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Xbox Series X im Test: Leise, schnelle Next-Gen-Konsole

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Die Xbox Series X ist offiziell im Handel. Der TechStage-Test zeigt, was die neue Konsole kann, wie leise sie ist, wie sich die Titel spielen und wie gut die Abwärtskompatibilität ist.

Microsoft läutet mit der Xbox Series X und der Xbox Series S seine nächste Generation von Konsolen und -spielen ein. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die große Variante Xbox Series X und testen, welche Auswirkungen die neue SSD hat, wie gut der 120Hz-Modus funktioniert und wie sich das Gerät ganz allgemein anfühlt.

Angesichts der Ereignisse des Jahres 2020 ist es nicht verwunderlich, dass man es mit dem vielleicht sonderbarsten Konsolen-Launch aller Zeiten zu tun hat. Sony und Microsoft hielten sich die längste Zeit mit Informationen bedeckt. Erst wenige Wochen vor dem Verkaufsstart kamen die ersten Fotos der neuen Konsolen ans Licht. Echtes Gameplay gab es bisher ebenso wenig zu sehen – jedenfalls, wenn man die Auswahl auf Spiele beschränkt, die exklusiv für die neuen Geräte erscheinen. TechStage konnte beide Geräte ausgiebig testen. Wir starten mit dem Flaggschiff, der Xbox Series X.

In der Themenwelt Konsolen haben wir zudem einen Test zur Xbox Series S (Testbericht) veröffentlicht. Zudem zeigen wir Zubehör zur Xbox Series S und X.

Wer nicht gerade ein Bundle der Xbox Series X kauft, der bekommt wirklich nur das Allernötigste. Der Packung liegen neben dem Hauptgerät ein Controller, Batterien, ein Euro-Stromkabel und ein HDMI-2.1-Kabel bei. Das war es schon. Ein kabelgebundenes Headset oder andere Extras fehlen. Gut, sind wir ehrlich: Dieses friemelige Billig-Headset, das früher bei den Xboxen dabei lag, hat man ohnehin nur wenig benutzt, und trotzdem jedes Mal bereut. Kein Verlust also.

Der Lieferumfang: Neben der Xbox Series X gibt es einen Controller, ein HDMI-2.1-Kabel und eine Stromkabel.

Wann immer das Aussehen einer neuen Konsole zum ersten Mal der Öffentlichkeit offenbart wird, geht ein Raunen durch den Saal. Das war auch bei der Pressekonferenz von Microsoft der Fall, als ein großer, monolithischer Klotz auf der Präsentationsleinwand auftauchte. Die Xbox Series X ist als vertikaler Turm konzipiert, der sehr schlicht als schwarzer Block daherkommt. Obwohl der Standfuß und die Lüftungsschlitze an der Oberseite darauf hinweisen, dass der vertikale Aufbau zu bevorzugen ist, lässt sich das Gerät alternativ seitwärts aufstellen. Dazu gibt es an einer Seite unauffällige, ebenfalls schwarze Noppen. Allerdings lässt sich der Standfuß nicht demontieren, womit das Gerät in der waagerechten Position wie umgefallen wirkt. Ob einem das Aussehen gefällt oder nicht, ist selbstverständlich subjektiv.

Wir finden aber gut daran, dass die Xbox Series X auf diese Weise in viele Umgebungen passt, ohne groß aufzufallen. Im Schrank fügt sie sich durch die eckige Form gut ein (mit entsprechend Platz für den Airflow). Auch neben den älteren, dunklen Geräten sieht sie passend aus, wenn diese ebenfalls vertikal aufgestellt sind. Das schlichte Gehäuse gefiel uns im Test gut.

Controller und Kabel im Detail.

Nimmt man die Konsole in die Hand, fällt sofort die hohe Wertigkeit auf. Die Xbox Series X ist sehr robust gebaut. Das Gehäuse knarzt nicht, im Inneren ist bei Bewegung nichts zu hören. Beim Einschalten bleibt der positive Eindruck bestehen: Es ertönt der Xbox-typische Signalton, der Einschaltknopf leuchtet auf, und dann hört man ... nichts. Verdutzt schauen wir, ob die Lüfter überhaupt laufen, und tatsächlich können wir die Rotation durch die Schlitze an der Oberseite erkennen. Doch die Xbox Series X ist beim Hochfahren nicht zu hören; selbst beim Spielen kaum. Bei Gears 5 haben wir es geschafft, den Lüfter zumindest ein bisschen aufdrehen zu lassen, aber selbst hier sprechen wir von einem minimalem Rauschen. Jede Spielkonsole zuvor ist um ein Vielfaches lauter. Selbst die ohnehin schon sehr leise Nintendo Wii U muss sich hier geschlagen geben. Natürlich kann sich das bei sehr anspruchsvollen Spielen, die irgendwann in der Zukunft erscheinen, noch ändern und ungeahnte Lüfterstufen tauchen auf. Aber da bereits der Vorgänger Xbox One X relativ leise war, sind wir zuversichtlich. Geräusche macht das Gerät erst, wenn wir eine Disk einlegen.

Das Laufwerk ist tatsächlich etwas lauter als gängige Blu-Ray-Player, besonders wenn eine Installation im Gange ist und die Scheibe schnell rotiert. Da die Spiele im Regelfall aber auf der 1 TByte großen SSD gespeichert werden, hört man das Laufwerk bei Spielen auf Disk nur kurz am Anfang, wenn diese verifiziert wird. Durch die SSD fallen somit selbstverständlich auch alle mechanischen Laufwerksgeräusche weg, die durch einen Magnetspeicher entstehen würden. Den konnte man bei dem Vorgänger Xbox One X zum Beispiel noch hören.

Oh, was ist eigentlich mit dem Gerücht, man könne mit der Xbox Series X seine Wohnung beheizen, weil sie so warm wird? Das ist alles Unsinn. Wer nach längerem Betrieb seine Hand über den Luftschacht hält, bekommt höchstens ein lauwarmes Lüftchen zu spüren.

Bezüglich der Anschlüsse ist die Xbox Series X für die meisten Anwender ausreichend ausgestattet. Sie verfügt über drei USB 3.1-Anschlüsse, einen Ethernet-Port und einen eigenen Schacht für die proprietäre Speichererweiterungskarte, die separat kostet. Darüber hinaus gibt es einen üblichen Euro-Stecker für das intern verbaute Netzteil. Man kommt also leicht an Ersatzstecker und braucht sich keine Gedanken machen, wo man noch das Netzteil verstecken soll, wie es zum Beispiel bei der Xbox 360 und den frühen Xbox One noch der Fall war.

Das Video- und Audiosignal kommt aus einem HDMI 2.1-Anschluss. Wer noch eine alte aktive Soundanlage bei sich stehen hat, die über Toslink funktioniert, wird um einen Adapter nicht herum kommen. Ähnlich wie bei neueren Playstation-Revisionen gibt es keinen optischen Audioausgang mehr.

Die Anschlüsse auf der Rückseite. Neben USB und LAN ist hier ein Slot für die proprietäre Speichererweiterung von Seagate und Microsoft.

Neben dem Gigabit-Netzwerkanschluss kann man die Konsole auch per WLAN mit dem Internet verbinden. Microsoft setzt auf IEEE802.11ac, womit theoretisch über ein 5-GHz-Netzwerk ungefähr 7 GBit/s möglich sind. In der Praxis bleibt deutlich weniger, wie unsere Themenwelt zu WLAN zeigt. Dennoch, im Alltagsbetrieb ist das mehr als ausreichend. Wer kann, sollte ein Netzwerkkabel legen. Darüber waren Spiele rasch heruntergeladen. Wir luden zum Beispiel Subnautica, was 6,48 GByte groß ist, mit durchschnittlich 150 MBit/s vom Server. Bis wir loslegen konnten, vergingen nicht einmal 5 Minuten.

Zwei der USB-3.0-Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite, einer ist an der Front. Es gibt lediglich USB-A-Buchsen, kein USB-C. Wer lediglich eine externe Festplatte und ab und zu einen USB-Stick anschließen möchte, dürfte damit auskommen. Schwieriger wird es, wenn man viel zusätzliches Zubehör nutzen möchte. Das ist erfreulicherweise größtenteils kompatibel. Sprich, auf der neuen Xbox kann man seine alten USB-Lenkräder, USB-Headsets oder Arcade-Sticks weiternutzen. Drei Ports sind aber je nach Nutzung schnell belegt und man wird sich ein zusätzliches USB-Hub zulegen müssen. Die Kinect-Kamera lässt sich übrigens nicht anschießen; auch nicht mit einem USB-Adapter. Microsoft hat die Unterstützung dafür endgültig eingestellt und lässt nicht einmal den Download von reinen Kinect-Spielen zu.

Die Konsole kommt mit Grüßen aus Seattle.

Bluetooth-Geräte unterstützt die Xbox Series X nicht. Bluetooth-Headsets lassen sich also nicht kabellos verbinden. Ärgerlich. So muss man entweder über den Fernseher oder andere Audio-Hardware ausweichen, die dann über Dritthersteller kommt. Immerhin verfügt der Controller über einen neuen 3,5-mm-Klinkenstecker, über den man Kopfhörer anschließen und den Ton ausgeben kann. Alte Headsets sind ebenso kompatibel, da der entsprechende Anschluss am Controller noch vorhanden ist. Die Lautstärke wird über das Betriebssystem gesteuert. Ein entsprechendes Lautstärke-Symbol ist im Menü untergebracht, das beim Betätigen der Guide-Taste auftaucht. Es dauert also zwei, drei Klicks, bis man die Lautstärke angepasst hat. Der Ton vom Headset-Chatverkehr und vom Spiel lässt sich nach wie vor getrennt einstellen. Es dürfte aber erneut Workarounds geben, bei denen die Headset-Anbieter eine Dongle für die kabellose Übertragung verwenden.

Die Xbox Series X kommt wie erwähnt mit einer SSD. Tatsächlich steckt im Gerät eine 1 TByte große NVMe-SSD von Western Digital. Sie ließe sich theoretisch gegen eine größere Variante austauschen, wie einzelne Twitter-Nutzer melden. Allerdings ist noch nicht klar, ob die Xbox mit einer anderen SSD startet – wir raten davon also dringend ab.

Die 1 TByte der Xbox Series X klingen zunächst nach viel Platz, doch das Betriebssystem allein belegt knapp 200 GByte. Somit bleiben effektiv 800 GByte für Spiele und andere Inhalte. Angesichts der durchschnittlichen Größe von 80 bis 100 GB aktueller Blockbuster-Spiele könnte der Platz schnell eng werden. Eine Vollinstallation von Call of Duty: Modern Warfare frisst sogar satte 300 GByte. Für eine Next Gen-Konsole sind 800 GB also fast zu wenig.

Dafür gibt es zwei Lösungen: Der Kauf einer offiziellen Seagate-Speichererweiterung oder der Anschluss einer externen Festplatte. Die offizielle Speichererweiterung von Seagate lässt sich direkt in die Konsole stecken, kostet aber knapp 240 Euro für ein weiteres TByte.

Leider laufen nicht alle Titel von externen Laufwerken.

Eine günstigere Alternative ist der Anschluss einer oder mehrere externen Festplatten. Wir haben zwei SSDs mit jeweils 2 TByte in USB 3.0-Gehäuse verfrachtet und an der Rückseite angeschlossen. Sie wurden von der Xbox Series X problemlos erkannt und tauchten in der Datenverwaltung funktioniert auf. Die Geschwindigkeit ist gut, 10 GByte waren in einer Minute verschoben. Damit ist das Verschieben von Spielen kein großer Zeitaufwand. Es lassen sich mehrere Titel parallel auswählen und in eine Warteschleife packen. Von der externen SSD gestartete Spiele brauchten etwas länger als von der internen Festplatte, aber insgesamt ging das trotzdem deutlich schneller als von der mechanischen HDD der Xbox One X.

Einen Haken gibt es. Nicht jedes Spiel läuft von der externen Platte. Kompatible Spiele kennzeichnet das Menü mit einem separaten Symbol. Die meisten neuen Spiele setzen oft den internen Speicher voraus, weshalb man ums Jonglieren nicht umhinkommt. Bei einigen wenigen Spielen ist die Anforderung sogar etwas überraschend, wie etwa dem Indie-Puzzlespiel Manifold Garden. Ebenso ist uns aufgefallen, dass bei vielen Operationen gleichzeitig das Betriebssystem ins Straucheln kommt. Wir haben reichlich übertrieben und gleich etliche Downloads und Verschiebevorgänge parallel gestartet. Dann noch ein Spiel gestartet, dass dann einen Patch aus dem Internet anfordert – da kam es durchaus zu ein paar Sekunden, wo trotz Tasteneingabe nichts geschehen ist. Das Phänomenen tauchte schon auf der Xbox One X auf, kommt aber immerhin nnur selten vor.

Wer bereits eine Xbox hatte, fühlt sich ab dem ersten Start der Xbox Series X zu Hause. Die Benutzeroberfläche ist identisch zu den anderen Xbox One-Konsolen. Die SSD merkt man sofort, denn die Konsole ist in weniger als 20 Sekunden hochgefahren und betriebsbereit. Das ist für einen Kaltstart ziemlich beeindruckend und macht den Standby-Modus fast obsolet. Nach dem Login am bestehenden Live-Account stehen alle bisher gekauften Spiele zur Verfügung.

Das Hauptmenü der Xbox Series X.

Spätestens hier wird deutlich, warum Microsoft sich für das „Series“ in der Produktbezeichnung entschieden hat: Beginnend ab der ersten Xbox One ist man in der Lage auf jeder Xbox-Konsole Zugriff auf alle Spiele im Angebot zu haben. Durch ein Feature namens Smart Delivery bekommt man beim Kauf und Download automatisch die Version installiert, für die das jeweilige Gerät optimiert ist. Zum Launch ist es ein gutes Gefühl, sofort so viele Spiele zur Verfügung zu haben. Das Gamepass-Abo verstärkt dieses Gefühl noch mal. Es ist uneingeschränkt auf dem neuem Gerät nutzbar. Sogar Speicherdaten kommen aus der Cloud und der alten Xbox auf die neue Konsole und machen den Übergang nahtlos.

Damit dieses Konzept aufgeht, hat Microsoft enorm in Abwärtskompatibilität investiert. Mit Ausnahme von Kinect-Titeln ist jedes Spiel lauffähig, das auch auf der Xbox One funktionierte. Das schließt alle kompatiblen Titel von der 360 und Original Xbox mit ein. Wer also nicht unbedingt Kinect spielen möchte, hat eigentlich keinen Grund mehr, sich eine Xbox One zu kaufen. Mit der Xbox Series X kann man im Prinzip die gleichen Spiele spielen, und das sogar in einer verbesserten Qualität. Nur teurer ist sie, aber dazu später mehr.

Nach dem Live-Login hat man sofort Zugriff auf die eigene Ludothek. Die Xbox Series X sortiert die Spiele nach Generation, gestartet wird jeweils die beste verfügbare Variante.

Alle Spiele profitieren von der neuen Hardware. Die SSD macht Ladezeiten deutlich kürzer. Ladezeiten, die bis zu einer Minute dauerten, verkürzen sich auf 20 oder 15 Sekunden. Bei manchen Spielen können wir nicht einmal mehr die Tipps lesen, die im Ladescreen abgebildet sind. So geschehen bei Yakuza: Like a Dragon. Statt mehrere Sekunden auf einen Ortswechsel zu warten, schnippt man auf der Xbox Series X quasi mit den Fingern und ist schon am neuen Ort. Bei Extremfällen wie Red Dead Redemption 2 wartet man bei Spielstart immerhin weniger als eine Minute (vorher waren es mehr als zwei) und bei Retro-Titeln geht es manchmal so flott, dass man während der “Ladezeiten” kaum blinzeln kann.

Noch geschmeidiger und zeitsparender wird die Spielerfahrung mit der neuen Quick Resume Funktion. Diese legt einen Snapshot des aktuellen Spielstands im Speicher ab, anschließend kann man schnell zu einem anderen Game wechseln. In der Praxis dauert es etwa 5 bis 6 Sekunden, bis man Weiterspielen kann. Das ist spätestens dann interessant, wenn man eine Handvoll Titel in der Rotation hat. Nach einer langen Rollenspiel-Session jetzt noch schnell ein “Absacker” in einem Arcade Racer? Früher hat einem der Gedanke an die Ladesequenz mit etlichen Logos die Lust an ein schnelles Rennen verdorben. Durch Quick Resume kann man aber wirklich flott eine Runde drehen, ohne das Momentum zu verlieren. Allerdings unterstützen Spiele dieses Feature erst nach einem Patch. Alte Spiele profitieren also nicht davon. Wo es aber funktioniert, funktioniert es gut. Wir konnten zum Beispiel zwischen Dirt 5, Ori and the Blind Forest und Gears 5 in Sekunden wechseln. Je nach Auslastung kann Quick Resume 4 bis 6 Spiele bewältigen. Für Durchschnittsspieler dürfte das mehr als genug sein.

Ein weiteres Feature ist Auto-HDR, das sich in den Videooptionen global ein- und ausschalten lässt. Dabei handelt es sich um einen Algorithmus, der automatisch einen höheren Kontrastumfang auf Spiele berechnet, die diesen noch nicht selbst mitbringen. Wie gut das funktioniert, ist stark von der Ästhetik des jeweiligen Titels abhängig. Spiele mit einer kontrastreichen, bunten, aber konsistenten Farbgebung oder mit auffälliger Beleuchtung sehen damit am besten aus. Batman: Gotham City wirkt zum Beispiel erstklassig mit Auto-HDR, weil das Spiel auf starke Lichtkontraste und viele Spiegelungen setzt. Das Indie-Spiel Planet Alpha sorgt ebenfalls für Begeisterung, da es schon im Ursprungszustand mit knalligen Neonfarben daherkommt. Ähnliches gilt für Sunset Overdrive oder Sekiro. Bei anderen Spielen ist der Effekt eher subtil oder kaum wahrnehmbar. Es wird also durch Auto-HDR nicht plötzlich auf magische Weise jedes Spiel besser aussehen. In Einzelfällen kann es sogar stören, etwa wenn die Grafiker im Spiel den HDR-Effekt simulieren. Dann überstrahlen helle Bereiche, wie es etwa beim Himmel von Dark Souls 2 der Fall ist.

Auto-HDR kann man in den Einstellungen aktivieren.

Während Auto-HDR sicher eher kontrovers aufgenommen wird, ist ein Vorteil zweifelsfrei großartig: Durch die neue Hardware verbessert sich potenziell die Performance von alten Spielen. Potenziell, weil ein paar Voraussetzungen gegeben sein müssen. Spiele, deren Framerate auf 30 Bildern pro Sekunde (fps) gesperrt ist, laufen nicht plötzlich mit 60 fps. Ruckler können aber trotzdem verschwinden. Wir haben zum Beispiel das Horrorspiel The Evil Within ausprobiert, dass zum Release damals nicht einmal seine 30 fps halten konnte. Auf der Xbox Series X lief das Spiel deutlich stabiler.

Den größten Nutzen aus der neuen Hardware ziehen Spiele, die über eine dynamische Auflösung oder Grafikanpassung verfügen. Das futuristische Rennspiel Redout etwa skaliert laufend zwischen Auflösungen hin und her, je nachdem wie viel auf dem Bildschirm los ist. Jetzt rangiert das Spiel vorwiegend in den höheren Regionen. In Titeln wie Final Fantasy XV kann man in den Optionen zwischen verschiedenen Grafikmodi wechseln und wählen, ob man Details oder Performance bevorzugt. Im Performance-Modus dreht das japanische Rollenspiel auf einmal auf und läuft die meiste Zeit flüssig mit 60 fps. Selbst auf der Xbox One X war das Spiel zuvor ein Problemfall.

Während derartige Verbesserungen automatisch mit der neuen Hardware kommen, braucht es für weitere Features aber einen eigenen Patch seitens der Entwickler. Das betrifft zum Beispiel Raytracing, 4K-Auflösung oder eine entsperrte Framerate. Nur wenige alte Spiele erhalten vermutlich so einen Update noch. Realistisch ist das für Blockbuster mit einer großen Fanbase, etwa Gears 5 oder Forza Horizon 4. Beide Spiele haben bereits etliche Optimierungen erhalten. Sie laden schneller, sehen etwas schicker aus und laufen einen Tick besser. In Gears 5 gibt es sogar Raytracing zu bestaunen, aber da das Spiel nicht mit diesem Grafikfeature konzipiert wurde, erscheint der Effekt eher am Rande. Zum Launch bekommen viele Spiele, die parallel noch für die Xbox One erscheinen, einen dedizierten Series X-Patch. Angekündigt sind sie zum Beispiel schon für Dirt 5, Assassins Creed: Valhalla oder Watch Dogs: Legion. Wir gehen davon aus, dass die Spiele mit den Optimierungen näher an die hohen Grafikeinstellungen der jeweiligen PC-Version rücken, das wäre für eine Konsole beachtlich. Leider standen zum Zeitpunkt unseres Tests noch nicht alle Patches zur Verfügung.

Xbox Series X: Spiele (10 Bilder)

The Evil Within auf der Xbox Series X

Doch was eindeutig fehlt, sind Spiele. Bisher gab es zu jedem Konsolen-Launch zumindest eine Handvoll Titel, die sich wie ein Generationensprung anfühlten. Sie hatten Grafikfeatures oder sonstige Besonderheiten, die sich von den alten Geräten unterschieden, und sei es bloß ein neues Feature im Gamepad. Im Falle der Xbox Series X fehlt ein solches Spiel gänzlich. Man kann nur Vermutungen anstellen, aber hier zeigt die Corona-Pandemie möglicherweise ihre Auswirkungen auf die Spieleindustrie.

Beim Gamepad nimmt Microsoft nur wenige Veränderungen vor. Kein Wunder, das Xbox-Pad war schon vorher sehr gut. Neu ist jetzt ein besser reagierendes Digi-Kreuz. Wer in der Vergangenheit versucht hat, einen Retro-Titel oder ein Fighting Game zu spielen, wird Schwierigkeiten mit der schwammigen Eingabe gehabt haben. Diagonale Eingaben sind mit dem neuen Kreuz zwar immer noch etwas unpräzise, aber insgesamt fühlt es sich stimmiger an.

Der neue Xbox Series X/S-Controller hat sich kaum verändert, liegt aber besser in der Hand.

Neu ist eine eigene Share-Taste, um Inhalte schneller in sozialen Netzwerken zu teilen. Damit zieht Microsoft mit dem Playstation-Controller gleich. Ebenfalls neu ist der bereits angesprochene Kopfhörer-Anschluss.

Großartig sind die angerauten Oberflächen an der Rückseite und den Seiten. Vorher waren die Controller dort einfach glatt und rutschte deshalb etwas umher. Durch den neuen “Grip” passiert das nicht mehr und es wirkt, als würde es fester in der Hand liegen. Eine subtile Änderung, die uns aber außerordentlich gut gefällt!

Die neue Sharing-Funktion am Controller erlaubt ein schnelles Teilen von Gaming-Inhalten.

Ansonsten ist der Controller wieder gelungen. Tolle Analog-Sticks, gut reagierende Tasten, weiche Schultertasten, deftige Vibrationsmotoren: Hier stimmt alles. Wobei uns letztere etwas laut vorkamen. Bei Dirt 5 haben wir in den Optionen die Vibration auf Maximum gestellt, und da ratterten die Schultertasten schon ordentlich. Wer ohne Kopfhörer spielt, wird das vielleicht dann als störend empfinden.

Microsoft wirbt damit, dass die Xbox Series X UHD-Inhalte in 120 Hz darstellen und bei der Auflösung bis 8K hochgehen kann. Letzteres bleibt Theorie, die sich in Zukunft erst einmal zeigen muss. Es gibt schlicht und ergreifend noch kein Spiel, dass diese Auflösung verwendet, geschweige denn einen erschwinglichen 8K-Monitor. Mit dem Multiplayer-Modus von Gears 5 und Dirt 5 gibt es aber tatsächlich zwei Titel, die bereits 120Hz unterstützten.

Ganz ehrlich: Beim Gears 5-Multiplayer ist es uns schwergefallen, den Unterschied zu 60 FPS zu erkennen. Es läuft sehr flüssig und geschmeidig, aber das Gameplay ist nicht schnell genug, um es richtig spürbar zu machen. Dazu ist Gears of War generell etwas zu behäbig.

Die Xbox Series X bleibt auch im Betrieb überraschend leise.

Bei Dirt 5 hat man den Unterschied aber schon gesehen. Man bildet sich ein, dass die Steuerung einen Tick besser reagiert und das Rennchaos mit etlichen Partikeleffekten superflüssig zu betrachten – joah, das macht schon Spaß! Allerdings fehlt Dirt 5 zum Zeitpunkt unseres Tests noch der Patch zur Optimierung zur Xbox Series X. Ohne diesen war der Detailgrad der Grafik spürbar zurückgeschraubt, was man beispielsweise an den aufploppenden Landschaftselementen oder den reduzierten Schatten erkannt hat. Das generell aber 120 Hz möglich sind, ist eine schöne Sache und öffnet die Tür für mehr Optionen in der Zukunft.

Die Xbox Series X kommt zu einer UVP von 499 Euro in den Handel. Zudem wird es wahrscheinlich immer wieder Bundle-Angebote mit Spielen geben. Der offizielle Marktstart ist der 10.11.2020, allerdings war zu diesem Zeitpunkt noch kein Angebot lieferbar. Das ändert sich hoffentlich zügig. Wer die Konsolen möglichst bald haben möchte, der sollte bei großen Händlern wie Amazon, Saturn oder Mediamarkt lauern.

Obwohl wir die Speicherkapazität als zu gering erachten und die Benutzeroberfläche manchmal schneller reagieren könnte, ist unser Urteil klar: Die Xbox Series X ist in jedem Fall ihr Geld wert.

Microsoft hat eine beeindruckende Konsole gebaut, die ausgezeichnet verarbeitet ist. Das Kühlkonzept sorgt dafür, dass das Gerät im Betrieb keinen Mucks von sich gibt und der Wechsel auf SSD ist für die Konsolenwelt ein wichtiger Schritt.

Wer noch keine Xbox hat und überlegt, in den Kosmos einzusteigen, sollte keinen Gedanken daran verschwenden eine ältere Revision zu erwerben. Allein schon die SSD ist zukunftssicherer. Wer allerdings schon eine Xbox One besitzt, kann unserer Meinung nach mit dem Wechsel noch etwas warten.

Das liegt nicht an dem Gerät selbst, sondern an den verfügbaren Spielen. Quick Resume, Auto-HDR, die schnellen Ladezeiten – das sind alles großartige Features, aber verändern die Spielerfahrung von älteren Spielen nicht so grundlegend, dass es den Kauf einer neuen Konsole rechtfertigt. Diesen Personen würden wir raten, noch ein wenig zu warten, bis die exklusiven Kracher erscheinen, die die neue Hardware voll ausnutzen.

Noch mehr Details zum Stromverbrauch und der Wärmeentwicklung haben die Kollegen von heise+ in ihrem Test der Xbox Series X aufgeschrieben. Wer einen passenden TV zur neuen Xbox sucht, dem empfehlen wir unseren Ratgeber: Der perfekte TV für Xbox Series X und Playstation 5.

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