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WLAN-6-Router Asus RT-AX88U im Test: schnell und teuer

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Der neue Asus RT-AX88U ist der erste kommerzielle 802.11ax-Router und verspricht doppelt so viel Durchsatz als eine Fritzbox 7590. Wir testen den Luxus-Router.

Der Asus RT-AX88U ist das erste kommerzielle Gerät einer neuen WLAN-Generation. Damit stößt er nicht nur in neue Geschwindigkeitsbereiche vor, er bekommt auch eine neue Bezeichnung: WLAN 6. Diese Änderungen in der Bezeichnung hat die Wi-Fi-Alliance im Herbst 2018 bekannt gegeben. Damit es der Käufer künftig einfacher hat, werden nicht mehr die Bezeichnungen IEEE genutzt (etwa 802.11n oder 802.11ax), sondern eine einfache Nummerierung (etwa WLAN/Wi-Fi 4 oder WLAN/Wi-Fi 6). Von Namen abgesehen bringt WLAN 6 eine ganze Reihe an neuen Features: Mehr Endgeräte sollen in einer Zelle mit schnelleren Geschwindigkeiten abgefertigt werden. Die Kollegen der c’t erklären den Standard näher.

WLAN-Standards
Standard Bezeichnung
802.11n WLAN 4
802.11ac WLAN 5
802.11ax WLAN 6

Weg von der grauen Theorie, hin zur Praxis. Dank des RT-AX88U können wir uns ein eigenes Bild der Leistung machen. Zum Vergleich jagen wir neben dem Asus-Router eine aktuelle AVM Fritzbox 7590 (Testbericht) durch den Testlauf.

Der Asus-Router bietet bis zu acht Anschlüsse fürs Netzwerk.

Der schwarze Asus RT-AX88U ist etwas größer und wuchtiger als die weiße Fritzbox. Mit vier externen, abnehmbaren Antennen sieht der Asus-Funker protziger aus als der Alleskönner von AVM. Allerdings wirkt das matte Schwarz des Asus-Routers im echten Leben weicher, samtiger und edler als auf den Fotos. Hinten sitzen 14 Anschlüsse, davon immerhin acht Gigabit-Ethernet-LAN-Buchsen. Die Fritzbox hat „nur“ 11 Anschlüsse. Allerdings gibt es bei Asus keine Buchsen für die Telefonie, dafür ist mehr Platz fürs LAN.

Die AVM 7590 hat ein flottes DSL-Modem, das unter anderem VDSL-50, VDSL-100 sowie Super-Vectoring 35b bis 300 Mbps beherrscht. Daneben unterstützt das AVM-Flaggschiff auch Telefonie, von ganz alt, bis ganz modern: 2x analog, 1x ISDN, 6x DECT. So eine All-In-One-Komplett-Lösung kann und will der 11ax-Funker von Asus nicht bieten, entsprechend ist ein separates Modem für Internet und Festnetztelefonie notwendig.

Im Inneren arbeitet eine 64-Bit-CPU sowie ein GByte RAM. Damit ist der Router angenehm flott.

Zum Testzeitpunkt Anfang Dezember 2018 gab es keine 4x4-Stream-11ax-WLAN-Clients im Handel, entsprechend konnten wir nicht einfach eine passende Karte verbauen. Die Lösung kommt in Form eines zweiten Asus-Routers. Der erste Router (im Routing-Modus) wird über drei Gigabit-LAN-Verbindungen am ersten Test-PC angeschlossen, dank Link Aggregation gemäß IEEE 802.3ad arbeiten die drei LAN-Ports wie ein einzelner Port und erlauben so theoretisch bis zu 3 Gbit/s Durchsatz. Auf der anderen Seite steht ein zweiter RT-AX88U im Media-Bridge-Modus. Auch von ihm führen drei Gigabit-LAN-Kabel zu einem Rechner mit drei entsprechenden Netzwerkkarten. Hier nutzen wir ebenfalls Link Aggregation. So können wir den Durchsatz zwischen den beiden Asus-Routern in der Praxis messen. Zum Vergleich messen wir den Durchsatz der Fritzbox 7590 an der gleichen Stelle.

Schöner wäre es natürlich, wenn der Asus AX88U mindestens einen 10-Gigabit-LAN-Port hätte. Dann könnte man den High-Speed-Router über ein einziges Cat-7-LAN-Kabel mit einem 10-Gbps-fähigen Rechner verbinden. 10-Gbps-Nachrüstkarten für PCs gibt es schon unter 100 Euro. Profi-Workstations haben einen 10-Gbps-Port meist schon ab Werk verbaut.

In unserem konkreten Falle meldet die Fritzbox 7590 im besten Fall Brutto-Raten bis zu 1.733 Mbps. Der WLAN-6-Funker Asus RT-AX88U erreicht im Test maximal 4.804 Mbps: Das ist ein Brutto-Steigerungs-Faktor von 2,77.

In der Praxis konnten wir einer 7590 im besten Falle Peaks von knapp 1.000 Mbps entlocken. Der neue Asus-Router schaffte dagegen fast 2.500 Mbps. Der Asus ist somit auch netto mehr als doppelt so schnell wie das aktuelle AVM-Flaggschiff 7590.

Doch Vorsicht: Derart hohe Ausschläge schafften wir nur im 5 GHz-Band, unter optimalen Bedingungen, bei direkter Sicht zwischen zwei Funkern, auf kurze Distanz von gut zwei Metern, und nachts, wenn alle Nachbarn schlafen. Außerdem dürfen keine Wände, keine Decken, und keine starken Störer dazwischenkommen. Zudem braucht man für solche Spitzenwerte zwei (!) gleich starke 11ax-WLAN-Geräte, die beide mit vier Dualband-Antennen und mit 160 MHz Kanalbandbreite funken.

Im 2,4-GHz-Band meldet eine Fritzbox 7590 im besten Falle 800 Mbps brutto und schafft in der Realität weniger als 400 Mbps netto. Der Asus RT-AX88U meldet bei 2,4 GHz maximal 1.148 Mbps brutto und bringt es auf weniger als 600 Mbps netto. Im 2,4-GHz-Band liegt der Zuwachs von der WLAN-5-Box zum WLAN-6-Router damit netto etwa beim Faktor 1,5, lang nicht so krass wie im 5-GHz-Band.

Viel WLAN-Speed ist immer schön. Aber bringt der neue 11ax-Router AX88U von Asus auch mehr WLAN-Reichweite als eine herkömmliche Fritzbox 7590? Kurzum: Funkt der Neue weiter? Versorgt er den hintersten Winkel eines großen Heimes besser als eine Fritzbox 7590? Kann man sich mit 11ax die lästigen WLAN-Repeater sparen?

Um das zu klären, haben wir unser gewohntes Testgebäude über vier Stockwerke hinweg mit ganz normalen 2x2-11ac-WLAN-Smartphones und Laptops abgewandert. Das Ergebnis: Egal ob die herkömmlichen 866-Mbps-WLAN-Clients mit dem neuen 11ax-Router von Asus oder mit dem alten 11ac-Router von AVM verbunden waren, hinter der zweiten Betondecke ist der WLAN-Kontakt immer abgerissen.

Der neue AX88U von Asus kann also herkömmliche WLAN-Repeater vorerst nicht ersetzen. Krass gesagt: Ein bezahlbares Mesh-Pärchen bestehend aus AVM Fritzbox 7590 und AVM WLAN Repeater 1750E (Gesamtpreis ca. 290 Euro) bringt in unserem Testgebäude deutlich mehr Reichweite als ein Asus AX88U. Sogar das günstigere Pärchen 7590 plus AVM Repeater 310 (etwa 250 Euro) schlägt den 330 Euro teuren 11ax-Router in Sachen Reichweite.

Der größte Vorteil von 11ax ist es, mehrere Geräte gleichzeitig mit möglichst schneller Verbindung zu versorgen. Asus empfiehlt, maximal 60 WLAN-Geräte mit dem AX88U zu verbinden. Das klingt üppig, kann aber in einer Familie mit Kindern, in einer WG, einem Büro, Café oder einem Restaurant, schnell zusammen kommen: Man denke nur an die ständig steigende Zahl WLAN-fähiger Smartphones, Tablets, Laptops, PCs, Alexa-Stationen, Fernseher, Spielekonsolen, Smart-Home-Geräten und anderen IoT-Produkten.

Zum Vergleich: Auf Nachfrage, wie viele WLAN-Geräte eine Fritzbox 7590 verträgt, bevor sie in die Knie geht empfahl AVM: „über 40-60 Geräte“. Dies jedoch sei nur eine „ungefähre Richtgröße, das hängt vor allem auch von der Art des Traffics ab, ein Idle-Client braucht weniger Airtime als ein sehr aktiv übertragender Client“.

Asus stattet den Router mit zahlreichen Funktionen aus – genügend, um der sehr gut ausgestatteten Fritzbox Konkurrenz zu machen. Wie bereits oben angesprochen lassen sich die LAN-Ports per Link Aggregation zusammenschalten, so eine Funktion ist normalerweise Business-Geräten vorbehalten. Dazu kommen zahlreiche Features im Bereich Quality of Service. Das betrifft nicht nur den WLAN-Traffic, mit an Bord ist eine Lizenz für WTFast, ein spezielles VPN für Gamer.

Ebenfalls interessant ist der Bereich Sicherheit. Der beinhaltet nicht nur die Möglichkeit, den Router zu einem VPN-Server zu verwandeln, sondern bringt einen aktiven Anti-Virus namens AiProtection (Handbuch) mit. Die Technik dahinter kommt von Trend Micro, mit enthalten sind auch Features wie eine Deep Packet Inspection. So eine umfangreiche Sicherheitslösung ist in Home-Routern selten.

Beim WLAN kann der Asus-Router bis zu zusätzliche SSIDs aufbauen, etwa für Gäste. Jedem Netzwerk lässt sich dabei der Zugriff auf das Intranet verbieten.

Mit aktiviertem WLAN und DECT, aber noch ohne Datenverkehr, hat die 7590 etwa 8 Watt aus unserem Messgerät gezogen. Beim Asus-Funker waren es knapp 9 Watt.

Einen echten Strom-Schalter sucht man an der 7590 vergebens. Der Asus hat sowas, und das ist praktisch, wenn man das Netz mal ganz schnell abschalten will. Okay, der normale User will seine Fritzbox vielleicht über Jahre hinweg überhaupt nie abschalten, vor allem wenn auch Telefonie drüber läuft.

Einen WLAN-Ein-Aus-Hardware-Taster haben dagegen beide Router. Auch WPS lässt sich an beiden Funkern per Hardware antippen. Sogar die vielen LED-Lämpchen kann man beim Asus an einem richtig großen und bequemen Hardware-Taster supereasy abschalten. Wozu dieses? Falls der Asus Router im Schlafzimmer stehen sollte, oder die Lämpchen sonst mal nerven, kann so ein LED-Austaster nützlich sein.

Der WLAN-6-Asus-Router liegt derzeit bei 330 Euro. Zum Vergleich, die Fritzbox 7590 gibt es ab etwa 210 Euro.

Wer schon heute die neue Funkpower von WLAN-6 alias IEEE-802.11ax genießen will, kommt am Asus AX88U Router nicht vorbei. Für die volle Geschwindigkeit braucht man aktuell noch zwei Router, die passenden WLAN-Karten dürften aber bald erhältlich sein. Insofern kann ein 11ax-Router wie der AX88U seinen vollen Nutzen erst in der Zukunft ganz entfalten.

Außerdem bietet der Asus-Router kein Modem und keine Telefonie. Wer das braucht und mit der aktuellen Power von WLAN-11ac-2 noch eine Weile klar kommt, ist mit einer All-In-One-Lösung wie der Fritzbox 7590 vielleicht sogar besser bedient.

Mit seinem ersten 11ax-Router bringt Asus alle anderen WLAN-Hersteller unter Zugzwang. Die müssen auch bald mit WLAN-6 nachziehen, wenn sie den Markt der Innovatoren, Technikfreaks, High-Speed-Gamer und Poweruser dem ersten Asus-11ax-Router nicht überlassen wollen.

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