Withings Activité Pop im Test: auffällig unauffällige Sport-Uhr | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Withings Activité Pop im Test: auffällig unauffällige Sport-Uhr

von  //  Facebook Twitter

Die Withings Activité Pop ist einer von ganz wenigen Fitness-Trackern, die auf den ersten Blick nach einer normalen Uhr aussehen – und auf den zweiten und dritten auch. Es gibt kein Display, sondern nur ein großes Ziffernblatt, das wie bei jedem anderen analogen Zeiteisen eben auch die Uhrzeit anzeigt – und einen weiteren kleinen Zeiger, den der Nutzer von „0“ auf „100“ treiben muss.

Was an der Activité Pop genau so „smart“ ist und wie sich der Fitness-Tracker in der Praxis schlägt, verrät der ausführliche Testbericht.

Wie bereits erwähnt: Die Activité Pop sieht auf den ersten Blick nach einer gewöhnlichen Armbanduhr in der unteren Preisklasse aus. Das Gehäuse wirkt, als wäre es aus einem in Matt-Metallic lackierten Kunststoff gefertigt – und so fühlt es sich mit dem geringen Gewicht von 37 Gramm auch an. Wer auf die Rückseite blickt, wird eines besseren belehrt: Hier steht „Stainless Steel“, der von Withings nach dem PVD-Verfahren gehärtet wurde. Und tatsächlich: Auch nach einem mehrwöchigen Einsatz sieht das Gehäuse der Uhr noch aus wie neu – und das obwohl sie nicht gerade immer pfleglich behandelt wurde. Aber zur Haltbarkeit später mehr.

Die Activité Pop ist für einen Fitness-Tracker erfrischend schlank.

Oben und unten am Gehäuse hat die Withings Activité Pop erfreulicherweise zwei Anschlüsse für Standard-Armbänder mit 18 Millimetern Breite. Das mitgelieferte Exemplar besteht aus Silikon – und das sieht man auch auf den ersten Blick. Passend dazu ist der Hintergrund des Ziffernblatts (ich hätte hier fast „Homescreen“ geschrieben) in einer der drei Farbvarianten „knalliges Azur-Blau“, „Shark-Grau“ oder „wildes Sandbraun“ eingefärbt. Kein Kommentar zu den Farbnamen.

Wer das mitgelieferte Silikon-Armband durch hier ein Stoff- oder Lederarmband ersetzt, kann den Fitness-Tracker optisch noch einmal deutlich aufwerten. Alternativ bietet der französische Hersteller im Zubehör auch ein Set aus drei Silikon-Armbändern in „Orange“, „Plum“ und „Teal“ an – die sicherlich unterhaltsamen deutschen Übersetzungen dieser Farbnamen konnte ich leider nicht finden.

Die Activité Pop hat zwei Nächte im Regen unbeschadet überstanden und wurde nicht von einem Wildschwein gefressen.

Probleme mit der Haltbarkeit hatten wir bei unserem Testgerät übrigens nicht. Im Internet machen etliche Berichte von Nutzern die Runde, denen zufolge das Mineralglas über dem Ziffernblatt ohne Gewalteinwirkung gebrochen war. Der französische Hersteller hat eigenen Aussagen zufolge jedoch „ein offenes Ohr für unsere Kunden, die Probleme haben, und bieten ihnen einen kostenfreien Produktaustausch.“ An dieser Stelle eine kleine Anekdote: Ich habe beim Biken im Wald die Uhr bei einer Kollision mit einem Baum unbemerkterweise an eben jenem verloren und sie zwei Tage später an einem seiner Äste hängend wiedergefunden. Das Armband hatte sich auf einer Seite vom Gehäuse gelöst, ließ sich aber problemlos wieder einhängen. Bleibende Schäden an der Uhr: Null.

Die Withings Activité Pop sieht eigentlich wirklich schick aus. Das mitgelieferte Silikon-Armband wertet die Uhr allerdings ein ganzes Stück ab.

Besonders viel gibt es zur Bedienung der Activité Pop nicht zu sagen – die Uhr hat nämlich keinerlei Bedienelemente. Zum erstmaligen Initiieren der Verbindung mit dem Smartphone gibt es auf der Rückseite einen Reset-Button, der sich mit Hilfe des mitgelieferten Werkzeugs drücken lässt. Und wer die Uhr fünf Sekunden ruhighält und anschließend zweimal antippt, bekommt die aktuell eingestellte Weckzeit angezeigt. Aber zum Wecker später mehr.

Nun, und dann startet der Nutzer jeden Morgen mit dem kleinen Zeiger bei Null und hat das Primärziel, diesen über den Tag hinweg auf die 100-Prozent-Marke zu bringen. Diese Marke besteht dabei aus einem vorab selbst gesteckten Ziel – standardmäßig sind das 10.000 Schritte.

Neben der Schrittzahl erfasst die Activité Pop auch den Schlaf des Trägers – diese Daten lassen sich allerdings nur in der HealthMate-App von Withings oder auf der Webseite des Herstellers auswerten. Die Konfiguration der Uhr läuft übrigens ebenfalls vollständig über die Anwendung ab.

Timeline und Dashboard: Die HealthMate-App bietet zwei verschiedene Übersichten über die aktuellen Leistungen des Nutzers.

Zum Marktstart unterstützte die Activité Pop lediglich iOS, inzwischen gibt es die HealthMate-App auch für Android. Die Anwendungen sehen hier wie dort identisch aus – und zeigen dem Nutzer übersichtlich die jüngst erfassten Daten an. Wer weitere Geräte aus dem Witihings-Universum besitzt, sieht hier dann übrigens nicht nur Schrittzahl und Schlafdauer, sondern beispielsweise auch Gewicht, Körperfettanteil, Sauerstoffgehalt der Luft im Schlafzimmer, Puls und so weiter. Darüber hinaus ist es noch möglich, Werte für Gewicht, Blutdruck oder Herzfrequenz händisch mitzuprotokollieren.

Eine Funktion zum Führen eines Ernährungstagebuchs bietet die Withings-App allerdings nicht an. Und auch mit irgendwelchen Aussagen zum Kalorienverbrauch des Nutzers hält sich der französische Hersteller – zumindest in der App – vornehm zurück.

Dafür gibt es aber noch ein paar Features aus der Gamification-Ecke. So kann der Nutzer andere Withings-Nutzer in eine Freundesliste eintragen und sich mit diesen dann um die größten Schrittzahlen battlen. Außerdem versucht die HealthMate-App, den Nutzer mit Hilfe von Push-Nachrichten zu motivieren. Wer seine persönlichen Bestleistungen bricht, bekommt virtuelle Trophäen. Ist der User dagegen faul, lässt die Anwendung den Drill-Instructor raushängen und kommt mit Sprüchen wie „Haben Sie den Fuß vom Pedal genommen?“ ums Eck. Ob das motiviert oder nervt, muss wohl jeder für sich entscheiden.

Mit diesem kleinen Tool lassen sich der Reset-Button auf der Rückseite der Uhr betätigen sowie das Gehäuse zum Tausch der Batterie aufhebeln.

Sowohl unter iOS als auch unter Android gab es im Test diverse Verbindungsprobleme. Hier wie dort funktionierte das erstmalige Verknüpfen der Activité Pop mit dem Smartphone zunächst einwandfrei. Doch anschließend war es nicht mehr möglich, die Uhr mit der App zu synchronisieren. Was schließlich Abhilfe schaffte, war ein Reset der Uhr durch ein fünfmaliges Betätigen des Reset-Tasters auf der Rückseite. Ein Herausnehmen der Batterie hilft hier übrigens nicht. Anschließend läuft der Tracker aber absolut einwandfrei.

Und erfreulicherweise synchronisiert sich die Activité Pop inzwischen regelmäßig automatisch mit dem Smartphone. Zum Marktstart war es nämlich erforderlich, quasi täglich die App zu öffnen, um einen Datenverlust zu vermeiden: Die Activité Pop hält die getrackten Körperdaten des Nutzers nämlich nur 37 Stunden lang vor. Aber auch mit dem regelmäßigen Auto-Sync sollte man darauf achten, dass der Withingstracker täglich in Reichweite eines verknüpften Smartphones ist, soll es keine Lücken beim Tracking geben.

Wie in dieser Produktkategorie üblich speichert auch die Withings-App die Körper-Daten nicht nur lokal auf dem Smartphone, sondern überträgt sie in die Cloud. Das hat den Vorteil, dass man sich seine Leistungen auch im Browser auf Withings.com angucken kann.

Hier gibt es dann im Wesentlichen die gleichen Informationen wie in der App – nur eben ein bisschen übersichtlicher weil großflächiger aufbereitet. Withings hat das Webinterface übrigens kürzlich überarbeitet. Mir gefällt das Ergebnis sehr gut.

Geschlafen, gelaufen, gefaulenzt: Das neue Webinterface stellt übersichtlich dar, wie aktiv man seine Zeit verbracht hat.

Sorry, Ihr Datenschutz-Freaks: Eine Möglichkeit, den angesprochenen Cloud-Abgleich zu deaktivieren, gibt es übrigens leider nicht. Mir wäre auf die Schnelle allerdings auch kein direktes Konkurrenzprodukt bekannt, bei dem dies möglich ist.

In dieser Grafik kann sich der Nutzer anschauen, wie aktiv er wann am Tag war.

Der integrierte Schrittzähler stellt wohl das zentrale Ausstattungsmerkmal der Acitivté Pop dar. Denn er ist es schließlich, der den kleinen Zeiger auf der Uhr von Null auf Hundert treibt – und den Nutzer damit idealerweise zu mehr Bewegung animiert.

Auf den ersten Blick liefert der Schrittzähler – wie im Übrigen bei allen Fitness-Trackern – durch die Bank sinnvolle Ergebnisse. Im direkten Vergleich mit anderen aktuellen Trackern von Runtastic und FitBit fällt aber auf, dass die Activité Pop stets nur ein bis zwei Drittel der Schritte zählt.

Der Unterschied liegt hier nicht etwa bei Ungenauigkeiten beim Zählen der tatsächlichen Schritte, sondern bei dem, was dazwischen liegt. Beim Abspülen, Zähneputzen, Testberichte schreiben und so weiter zählt die Activité Pop einfach deutlich weniger Schritte als die meisten Rivalen – egal, ob sie an der linken oder rechten Hand getragen wird. Wenn ich vor die Tür gehe und 500 abgezählte Schritte tue, dann erfassen die quasi alle Schrittzähler mit erfreulich wenig Abweichung.

Und wo wir schon die Genauigkeit von Schrittzählern am Handgelenk diskutieren – das erinnert mich an diesen Sketch von Jimmy Fallon

Unterm Strich ist das allerdings auch relativ egal. Die täglich zurückgelegten 6000 oder 12.000 Schritte sind schließlich nur ein abstrakter Wert und haben bestenfalls eine Bedeutung, wenn man sich mit Freunden messen möchte. Das Kernziel des Schrittzählers ist jedoch, dass sich der Nutzer einfach prozentual steigern soll. Ob er sich dabei von 3000 oder 6000 Schritten aus verdoppelt, spielt jedoch keine Rolle – doppelt so viel ist doppelt so viel. Nur honoriert die Activité Pop Bewegung eben ein wenig anders als viele Konkurrenten.

Das Armband lässt sich dank eines kleinen Schiebers binnen Sekunden abnehmen. Daneben ist auf diesem Foto der kleine Reset-Button zu erkennen.

In diesem Zusammenhang wird auch schnell deutlich, dass die von den diversen Trackern errechneten Kalorienverbrauche relativ sinnfrei sind, wenn sie ausschließlich auf der Schrittzahl basieren und nicht beispielsweise noch die Herzfrequenz hinzuziehen. Bei der Activité Pop komme ich beispielsweise am vergangenen Montag auf 2224 Kilokalorien (6431 Schritte), während die FitBit Surge 2808 Kcal (9013 Schritte) ausspuckt. Tags drauf sind es dann 1665 Kcal (3477 Schritte) gegen 3033 Kilokalorien (9870 Schritte). Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen, dürfte sich gefühlt aber näher an den Ergebnissen der FitBit Surge bewegen – ansonsten müsste ich bei meiner aktuellen Ernährung schneller zunehmen.

Withings hat ein neues Feature für die Activité Pop angekündigt. Mit einem künftigen und kostenfreien Update soll die Uhr nämlich auch als Schwimm-Tracker dienen. Ich bin mir ehrlich gesagt aber nicht ganz sicher, ob das eine gute Idee ist. Laut Hersteller ist die Uhr zwar bis 50 Meter Tiefe wasserdicht. Allerdings treten beim Schwimmen aufgrund der Armbewegungen partiell deutlich höhere Drücke als die dazugehörigen fünf Atmosphären auf. Nach DIN 8310 sind Geräte erst ab einer Wasserresistenz von 10 Atmosphären zum Schwimmen geeignet.

Die Withings Activité Pop hat dank des schlanken Gehäuses einen hohen Tragekomfort. Der Durchmesser der Uhr beträgt gut 36 Millimeter.

Der folgende Paragraph aus der Bedienungsanleitung macht auch nicht unbedingt mehr Mut:

„Weiterhin kann die Wasserdichtigkeit der Uhr durch zunehmendes Alter der Materialen beeinträchtigt werden. Dauerhafte Wasserdichtigkeit kann nicht gewährleistet werden.“

Wer systematisch seine Leistungen beim Schwimmen überwachen möchte, dürfte mit einem dedizierten Schwimm-Wearable wie beispielsweise dem Swimmo glücklicher werden – mehr Details dazu findet Ihr in Folge 34 vom NewsDrop an dieser Stelle.

Sobald das Schwimm-Update verfügbar ist, werde ich die Activité Pop aber mal ins Wasser zwingen und den Testbericht an dieser Stelle aktualisieren. Laut Hersteller war die Aktualisierung übrigens für „Ende April 2015“ geplant, die von uns zum Testzeitpunkt eingesetzten Versionen 2.04.50 (Android) und 2.4.1 (iOS) unterstützen die Funktion jedoch noch nicht.

An dieser Stelle informiert die Anwendung den Nutzer darüber, wie gut er in der jeweiligen Nacht geschlafen hat.

Der zweite große Aspekt, den die Withings Activité Pop im Leben ihres Trägers erfasst, ist der Schlaf – und dessen Qualität. Erfreulicherweise muss der Nutzer der Uhr nicht Bescheid geben, wenn er sich ins Bett legt oder wenn er aufsteht. Der Tracker stellt das anhand des Bewegungsprofils eigenständig fest und protokolliert anhand dessen die gesamte Schlafdauer sowie beispielsweise nächtliche Baby- oder Pinkel-Ausflüge mit.

Anhand der Bewegungen im Schlaf erfasst die Activité Pop außerdem, wie viel Zeit der Anwender in welchen Schlafphasen verbringt. Wir haben die Withings-Uhr zwar nicht in einem Schlaflabor getestet. Aber es ist in der Praxis ein deutlicher Zusammenhang zwischen viel Tiefschlaf, wenig Schlafphasenwechseln und Fitness am nächsten Tag feststellen.

Im direkten Vergleich mit der FitBit Surge stimmen die Gesamt-Schlafzeiten weitgehend überein – und weichen von der Realität bestenfalls im einstelligen Minutenbereich ab.

Die Withings Activité Pop hat zwar keinen integrierten Lautsprecher, aber einen Vibrationsmotor. Und dieser lässt sich dazu nutzen, den Träger aufzuwecken – zumindest theoretisch. Mein Schlaf ist leider derart tief, dass ich von dem Gebrumme am Handgelenk überhaupt nichts mitbekomme. Das gleiche Problem habe ich allerdings auch bei dem Vibrationswecker der FitBit Surge.

Wer allerdings einen leichten Schlaf hat, für den ist der Vibrationswecker definitiv ein nettes Feature – insbesondere, wenn man sich das Bett mit einem/einer Partner/in teilt, der oder die länger schlafen kann. Eine Möglichkeit, der Activité Pop einen Termin fürs allerspäteste Aufwachen zu verraten und sich dann in einer möglichst günstigen Schlafphase wecken zu lassen, gibt es leider nicht. Einen solchen Schlafphasenwecker bieten beispielsweise die aktuellen Jawbone-Tracker wie der UP24.

Bei der Withings Activité Pop von einer „Akkulaufzeit“ zu sprechen ist strenggenommen gar nicht korrekt – die Uhr hat nämlich gar keinen Akku. Stattdessen setzt der französische Hersteller eine Standard-C2025-Uhrenbatterie ein, die sich auch vom Nutzer problemlos austauschen lässt. Kosten: zwei bis drei Euro.

Und keine Sorge, der Tausch muss nicht einmal allzu häufig durchgeführt werden: Laut Withings hält der Stromspeicher sage und schreibe acht Monate lang durch. Ein Hoch auf Bluetooth Low Energy – und auf das fehlende Display.

Um die Energieversorgung kümmert sich eine Standard-Uhrenbatterie.
Wer sich nicht genug bewegt, muss damit rechnen, dass die Withings-App herumnörgelt.

In der Praxis ist es richtig erfrischend, ein derart begnügsames Wearable zu haben, wenn man mit seinen diversen Gadgets permanent unter latentem Energiemangel leidet. Interessanterweise ist der Akku-Stressfaktor bei Fitness-Trackern mit einer Akkulaufzeit von drei bis zehn Tagen übrigens höher als etwa bei Smartphones, da es hier kein ritualisiertes Jeden-Abend-Aufladen, sondern eher eine regelmäßige Au-Scheiße-schon-wieder-kein-Strom-mehr-Panik gibt.

Die Withings Activité Pop als eine Smartwatch zu bezeichnen, ist sicherlich etwas hoch gegriffen. Aber sie ist eben smarter als die allermeisten ihrer Kollegen – und bringt aus der „Dummuhren“-Ecke gleichzeitig noch den Vorteil der schier endlosen Laufzeit mit. Wer noch einmal ein paar Euro in ein etwas schickeres Armband investiert, hat mit der Withings Activité Pop für faires Geld dann einen grundsoliden Fitness-Tracker, der zwar keine Notifications oder ähnliche Spielereien unterstützt, dafür aber zuverlässig die zurückgelegten Schritte und den Schlaf überwacht.

Eine schickere, mit knapp 400 Euro allerdings auch deutlich teurere Alternative ist die Withings Activité (ohne „Pop“), die ab Werk mit Gehäuse aus poliertem 316L-Edelstahl, Saphirglas und Armband aus Barenia-Leder ausgestattet ist.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben