TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Xiaomi Mi 9 SE im Test: Preis-Leistungs-Schnäppchen

6
von  // 

Das Xiaomi Mi 9 zeigt, dass Spitzenleistung auch günstig geht. Das kleinere Xiaomi Mi 9 SE kostet sogar noch weniger. Der Test zeigt, ob das ohne nennenswerte Einschränkungen klappt.

Der chinesische Hersteller Xiaomi ist längst in der Topriege der Smartphone-Hersteller angekommen. Leider sind seine Smartphones hierzulande immer noch nicht direkt, sondern meist nur über Dritthändler oder sogar als Import aus China zu bekommen. Wer diesen Umweg nicht scheut, der erhält mit dem Xiaomi Mi 9 SE dann aber für überraschend wenig Geld ein richtig schickes Modell, das sich hinter seinem großen Bruder ohne SE-Namenszusatz nicht verstecken muss.

Das große Display mit Tropfen-Notch ( Marktübersicht: Die Notch und ihre Alternativen) für die Frontkamera wird von Gorilla-Glas-5 geschützt, das zu den Seiten hin leicht abgerundet ist und wegen der schmalen Ränder sehr hochwertig wirkt. Im Gegensatz zum teureren Mi 9 wird auch auf der Rückseite Gorilla-Glas verwendet, das sich aber nicht um Rück- und Seitenteile zieht, sondern wie auf der Front nur zu den Rändern hin leicht gerundet ist. Zwischen Front und Rückseite steckt ein edler Aluminium-Rahmen, der ebenfalls starke Rundungen aufweist und mit seinen perfekt in das Metall integrierten Antennenfugen an ältere iPhone-Modelle erinnert.

Durch die Rundungen und die makellose Verarbeitung, bei der weder Ungenauigkeiten noch scharfe Kanten zu finden sind, liegt das Xiaomi Mi 9 SE trotz seiner Größe von 147,5 × 70,5 × 7,5 Millimeter dank seines Gewichtes von nur 155 Gramm sehr angenehm in der Hand. Störend macht sich wie bei allen Glas-Smartphones höchstens eine typische Rutschigkeit bemerkbar. Außerdem liegt das Gerät wegen der leicht aus dem Gehäuse hervorstehenden Triple-Kamera auf geraden Oberflächen nicht komplett auf, sondern kippelt bei liegender Bedienung immer etwas. Auch gegen die Rutschigkeit liegt dem Lieferumfang eine dunkle, durchsichtige Schutzhülle bei.

Die geringere Baugröße kommt durch das im Vergleich zum Xiaomi Mi 9 etwa 0,4 Zoll kleineren Touchscreen. Das Xiaomi Mi 9 SE beherbergt ein 6 Zoll großes AMOLED-Display mit HDR-10-Unterstützung, recht schmalen Rändern und der bereits angesprochenen Tropfen-Notch, das besonders bei Darstellung dunkler Inhalte extrem hochwertig wirkt. Mit 2.340 × 1.080 Pixel und einer Bildschärfe von 432 Pixel pro Zoll (PPI) gehört der Screen zwar nicht zu den schärfsten am Markt, ist im Alltag aber mehr als ausreichend.

Per Software darf der Nutzer nicht nur auf Helligkeit und Farbtemperatur (Lesemodus inklusive Blaufilter) Einfluss nehmen, sondern auch auf Kontrast- und Farbdarstellung. Selbst die Form der Notch darf leicht angepasst werden, außerdem erlaubt auch das SE-Modell die permanente Einblendung von Uhrzeit, Datum und verpassten Nachrichten als Always-on-Display im Standby des Smartphones. Darstellung und Helligkeit sind über alle Zweifel erhaben, der AMOLED-Screen darf getrost zu einem der Highlights des Xiaomi Mi 9 SE gezählt werden.

Das Xiaomi Mi 9 SE kommt mit Tropfen-Notch.

Wer Status-LED, Speichererweiterbarkeit und Klinkenstecker für Kopfhörer als elementare Bestandteile bei einem Smartphone ansieht, der wird mit dem Xiaomi Mi 9 SE nicht glücklich – auch wenn der Hersteller immerhin einen Adapter von USB Typ C auf 3,5-Millimeter-Klinke beilegt. Alle anderen dürften aber wenig auszusetzen haben, denn die Ausstattungsliste ist darüber hinaus ziemlich vollständig. Zu den vorhandenen Features gehören WLAN ac mit 2,4 und 5 GHz, Bluetooth 5.0, A-GPS mit Glonass-, Beidou- und Galileo-Unterstützung, NFC, ein IR-Blaster und schnelles LTE mit (in der globalen Version) allen wichtigen Frequenzbändern.

Der Fingerabdrucksensor befindet sich beim Xiaomi Mi 9 SE nicht auf der Rückseite, sondern unter dem Display.

Hinzu kommen ein schneller und zuverlässiger In-Print-Fingerabdrucksensor, der sich im unteren Bereich des Displays versteckt. Eine weitere Entsperrmethode ist die ebenfalls direkt reagierende, weitestgehend fehlerfreie Gesichtserkennung per Frontkamera. Zurecht weist Xiaomi hierbei aber auf eine vergleichsweise niedrige Sicherheit hin, da solche einfachen Systeme, die mittels herkömmlicher 2D-Kamera arbeiten, recht leicht ausgetrickst werden können.

Daten lassen sich beim Xiaomi Mi 9 SE nur im internen Speicher ablegen. Eine Erweiterungsmöglichkeit gibt es nicht, das SE-Modell nimmt statt einer zweiten Speicherkarte nur eine zweite SIM-Karte auf. Zur Auswahl stehen Versionen mit 64 und 128 GB schnellem UFS-2.1-Speicher, der Arbeitsspeicher ist immer 6 GB groß und bietet damit auch in Zukunft ausreichend Reserven und erlaubt außerdem schnelles Arbeiten auch mit vielen im Hintergrund geöffneten Apps. Daran ist auch der schnelle Qualcomm Snapdragon 712 nicht ganz unbeteiligt, der zusammen mit seiner Adreno 616 zwar keine Spitzenwerte wie der aktuelle Snapdragon 855, aber mehr als ausreichend Power in allen Alltags-Lebenslagen liefert. Derzeit gibt es keine herkömmlichen Apps oder Spiele, die das Xiaomi Mi 9 SE ins Stocken bringen. Im Antutu-Benchmarks wird dieses subjektive Empfinden mit 179.000 Punkten bestätigt.

Als Software läuft auf dem Xiaomi Mi 9 SE Android 9 Pie mit der Nutzeroberfläche MIUI 10. Die bietet einige angepasste Optionen und bedarf etwas Eingewöhnungszeit, ist aber danach problemlos zu bedienen. Auf den hierzulande erhältlichen Global-ROM-Versionen des Smartphones sind alle Google-Dienste vorinstalliert, zusätzlich lassen sich auf Wunsch die Mi-Dienste wie die Mi-Cloud oder Themes nutzen. Auch Zusatzfunktionen wie Aufwecken aus dem Standby durch Klopfen auf das Display sind Bestandteil von MIUI. Der Monolautsprecher des SE-Modells ist enorm laut und auch klar, Übersteuern hört man dabei nicht.

Die Triple-Kamera überrascht mit guten Ergebnissen.

Xiaomi baut auch in die SE-Version des Mi 9 eine Dreifach-Kamera ein. Erst auf den zweiten Blick wird dabei deutlich, dass bei Zoom- und Weitwinkelmodul leicht gespart wurde, zumindest die Hauptkamera begeistert aber wie beim großen Mi 9. Zum Einsatz kommen für die Hauptkamera eine Optik mit 48 Megapixel und einer Offenblende von f/1.75, eine Zoomkamera mit 8 Megapixel und f/2.4 sowie eine Weitwinkelkamera mit 12 Megapixel und f/2.4. Als Hauptkamera wurde wie beim Mi 9 ein Sony-IMX586-Sensor verwendet. Das Smartphone setzt in der Grundeinstellung jeweils 4 Pixel zu einem Superpixel zusammen, um so Lichtempfindlichkeit und Bildqualität zu verbessern. Entsprechende Aufnahmen sind dann 12 Megapixel groß.

Tatsächlich bietet die Hauptkamera auch bei etwas schlechterem Licht immer noch gute Schärfe bei mäßigem Bildrauschen und die Bilddynamik kapituliert dank Auto-HDR auch nicht vor schwierigen Lichtsituationen, wie sie im gleißenden Sonnenschein gern vorkommen. Ein optischer Bildstabilisator für noch bessere Bildschärfe bei wenig Licht fehlt leider. Die generelle Schärfe geht voll in Ordnung, nur wenige Smartphones liefern hier noch bessere Ergebnisse ab. Die Farbwiedergabe ist sehr intensiv aber ausreichend natürlich, insgesamt wirken Fotos sehr plastisch. Das macht sich besonders bei Aufnahmen mit starkem Unterschied von Motiventfernungen bemerkbar. Dann zaubert das Xiaomi Mi 9 SE ein sämiges, aber nicht übertriebenes Bokeh in den Speicher, der fast so wirkt, als sei es optisch und nicht elektronisch entstanden. Auf Wunsch kann das im Portraitmodus (auch nachträglich) noch auf die Spitze getrieben werden, dann schleichen sich aber schnell auch mal Bildfehler ein. Insgesamt bietet das Mi 9 SE extrem viele Bearbeitungsmöglichkeiten, die weit über einfache Filter hinausgehen.

Der Rahmen besteht aus schickem Aluminium.

Der Zweifach-Zoom liefert ähnlich gute Bildqualität wie die Hauptkamera, erst im Detail merkt man hier die etwas niedrigere Bildschärfe und die schwächere Dynamik. Der Weitwinkelmodus erlaubt dank 123-Grad-Sichtfeld das Erfassen deutlich größerer Bildausschnitte eines Motives, ihm mangelt es aber besonders an den Bildrändern an Bildschärfe. Ein Tonneneffekt ist zwar zu erkennen, aber nur schwach ausgeprägt. Bei Dunkelheit fällt die Bildqualität von Weitwinkel und Zoom deutlich schneller als bei der Hauptkamera ab. Die Frontkamera nimmt Bilder mit 20 Megapixel und f/2.0-Blende auf, die für eine Selfiecam richtig gut sind. Auch hier unterstützen Auto-HDR und AI-Funktionen und sorgen für gelungene Aufnahmen.

Videos lassen sich in 4K, aber leider nur mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde aufnehmen. Mit ruhiger Hand gelingen zumindest elektronisch stabilisierte Full-HD-Filmchen hingegen insgesamt sehr gut. Unter dem Strich muss sich die Kamera des Xiaomi Mi 9 SE zwar deutlich teureren Spitzenmodellen wie einem Samsung Galaxy S10 Plus (Testbericht) oder einem Huawei P30 Pro (Testbericht) geschlagen geben, der Unterschied ist aber weit geringer, als der Preisunterschied suggeriert.

Mit Strom versorgt wird das Xiaomi Mi 9 SE von einem Akku mit 3.070 mAh. Das ist zwar heute nicht mehr besonders viel und manch Konkurrent bietet deutlich mehr, dennoch schlägt sich das SE-Modell damit recht ordentlich. Poweruser werden zwar spätestens abends nachladen müssen, die meisten Smartphone-Nutzer dürften aber wegen der umfangreichen Stromsparmechanismen von Xiaomi auch zwei Tage ohne Nachladen schaffen. Dank des 18-Watt-Netzteiles ist das Powerpack in rund 1,5 Stunden voll geladen. Die Akkulaufzeit ist ausreichend, aber kein Highlight.

Xiaomi Mi 9 SE  64GB blau

Xiaomi Mi 9 SE 64 GByte blau

Xiaomi Mi 9 SE  64GB schwarz

Xiaomi Mi 9 SE 64 GByte schwarz

Xiaomi Mi 9 SE  64GB violett

Xiaomi Mi 9 SE 64 GByte violett

Xiaomi Mi 9 SE 128GB blau

Xiaomi Mi 9 SE 128 GByte blau

Xiaomi Mi 9 SE 128GB schwarz

Xiaomi Mi 9 SE 128 GByte schwarz

Xiaomi Mi 9 SE 128GB violett

Xiaomi Mi 9 SE 128 GByte violett

Für knapp 300 Euro bekommt der Nutzer beim Xiaomi Mi 9 SE ein hervorragend verarbeitetes, schickes, schnelles und mit fast aller erdenklicher Technik versehenes Smartphone, das sich vor Modellen der „Großen“ wie Samsung, Huawei oder Apple nicht verstecken muss. Klar kann das Mi 9 ohne SE-Zusatz noch einmal etwas mehr, vor allem der Prozessor ist noch leistungsfähiger. Im Alltag fällt das aber nicht weiter auf, zudem ist das SE-Modell wegen des kleineren Displays sogar noch etwas handlicher.

Highlights sind zweifelsfrei das tolle AMOLED-Display und die – nicht nur in dieser Preisklasse – richtig gute Kamera, echte Schwachpunkte gibt es demgegenüber nicht. Wer da nicht zugreift, ist selber schuld.Eine ebenfalls sehr gute Alternative ist das vergleichbar günstige Wiko View 3 Pro (Testbericht).

Unser Testgerät des Xiaomi Mi 9 SE wurde uns vom CECT-Shop zur Verfügung gestellt.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige