallen.

Die Kamera steht ungewöhnlich weit aus dem Gehäuse hervor.

Die Kameraeinheit des Mi Note 10 steht deutlich aus dem Gehäuse hervor und ist an ihren Rändern scharfkantig. Xiaomi legt der weißen Version eine transparente Hülle bei, mit ihr wird die Kamera eben. Die Hülle ist sehr weich. Dadurch fühlt sie sich billig an und nimmt dem Mi Note 10 viel von seiner Premium-Haptik.

Der On-/Off-Taster und die Lautstärkeknöpfe sind aus Metall, bieten einen guten Druckpunkt und eine vernünftige Anordnung. Wir finden es auch deutlich stimmiger, die Knöpfe alle auf einer Seite anzuordnen. Oneplus 7T (Testbericht) und Oneplus 7T Pro (Testbericht) gehen einen anderen Weg. Bei ihnen sitzt der On-/Off-Taster auf der rechten und die Lautstärkereglung auf der linken Seite.

Verwechslungsgefahr: Das Xiaomi Mi Note 10 ähnelt dem Huawei P30 Pro doch sehr.

Auf der Unterseite des gut verarbeiteten Metallrahmens befindet sich ein Mikrofon, der USB-C-Anschluss, ein Mono-Lautsprecher und dankenswerterweise auch ein 3,5-mm-Klinkenport. Der Monolautsprecher bietet eine durchschnittliche Audio-Qualität, ist dafür recht laut. Aber eben Mono, bei vielen Premium-Modellen wie dem Google Pixel 4 (Testbericht) ergänzt der an der oberen Seite sitzende, zweite Lautsprecher das Klangbild um einen Stereoeffekt. Auf der Oberseite sitzt ein IR-Blaster und rundet die gute Ausstattung ab.

Die Gummilippe legt gewisse wasserabweisende Eigenschaften nahe.

Insgesamt fühlt sich das Mi Note 10 sehr wertig und stimmig an. Außer der scharfkantigen Kamera ist es ein wahrer Handschmeichler. Allerdings merkt man ihm seinen großen Akku an. Mit einer Dicke von 9,67 Millimetern und einem Gewicht von stolzen 207 Gramm ist es dicker und schwerer, als man es von vielen anderen Smartphones gewohnt ist.

Eine IP-Zertifizierung hat das Mi Note 10 nicht. Allerdings hat sich Xiaomi durchaus um gewisse wasserabweisende Eigenschaften gekümmert, wie der von sonst nur wasserdichten Smartphones gewohnte Gummiring um den Dual-SIM-Karten-Schacht zeigt.

Das HDR10-fähige OLED-Display des Xiaomi Mi Note 10 misst in seiner Diagonalen 6,47 Zoll. Es bietet eine Auflösung von 2340 × 1080 Pixeln; die seitlichen Ränder sind gebogen. Gorilla Glass 5 soll gegen Kratzer schützen und das Display vor Brüchen bewahren.

Das Display ist gut, kann aber nicht mit dem des Oneplus 7T mithalten.

Zunächst ging man davon aus, dass Xiaomi auf Samsung oder LG als Display-Lieferanten setzt. Schließlich sind die beiden die Platzhirsche, was gebogene OLED-Panels betrifft. Doch das Panel kommt vom relativ unbekannten chinesischen Unternehmen Visionox.

Im Test kommt es auf eine maximale Helligkeit von 400 cd/m². Das ist kein überragender Wert, genügt jedoch, um es auch bei direkter Sonneneistrahlung ablesen zu können. Nutzer können in den Display-Einstellungen das Farbschema individuell anpassen. Die Blickwinkelstabilität ist gut. Insgesamt bewegt sich die Display-Qualität im gehobenen Mittelmaß. Trotzdem wirkt die Darstellung weniger direkt und unmittelbar als bei anderen Flaggschiff-Smartphones. Auch auf Premium-Features wie eine höhere Bildwiederholungsrate von 90 Hertz muss das Mi Note 10 verzichten.

Die Hauptkamera bietet 108 Megapixel, einer Blendenzahl von f/1,69 und einen optischen Bildstabilisator. Tatsächlich ist das Mi Note 10 das erste Smartphone, in dem der in Kooperation mit Samsung entstandene Sensor Isocell Bright HMX zum Einsatz kommt. Dabei setzt der Sensor nicht nur bezüglich der Anzahl seiner Bildpunkte in einem Smartphone Rekorde. Er ist mit 1/1,33 Zoll auch einer der größten Smartphone-Sensoren.

Daneben dient die 2-fache Telekamera mit 12 Megapixeln und f/2 laut Xiaomi überwiegend für Portraits. Im Datenblatt ist weiter von einer 5-fach Telelinse mit 5 Megapixeln, OIS und f/2 die Rede. Bei genauerem hinschauen entpuppt sich diese allerdings als 8 Megapixel-Kamera mit 3,7-fachen Fix-Zoom. Xiaomi schneidet aus dem 8-Megapixel-Bild einen 5-Megapixel-Teil heraus und kommt so auf den 5-fach-Zoom. Wir empfinden diese Trickserei als unnötig und irreführend. Damit bleibt das Huawei P30 Pro (Testbericht) vorläufig das einzige Smartphone am Markt mit einem echten optischen 5-fach-Zoom.

Die Weitwinkelkamera mit einem FOV von 117 Grad nimmt Bilder mit 20 Megapixeln auf, ihre Blendenzahl beträgt f/2,2. Xiaomi komplettiert das Fünf-Kamera-Setup mit einer 2 Megapixel Makrokamera für sehr nahe Objekte ab 2 Zentimeter. Die Frontkamera in der Teardrop-Notch knipst mit 16 Megapixeln und f/2.

Die Qualität der Kameras reicht von gut bis fantastisch. Dabei ist die 108-Megapixel-Kamera die mit Abstand beste. Tatsächlich schafft es der große Sensor, bei guten Lichtverhältnissen so viele Details wie kaum eine Konkurrenz-Kamera einzufangen. Dabei sind die Farben natürlich; Bildrauschen gibt es kaum. Werden die Lichtverhältnisse schlechter, wechselt die Kamera von 108 auf 27 Megapixel, fasst also vier Pixel zu einem zusammen. Dadurch soll mehr Licht eingefangen werden. Es ist jedoch möglich, 108-Megapixel-Aufnahmen zu forcieren. Interessanterweise schafft es der Sensor auch im 108er-Modus, meist genügend Licht einzufangen. In Verbindung mit dem höheren Detailgrad gefallen uns die Bilder mit 108 leicht besser als die mit 27 Megapixeln. Wer in der hohen Auflösung knipst, muss jedoch nach jedem geschossenen Bild etwa fünf Sekunden auf die Berechnung warten. In der Zeit kann das Smartphone kein neues Bild schießen. Die fertigen Dateien belegen dabei zwischen 12 und 25 MByte. Nett: Auf Wunsch speichert das Smartphone seine Bilder auch im RAW-Format.

Die Weitwinkellinse fällt qualitativ gegenüber der Hauptlinse erwartungsgemäß etwas ab. Trotzdem sind auch ihre Aufnahmen zum Beispiel von Gebäuden und Landschaft gut. Die 2-fach-Portrait-Kamera verrichtet ihren Dienst ebenfalls anständig. Sie ist ausreichend lichtstark und zeigt viele Details. Ihr künstlich berechneter Bokeh-Effekt ist gut, besser als bei vielen anderen. Allerdings ist er in einigen Fällen gar nicht nötig, da die Hauptkamera dank großem Sensor auch ganz natürlich ohne Nachberechnung einen Bokeh-Effekt erzeugt. Das zeigt sich besonders gut am Bild der Pflanze in der Bildergalerie.

Fünf Kameras! Das Xiaomi Mi Note 10 zeigt sich beim Fotografieren extrem flexibel.

Die 3,7-fach-Telekamera mit 5-Megapixel-Crop ist ebenfalls gut; auf den von Xiaomi beworbenen digitalen 50-fach-Zoom hätte man jedoch gerne verzichten können. Er zeigt nicht mehr Details als der 3,7-fach-Zoom. Die Makrokamera hat ihre Daseinsberechtigung. Mit ihr kommt man nochmal etwas näher ans Objekt heran. Die Bilder der Frontkamera sind scharf und zeigen viele Details. Allerdings ist mit ihr kein Bokeh-Effekt möglich. Auch könnte sie gerne etwas weitwinkliger sein.

Unabhängig von der verwendeten rückseitigen Kamera nimmt das Mi Note 10 Videos mit bis zu 4K und 30 fps auf. Die Frontkamera schafft 1080p bei 30 fps. Die Videos hinterlassen qualitativ einen guten Eindruck. Dass sie jedoch, wie von anderen Medien behauptet, besser sind als die Videos des iPhone 11 Pro, können wir nicht bestätigen. Insgesamt ist das Kamera-Setup des Xiaomi Mi Note 10 hervorragend, wobei hier der 108-Megapixel-Sensor besonders positiv hervorsticht.

Der Snapdragon 730G bildet das Herzstück des Smartphones. Unterstützt wird er von 6 GByte RAM und der GPU Adreno 618. Der 8-nm-Achtkerner bildet die Speerspitze von Qualcomms Mittelklasse-Chips. Er erreicht im Antutu-Benchmark 250.000 Punkte. Das ist für die Mittelklasse ein sehr guter Wert, für die Oberklasse reicht es jedoch nicht. Aktuelle Prozessor-Flaggschiffe wie das günstigere Xiaomi Mi 9 (Testbericht) mit eingebauten Snapdragon 855 kommt auf 370.000 Punkte, das Oneplus 7T Pro (Testbericht) mit Snapdragon 855+ sogar auf überragende 480.000 Punkte. Trotzdem sollte man mit dem Mi Note 10 für die allermeisten Alltagssituationen gerüstet sein: Apps starten und wechseln flott und beim Scrollen ruckelt nichts. Lediglich das Nachberechnen und Speichern von 108-Megapixel-Bildern dauert nervig lang.

Zur weiteren Ausstattung gehört ein angenehm schneller Fingerprintsensor hinter dem Display, WLAN bis ac, Bluetooth 5.0 und NFC.

Das mitgelieferte Netzteil bietet starke 30 Watt.

Der Akku des Xiaomi Mi Note 10 fasst rekordverdächtige 5260 mAh. Im Battery Test von PCMark kommt das Gerät auf 14:20 Stunden. Das ist ein sehr guter Wert, doch wir hätten aufgrund der immensen Kapazität noch mehr erwartet. Zum Vergleich: Das Xiaomi Mi 9T (Testbericht) schafft mit 4000 mAh ebenfalls 14:21 Stunden, das Samsung Galaxy Note 10+ (Testbericht) mit größerem, hochauflösenden Display befeuert von 4300 mAh kommt immerhin auf 13:30 Stunden.

Die eigentlich zu kurze Akkulaufzeit des Mi Note 10 deutet auf einen Fehler im Batterie-Management hin. Eventuell schafft es Xiaomi, mit einem zukünftigen Software-Update die Akkulaufzeit zu verlängern. Trotzdem kommt man mit dem Mi Note 10 auf eine überdurchschnittliche Nutzungsdauer von zwei Tagen.

Xiaomi legt ein richtig starkes 30-W-Netzteil bei, mit dem der große Akku des Geräts in 1:20 Stunden komplett geladen ist. Ein fantastischer Wert. Induktives Laden gibt es nicht.

Xiaomi setzt auf das seine Oberfläche MIUI 11, welches auf dem veralteten Android 9 basiert. Wir können nicht nachvollziehen, warum hier kein Android 10 zum Einsatz kommt. Wer wie wir Wert auf ein aktuelles Betriebssystem legt, dem empfehlen wir unsere Marktübersicht: Smartphones mit Android 10 Q und die Top 5: Die besten Smartphones mit Android One.

Xiaomi-typisch bietet das Xiaomi Mi Note 10 keinen App-Drawer, alle Apps sammeln sich auf den Homescreens. Wer das nicht will, kann sie in Ordner packen oder sich einen der unzähligen alternativen Launcher aus dem App-Store installieren. Neu bei MIUI 11 ist ein systemweiter Dark-Mode. Außerdem können Nutzer animierte Motive für die Always-On-Anzeige wählen.

Das Xiaomi Mi Note 10 kommt zu einer UVP von 550 Euro in den Handel. Zugegeben waren wir vom für Xiaomi ungewöhnlich hohen Startpreis überrascht. Vermutlich treiben die Kosten für die Kamera-Einheit den Preis in die Höhe. Neben dem Mi Note 10 soll bald auch eine Pro-Variante zur Verfügung stehen, die eine etwas bessere Hauptkamera mit 8 statt 7 Linsen, 256 GByte Speicher und 8 GByte RAM hat. Das Xiaomi Mi Note 10 Pro kommt zu einer UVP von 650 Euro.

Xiaomi Mi Note 10 glacier white

Xiaomi Mi Note 10 midnight black

Xiaomi Mi Note 10 midnight black

Xiaomi Mi Note 10 aurora green

Xiaomi Mi Note 10 aurora green

Xiaomi Mi Note 10 Pro glacier white

Xiaomi Mi Note 10 Pro glacier white

Xiaomi Mi Note 10 Pro midnight black

Xiaomi Mi Note 10 Pro midnight black

Xiaomi Mi Note 10 Pro aurora green

Xiaomi Mi Note 10 Pro aurora green

Mit dem Mi Note 10 liefert Xiaomi ein Hardware-Paket der oberen Mittelklasse mit einem Oberklassen-Kamera-Setup ab. Neben der hervorragenden 108-Megapixel-Kamera bietet das Mi Note 10 dank vieler fixen Brennweiten eine sehr hohe Flexibilität beim Fotografieren. Toll finden wir auch das Design, obwohl es stark an das Huawei P30 Pro erinnert. Der Akku bietet eine unfassbar hohe Kapazität, auch wenn wir eine noch längere Akkulaufzeit erwartet hätten. Die gute Ausstattung mit NFC, Klinkenstecker und IR-Blaster rundet das Paket ab. Jedoch hätten wir uns für den doch recht hohen Preis einen aktuellen Snapdragon aus der 800er-Reihe gewünscht. Auch werden viele die Möglichkeit zum induktiven Laden vermissen. Nervig ist zudem das lange Nachberechnen nach dem Knipsen eines 108-Megapixel-Bilds.

Das Xiaomi Mi Note 10 ist für alle, die für um die 500 Euro eine echte Oberklasse-Kamera wollen. Wer darauf verzichten kann, sollte sich das Oneplus 7T (Testbericht) genauer anschauen. Abgesehen von Kamera und Akku ist es dem Mi Note 10 überlegen. Ein echter Budget-Kamera-Tipp ist das Google Pixel 3a (oder besser Pixel 4?). Unglaublich, was Google hier aus nur einer Kamera zaubert. Der nächste Budget-Tipp kommt aus dem gleichen Haus wie das Mi Note 10. Das Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht) bietet aktuell eines der attraktivsten Preis-Leistungs-Verhältnisse am Markt.Oder man legt noch ein paar Euro drauf und holt sich mit dem Huawei P30 Pro (Testbericht) gleich das einzige Smartphone mit echtem 5-fach-Zoom.

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