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Wiko View 3 Pro im Test: Mittelklasse mit Triple-Kamera

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Drei Kameras, 4000-mAh-Akku, 128 GByte Speicher und 6 GByte RAM für eine UVP von 300 Euro. Ob das Wiko View 3 Pro hält, was das Datenblatt verspricht, zeigt der Test.

Die Verarbeitungsqualität des Wiko View 3 Pro ist hoch und steht deutlich teureren Modellen in nichts nach. Spaltmaße sucht man vergebens, nichts knarzt und das Smartphone liegt schwer und dank Glasrückseite angenehm kühl in der Hand. Am oberen Rand der Front sitzt zusätzlich zur Frontkamera und einer Status-LED ein Lautsprecher, der zum Telefonieren einen guten Job erledigt, aber den Freisprechlautsprecher an der Unterseite nicht für einen Stereo-Effekt ergänzt. Dafür ist der untere Lautsprecher auch allein erstaunlich laut, wie üblich mangelt es aber vor allem am Bass. Der USB-C-Port zum Laden oder zur Datenübertragung befindet sich an der Unterseite, der 3,5-mm-Klinkenstecker an der Oberseite. Der Ein-/Austaster und die Lautstärkewippe auf seiner rechten Seite haben einen vernünftigen Druckpunkt. Allerdings liegen die Taster für die Regelung der Lautstärke für kleine Hände vielleicht etwas zu hoch.

Die Rückseite des Wiko View 3 Pro ist ein hervorragender Spiegel.

Optisch leisteten die Designer bei Wiko gute Arbeit. Die Glasrückseite der uns vorliegenden blau-goldenen Version reflektiert das einfallende Licht wunderschön. Noch besser gefällt der Farbverlauf des Rahmens von einem dunklen Blau unten in ein Roségold oben. Lediglich die Farbe des SIM-Kartenschlittens ist etwas zu hell und passt damit nicht perfekt, was wohl nur Design-Freaks stört und bei der täglichen Nutzung nicht auffällt. Alternativ gibt es das Smartphone auch in Türkis. Wiko legt dem View 3 Pro eine transparente TPU-Hülle bei. Diese schützt Rückseite und Rahmen vor Kratzern und hilft gleichzeitig, den zuverlässigen Fingerabdruckscanner in der Mitter Rückseite besser zu ertasten. Ohne erwischt man ihn häufig nicht auf Anhieb, da er quasi plan abschließt und sich nur schwer erfühlen lässt.

Bei spitzen Blickwinkeln verfärbt sich das Bild. Auch dürfte die maximale Displayhelligkeit etwas höher sein.

Das 6,3 Zoll große LCD-Panel löst 2340 × 1080 Pixel auf und ist im Seitenverhältnis von 19:9 gehalten. Damit kommt es auf eine gute Pixeldichte von 406 ppi. Die seitlichen und oberen Displayränder sind verhältnismäßig schmal, unten benötig die Technik etwas mehr Platz, was zu einem breiteren Rand führt. Wiko setzt wie schon beim Vorgänger Wiko View 2 Pro (Testbericht) auf eine sauber ausgeschnittene Tröpfchen-Notch, die nun deutlich dezenter ist und kaum stört.

Das Display selbst ist farbenfroh und scharf. Damit lässt es sich auch bei direkter Sonneneinstrahlung noch ablesen, allerdings nur ohne Sonnenbrille. Insgesamt hätte die maximale Helligkeit gerne etwas höher sein dürfen. Bei steileren Blickwinkeln kommt es je nach Richtung zu bläulichen oder rötlichen Verfärbungen. Das stört im Alltag kaum, trotzdem kann das Display des Wiko View 3 Pro in diesem Punkt genauso wenig mit hochwertigen OLEDs mithalten wie bei seinem Schwarzwert, der bauartbedingt nicht perfekt ist.

Den Mono-Lautsprecher auf der Unterseite verdeckt man beim Zocken fast zwangsläufig mit den Händen.

Wiko spendiert dem View 3 Pro einen Mediatek Helio P60, der auch im guten und nochmal günstigeren Nokia 5.1 Pro (Testbericht) werkelt. Der Mittelklasse-Prozessor mit seinen acht Kernen hat eine Taktfrequenz zwischen 793 und 1800 MHz. Unterstützt wird er von immerhin 6 GByte RAM. Auch wenn man von dieser Kombination keine Performance-Wunder erwarten sollte, ist sie doch völlig ausreichend, um Apps schnell zu öffnen, flott zwischen ihnen zu wechseln und von störenden Lags verschon zu bleiben. Android-typisch könnte sich das nach einigen Monaten der Nutzung und dutzenden in dieser Zeit installierten Apps ändern.

Auch zum Zocken taugt das View 3 Pro. Dafür bietet es einen zuschaltbaren Spielemodus, der zum einen im Hintergrund laufende Apps beendet, um die Performance zu steigern und zum anderen potenziell störende Benachrichtigungen stumm schaltet. Im Antutu-Benchmark kommt es bei mehreren Durchläufen maximal auf 139.654 Punkte und bleibt dabei angenehm kühl.

Der große Speicher von 128 GByte ist erweiterbar.

Ausprobiert haben wir die Spiele PUBG, Fortnite und Riptide GP: Renegade. Alle drei laufen in angemessenen Grafikeinstellungen flüssig. Allerdings verdeckt man beim Spielen fast zwangsläufig den Mono-Lautsprecher. Das nervt.

Ungewöhnlich für die Mittelklasse ist die hohe Speicherausstattung von 128 GByte, von der zu Beginn 116,5 GByte zu Verfügung stehen. Wem das nicht reicht, der kann den Speicher zusätzlich mit Micro-SD-Karten (Vergleichstest: fünf microSDXC-Karten ab 200 GByte) erweitern, belegt mit ihr dann aber im Kombi-SIM-Kartenschlitten den Platz für eine zweite SIM-Karte. In der Mittelklasse ebenfalls selten ist die für das kontaktlose Zahlen notwendige NFC-Unterstützung des Wiko View 3 Pro.

Auf der Rückseite versammeln sich drei Kameras. Die Hauptkamera nutzt einen Sony IMX486 Kamera-Sensor mit 12 Megapixeln sowie 1,25 μm Pixelgröße, unterstütz von einer 5-Megapixel-Kamera für einen Hardware-Bokeh-Effekt. Dieser funktioniert im Test gut, aber kaum besser als eine reine Software-Lösung, wie sie die Pixel-Phones mit je nur einer Linse nutzen. Die tatsächliche Notwendigkeit dieser Zusatzkamera stellt das in Frage. Einen echten Mehrwert bietet die mit 120 Grad sehr weitwinklige dritte Kamera mit 13 Megapixeln. In vielen Situationen, in denen man gerne mehr aufs Bild bekommen würde, bewährt sich die Weitwinkellinse, die man nach einiger Zeit nicht mehr missen will.

Die Bildqualität ist meist die Achillesverse von Mittelklasse-Smartphones. Sie reicht nur in Ausnahmen an die der teuren High-End-Smartphones heran. Das ist auch hier der Fall. Die Bilder wirken in hellen Lichtverhältnissen scharf und ausgewogen, lassen aber voll herangezoomt die letzten Details vermissen, sind farblich etwas blass und nicht perfekt belichtet. Die Weitwinkelkamera fällt bezüglich ihrer Qualität im Vergleich zur Hauptkamera kaum ab. Das ist sehr gut, bei anderen Modellen haben wir teilweise große Unterschiede gesehen. Werden die Lichtverhältnisse schlechter, leidet die Bildqualität merklich. Gerade die dunklen Bereiche sind nun weniger homogen und verwaschen. Da hilft auch der sich automatisch zuschaltende Nachmodus wenig. Trotzdem ist hier die Qualität im Vergleich zu anderen Mittelklassegeräten gut. Die Frontkamera knipst mit 16 Megapixeln und ist für Selfies gut zu gebrauchen. Wird es etwas wilder, kommt die KI durcheinander und erzeugte in unserem Fall einen unschönen Effekt, wie in Bild 5 der Fotogalerie zu sehen.

Insgesamt gefallen uns die mit den Wiko View 3 Pro geschossenen Bilder besser als sonst in der Preisklasse üblich. Allerdings können sie bezüglich Objekterkennung, Schärfe und Lichtempfindlichkeit nicht mit den Kamera-Chefs Huawei P30 Pro (Testbericht), Google Pixel 3 (Testbericht) und Samsung S10+ (Testbericht) mithalten.

Der Akku fasst stolze 4000 mAh. Damit soll das Wiko View 3 Pro laut Hersteller zwei Tage durchhalten. In unserem Test bestätigte sich dieser Wert bei moderater Nutzung. Damit hält das View 3 Pro länger durch als in der Preisklasse und Ausstattungsstufe üblich. Das View 3 Pro unterstützt Fast-Charging Pump Express. Das mitgelieferte Netzteil lädt den Akku in 30 min um etwa 30 Prozent. Für eine komplette Ladung muss das Wiko knapp zwei Stunden am Netz hängen.

Das Wiko View 3 Pro wird mit Android 9 ausgeliefert. Erfreulicherweise verzichtet Wiko auf tiefgreifende Anpassungen. So erinnert das allermeiste stark an das Look & Feel eines Google Pixel 3 XL (Testbericht). Die Bildergalerie gibt einen Eindruck über die Gemeinsamkeiten, aber auch den Unterschieden zu einem Vanilla-Android-9. Zur Update-Politik versicherte Wiko auf Nachfrage, dass man das View 3 Pro mindestens zwei Jahre lang mit Sicherheits-Updates versorgen wird. Zu Major-Updates zum Beispiel auf Android 10 wollte sich Wiko nicht äußern.

Wiko View 3 Pro türkis

Wiko View 3 Pro türkis

Wiko View 3 Pro blau/gold

Wiko View 3 Pro blau/gold

Das Wiko View 3 Pro zeigt eindrucksvoll, wie sich Techniken, die einst der Oberklasse vorbehalten waren, nach und nach in der Mittelklasse durchsetzen. Dazu gehört neben der tollen Verarbeitung, dem schicken Design, den schmalen Display-Rändern mit kleiner Tröpfchen-Notch, großer Speicherausstattung mit viel RAM und NFC ohne Frage auch die zusätzliche Weitwinkelkamera. Die Bildqualität ist gut. Wer mehr will, muss auch mehr Geld ausgeben.

Richtig gut hat uns der große Akku gefallen, mit dem das View 3 Pro überdurchschnittlich lange durchhält. Leichte Abzüge gibt es beim Display. Das ist zwar schön groß und farbenfroh, sollte aber etwas heller sein und bessere Blickwinkel bieten. Trotzdem bietet das View 3 Pro ein überzeugendes Gesamtpaket zu einem vernünftigen Preis, auf das Wiko zu Recht so stolz ist, dass sie gleich die Anschrift inklusive Straße und Hausnummer auf dessen Rückseite drucken.

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