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Xiaomi Mi 9T Pro: Spitzenmodell mit Popup-Kamera im Test

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Das Xiaomi Mi 9T Pro ist auf dem Papier die aktuelle Spitze der M9-Modelle und bietet Highend-Technik samt Popup-Kamera zum kleinen Preis.

Mi 9, Mi 9SE, Mi 9T und jetzt noch ein Mi 9T Pro? Wenn Xiaomi an einem arbeiten muss, dann an der Namensgebung! Denn auseinanderhalten können die Modelle anhand der bloßen Namen wohl nur Fans. Das nächste Problem ist die Kommunikation. Denn obwohl monatelang keine Auskunft des Herstellers kam, die einen Verkaufsstart in Europa hätten vermuten lassen, ist das Xiaomi Mi 9T Pro plötzlich da. Und das hat einiges zu bieten.

Optisch orientiert sich das neue Pro-Modell, das in Asien schon länger als Xiaomi Redmi K20 Pro verkauft wird, klar am Xiaomi Mi 9T (Testbericht) – eine echte Überraschung ist das bei der Namensgebung natürlich nicht. Entsprechend gibt es wieder schickes, zu den Seiten gewölbtes Gorilla-Glas-5 auf der Rückseite mit einem mittig in der oberen Hälfte angebrachten Kamera-Trio. Unser Testmodell weist in der Mitte eine schwarze Färbung auf, die zu den seitlichen Rändern der Rückseite in einen blauen Farbton übergeht – durchaus schick, wenn vielleicht auch nicht ganz so interessant, wie einige Topmodelle der Konkurrenz mit changierenden Farbverläufen, etwa das Samsung Galaxy Note 10 oder das Huawei P30 Pro (Testbericht).

Der Metallrahmen ist ebenfalls in Blau gehalten und zeichnet sich wie bei den anderen Mi-9-Modellen durch sanfte Rundung in Kombination mit hervorragender Verarbeitung aus. Übergänge von der gewölbten Glasrückseite in den Rahmen sind kaum, die in den Rahmen eingelassenen Antennenstreifen aus Kunststoff gar nicht zu erfühlen. Als nicht passend empfinden wir die rot gefärbte Powertaste an der rechten Gehäuseseite – das ist aber Geschmackssache. Auch die restliche Verarbeitung ist auf Spitzenniveau. Wer Kritikpunkte sucht, hat es schwer.

Schicke Glasrückseite.

Lediglich das minimale Hervorstehen des Kameraduos aus Zoom- und Weitwinkeloptik auf der Rückseite ist vielleicht Anlass zur Kritik. Das allerdings ist weit weniger ausgeprägt als bei Mi 9 und Mi 9 SE. Kamera Nummer Drei, die eigentliche Hauptkamera, ist nahezu bündig ins Gehäuse eingelassen. Die Front bietet ihren ganz eigenen Charme, der durch die Abwesenheit jeglicher Notches und Elemente hervorgerufen wird. Zusammen mit den vergleichsweise schmalen Rändern rings um das Panel wirkt das 9T Pro sehr modern.

Im neuen Xiaomi Mi 9T Pro steckt das gleiche Panel wie in Mi 9 (Testbericht) und Mi 9T. Dabei handelt es sich um einen OLED-Screen mit knapp 6,4 Zoll Display-Diagonale, einer Auflösung von 2340 x 1080 Pixel und fast 104-prozentiger NTSC-Farbraum-Abdeckung. Farben werden intensiv, aber nicht zu unnatürlich dargestellt, der Schwarzwert ist wie immer bei OLEDs hervorragend. Das gilt auch für die Blickwinkelstabilität, besser geht es kaum. Die Helligkeit entspricht den Angaben des Herstellers, gleichzeitig zeigte sich im Test aber auch eine etwas ungleichmäßige Ausleuchtung des Screens. In der Mitte konnten wir rund 395 cd/m² verifizieren, im oberen Bereich des Screens etwa 405 und im unteren Bereich bis 425 cd/m². Im Alltag dürfte das den meisten Nutzern nicht auffallen, auf dem Papier klingen derartige Abweichungen aber nicht gut.

Keine Notch, wenig Rand - beeindruckendes OLED-Display.

Bei der Kamera des Xiaomi Mi 9T Pro greift der Hersteller auf die gleichen Komponenten zurück, die er auch im Mi 9SE (Testbericht) verwendet. Unterschied zum eigentlichen Namensvetter, dem Mi 9T: Die Hauptkamera hat keinen IMX 582 von Sony als Sensor, sondern den IMX 586. Der steckt abgesehen vom M9 SE auch im Mi 9 (Testbericht). Das hat auch den besseren Weitwinkel und das bessere Teleobjektiv. Denn während im neuen Pro-Modell ein 13-Megapixel-Weitwinkel mit Blendenöffnung f/2,4 und ein Tele mit 8 Megapixel und f/2.4 – wie in Mi 9 SE und Mi 9T – steckt, verfügt das Mi 9 über einen Weitwinkel mit 16 Megapixel und ein Teleobjektiv mit 12 Megapixel; beide mit f/2.2.

Die Triple-Cam schaut kaum aus dem Gehäuse hervor.

An der Foto- und Videoqualität ändert das alles recht wenig. Dank Pixel-Binning, bei dem für bessere Bildqualität die Informationen aus vier Pixel in einen Pixel zusammengefasst werden und entsprechend statt 48-Megapixel-Aufnahmen welche mit 12 Megapixel herauskommen, entstehen mit etwas fotografischem Geschick richtig tolle Aufnahmen. Das liegt nicht nur an der hohen Bildschärfe und dem entsprechend guten Detailgrad der Bilder. Auch die ausreichend natürliche Farbwiedergabe oder die grandiose Bilddynamik allein sind nicht der Grund für hohe Bildqualität. Xiaomi versteht es einfach, Fotos mit entsprechenden Motiven auch abseits von speziellen Portraitmodi ein tolles und natürliches wirkendes Bokeh zu verpassen, wodurch sie für ein Smartphone extrem plastisch wirken.

Die Frontkamera stammt vom Geschwistermodell Mi 9T. Sie knipst Bilder mit 20 Megapixel und einer Offenblende von f/2.2 und fährt als besonderes technisches Schmankerl nur bei Bedarf aus. Im eingefahrenen Zustand erinnert die Popup-Kamera im Gehäuserahmen an einen etwas zu dick geratenen SIM-Schlitten, sie ist also kaum zu sehen. Im Gehäuse verschwindet die Kamera nicht nur auf Knopfdruck, sondern auch beim Verlassen der Kamera-App und sobald sich das Smartphone im freien Fall wähnt. Dieses Sicherheits-Feature funktioniert zwar sehr verlässlich, darauf Verlassen sollte man sich aber wohl nicht – zumal bei einem Sturz bei modernen Smartphones schnell einiges mehr als nur die Frontkamera kaputt gehen kann. Über die coole Spielerei mit der Mechanik hat Xiaomi auch die Fotoqualität nicht vergessen. Insgesamt gelingen scharfe und ausgewogene Aufnahmen, dank Portraitfunktion werden Selfies mit einstellbar starkem künstlichem Bokeh versehen. Wie immer sollte man es dabei nicht übertreiben, da ansonsten feine Strukturen schnell verloren gehen. Noch mehr Informationen zur Bild- und Videoqualität sowie zur Feature-reichen Kamera-App gibt es im Testbericht des Xiaomi Mi 9 und dem kleinen Bruder des Pro-Modells, dem Xiaomi Mi 9T.

In sein neues Topmodell packt Xiaomi alles, was gut und (eigentlich) teuer ist. Dazu gehört ein Snapdragon 855 mit acht Kernen, einer Taktfrequenz von bis zu 2,84 Ghz, Adreno-640-GPU und einem aus acht Schichten bestehendem Kühlsystem auf Graphit-Basis. Das soll auch bei starker Auslastung eine Überhitzung des Chipsatz verhindern, was sonst in Heruntertakten („throtteling“) und ruckeln resultiert. Das funktioniert tatsächlich sehr gut. Kombiniert mit 6 GByte RAM ergibt das bei jeglichen Apps, aber auch bei der normalen Nutzung auf Homescreen, im App-Drawer oder im Browser flüssige Bedienung.

Der rote Power-Button ist Geschmackssache.

Apps verschwinden im 128 GByte großen UFS-2.1-Speicher. Eine Speicherkartenerweiterung fehlt dem Xiaomi Mi 9T Pro. Das ist auch bei den Geschwistermodellen der Mi-9-Reihe nicht anders. Die Version mit 64 GByte internem Speicher wird offiziell in Deutschland nicht verkauft und muss entsprechend importiert werden. Empfehlen können wir sie aber mangels Erweiterbarkeit ohnehin nicht. Ansonsten bietet das Pro-Modell alles, was das Herz begehrt: LTE bis 2 GBit/s im Downstream und allen wichtigen Frequenzen für Europa mit 2 SIM-Karten (Dual-Standby), WLAN ac mit 2,4 und 5 GHz, Bluetooth 5.0, USB-Typ-C OTG 2.0, Dual-GPS, Glonass und außerdem Baidou-Unterstützung. Einen Klinkenstecker für herkömmliche Kopfhörer gibt es außerdem, ein Headset liegt dem Lieferumfang nicht bei. Stattdessen dürfen sich Käufer wie bei den andren Mi-9-Modellen über eine Schutzhülle aus undurchsichtigem Kunststoff freuen. Die sind zwar nicht übermäßig schick, aber zumindest praktisch.

Android 9 Pie mit MIUI 10.3.1 installiert Xiaomi auf dem Pro-Modell, der Sicherheitspatch stammt von Juli 2019 – das ist ausreichend aktuell. Mehr Informationen zur Hardware und zur umfangreichen Software des Spitzen-Smartphones gibt es im Test des Xiaomi Mi 9.

4000 mAh liefert der Akku des Xiaomi Mi 9T Pro – genauso viel wie das Mi 9T ohne Pro-Namenszusatz. Dennoch kam das Pro-Modell mit 13:56 Stunden im Battery Test von PCmark auf ein minimal schlechteres Ergebnis. Insgesamt ist das aber Meckern auf hohem Niveau, auch das neue Mi 9T Pro bietet gute Durchhaltewerte, die sich im Alltag auf rund 2 Tage einpendeln dürften. Geladen ist das Mi 9T Pro dank 27-Watt-Schnellladetechnik theoretisch innerhalb von 30 Minuten auf 58 Prozent und innerhalb von 74 Minuten auf 100 Prozent. Da dem Lieferumfang allerdings nur ein Ladegerät mit 18 Watt beiliegt, dauert eine volle Ladung rund 1,5 Stunden. Induktives Laden (Qi) gibt es nicht.

Das Xiaomi Mi 9T Pro gibt es in den Farben Carbon Black, Flame Red und Glacier Blue. Die 64-GByte-Version ist in Deutschland offiziell nicht verfügbar, stattdessen ausschließlich die Variante mit 128 GByte internem Speicher. Die Preise begannen zum Testzeitpunkt bei rund 435 Euro – das sind etwa 10 Euro mehr als beim Mi 9 und rund 90 Euro mehr als beim Mi 9T mit jeweils ebenfalls 128 GByte Speicher.

Xiaomi Mi 9T Pro 128GB/6GB carbon black

Xiaomi Mi 9T Pro 128 GByte Schwarz

Xiaomi Mi 9T Pro 128GB/6GB glacier blue

Xiaomi Mi 9T Pro 128 GByte Blau

Xiaomi Mi 9T Pro 128GB/6GB flame red

Xiaomi Mi 9T Pro 128 GByte Rot

Xiaomi Mi 9T 128GB flame red

Xiaomi Mi 9T 128 GByte Rot

Xiaomi Mi 9 128GB schwarz

Xiaomi Mi 9 128 GByte Schwarz

Xiaomi schafft es derzeit, mit seinen Produkten die Massen zu begeistern. Zu Recht, denn auch das neue Mi 9T Pro ist ein richtig tolles Smartphone, das kaum Wünsche offen lässt. Das Design ist ansprechend, das OLED-Display hervorragend, die Kamera macht klasse Aufnahmen, Speicher ist genug vorhanden und der Akku ist auch noch toll – von der Leistung des Prozessors ganz zu schweigen. Ein Problem ist allerdings die Namensgebung, die den Großteil der Nutzer eher verwirren dürfte. Klar – das Xiaomi Mi 9T Pro baut auf dem Mi 9T auf. Dennoch ist das Pro-Modell in einigen wenigen Belangen schwächer als das Mi 9 ohne Namenszusatz ausgestattet und die „Special Edition“, also das Mi 9SE (Testbericht), ist quasi die „Miniversion“ und noch schwächer – wenngleich alles andere als schwach – ausgestattet. Transparenz geht anders.

Aus den inzwischen vier Mi-9-Modellen ergibt sich auch ein anderes Problem: die Preisgestaltung. Das Mi 9 (Testbericht) mit gleichem Prozessor, dafür aber noch etwas besserer Kamera bei schwächerem Akku kostet sogar 10 Euro weniger und ist darüber hinaus leichter und dünner als das neue Pro-Modell. Das Mi 9T (Testbericht) mit weistesgehend gleicher Ausstattung inklusive Popup-Frontcam, aber schwächerem Prozessor kostet stolze 90 Euro weniger. Da man diesen Unterschied im Alltag aber kaum bemerkt, ist das Mi 9T vielleicht doch die bessere Wahl – unabhängig von allen Qualitäten, die das Pro-Modell mitbringt.

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