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Xiaomi Mi Mix 3 im Test: Ein Smartphone zum Verschieben

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Beim Mi Mix 3 verstecken sich Selfie-Kamera und Hörmuschel hinter einem Schieber, damit der Bildschirm maximale Fläche einnimmt. Wie gut funktioniert das im Alltag?

Um es klar zu sagen: Ganz so rahmenlos ist das Mi Mix 3 nicht, wie es der chinesische Hersteller Xiaomi auf den offiziellen Werbebildern zeigt. In der Realität sind die schwarzen Ränder um den Bildschirm dicker. Nichtsdestotrotz brüstet sich Xiaomi mit einem hohen Bildschirm-Oberflächen-Verhältnis. Gemeint ist damit die prozentuale Fläche von der vorderen Seite, die der Bildschirm einnimmt – in diesem Fall 93,4 Prozent. Aktueller Trend: Je höher, desto moderner, desto futuristischer, desto besser. Xiaomi greift auf einen Trick zurück, damit sich das 6,39 Zoll (ca. 16 cm) große Display in der Höhe und der Breite maximal groß ist. Dabei verstecken sich die platzraubende Selfie-Kamera und die Hörmuschel zum Telefonieren unter einem Schiebemechanismus. Wenn der Anwender ein Selbstporträt machen möchte, muss er die Hälfte des Gerätes mit dem Bildschirm nach unten schieben. Das klappt schnell und die Kamera-App startet automatisch. Nur die Kamera braucht eine freie Sicht. Das Telefonieren funktioniert auch ohne Schieben, denn der Schall aus der Hörmuschel dringt durch eine Öffnung durch. Der Akustik schadet das nicht, auch wenn der Klang etwas klarer sein könnte.

Der Schiebemechanismus des Xiaomi Mi Mix 3 ist nicht gefedert, wie beim Blackberry Priv (Testbericht) oder wie bei den früheren Handys von Samsung oder Nokia. Stattdessen verbaut Xiaomi mehrere Magnete ein, die den Schieber festhalten respektive dafür sorgen, dass er sich nicht von selbst löst. Das Hin- und Herschieben hat zudem einen leichten Suchtfaktor, weshalb man das Telefon oft ohne Grund öffnet und schließt. Apropos: Xiaomi sagt, dass die Mechanik für mehrere hunderttausend Öffnungsvorgänge ausgelegt sei. Ob das wirklich so ist, kann nur ein längerer Test zeigen. Außerdem sollte man äußere Einflussfaktoren dazu zählen. Wie etwa grober Schmutz, der zwischen beiden beweglichen Teilen gelangen und etwas blockieren kann. Noch eine weitere Sache im täglichen Umgang: Der Schiebemechanismus bewegt die eine Hälfte des Gerätes nach unten – da, wo normalerweise der Handballen ist. Deshalb muss der Anwender das Mi Mix 3 seitlich halten, sonst öffnet sich das Telefon für ein Selfie nicht. Jetzt das Problem: Dadurch, dass der Halt von der unteren Seite fehlt, ist die Gefahr oft vorhanden, dass das Smartphone beim Öffnen durch die Hand rutscht und hinfällt.

Die vordere Seite des Mi Mix 3 ist komplett aus Glas, darunter befindet sich der Bildschirm. Der Rahmen des Telefons ist aus Metall, wohingegen die Rückseite aus Keramik besteht. Insgesamt macht das Gerät einen hochwertigen Eindruck, auch wenn sich der Schieber leicht horizontal bewegen lässt.

Aufgrund der Größe und der verwendeten Materialien bringt das Mi Mix 3 etwas mehr Gewicht mit sich, als im Durchschnitt: 218 g. Damit ist es 18 g schwerer als seine vergleichbaren Smartphones. Doch in einer Sache muss man die Ingenieurskunst loben: Es ist 8,5 mm dünn – trotz des Schiebers. Zum Vergleich: Das dickste und schwerste Gerät in unseren Einzeltests ist das Sony Xperia XZ2 Premium (Testbericht) mit 236 g und 11,9 mm.

Ein Smartphone mit einem Schiebemechanismus hat einen klaren Nachteil gegenüber Geräten im Barrenform: Es lässt sich kaum staub- und wasserdicht machen. Das Mi Mix 3 ist nicht IP-zertifiziert wie die meisten Geräte in dieser Preisklasse.

Auf der rechten Seite des Xiaomi-Smartphones sitzen drei mechanische Tasten: eine Lautstärken-Wippe für Plus und Minus sowie eine Taste zum Ein- und Ausschalten. Links hat das Mi Mix 3 einen zusätzlichen Knopf, der sich frei für jegliche Anwendung belegen lässt. Die Knöpfe haben einen angenehmen und klickbar guten Druckpunkt, sie sind sowohl für Rechts- als auch Linkshänder zugänglich platziert. Auf der Rückseite hat der Hersteller den Fingerabdrucksensor untergebracht. Seine runde Erkennungsfläche ist groß und leicht tiefer ins Gehäuse eingelassen. Das hilft beim Herantasten mit der Fingerkuppe, ohne hinzusehen. Der Fingerabdrucksensor arbeitet schnell und zuverlässig.

Im Mi Mix 3 kommt der Snapdragon 845 von Qualcomm zum Einsatz. Der Achtkernprozessor arbeitet zwischen 825 und 2650 MHz und greift zum Zwischenspeichern auf einen Arbeitsspeicher von 6 GByte zurück. Das Telefon arbeitet schnell, flüssig und ohne Verzögerungen; Software und Hardware wirken gut aufeinander abgestimmt. Mit alltäglichen Aufgaben wie dem Schreiben von E-Mails, dem Hören von Musik oder dem Surfen im Web kommt das Xiaomi Mi Mix 3 ebenso gut klar, wie mit der Wiedergabe von hochauflösenden und detaillierten 3D-Spielen. Die Leistung des Systems reicht aus, um Virtual-Reality-Inhalte flüssig mit durchschnittlich 56 Bilder pro Sekunde zu wiedergeben. Im Benchmark Vrmark Professional Edition kommt das Gerät auf einen Wert von 4600 Punkten. Das entspricht dem derzeitigen Standard in dieser Gerätekategorie. Gegenüber dem aktuellen Rekordhalter, dem Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) mit 4975 Punkten und durchgehenden 60 fps bietet das Xiaomi Mi Mix 3 um 7,5 Prozent weniger Leistung.

Produkt Test Antutu Benchmark VRMark
Hersteller Smartphone Geräteklasse Testdatum Preis in Euro CPU GPU UX MEM Score Preis-Leistungs-Quotient in Punkte pro Euro Echtzeit-Temperatur in Grad Celsius Bildrate in FPS Gesamtscore
HMD Global Nokia 8 Sirocco Oberklasse Juli 2018 579 € 70.379 83.624 45.339 8.972 208.305 360 30,0 °C 41 fps 3.410
HTC HTC U12+ Oberklasse Juni 2018 799 € 88.557 106.101 55.933 17.745 268.336 336 28,0 °C 56 fps 4.684
HUAWEI Device P20 Pro Oberklasse Juni 2018 899 € 71.267 76.884 45.843 13.543 207.537 231 30,0 °C 36 fps 2.992
HUAWEI Device Mate 20 Pro Oberklasse Oktober 2018 999 € 102.815 96.833 60.844 12.354 307.842 308 27,0 °C 60 fps 4.975
OnePlus OnePlus 6T McLaren Edition Oberklasse Januar 2019 699 € 92.893 128.368 63.422 10.944 295.627 423 26,7 °C 57 fps 4.713
OnePlus OnePlus 6T Oberklasse November 2018 579 € 91.150 128.402 64.090 10.646 294.288 508 28,4 °C 57 fps 4.711
OPPO Find X Oberklasse August 2018 999 € 85.943 121.356 61.680 13.230 295.292 296 24,0 °C 41 fps 3.378
Samsung Electronics Galaxy Note 9 Oberklasse August 2018 999 € 94.326 98.878 57.349 9.706 260.349 261 27,5 °C 28 fps 2.328
Sony Xperia XZ2 Premium Oberklasse September 2018 899 € 91.610 107.540 53.633 8.740 261.523 291 34,0 °C 58 fps 4.834
Sony Xperia XZ3 Oberklasse September 2018 799 € 88.703 125.059 64.486 11.198 289.446 362 24,5 °C 54 fps 4.492
Xiaomi Mi Mix 3 Oberklasse Februar 2019 499 € 91.618 126.976 63.325 10.562 292.480 586 24,2 °C 56 fps 4.684
Xiaomi Pocophone F1 Oberklasse September 2018 329 € 93.485 107.519 56.549 8.695 266.248 809 33,0 °C 54 fps 4.480
ZTE Axon 9 Pro Oberklasse November 2018 629 € 82.882 126.486 54.687 10.059 275.413 438 24,0 °C 56 fps 4.700

Im Benchmark von Antutu kommt das Xiaomi Mi Mix 3 auf einen Punktwert von 292.000, das entspricht einem Leistungsvorsprung von 46 Prozent gegenüber dem fast ein Jahr alten Huawei P20 Pro (Testbericht). Gegen das aktuell schnellste Smartphone auf den Markt, das Mate 20 Pro mit 307.000 Punkten, kommt das Mi Mix 3 nicht an.

Der integrierte Speicher ist 128 GByte groß. Nach Abzug des Betriebssystems und der Software bleiben dem Nutzer 106 GByte übrig. Das entspricht einem Anteil von 83 Prozent. Vergleichbare Smartphones mit ähnlich großem Speicher sind hier besser aufgestellt, wie das Nokia 8 Sirocco (Testbericht) mit 108 GByte (84 Prozent) und das P20 Pro mit 112 GByte (88 Prozent). Die Lese- und Schreibgeschwindigkeit des internen Speichers wurde mit 603 respektive 201 MByte pro Sekunde gemessen, hier ist es ähnlich zu anderen High-End-Smartphones. Wer mag, nutzt das Mi Mix 3 mit einer zweiten Nano-SIM-Karte, die Dual-SIM-Funktion klappte im Test ohne Einwand. Der Empfang und der Klang beim Telefonieren war ohne Auffälligkeiten. Die Gesprächsqualität ist hervorragend. Für die Audiowiedergabe steht ein Monolautsprecher zur Verfügung, wünschenswert wären Stereo-Lautsprecher. Eine Speicherkarte nimmt das Mi Mix 3 nicht auf.

Der Akku hat eine Nennladung von 3200 mAh. Bei moderater und gemischter Nutzung beträgt die Laufzeit fast zwei Tage. Im Test mit einem kontinuierlich laufenden Video bei maximaler Display-Helligkeit hat es elf Stunden und 32 Minuten mit einer Akkuladung erreicht, das ist ordentlich! Das kabelgebundene Aufladen mit dem Schnellladegerät nimmt eine Stunde und 44 Minuten in Anspruch. Nach 30 Minuten steht der Akku auf 47 Prozent. Der Akku des Mi Mix 3 lässt auch drahtlos über eine Qi-Ladestation aufladen, hierfür braucht es zweieinhalb Stunden auf 100 Prozent.

Die Besonderheit des Mi Mix 3 ist zweifellos der 6,39 Zoll (ca. 16 cm) große Bildschirm mit Oled-Technologie von Samsung. Die Anzeige hat ein schlankes Bildverhältnis von 19,5:9 und löst 2340 × 1080 Pixel auf. Damit beträgt die Pixeldichte 401 ppi – das ist nicht sonderlich viel für VR, auch wenn die Hardware dafür gut geeignet ist. Abgesehen von der Nutzung von Virtueller Realität reicht die Darstellung für den Alltag aus. Die Farben sind trotz der organischen Anzeige nicht übersättigt, sondern natürlich. Die Helligkeit des Bildschirms liegt bei guten 573 cd/m2.

Auf der Rückseite des Xiaomi Mi Mix 3 sitzt eine aus dem Gehäuse herausragende Dualkamera in vertikaler Anordnung. Die Hauptkamera hat eine Auflösung von 12 Megapixeln und liefert exzellente Bilder in allen Lichtsituationen. Grund dafür sind ein optischer Bildstabilisator (OIS) und große Einzelpixel mit einer Kantenlänge von 1,4 µm. Aber auch die Blende mit einem Öffnungsverhältnis von f/1,8 ist ziemlich lichtstark und eignet sich vor allem für dunklere Szenarien.

Auch auf der vorderen Seite hat das Mi Mix 3 eine Dualkamera mit 24 Megapixeln. So lassen sich mit beiden Kameras Bilder mit einem weichen Hintergrund machen. Der Effekt ist sauber und präzise. Die Technik hat nach wie vor Schwierigkeiten mit feinen Elementen, wie langes Menschenhaar oder Ästen am Baum.

Genau wie Huawei setzt auch Xiaomi auf eine Interferenzmaschine und verkauft die Fähigkeit der Hauptkamera inflationär als „künstliche Intelligenz“. Dabei erkennt das System 27 Szenen und passt darauf die Bildeinstellung etwas ein. Der Effekt wirkt in nahezu allen Fällen etwas gekünstelt. Zum Beispiel gewinnt der blaue Himmel stark an Sättigung oder das Grün an Pflanzen wird verstärkt.

Testbilder

Auf dem Mi Mix 3 läuft Android in der Version 9.0 Pie. Damit der große Bildschirm wirklich zur Geltung kommt, blendet das System die virtuellen Tasten aus und bietet dafür eine Steuerung per Wischgesten an, wie man sie vom iPhone X (Testbericht) kennt. Die Möglichkeit dieser Bedienung ist optional. Sie erfordert zwar etwas Gewöhnung, doch nach wenigen Versuchen ist alles intuitiv.

Der Sicherheits-Patch der Software ist vom 1. November 2018 – Google hat derweil schon Dezember, Januar und Februar fertig. In der Regel ist Xiaomi ein verlässlicher Hersteller und schiebt Updates und Upgrades zeitnah an seinen Kunden heraus. Dieses Mal lässt man sich aber offensichtlich recht viel Zeit. Hoffentlich ist das kein Omen für die Zukunft.

Die Software des Mi Mix 3 ist einfach und übersichtlich gestaltet. Bloatware, Apps in Form von Werbung, sind nicht installiert. Dafür legt Xiaomi ziemlich viele Tools bei, einige davon sind nützlich, andere nicht. Zum Beispiel ein Dateimanager oder Tool zum Erhöhen der Gerätesicherheit. Unschön: Es gibt viele doppelte Apps, wie Google Chrome und Mi Browser, sie lassen sich auch nicht deinstallieren oder deaktivieren.

Die Software von Xiaomi bietet viele Funktionen. Eine erwähnenswerte Sache ist dabei die Instanziierung von Apps. So lässt sich beispielsweise eine Anwendung wie Whatsapp aus dem Google Play Store duplizieren, damit man ihn über zwei Rufnummern nutzen kann.

Das Xiaomi Mi Mix 3 kommt in einer ziemlich hochwertig verpackten Box. Darin sind Smartphone sowie Zubehör enthalten, konkret: Ladekabel mit USB-C, Schnellladegerät, drahtlose Ladestation und eine Schutzhülle aus Silikon. Kopfhörer legt der Hersteller nicht bei, dafür gibt es aber einen Adapter von 3,5-mm-auf-USB-C. Das Mi Mix 3 hat keinen analogen Klinkenanschluss. Wer Musik über das Telefon hören möchte, nutzt entweder den digital USB Type-C oder die drahtlosen Möglichkeiten zur Übertragung.

Zeitgleich den Akku laden und Musikhören funktioniert mit dem Xiaomi-Smartphone lediglich über einen gesonderten 2-in-1-Adapter. TechStage hat solche Adapter für unterschiedliche Geräte getestet: Vergleichstest – 2-in-1-Adapter mit USB Type-C und 3,5 mm.

Xiaomi Mi Mix 3

Schwarz

Xiaomi Mi Mix 3

Blau

Xiaomi Mi Mix 3

Green

Telefone der Mi-Mix-Reihe waren bisher immer irgendwie etwas außergewöhnlich. Die dritte Generation ist da keine Ausnahme. Der größte Unterschied des Mi Mix 3 ist der Schiebemechanismus für Selbstportraits. Wer oft und viel Bilder von sich selbst macht, der könnte auf Dauer genug vom Schieber haben. Oder andersrum: Wem Selfies überhaupt nicht wichtig sind, für denjenigen ist das Mi Mix 3 mit dem nahezu randlosen Display perfekt.

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