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Umidigi S2 Pro im Test: mieses Beispiel für China-Smartphones

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Die technischen Daten klingen gut: hochauflösendes 6-Zoll-Display, 6 GByte RAM, 128 GByte interner Speicher und ein 5.100-mAh-Akku. Der Vorgänger hat in der Praxis aber enttäuscht. Wie sich das Umidigi S2 Pro geschlagen hat, zeigt der Testbericht.

Der Vorgänger des Umidigi S2 Pro (Testbericht: Umidigi S2) hat seinerzeit bei uns im Test nicht besonders gut abgeschnitten. Beim Nachfolger könnte die Sache etwas anders aussehen, zumindest lassen die technischen Daten das hoffen.

Obwohl sich im Inneren ein Akku mit hoher Kapazität befindet, ist das Umidigi S2 Pro mit seiner Bauhöhe von 8,8 Millimetern noch vergleichsweise schlank. Die restlichen Abmessungen betragen 158,1 × 74,6 Millimeter bei einem Gewicht von 186 Gramm. Mit den nach hinten abgerundeten Seiten liegt das Handy mit wertig wirkendem Unibody-Metallgehäuse angenehm in der Hand, wenn es auch etwas rutschig ist. Im Lieferumfang befindet sich ein Schutzcase aus sich samtig anfühlendem Kunststoff.

Unten sitzen der USB-Type-C-Anschluss, rechts davon der Lautsprecher und links davon das Mikrofon. Lautstärkewippe und Power-Button sind auf der rechten Seite untergebracht. Beide Taster haben etwas Spiel, davon abgesehen jedoch einen guten Druckpunkt. Auf der Rückseite gibt es mittig weit oben eine Dual-Kamera inklusive LED-Blitz, direkt darunter einen Fingerabdrucksensor.

Als Antrieb kommt ein Mediatek-Chip des Typs Helio P25 zum Einsatz. Dabei handelt es sich um einen Octacore-Prozessor, es gibt also acht Rechenkerne. Vier davon sind mit einem Maximaltakt von 1,6 GHz für den sparsamen Betrieb ausgelegt, vier mit maximal 2,6 GHz, wenn Leistung gefordert wird. Dazu gibt es satte 6 GByte Arbeitsspeicher. Der interne Speicher ist 128 GByte groß, außerdem nimmt das Smartphone auch eine MicroSDXC-Karte auf. Der entsprechende Slot ist hybrid ausgeführt, anstelle der Speicherkarte nimmt er bei Bedarf auch eine zweite SIM-Karte auf. Dann wird das S2 Pro zum Dual-SIM-Smartphone, wobei nur eine der Karten im LTE-Netz mit bis zu 300 MBit/s im Downstream funkt.

Ins WLAN geht das Smartphone nach 802.11 a, b, g und n. Es unterstützt also sowohl das 2,4- als auch das 5-GHz-Band, aber nicht den aktuellen ac-Standard. Neben Bluetooth in Version 4.0 gibt es noch GPS; NFC hat das S2 Pro nicht. Der USB-Type-C-Anschluss zum Aufladen unterstützt bei Dateiübertragung nur USB-2.0-Standard. Der fest verbaute 5100-mAh-Akku wird mit der Schnellladetechnologie Pump Express Plus von Mediatek aufgeladen. Einen Kopfhörerausgang gibt es nicht, im Lieferumfang befindet sich jedoch ein entsprechender Adapter von USB-Type-C auf Klinke.

Das 6 Zoll große Display des Umidigi S2 Pro im 18:9- respektive 2:1-Format stammt von Sharp und löst 2160 × 1080 Pixel auf. Geschützt wird es von Gorilla Glas 4. Der Bildschirm konnte uns in allen wichtigen Bereichen überzeugen: An Farbwiedergabe, Blickwinkelstabilität und Schärfe gibt es nichts zu mäkeln; das Touchpanel reagiert gut und präzise auf Eingaben. Wie oft bei Mediatek-CPUs gibt es in den Systemeinstellungen (unter Display/MiraVision) noch die Möglichkeit, Kontrast, Farbtemperatur, Sättigung & Co. nach eigenen Vorlieben einzustellen.

Bild: Techstage

Bei der Hauptkamera handelt es sich um eine Dual-Knipse bestehend aus einer 13-Megapixel-Linse mit f2.0/Blende, Phasenvergleich-Autofokus, Dual-LED-Blitz und einer 5-Megapixel-Linse für Tiefenschärfeinformationen. Vorne gibt es eine 16-Megapixel-Frontcam. Geschossene Bilder mit der Hauptkamera weisen schnell ein stark wahrnehmbares Bildrauschen auf, Weiß erscheint eher gräulich und öfter sind die Schnappschüsse unscharf. Da ist es auch kein großer Wermutstropfen, dass Autofokus und Auslöser recht flink agieren. Die Frontkamera hat uns besser gefallen: Sie schießt meist recht ansehnliche Selfies.

Obwohl man bei der Kombination aus recht potentem Mittelklasse-Prozessor und 6 GByte RAM eine ordentliche Performance erwarten dürfte, sind wir in diesem Punkt enttäuscht. Das System läuft nicht so flüssig wie erwartet, öfter dauert es einen Moment, bis sich Apps öffnen und es kommt immer wieder zu Lags und Denkpausen. Wir vermutet eine schlechte Abstimmung von Soft- und Hardware, worauf in unseren Augen auch die Tatsache hinweist, dass unser Standard-Benchmark AnTuTu kein Ergebnis bringt. Das Programm hat sich zuverlässig während des Tests aufhängt, das hatten wir schon lange nicht mehr. Auch der Fingerabdrucksensor macht keinen guten Job. Es ist öfter ein Geduldspiel, bis dieser den Fingerabdruck erkennt. Weiterhin will das Umidigi Pro 2 mit einer Gesichtserkennung punkten, die allerdings genauso unzuverlässig agiert.

In Sachen Akkulaufzeit kann das Smartphone hingegen überzeugen: Zwei Tage bei starker Nutzung sind kein Problem, das Aufladen nimmt knapp zwei einhalb Stunden in Anspruch. Der Lautsprecher des Umidigi S2 Pro klingt gar nicht so übel, die Sprachqualität war im Test gut. Verbindungsabbrüche beim Telefonieren hatten wir nicht.

Umidigi installiert auf dem S2 Pro das sogenannte Umi OS, eine Anpassung von Android 7. Nicht nur optisch drückt der Hersteller dem System merklich seinen Stempel auf, auch softwareseitig – und das zum Nachteil der Usability. Den Nutzer erwarten ständige Werbeeinblendungen, oft in Verbindung mit einem eigenen, vorinstallierten App Store von Umidigi. Dieser lässt sich weder deinstallieren, noch ist es uns gelungen die Einblendungen in der Benachrichtigungsleiste zu deaktivieren. Noch nerviger sind allerdings Werbeeinblendungen auf dem Lockscreen, bei denen man manchmal gar nicht weiß, wie man diese umgeht und diese dann – wohl oder übel – erst einmal anklickt, bis es dann gelingt, auf den Homescreen zu gelangen. Irgendwann haben wir herausgefunden, dass es sich dabei um eine zusätzliche „Sperre“ handelt, die wir wohl versehentlich aktiviert haben. Und nach einiger Suche gelang es uns sogar, diese wieder zu deaktivieren. Allerdings haben wir das Gefühl, dass der Hersteller es dem Nutzer bei der ganzen unerwünschten Werbung so schwer als möglich macht, dieser Herr zu werden.

Umidigi S2 Pro rot

Schwarz

Umidigi S2 Pro rot

Rot

Prinzipiell ist das Umidigi Pro 2 kein schlechtes Smartphone: Optik und Haptik, Verarbeitung, Display und Akkulaufzeit sind gut, dann geht es allerdings auch schon los mit den Kritikpunkten. Die Kameraqualität ist nur so lala, die Performance schlechter, als sie eigentlich sein sollte und die Software ein einziger Nervfaktor. So macht man sich keine (Kunden-)Freunde! Wir können vom Kauf dieses für ein China-Smartphone auch nicht gerade günstigen Handys – vor allem ob letztgenanntem Grund – somit auch nur abraten.

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Unser Testgerät wurde uns freundlicherweise von GearBest zur Verfügung gestellt. Danke hierfür!

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