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Xiaomi Black Shark im Test: Smartphone mit Gamepad

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Xiaomi mischt mit dem Black Shark den Markt für Gaming-Smartphones auf. Taugt ein Gerät, das knapp die Hälfte der anderen dedizierten Spiele-Smartphones kostet, wirklich zum Zocken?

Die erste positive Überraschung ist das Design. Xiaomi hat nicht einfach nur „Gaming” in den Namen geklatscht und ein bekanntes Gerätedesign übernommen, sondern setzt auf ein schickes schwarz-graues Design mit grünen Applikationen. Mit 190 g ist es schwer genug, um sich wertig anzufühlen, aber weder zu schwer noch zu leicht. Zusammen mit der mitgelieferten Hülle und dem angesteckten Controller wiegt es 245 g, auch das ist völlig in Ordnung. Die Verarbeitung des Smartphones ist gut, es gibt keine Spaltmaße oder ähnliches.

Das Display mit einer Auflösung von 2160 × 1080 Pixel setzt auf die IPS-Technik, Oled gibt es entsprechend nicht. Die Durchschnittshelligkeit liegt gemessen bei 459 cd/m2, damit ist das Xiaomi Black Shark weniger hell als das Razer Phone 2 (Testbericht). Im Alltag merkt man das wenig, das Smartphone stellt Inhalte sauber dar.

Das Smartphone samt angestecktem Controller.

Wichtig für Gamer: Xiaomi verzichtet dankenswerterweise auf eine Notch, also die Einbuchtung im Display für Kamera und Front-Sensoren. Das Display selbst ist leicht an den Ecken gerundet, aber nicht so, dass Inhalte abgeschnitten werden. Links und rechts neben dem Bildschirm ist genügend Platz, um das Gerät bequem zu halten und mit den Daumen auf dem Display zu steuern.

Unzufrieden sind wir mit den Anschlüssen. Für Daten, Audio und Strom gibt es nur einen USB-C-Anschluss. Dieser ist unten mittig am Gerät, wie beim Razer Phone 2 oder dem Honor Play (Testbericht). Eine Buchse für klassische Kopfhörer fehlt, man muss entsprechend auf einen USB-C-Adapter zurückgreifen. Wie bei den beiden anderen Smartphones ist es allerdings nervig, mit diesem zuspielen. Die rechte Hand muss immer irgendwie schräg gehalten werden. Hier hätten wir uns gewünscht, dass Xiaomi den USB-C-Stecker an die Seite gesetzt hätte (und eine Klinkenbuchse verbaut hätte).

Im Lieferumfang liegen neben dem Smartphone ein Netzteil, ein USB-A-auf-USB-C Kabel, ein USB-C-auf-Audio-Adapter, ein Display-Schutz sowie ein Schutzrahmen für das Smartphone. Dazu gibt es ein halbes Gamepad, das einen Analog-Stick sowie zwei Schultertasten mitbringt.

Xiaomi legt beim Black Shark einen Controller sowie einen Rahmen bei.

Die Hardware ist nicht mehr taufrisch, aber dennoch aktuell. Im Black Shark werkelt ein Qualcomm SDM845 Snapdragon 845, mit insgesamt acht CPU-Kernen. Vier davon takten maximal mit 2,8 GHz, die anderen vier haben einen Maximaltakt von 1,8 GHz. Beim Grafikchip setzt Xiaomi auf einen Adreno 630, dem stehen insgesamt 8 GByte RAM zur Seite.

Neben einem Analog-Stick bietet der Controller zwei Schultertasten.

In den Benchmarks schlägt sich das Black Shark sehr gut. Im 3DMark Slingshot Extreme schafft es bei OpenGL ES 3.1 4653 Punkte, mit der Vulkan-Engine erreicht es 4317 Punkte. Im Work 2.0 Benchmark, der das Smartphone in Alltagsaufgaben testet, schafft es 8222 Punkte. Besonders glänzen kann es im Storage-Test, hier liegt es deutlich vor den anderen Gaming-Smartphones. Interessant sind auch die Werte des VR-Benchmarks VRMark. Mit 4813 Punkten im Amber-Room-Benchmark eignet sich das Smartphone gut für VR. Im Antutu Benchmark schafft es ordentliche 273.475 Punkte. Wie sich das Gerät im Vergleich zu den anderen Gaming-Smartphones schlägt, zeigt die Tabelle:

Gaming-Smartphones im Benchmark
3D Mark Slingshot Extreme PC Mark Antutu VR Mark
OpenGL ES 3.1 Vulkan Work 2.0 Storage Vision 3D Benchmark Amber Room Peak
Razer Phone 2 4597 3606 8793 5919 5093 286.426 4514
Honor Play 2993 3286 7359 1620 4950 205.722 2489
Xiaomi Black Shark 4653 4317 8222 7439 5035 273.475 4813

Für die Daten, Spiele, Videos und Co stehen dem Nutzer entweder 64 GByte oder 128 GByte zur Verfügung, je nach gewählter Ausführung. Xiaomi installiert neben dem Betriebssystem nur eine Bloatware – eine Demo für Assassin‘s Creed Unity. Die lässt sich leider auch nicht entfernen, sondern nur deaktivieren. Beim 128-GByte-Modell waren nach dem Start 15,44 GByte belegt, das entspricht also etwa 88 Prozent Platz für Nutzerdaten.

Das Black Shark lässt sich nicht mit Micro-SD-Karten erweitern, der SIM-Schlitten nimmt lediglich zwei Nano-SIMs auf.

Wie bringt das Black Shark die theoretische Leistung in die Spiele? Sehr gut. PUBG Mobile lädt nicht nur zügig, auch die Spiele laufen flüssig. Die Grafik ist in Ordnung, sie kommt aber nicht an das Razer Phone 2 heran. Das liegt auch daran, dass das Spiel nur in HD auf dem Black Shark läuft, UHD ist aufgrund der Auflösung nicht möglich. Die Frameraten sind stabil, auch wenn die Fernsicht teilweise in Gebieten mit vielen Gebäuden leidet. Beim Spielen ist das kein Problem, Gegner sind jederzeit sichtbar.

Ein echtes Highlight sind die Gaming-Funktionen und der beigelegte Controller. Der Schalter auf der linken Seite aktiviert den Gaming-Modus „Shark Space”. Damit wird das Telefon nicht nur stumm geschaltet, sondern gleich auch noch der Arbeitsspeicher geleert und die Apps im Hintergrund beendet. Spiele und andere Vollbildanwendungen lassen sich direkt aus dieser App heraus starten.

Der Shark Space bietet direkten Zugriff auf Spiele

Richtig gut geht das Spielen mit dem mitgelieferten seitlichen Controller. Dieser wird per Bluetooth gekoppelt und seitlich links ans Smartphone gesteckt. Anschließend erinnert das Black Shark fast schon an eine Nintendo Switch. Neben dem mitgelieferten Controller gibt es optional einen zweiten Adapter für die andere Seite. Dieser liegt allerdings nicht bei und ist derzeit bei lokalen Händlern schwer zu bekommen. Doch schon mit dem Controller hat man eine deutlich bessere Kontrolle über die Spiele. Die Konfiguration ist dabei überraschend einfach: Im Spiel wischt man über den Fingersensor von oben nach unten und bekommt damit eine Leiste eingeblendet. Darüber lassen sich die verschiedenen Tasten auf die jeweiligen Aktionspunkte im Spiel ziehen. In PUBG Mobile war es kein Problem, die erste Schultertaste auf den Angriffsknopf zu legen, den zweiten haben wir wahlweise auf Ducken oder Springen gelegt.

Das Mapping des Controllers läuft direkt im Spiel. Einige Bereiche, etwa die Steuerung hier bei PUBG Mobile, sind bereits vorab definiert.

Einziger Nachteil war, dass die Sprintfunktion nicht geklappt hat. Im Spiel war es so, dass wir die Figur sehr gut steuern konnten, ohne dass wir anderen Spielen zu überlegen waren – eine faire Erweiterung, die für mehr Spielspaß sorgt. Der Controller muss separat geladen werden, dazu hat er einen USB-C-Anschluss. Auch lässt er sich nur anstecken, wenn das Black Shark im mitgelieferten Plastikrahmen sitzt.

Die Lautsprecher liefern einen ordentlichen Klang, dennoch empfehlen wir einen Kopfhörer, wahlweise kabelgebunden oder besser noch als Bluetooth-Variante.

Im Smartphone ist auf der Rückseite eine Dual-Kamera verbaut. Kamera 1 bietet 20 MP und eine Blende von f/1,75, Kamera 2 kommt mit 12 MP und ebenfalls einer Blende von 1,75. In der Praxis macht das Smartphone gute Bilder, fokussiert schnell und löst zügig aus. Xiaomi integriert eine AI-gestützte Kamerafunktion, was genau die künstliche Intelligenz da macht, wird aber nicht ganz klar. Insgesamt sind die Bilder in Ordnung, kommen aber nicht an ein aktuelles iPhone oder ein Huawei P20 heran.

Unglaublich nervig ist aber, dass Xiaomi standardmäßig ein Wasserzeichen in die Fotos einbaut. In jedem Bild taucht unten links der Satz „Shot on Black Shark Dual Camera” auf. Die Funktion lässt sich in den Einstellungen deaktivieren.

Xiaomi wandelt das Standard-Android nur gering ab. Das Betriebssystem nennt sich JoyUI und gefällt vor allem durch wenig Ballast. Es reagiert flott auf Eingaben und hat – von der Assassin’s-Creed-Demo abgesehen – keine Bloatware. Die Änderungen betreffen vor allem die Gaming-Funktionen wie den Shark Space oder die zuschaltbare Konfigurationsleiste in Spielen.

Unter der Oberfläche steckt ein relativ aktuelles Android 8.1 Oreo, die Sicherheits-Updates sind vom 5. Dezember 2018. Wir hätten uns lediglich noch eine ordentliche Software zum Aufnehmen und/oder streamen von Spielen gewünscht.

Das Black Shark besitzt einen fest verbauten Akku mit 4000 mAh, bietet also so viel Kapazität wie das Razer Phone 2. Man merkt allerdings deutlich das Display und die niedrigere Auflösung. Wo das Razer-Smartphone fast sieben Stunden durchhält, schafft Xiaomi im Batterie-Benchmark bei einer Displayhelligkeit von 200 cd/m2 satte 9:04 Stunden. Geladen ist das Smartphone in rund zwei Stunden.

Die Preise für das Black Shark sind deutlich nach unten gegangen, vom UVP von knapp 600 Euro auf zum Testzeitpunkt etwa 380 Euro. Das ist ein guter Preis für ein ordentliches Gerät. Wir raten allerdings allen Interessierten, dass sie zur Variante mit 128 GByte greifen sollten, da sich der Speicher des Gerätes nicht erweitern lässt und Spiele relativ viel Platz belegen.

Xiaomi Black Shark,

128 GByte

(Kein Produktbild vorhanden)

64 GByte

Xiaomi liefert mit dem Black Shark ein ordentliches Android-Smartphone ab, das eine solide Leistung in den Benchmarks und den Testspielen abliefert. Die Erweiterungen für Gamer sind sehr gut, das gilt sowohl für den Spielemodus wie auch für den beigelegten Joystick. Schade, dass man das Gegenstück für die rechte Seite nur schwer bekommt.

Im Alltag hinterlässt das Black Shark einen sehr guten Eindruck. Die Oberfläche ist nicht überfrachtet, sie reagiert schnell auf Eingaben. Die Verarbeitung ist sehr gut, das Design gefällt. Für künftige Modelle würden wir uns wünschen, dass die Position des USB-C-Anschlusses an die Seite rutscht und die Klinkenbuchse zurückkehrt. Das nervige Wasserzeichen in den Bildern darf in der nächsten Version dann bitte auch gleich verschwinden.

Alles in allem ist das Black Shark ein solides Smartphone mit ordentlicher Leistung zu einem fairen Preis. Der Kauf in manchen China-Shops könnte sich sogar lohnen.

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