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Visortech Camera im Test: Akku-Cam mit 6 Monaten Laufzeit

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Zwei Bewegungsmelder, Nachtsicht und Gegensprechfunktion – für rund 100 Euro bietet die Visortech Camera viel. Wir verraten, was sie wirklich kann.

Die Pearl-Marke Visortech bietet dutzende Produkte rund um Überwachung an. Neben smarten Türschlössern (Ratgeber) sind auch Überwachungskameras im Sortiment. Die hier getestete, akkubetriebene Outdoor-Kamera hört auf den simplen Namen Visortech Camera. Im Testbericht verraten wir, welche Vor- und Nachteile die Kamera hat.

Kabellose Überwachungskameras sind überall dort sinnvoll, wo keine direkte Stromzufuhr möglich ist. Versteckt unterm Dachgiebel oder weit weg von der nächsten Steckdose im Garten ermöglichen solche Cams eine gute Abdeckung der Überwachung. Zudem zeichnen sich kabellose Kameras durch ihre kompakte Größe aus. Im Vergleich zu Outdoor-Leuchten mit integrierter WLAN-Kamera (Ratgeber) sind Modelle wie die Visortech Camera kaum größer als eine geballte Faust.

Je nach Modell speichern die Kameras Videoaufnahmen wie bei der Heimvision HMD2 (Testbericht) direkt auf einer integrierten Micro-SD-Karte oder wie bei der Kami Wire Free Camera (Testbericht) in einer Cloud.

Aufnahmen speichert die Visortech Camera direkt auf einer Micro-SD-Karte.

Die Visortech Camera setzt auf eine integrierte Speicherkarte. Der Nachteil: Klaut ein Dieb die Kamera, sind die Aufnahmen auch weg. Zudem legt Visortech der Kamera keine Speicherkarte bei – schade, hier muss man separat eine erwerben. Micro-SDs mit maximal 128 GByte Speicherplatz unterstützt die Cam. Passende Speicherkarten haben wir in unserem Ratgeber: Schnelle Speicherkarten von Sandisk und Co im Vergleich zusammengefasst.

Auf der Vorderseite der Kamera sind zwei PIR-Sensoren (Bewegungsmelder), eine Kameralinse, eine Status-LED, ein Lichtsensor und acht Infrarot-LEDs zur Nachtsicht eingebaut. Auf der Unterseite kommt man an die Akkus und den Micro-SD-Karten-Slot ran, auf der Rückseite befindet sich unter eine Silikonabdeckung ein Mikro-USB-Eingang und ein Resetbutton sowie die Einbuchtung für das magnetische Kugelgelenk zur Befestigung. Die Kamera ist entsprechend IP65-zertifizert, übersteht also Staub und Regen. Ob man die Akkus zum Laden entnimmt oder über ein Netzteil beispielweise mit einem Solarpanel betreibt, ist jedem selbst überlassen. Die Akkulaufzeit beträgt laut Hersteller rund sechs Monate. Das erscheint uns als korrekte Angabe – natürlich mit entsprechender Verkürzung, je nachdem wie oft die Kamera Alarme aufzeichnet.

Eine Sirene oder LED-Scheinwerfer besitzt die Kamera wie die meisten Outdoor-Cams mit Akku nicht, denn das geht gegebenenfalls erheblich zu Lasten der Akkulaufzeit. Zudem bietet Visortech keinerlei Anbindung an Smart-Home-Systeme sowie Sprachassistenten wie Siri, Alexa oder Google Assistant.

Simpel und doch mit einigen Schritten verbunden – so kann man die Einrichtung der Visortech Camera beschreiben. Die Einrichtungsprozedur geht leicht von der Hand. Die kostenlose App WeHome stammt vom chinesischen Anbieter Shenzen Linkwil Intelligent Technology. Man findet sie für Android und iOS via QR-Code in der Betriebsanleitung oder indem man WeHome im Appstore eintippt. Die App ist leicht verständlich und führt klar durchs Menü. Selbst das Deutsch vom chinesischen Übersetzer ist ausreichend verständlich, wie unsere Bildergalerie zeigt. Für die Einrichtung ist kein Nutzerkonto notwendig, ein großer Pluspunkt gegenüber anderen Kameras, wenn man sich unseren Vergleichstest der Outdoor-Kameras mit Akku durchliest.

Die Einrichtung im Detail: App öffnen, Gerät hinzufügen auswählen, Kameramodell A6 auswählen, beigelegte Akkus (AA) in die Kamera stecken und prüfen, ob die Infrarot-LED an der Kamera blickt. Im Anschluss in der App auf weiter klicken, den QR-Code auf der Cam scannen, das WLAN-Passwort eingeben und die Verbindung via Schallwellen starten. Letzteres kennen wir auch von der Eufycam 2 (Testbericht) und Eufycam 2c (Testbericht) und funktioniert sehr zuverlässig.

Die Einrichtung der Visortech Camera im Detail (11 Bilder)

Dennoch nerven uns einige Details bei der Einrichtung. Zwei Beispiele: Einerseits will die App auf die Smartphone-Kamera zugreifen, um den QR-Code auf der Kamera zur Einrichtung zu scannen – was die App danach mit dem gewährten Zugriff macht, bleibt verborgen. Lieber gleich in die Smartphone-Einstellungen gehen und die Kamerafreigabe deaktivieren. Andererseits merkt die App sich keine Tastatureingabe. Wenn wir beispielsweise das WLAN-Passwort eintippen und währenddessen aus der App rausgehen, ist die bisherige Eingabe gelöscht. Alles in allem ist das Setup dennoch sehr simpel, für eine China-App ein überraschend positives Ergebnis.

Im Anschluss muss die Kamera nur nach an die gewünschte Stelle. Eine Entfernung von gut 10 Metern zum Router schafft die Visortech problemlos. Wer mehr braucht, sollte unseren Ratgeber: Schnelleres WLAN im Garten durchlesen. Für die Anbringung an die Wand oder Pfosten – Hauptsache glatte Fläche – liegen der Kamera eine Wandhalterung beziehungsweise Aufhängung, Schrauben und Dübel bei. Das Montagematerial ist ausreichend hochwertig und reicht aus unserer Sicht vollkommen.

Mit dieser Wandhalterung ist die Kamera nicht wirklich diebstahlsicher.

Die Wandhalterung erinnert uns hingegen an die der Heimvision HMD2 (Testbericht). Es handelt sich hierbei um eine simple Aufhängung, die nicht an der Wand fixiert werden kann. Die Befestigung der Kamera an der Halterung erfolgt magnetisch. Beides ist also nicht gerade diebstahlsicher. Unser Tipp: Die Kamera möglichst hoch befestigen, damit niemand im Vorbeilaufen drankommt.

Im Hauptmenü der App hat man die Möglichkeit, die Kamera in Standby zu versetzen, die Bewegungserkennung einzuschalten, den Erfassungsbereich festzulegen oder die Aufnahmen der letzten Monate einzusehen. Alternativ findet man im Übersichtsmenü noch ein Fotoalbum. Hier sind die einzelnen Aufnahmen im Foto-Stream zusammengestellt. Das ist von Vorteil, wenn man der App keinen Zugriff auf die Fotogalerie auf dem Smartphone geben will.

Dann gibt es noch das Menü Einstellungen. Hier wählt man die Lautstärke des integrierten Lautsprechers und die Empfindlichkeit des Mikrofons aus, deaktiviert bei Bedarf die Status-LED (blinkt, wenn Aufnahme läuft) und spiegelt oder dreht das Bild, wenn die Kamera beispielsweise kopfüber montiert ist. Zudem kann man die Live-Übertragung mit Freunden und Bekannten via QR-Code teilen. Das ist auch eine nette Spielerei, wenn so eine Kamera etwa als Nistkastenüberwachung (Ratgeber) dient.

Will man die Kamera zurücksetzen, ist auf der Rückseite ein Reset-Button.

Eine Personenerkennung, wie bei der Kami Wire Free Camera (Testbericht) im gleichen Preissegment, gibt es nicht. Das bedeutet, dass der Alarm bei jeder Bewegung auslöst – etwa auch bei Tieren.

Das Ausschwärzen von Bildbereichen bietet die Visortech Camera ebenfalls nicht an. Bedeutet: Die Kamera muss so positioniert werden, dass sie keinen öffentlichen Raum filmt.

Das integrierte Mikrofon zeichnet Stimmen ohne größere Verzerrung und klar verständlich auf. Stimmen sind beispielsweise auf rund zehn Meter Entfernung noch deutlich hörbar. Der integrierte Lautsprecher ist hingegen viel zu leise. Wer hier ins Smartphone schreit, um Einbrecher zu vertreiben, erreicht maximal die Aufmerksamkeit einer Katze, die direkt davor sitzt.

Die Visortech liefert einen großen Blickwinkel, wirklich scharf ist das Ergebnis aber nicht.

Fotos und Videos nimmt die Kamera in Full-HD, also mit 1920 × 1080 Pixel auf. Der Blickwinkel beträgt 110 Grad, das reicht für gut fünf Meter Breite. Wirklich scharf sind die Aufnahmen dennoch nicht, wie unsere Beispielbilder zeigen. Sowohl bei Tag als auch bei Nacht fehlen Details. Gerade bei Hecken oder Wiese ist das Bild matschig, hier hat die Kamera sichtlich zu kämpfen. Für die Überwachung reicht das aber, schließlich soll die Visortech auch keine Landschaftsfotos knipsen. Gesichter erkennt man noch ausreichend deutlich.

Auch bei den Nachtaufnahmen heißt es: Scharf ist anders. Dennoch sieht man viel und weit.

Bei Nacht sorgen acht integrierte IR-LEDs für eine gute Ausleuchtung. Unser Testgarten ist vollständig abgelichtet. Das reicht, um im Falle eines Einbruchs den kompletten Tathergang ab dem Gartentor nachzuvollziehen.

Die zur Visortech Camera zugehörige App WeHome bietet keinerlei Cloud-Speicher, sondern nur die lokale Datensicherung. Das hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil: Die Aufnahmen liegen auf keinem Server in China. Der Nachteil: Klaut jemand die Kamera, sind auch alle Beweismittel weg. Zwar kann man alle Aufnahmen händisch über die App auf dem Smartphone sichern, das bringt aber wenig, wenn es nichts mehr zu sichern gibt.

Auch muss man an dieser Stelle das Thema Datensicherheit anführen. Nur ein Beispiel: Erst neulich wurde aufgedeckt, dass Xiaomi das Nutzerverhalten im Browser seiner Smartphones aufzeichnet, wie heise online berichtet. Das kann man auch bei der WeHome-App nicht ausschließen.

In der Datenschutzerklärung des Anbieters heißt es:

“WeHome” to provide your personal information in accordance with the law or the requirements of the relevant government;

The leakage of personal information due to “WeHome”

Any third party's use of your personal information arising from the terms and conditions set forth in the WeHomeTerms of Service and statements;

Any temporary service caused by a hacker attack, computer virus intrusion or government control ceased;

Hier muss sich der Nutzer die Frage stellen, ob er sich darauf einlassen will. Andererseits filmt man „nur“ seinen Garten, wirklich persönliche oder gar sensible Aufnahmen sind das in aller Regel nicht.

Pearl, der Anbieter der Visortech Camera, hat uns zudem folgendes Statement zugeschickt:

Wir werden in Kürze einen Großteil unserer Apps von einem bekannten Unternehmen in Deutschland testen lassen.


Die Visortech Camera ist ein gutes Stück Hardware mit funktionaler App und zuverlässigen Meldungen im Falle eines Alarms. Im Detail enttäuschen allerdings bei der Hardware Lautsprecher und Bildqualität. Nachtsicht-Funktion und Mikrofon sind hingegen gut.

Bei der Software haben wir vor allem Bauchschmerzen mit dem chinesischen Anbieter. Ein „Mithören“ oder „Mitsehen“ kann man nicht ausschließen – zumindest bis Pearl die App geprüft hat. Entsprechend können wir keine klare Kaufempfehlung aussprechen. Immerhin: Die App erfordert kein Nutzerkonto, die Daten sind also mehr oder weniger anonym.

Für die rund 100 Euro, die die Visortech Camera kostet, gibt es aber auch Alternativen. Diese haben wir in unserem Vergleichstest: Outdoor-Kameras mit Akku aufgeführt.

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