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Umidigi S2: 6-Zoll-China-Phablet mit 18:9-Display im Test

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Der Trend geht bei Smartphones zu 18:9-Displays, das sieht man auch bei den chinesischen Herstellern. Das S2 von Umidigi ist beispielsweise ein solches Gerät. Aufgrund dieses Display-Verhältnisses und recht schmaler Ränder kommt es trotz einer Diagonale von 6 Zoll noch recht kompakt daher. Was das Handy alles auf dem Kasten hat, dass haben wir uns die letzten Tage genau angeschaut.

Das Umidigi S2 steckt in einem 158,1 × 74,6 × 8,8 Millimeter großen Unibody-Metallgehäuse. Das Smartphone wiegt 186 Gramm. An der Verarbeitung gibt es nichts zu meckern, das Handy macht optisch und haptisch einen guten Eindruck. Die Vorderseite wird zum größten Teil vom Display eingenommen. Links und rechts sind die Ränder recht schmal, oben und unten allerdings breiter als es Produktabbildungen des Herstellers suggerieren. Oberhalb des Bildschirms befinden sich die Frontkamera und – etwas versteckt innerhalb des Lautsprechergitters – eine Benachrichtigungs-LED. Diese leuchtet jedoch so schwach, dass man sie nur schwer erkennt.

Auf der Rückseite sitzen mittig oben untereinander zwei Kameralinsen, ein LED-Blitz und ein Fingerabdruckscanner. Lautstärkewippe und Powerbutton haben einen guten Druckpunkt und sind auf der rechten Seite des Gerätes untergebracht. Der Kartenslot links hat einen SIM- und einen Hybridslot für eine SIM- oder eine microSDXC-Karte. Unten gibt es dann noch den Lautsprecher und einen USB-Type-C-Anschluss.

Für die Leistung zeigt sich beim Umidigi S2 ein Helio-P20-SoC von Mediatek verantwortlich. Er hat acht Cortex-A53-Kerne. Vier davon laufen mit einem Maximaltakt von 1,6 GHz und vier davon mit einem Maximaltakt von 2,3 GHz. Bei der zugehörigen Grafikeinheit handelt es sich um eine Mali-T880-GPU. Neben 4 GByte Arbeitsspeicher gibt es 64 GByte internen Speicher. Wie viele China-Smartphones hat das Umidigi S2 einen Hybridslot. Dieser kann entweder eine microSDXC-Karte zur Speichererweiterung, oder aber eine zweite SIM-Karte für Dual-SIM-Betrieb aufnehmen kann. Im mobilen Internet unterstützt das Handy LTE inklusive des bei China-Geräten nicht selbstverständlichen Band 20 (800 MHz), ins WLAN geht es nach 802.11 a, b, g und n.

Zur weiteren Ausstattung des Umidigi S2 gehören ein Fingerabdrucksensor, eine Benachrichtigungs-LED, Bluetooth in Version 4.0, GPS und ein Kompass. Zur Datenübertragung und zum Aufladen gibt es einen USB-Type-C-Anschluss. Einen 3,5-Millimeter-Klinkeneingang hat das Handy nicht, für kabelgebundenen Kopfhörereinsatz muss der Nutzer auf einen im Lieferumfang befindlichen Adapter von USB-Type-C auf Mini-Klinke zurückgreifen.

Der fest verbaute Akku des Phablets hat eine Kapazität von 5100 mAh und wird über das beiliegende Netzteil per Schnelladetechnologie aufgetankt. Es handelt sich dabei um Mediateks „Pump Express Plus“ mit maximal 15 Watt Ausgangsleistung am Ladegerät. Neben dem Ladegerät gehört noch eine brauchbare Schutzhülle zum Lieferumfang. Diese besteht aus sich etwas rau anfühlendem Kunststoff in einer Art Stein-Optik.

Das 6 Zoll große Display mit 18:9-Seitenverhältnis löst 1440 × 720 Pixel auf und kommt somit auf eine Pixeldichte von nur 268 ppi (Pixel per Inch). Das ist alles andere als zeitgemäß. Dementsprechend konnte uns der Bildschirm auch nicht sonderlich begeistern. Wer schon mal eine Weile ein Gerät mit Auflösungen von 1080p oder höher genutzt hat, der bemerkt einen deutlichen Unterschied in Sachen Schärfe und Klarheit. Blickwinkelstabilität und Farbdarstellung hingegen sind zufriedenstellend und auf Eingaben reagiert das Panel zuverlässig.

Bild: Techstage Das Display hinkt mit seiner geringen Auflösung der Zeit hinterher.

Was das Screen-to-Body-Ratio angeht, nehmen wir dem Hersteller die versprochenen 90 Prozent nicht ab. Zwar sind die Ränder nicht übermäßig ausladend, allerdings – gerade unten und oben – noch zu groß um dem Begriff Full-Screen-Phone gerecht zu werden. Wir messen knapp 1,1 Zentimeter oberhalb und 1,2 Zentimeter unterhalb des Bildschirms. Würden die Dimensionen mit der Abbildung des Umidigi S2 auf der Produktseite übereinstimmen, wären die Behauptungen vom Hersteller eventuell korrekt – dass dort mit Photoshop nachgearbeitet wurde, sieht jedoch selbst ein Blinder mit Krückstock.

Die Dualkamera auf der Rückseite besteht aus einer 13-Megapixel-Knipse mit f/2.0-Blende, Phasenvergleich-Autofokus und Dual-LED-Blitz und einer 5-Megapixel-Kamera für Tiefenschärfe. Die Frontcam hat eine Auflösung von 5 Megapixel. Sowohl Autofokus als auch der manuelle Fokus reagieren sehr träge und brauchen gefühlt eine Ewigkeit.

Bild: Techstage Der Bokeh-Effekt sieht sehr künstlich aus.

Die 5-Megapixel-Kamera des Dual-Cam-Setups, die sich anscheinend nur für einen Unschärfeeffekt verantwortlich zeigt, hätte sich der Hersteller auch sparen können. Bokeh-Aufnahmen machen mit dem S2 nämlich nichts her. Was prinzipiell die Kameraqualität angeht, konnte uns das Umidigi S2 ebenfalls nicht überzeugen. Aufnahmen sind meist verwaschen, in Teilbereichen unscharf und blass.

Mit seinem Helio-P20-Prozessor und dem 4 GByte großen Arbeitsspeicher kommt das Umidigi S2 im AnTuTu-Benchmark auf knapp 60.000 Punkte. Im Geekbench waren es 869 Punkte im Single-Core- und 3751 Punkte im Multi-Core-Score. Das sind ordentliche Werte, die in der Regel für eine gute Performance stehen, wie wir schon bei anderen Smartphones mit dem Mediatek-Prozessor beobachten konnten (Meiigoo M1 Testbericht, CAT S41 Testbericht, Sony Xperia XA1 Ultra Testbericht).

Und in der Tat zeigt sich das S2 in der Praxis flüssig und reagiert auch beim Wechseln von vielen gleichzeitig geöffneten Apps zufriedenstellend. Selbst grafiklastigere Games konnten wir im Test ohne Einbußen bezüglich der Performance oder der Optik spielen. Dabei handelte es sich um Modern Combat 5, Real Racing 3 und Gangstar Vegas.

Der Hersteller verspricht beim S2 eine Laufzeit von 2 Tagen. Dazu ist der 5100-mAh-Akku auch absolut zu in der Lage. Auch bei ausgiebiger Nutzung haben wir es im Testzeitraum nicht geschafft, diese Marke zu unterschreiten. Das Aufladen dauerte trotz Mediateks Schnellladetechnologie Pump Express Plus bei uns im Test recht lange: Erst nach fast drei Stunden war der Akku komplett aufgeladen.

Der Lautsprecher am unteren Rand des Telefons klingt recht ordentlich und bringt eine hohe Lautstärke. Der Fingerabdrucksensor reagiert verhältnismäßig schnell, allerdings erkannte er nicht immer beim ersten Mal unseren Finger.

Neben der schlechten Kameraqualität hat das Umidigi S2 noch eine große „Problemzone“, die Software. Auf dem Handy läuft noch Android in Version 6. Zwar konnten wir bei unseren letzten China-Handy-Tests beobachten, dass viele Hersteller mittlerweile regelmäßig Updates veröffentlichen, zu einem Update auf Android 7 oder 8 beim Umidigi S2 gibt es bislang allerdings keine Informationen.

Was die Optik des User Interfaces angeht orientiert sich Umidigi an Stock-Android, nervige Bloatware ist keine vorinstalliert. Unter der Haube gibt es einige wenige zusätzliche Softwarefeatures. Beispielsweise kann der Nutzer den Fingerabdruckscanner zum Aufnehmen von Fotos, zum Annehmen von Anrufen oder zum Anfertigen von Screenshots verwenden und hat Zugriff auf mehrere Stromsparmodi.

Umidigi S2 schwarz

Schwarz

Umidigi S2 rot

Rot

Aufgrund der beschriebenen Kritikpunkte, vor allem der schlechten Kameraqualität und der veralteten Software, bietet das Umidigi S2 kein gutes Preisleistungsverhältnis. Schon für weniger Geld bekommt man bessere Geräte, im Bereich der China-Phones beispielsweise das Vernee Thor Plus (Testbericht) für um die 150 Euro oder das noch etwas günstigere Vernee M5 (Testbericht). Aber auch namhafte Hersteller bieten teils mehr, so zum Beispiel Motorola mit seinem Moto G5s (Testbericht), Gigaset mit dem GS270 Plus (Testbericht) oder Nokia mit dem Nokia 5 (Testbericht).

Das Testgerät des Umidigi S2 wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt von GearBest.

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