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Vileda VR 102 im Test: Staubsauger-Roboter für 130 €

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Saugroboter kosten gern mal über 500 Euro – warum eigentlich? Den Vileda VR 102 Cleaning Robot gibt es ab gut 130 Euro. Er soll die gleichen Aufgaben übernehmen. Das klappt aber nur bedingt.

Smartphone-App? Strukturiertes Bahnenziehen? Scan der Umgebung? Mit solchen Finessen werben High-End-Saugroboter. Aber all das braucht der Vileda VR 102 Cleaning Robot nicht, stattdessen setzt er auf Zufallsprinzip und Einfachtechnik. Das macht sich beim Preis positiv bemerkbar, die UVP des Herstellers liegt bei 199 Euro, der aktuelle Straßenpreis bei kaum mehr als 130 Euro. Was bekommt man dafür?

Optisch sieht der günstige Saugroboter von Vileda ansprechend aus. Hochglanz-Finish gibt es zwar nicht, aber der Kunststoff des runden Roboters wirkt ausreichend hochwertig; die Verarbeitung ist ordentlich. Farblich ist der VR 102 mit seinem Anthrazit-Weiß-Rot-Mix beinahe schon bunt, positiv fällt die niedrige Bauhöhe von etwa 8 Zentimeter auf. Damit kommt der autonome Sauger auch unter Möbel, unter denen die händische Reinigung sonst schwer fällt.

Optisch macht sich der günstige Preis also nicht bemerkbar, beim Lieferumfang hingegen schon. Im Lieferkarton stecken nur der Sauger, die beiden roten Seitenbürsten für den Betrieb, ein Ladegerät und ein Handbuch. Es gibt weder eine Ladestation noch Ersatzbürsten oder zusätzliche Filter für den Schmutzbehälter. Bei teureren Modellen ist all das normalerweise vorhanden. Bei den Filtern handelt es sich nicht um HEPA-Filter, auch wenn der Hersteller ein „Premium-Doppelfiltersystem“ bewirbt. Markierungen zum Abgrenzen von Zonen, sogenannte „Leuchttürme“ oder Magnetbänder, sind ebenfalls nicht im Lieferumfang enthalten, weil der Roboter eine entsprechende Funktion nicht mitbringt.

Der Vileda VR 102 ist ein Minimalist. Wie eingangs angedeutet gibt es keinerlei fortschrittliche Sensorik, also weder Laser-, noch Ultraschallsensoren. Lediglich Sensoren zur Absturzvermeidung, etwa an Treppen, sind vorhanden. Ansonsten fährt der Sauger so lange in eine Richtung, bis er an ein Hindernis stößt. Das Eindrücken des an der unteren Kante mit einer roten Gummilippe versehenen Bumpers registriert der Roboter dann wie einen Knopfdruck, dreht sich und fährt danach in eine andere Richtung. Diesen Vorgang wiederholt das Gerät so lange, bis der Akku entleert ist oder er aus anderen Gründen zum Stoppen gezwungen wird.

Die Seitenbürsten müssen erst noch installiert werden, eine Bürstenwalze unter dem Roboter gibt es nicht.

Die beiden seitlichen Reinigungsbürsten sorgen außerdem dafür, dass Schmutz in den zentral unter dem Roboter positionierten Ansaugschlitz transportiert wird. Eine rotierende Bürste unter dem Gerät, die Schmutz zusätzlich aus weichen Böden wie Teppich lösen und in den Absaugschacht transportieren könnte, hat der Vileda nicht. Einzige Steuerelemente des Vileda-Saugers: Ein Power-Knopf, einer zum normalen Reinigen und einer für den sogenannten Silent Mode. Mehr Funktionen, etwa eine gesondert anwählbare Spot-Reinigung, bei der der Sauger nur einen kleinen Bereich um sich herum säubert, gibt es nicht.

Vor dem ersten Saugen müssen die separat im Lieferkarton befindlichen Seitenbürsten mit leichtem Druck an die vorgesehenen Positionen gesteckt werden, den richtigen Sitz quittieren sie mit einem deutlich hörbaren Klicken. Danach sollte der Sauger vor dem ersten Gebrauch einmal vollständig geladen werden. Der Lithium-Ionen-Akku unseres Testgerätes benötigte dafür teilgeladen keine ganze Stunde, während der die Power-Taste rot leuchtet. Danach sprang die LED von rot auf weiß. Nachladebedarf signalisiert der Saugroboter durch rotes Pulsieren des Powerbuttons. Laden geschieht mangels Ladestation mittels des mitgelieferten Ladekabels, das auf der rechten Seite direkt in den Roboter gestöpselt wird.

Seitenbürsten transportieren Schmutz in die Mitte des Gerätes, wo er aufgesaugt wird.

Nachdem das Modell VR 102 voll geladen ist, kann der Sauger abgestöpselt und in beliebiger Position im Zimmer auf dem Boden abgestellt werden. Ein Druck auf den Powerbutton illuminiert alle drei Bedienknöpfe, mit einem Druck auf den mittleren oder oberen Knopf startet der normale oder der leise Saugmodus des Roboters. Der Sauger beginnt dann normalerweise mit spiralförmigen Kreisbewegungen, quasi einer automatischen Spot-Reinigungsfunktion. Sobald die größer werdenden Kreise einen gewissen Radius erreicht haben oder ein Hindernis im Weg steht, beginnt der Vileda VR 102 mit dem normalen Saugen. Er zieht dann zufällige Bahnen. Wie bereits beschrieben, folgt er solchen geraden Linien so lange, bis er mit dem Bumper vor ein Hindernis stößt. Dann dreht er in einem festgelegten Winkel mal links, mal rechts herum und fährt eine neue Bahn. Die Abdeckung des ganzen Bodens erreicht der Sauger entsprechend nach dem Zufallsprinzip, was deutlich länger dauert als strukturiertes Vorgehen. Zumindest in der Theorie führt es aber irgendwann zum gleichen Ergebnis: der flächendeckenden Reinigung.

Zum Laden gibt es keine Ladestation, sondern lediglich ein Ladekabel.

Die Geschwindigkeit des Roboters ist dabei nicht so hoch wie von Modellen, die anhand 3D-Erkennungs-Sensorik genau wissen, wo sie sich im Raum aufhalten und wo sich Hindernisse befinden. Dadurch braucht der Roboter zwar länger für eine bestimmte Strecke, fährt aber auch mit geringerer Geschwindigkeit vor Hindernisse. Im Test hatten wir daher keine Sorge wegen des Mobiliars. Da aber nur der untere Bereich des Frontbumpers mit einer schmalen Gummilippe gepolstert ist, würden wir Räume mit antiken Weichholzmöbeln wohl dennoch nicht von dem günstigen Vileda-Sauger reinigen lassen.

Wie alle Saugroboter fordert auch der Vileda VR 102 Cleaning Robot eine aufgeräumte Umgebung. Hindernisse überwindet er bis zu einer Höhe von 1,5 Zentimeter, er reinigt entsprechend hohe Teppiche und Hartböden aller Art. Gerade auf Teppich sollten Nutzer aber nicht zu viel erwarten, hier wird nur loser, oberflächlicher Schmutz aufgenommen.

Drei Tasten reichen dem Vileda VR 102 zur Steuerung: Silent Mode, normaler Saugmodus und Ein/Aus (von oben).

Festgefahren hat sich das Gerät im Test nur wegen herumliegender Kabel, die typischen „ich-weiß-nicht-mehr-wo-ich-bin-und-stoppe-daher-den-Saugvorgang“-Kapriolen deutlich intelligenterer Sauger kennt das Vileda-Modell nicht. Es stößt so lange an, wendet und fährt vor das nächste Hindernis, bis es sich auch aus dem dichtesten Stuhlbein-Wald wieder befreit hat. Oder bis der Akku leer ist. Das dauert nach Angaben des Herstellers rund 60 Minuten im normalen Modus, im Silent Mode schafft der Saugroboter rund 90 Minuten.

Apropos Silent Mode: In diesem Modus ist der Sauger deutlich leiser, wir haben in einer Entfernung von etwa 75 Zentimeter rund 55 dB gemessen, im Normalmodus waren es rund 75 dB. Im Nebenzimmer ist der VR 102 im Flüstermodus so gut wie nicht mehr zu hören, selbst Fernsehen im gleichen Zimmer ist während des Reinigungsvorgangs noch möglich. In diesem Modus sinkt allerdings die Reinigungsleistung, weil die Lautstärkeabsenkung mit eine Reduzierung der Saugkraft einher geht.

Um den Unterschied zwischen Silent- und Normalmodus in Bezug auf die Saugkraft zu ermitteln, haben wir in einem abgesteckten Bereich mit kurzflorigem Teppich und Hartboden 100 Gramm Goldhirse verteilt. Anschließend haben wir den VR 102 genau 10 Minuten lang in beiden Modi saugen lassen und die jeweils aufgesammelte Menge Goldhirse verglichen. Das Ergebnis: Im Normalmodus saugte der Vileda-Roboter 97 Prozent der verteilten Körner auf, im Silent-Modus nur 71 Prozent. Mangels speziellem Kantenmodus bleibt ein Großteil des Restschmutzes an den Rändern liegen; da hilft in der Praxis wohl nur der Griff zum normalen Staubsauger. Da sich dort tatsächlich auch nicht so viel Dreck ansammelt, wenn regelmäßig gesaugt wird, kommt das in der Praxis aber auch nur selten vor.

Der Schmutzbehälter lässt sich einfach aus dem Roboter entfernen, leeren und säubern. Der Filter ist kein HEPA-Filter.

Eine Ladestation gibt es nicht, eine automatische Entleerungsstation des Saugers daher natürlich erst recht nicht. Stattdessen ist Handarbeit angesagt, die ist aber schnell und dankenswerterweise auch sauber erledigt. Dazu wird eine Klappe des Gehäuseoberteils des Dreckspeichers geöffnet, unter dem sich der beutellose Schmutzbehälter mit 500 ml Kapazität und dem beworbenen „Premium-Doppelfiltersystem“ befindet. Bei letzterem handelt es sich um ein feines Gewebe, vor dem ein auswechselbarer Papierfilter sitzt. Hausstaub-Allergiker dürfte das nicht zufrieden stellen, im Test bewährte sich der einfach an einem ausklappbaren Bügel entnehmbare und auswaschbare Kunststoffbehälter aber durchaus. Er lässt sich nämlich einfach anhand eines Klemmverschlusses öffnen und zielgenau über dem Abfalleimer entleeren. Zur Reinigung der Seitenbürsten befindet sich unter der Klappe ein herausnehmbares Reinigungswerkzeug.

Wunder sollte man vom Vileda VR 102 Cleaning Robot nicht erwarten. Nicht nur, weil Saugroboter grundsätzlich nur eine Ergänzung zum Saugen von Hand sind, sondern weil der Roboter mit sehr einfacher Technik daherkommt. Das bezieht sich nicht nur auf die eingebaute Sensorik, sondern auch die Art und Weise, mit der Schmutz in den Sammelbehälter befördert wird. Gerade auf langfloorigem Teppich merkt man schnell die Grenzen der bei Saugrobotern ohnehin eingeschränkten Saugleistung. Davon abgesehen schlägt sich der VR 102 insgesamt aber in Relation zu seinem niedrigen Preis sehr gut und durch den Silent Mode lässt sich der Vileda-Bot sogar nutzen, wenn man sich im zu reinigenden Raum aufhält. Das wirkt sich aber auch negativ auf die Saugleistung aus. Man muss sich darüber hinaus bewusst sein, dass der Vileda-Roboter wegen des chaotischen Reinigungssystems deutlich länger als Staubsaugerroboter brauchen, die ordentliche Bahnen fahren.

Wer auf der Suche nach Saugrobotern mit mehr Funktionen ist, sollte sich einmal unseren Vergleichstest mit Robotern ab 270 Euro anschauen. Mehrere Wischroboter haben wir hier getestet.

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