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Verboten gut: E-Klapprad Fiido D4S für unter 600 Euro im Test

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Das Fiido D4S ist der neueste Spross der E-Klapprad-Schmiede aus China. Es soll 80 Kilometer schaffen, wiegt nur 18,5 Kilogramm und kommt zum Schnäppchenpreis.

Update [31.08.2020]: Banggood (Kauflink) verkauft das Fiido D4S mit dem Gutscheincode BGD4S009 für 559 Euro exklusive bei sich im Shop. Wer sich für das E-Klapprad interessiert, sollte nicht zu lange warten, erfahrungsgemäß sind die Fiido-Bikes innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.

Als wir im Mai 2020 das Fiido M1 (Testbericht) auf Herz und Nieren testeten, zog es uns fast die Schuhe aus. Für hierzulande unter 900 Euro bietet das klappbare E-Bike fette Reifen, einen dicken Akku, viel Ausstattung und eine extrem coole Optik. Kurz darauf hatten wir das 2019er E-Klapprad Fiido D2S (Testbericht) in der Redaktion. Es kostet verlockende 500 Euro aufwärts und klappt super. Man merkt ihm jedoch an, dass Fiido an der ein oder anderen Stelle gespart hat. Der größte Haken beider E-Falträder: Sie kommen mit einem Gashebel und sind unter anderem deswegen nicht für deutsche Straßen zugelassen. Nicht so das Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht). Es erfüllt alle Vorgaben, um als Pedelec zu gelten, bietet größtenteils hochwertige Komponenten, unter anderem einen Magnesium-Rahmen, und verdient sich so die Gesamtnote Sehr Gut. Dafür müssen Käufer jedoch gut 1500 Euro auf den Tisch legen. Ab 2000 Euro kostet das Mate X (Testbericht). Die Vorlage des Fiido M1 ist vielleicht das fetteste E-Klapprad am Markt.

Das D4S ist das neueste E-Klapprad von Fiido. Es kostet mit 585 Euro nicht sehr viel mehr als das Fiido D2S, bietet aber eine deutlich bessere Ausstattung. Besonders vielversprechend klingen die von Fiido angegebenen 80 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung in Verbindung mit dem für eine E-Klapprad geringen Gewicht von 18,5 Kilogramm. Außerdem hat es große luftgefüllte 20-Zoll-Räder, eine 6-Gang-Shimano-Schaltung, zwei mechanische Scheibenbremsen und einen bestechend guten Klappmechanismus. Den für den deutschen Markt so unpassenden Gashebel gibt es leider auch. Wir schauen uns hier im Test des Fiido D4S genau an und prüfen, ob das E-Klapprad hält, was Fiido verspricht.

Fiido D4S (28 Bilder)

Klappt gut!

Das Fiido D4S wirkt durchdacht designt und in seiner Anmutung minimalistisch. Auf eine Federung verzichtet Fiido. Die ist im Gegensatz zum Fiido D2S aber auch nicht nötig, denn die großen 20-Zoll-Räder fangen die gröbsten Unebenheiten ab. Vorteil der fehlenden Federung ist unter anderem die bessere Kraftübertragung von den Pedalen auf die Straße. Sein Aluminiumrahmen ist stabil, die Gabel besteht aus einem Stahl.

Die Ergonomie des Fiido D4S ist vorbildlich. Fahrbereit misst es 150 Zentimeter in der Länge. Der Sattel kann über einen Schnellverschluss zwischen 70 und 110, der Lenker zwischen 92 und 108 Zentimeter fixiert werden. Auch Menschen mit einer Körpergröße von zwei Metern und mehr sollten sich darauf wohl fühlen.

Der Gashebel ist eher ein Gasring und als solcher nur von einem geübten Auge zu erkennen.

Der Klappmechanismus wirkt wie bei allen von uns getesteten E-Klapprädern von Fiido ausgereift. Sattel und Lenker einfahren, Lenkstange gewinkelt anlegen und Rahmen mittig umklappen. Schon schrumpfen die Maße auf 84 × 65 × 43 Zentimeter. Dabei klappt hier die Lenkstange so, dass sie sich anschließend mittig des Fahrrads befindet. Üblicherweise liegt sie sonst außen.

Man kann das D4S zusammengeklappt ein paar Meter tragen. Wirklich bequem ist das nicht, da sich das Bike zusammengeklappt nicht fixieren lässt. Das löst das Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht) mit seinem Magneten besser. Dafür ist es mit einem Gewicht von 18,5 Kilogramm leichter als die meisten anderen klappbaren E-Bikes. Im Gegensatz zum Fiido M1 (Testbericht) und Fiido D2S (Testbericht) kann man die Pedale beim D4S nicht abklappen und damit weitere Zentimeter in der Breite einsparen. Dafür wirken die Pedale nun endlich ausreichend stabil.

Zu den Ausstattungsmerkmalen gehört eine an den Hauptakku angeschlossene Frontleuchte, die sich entsprechend mit dem Bike ein- und ausschaltet. Optional kann der Fahrer sie am Fahrradcomputer deaktivieren. Ein selbstleuchtendes Rücklicht gibt es nicht, dem D4S liegt lediglich ein Reflektor bei. Das müsste für wenige Euro nachgekauft werden. Auch Schutzbleche liegen dem Bike nicht bei. Die elektrische Hupe sollte man auf deutschen Straßen tunlichst nicht betätigen, sie ist nicht erlaubt. Am Lenker ist jedoch ausreichend Platz für eine einfache Fahrradglocke.

Das Kabelmanagement an der Lenkstange hätte besser gelöst werden können. Denn selbst voll ausgefahren steht der Kabelbaum noch deutlich ab. Kürzere Kabel wären hier eleganter.

Der Sattel des Fiido D4S mag nicht jedem gefallen, zumindest ist er sehr bequem.

Das Fahrgefühl ist fantastisch. Das liegt zum einen an der oben erwähnt hohen Ergonomie und an den großen 20-Zoll-Rädern. Zudem sitzt die Lenkstange für ein Klapprad recht fest, beim Fahren wackelt sie kaum. Der Rollwiderstand ist dank der schmalen Reifen gering und die Kurvenlage fühlt sich sicher an. Der Sattel ist groß und weich. Das mag nicht jedermanns Sache sein, das Gesäß und den Rücken schont es allemal.

Das Fiido D4S bietet dank einer einfachen Shimano-Schaltung sechs Gänge. Für steile Anstiege hätte der niedrigste Gang gerne etwas tiefer gehen können. Der höchste Gang sorgt auch bei 25 Kilometer pro Stunde noch für eine angenehme Trittfrequenz.

Die mechanischen Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrad griffen bei uns ab der ersten Fahrt gut. Das kann aber von Fall zu Fall unterschiedlich sein. Gegebenenfalls muss man diese mit dem beiliegenden Werkzeug nachjustieren. Insgesamt sind wir mit ihnen zufrieden. Sie greifen gut und bremsen zuverlässig. Hydraulische Scheibenbremsen wären besser, die sind in dieser Preiskategorie jedoch nicht zu erwarten. Zu beachten ist, dass der rechte Bremsgriff die Vorderradbremse anspricht und der linke Bremsgriff die Hinterradbremse. Bei in Deutschland verkauften Fahrrädern ist dies üblicherweise andersrum.

Vor Fahrtbeginn schaltet man das Bike über den Fahrradcomputer ein. Dessen auch bei direkter Sonneneinstrahlung gut ablesbares LED-Display zeigt neben der aktuellen Geschwindigkeit wahlweise die Gesamtkilometerzahl oder die seit dem letzten Einschalten gefahrenen Kilometer an.

Der 250-Watt-Motor ist im Moped-Modus erstaunlich stark.

Der Fahrer wählt zunächst zwischen drei Fahrmodi. Der Erste unterstützt bis 10, der Zweite bis 15 und der Dritte bis 20 Kilometer pro Stunde. Nur über den etwas zu straffen ringförmigen Gashebel erreicht das Fiido D4S seine voreingestellte Maximalgeschwindigkeit von 25 Kilometern pro Stunde. Dieser aktiviert den Motor auch, wenn man währenddessen nicht tritt. Wie bei allen Fiido-Bikes lässt sich diese Sperre einfach aushebeln, dann unterstützt der Motor bis 36 Kilometer pro Stunde.

Der 250-Watt-Motor sitzt am Hinterrad und schiebt als Tretunterstützung moderat an. Seine volle Kraft entfaltet er nur über den Gashebel. Auch kann man seine Kraft über die Tretunterstützung nicht justieren, hier gibt es gefühlt nur die Zustände Ein oder Aus. Dabei benötigt der Motor recht lang, bevor er sich zuschaltet und ebenfalls recht lang, bevor er sich wieder ausschaltet. Das kennen wir so schon vom Fiido D2S. Das deutlich teurere und legale Blaupunkt Fiene 500 regelt das besser. Eine feine Motorsteuerung ist jedoch über den Gashebel möglich.

Wir finden es nach wie vor schade, dass es kein Fiido-Bike mit deutscher Straßenzulassung gibt. Theoretisch wären neben dem Verzicht auf den Gashebel nur ein paar Kleinigkeiten nötig, um es auch für deutsche Straßen legal zu machen. Ob es möglich ist, etwa mit der Demontage des Gashebels, ein Fiido-Bike im Nachhinein legal zu machen, klären wir aktuell und berichten von den Ergebnissen in einem Folgeartikel.

Am Computer wählt der Fahrer zwischen drei Unterstützungsstufen.

Fiido gibt beim D4S unter Idealbedingungen eine Reichweite von 80 Kilometern an. Diese ist unter anderem abhängig von der gewählten Unterstützungsstufe, der gefahrenen Geschwindigkeit, dem Gewicht des Fahrers, dem Wetter, den überwundenen Höhenmetern und den Untergrundbedingungen. In unserem Fall testeten wir das D4S mit einem Fahrergewicht von 85 Kilogramm, überwiegend Asphalt, wenigen Höhenmeter und einer Mischung aus vollelektrischem Modus und Tretunterstützung. So kommen wir noch locker auf 45 Kilometer. Für ein elektrisches Faltrad ein sehr guter Wert.

Muss der 374-Wattstunden-Akku ans Netz, benötigt das 84-Watt-Netzteil gute sechs Stunden um ihn vollzuladen. Dabei kann man den im Rahmen integrierten Akku nicht entnehmen. Im schlimmsten Fall bedeutet dies, dass man das 18,5-Kilogramm-Fahrrad einige Treppen in die Wohnung tragen muss.

Das Fiido D4S kostet inklusive Versand 559 Euro (Gutscheincode: BGD4S009) und wird zunächst ausschließlich über den Online-Händler Banggood (Kauflink) verkauft. Verschickt wird aus England. Zoll sollte entsprechend kein Problem sein und die Lieferzeit ist mit zwei bis sieben Werktagen moderat. Das Fiido D4S ist seit dem 1. Juli 2020 verfügbar. Erfahrungsgemäß sind die Fiido-Bikes aufgrund ihres extrem guten Preis-Leistungs-Verhältnisses schnell ausverkauft und bis die nächsten Container mit Nachschub aus China kommen, vergehen viele Wochen.

Alternativ bieten sich weitere Fiido-Bikes an. Wir waren etwa vom klappbaren E-Fatbike Fiido M1 sehr angetan. Auch das Fiido D2S ist gut. Aktuell ist es jedoch schwierig, an die Fahrräder zu kommen, sie sind in den meisten Shops ausverkauft oder werden direkt aus China verschickt. Auch das sehr gute und mit 1500 Euro deutlich teurere Blaupunkt Fiene 500 ist aktuell ausverkauft.

Wie bei unseren anderen Fiido-Tests gilt auch hier: Schade, dass das Fiido D4S hauptsächlich wegen des Gashebels auf öffentlichen Straßen nicht erlaubt ist. Denn abgesehen davon können wir es voll empfehlen. Sein Alleinstellungsmerkmal ist ohne Frage der Preis von nur 559 Euro. Dafür ist es richtig gut verarbeitet, bietet ein tolles Fahrgefühl, kommt mit einer Akkuladung sehr weit, klappt kompakt, bietet gute Bremsen und eine gute Gangschaltung. Dabei eignet es sich endlich auch mal für richtig große Fahrer. Dafür wirken die zu langen Kabel an der Lenkstange optisch unschön und die Tretunterstützung reagiert nur verzögert.

Alternativen gibt es wenige. Zwar finden wir das E-Klapprad Fiido M1 (Testbericht) wegen seiner fetten Reifen richtig gut, aktuell ist es jedoch ausverkauft. Auch das kleine Fiido D2S (Testbericht) ist als Bike für Pendler gut, jedoch ebenfalls ausverkauft. Wer mehr Budget hat, könnte auf das sehr gute Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht) schielen. Doch wer hätte es gedacht: Es ist ausverkauft.

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