UV-Licht an, Viren und Keime aus? Cleansebot Roboter im Test | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

UV-Licht an, Viren und Keime aus? Cleansebot Roboter im Test

von  // 

UV-Licht tötet Viren und Keime. Das Prinzip nutzt der 60 Euro teure Cleansebot und wendet es auf Betten, Sofas, Tastaturen, Smartphones und Co an. Wir haben ihn getestet.

Der Cleansebot soll dank vier UV-C-Lampen Oberflächen entkeimen. Das geht entweder händisch, oder er fährt vollautomatisch ähnlich einem Staubsaugroboter zum Beispiel das Hotelbett ab – auch unter der Decke. Wir haben ihn ausprobiert.

Studien sind sich darüber einig, dass UV-C-Licht Bakterien und Viren auf Oberflächen eliminieren kann. Die besonders energiereiche Strahlung zerstört dabei die molekulare Bindung, welche die Erbsubstanz zusammenhält. Dieses Prinzip nutzt man schon seit Jahren, um OP-Ausrüstung zu dekontaminieren, Wasser aufzubereiten und Lebensmittel (Studie) keimarm zu verarbeiten.

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie gibt es weltweit Überlegungen und Ansätze, diese Eigenschaften von UV-Licht auch in anderen Bereichen zu nutzen. So desinfiziert etwa in Shanghai eine Art Waschstraße die Nahverkehrsbusse mit UV-Licht, Moskau macht vergleichbares mit seinen U-Bahnen. Auch privat lässt sich dieses Prinzip nutzen. So zeigen etwa unsere Kollegen von der Make, wie man eine Nagelstudiolampe zum Maskenentkeimer umfunktioniert.

Cleansbot UV-Licht-Roboter in Bildern (18 Bilder)

Wichtig für die Entkeimung sind Lichtintensität, Einwirkdauer und Wellenlänge des Lichts. Die Wellenlänge der Lampen am Roboter liegt laut einer von Cleansebot in Auftrag gegebenen Studie des Guangzhou Instituts für Mikrobiologie und des Guangzhou Testzentrums für industrielle Mikrobiologie bei 254 Nanometern. Sie bestätigt in einem Test außerdem die antibakterielle Wirkung anhand von 30 Sekunden lang mit dem Cleansebot belichteten e.coli-Bakterien. Das schreibt zumindest der Hersteller des Bots auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo.

Diese Wellenlänge von 254 Nanometern gehört zu den kurzwelligen UV-Strahlungen und ist in kommerziellen Desinfektionsgeräten üblich. Über die Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat die Europäische Kommission den wissenschaftlichen Ausschuss für Gesundheits-, Umwelt- und aufkommende Risiken (SCHEER) um eine Risikobewertung ersucht. SCHEER kam 2017 zu dem Ergebnis, dass das seit vielen Jahrzehnten eingesetzte UV-C-Licht bisher nur wenige bekannte auf versehentliche Exposition oder missbräuchliche Anwendungen zurückzuführende Unfälle verursacht hat. „Ob diese Lampen sicher sind, kann der SCHEER jedoch nicht abschließend bewerten, weil zu wenige Studien zur Exposition des Menschen unter normalen Verwendungsbedingungen vorliegen.“ Die Anleitung des Cleansebot rät davon ab, direkt in das UV-Licht zu schauen.

Der Cleansebot hat die Form eines UFOs aus einem 60er-Jahre-Film. Dabei ist er mit einem Durchmesser von gut 14 Zentimetern, einer Höhe von etwa 5 Zentimetern und einem Gewicht von 430 Gramm kompakt und leicht genug, um ihn auf Reisen problemlos im Rucksack zu transportieren. Ecken und Kanten sucht man vergeblich. Er besteht überwiegend aus einem weißen Kunststoff, der mit regelmäßiger Nutzung einen gelblichen Stich bekommen dürfte; schließlich beschleunigt UV-Licht den Alterungsprozess von Kunststoff.

Die zwei Elemente des Cleansebot haften magnetisch aneinander.

Der Cleansebot besteht aus zwei magnetisch aneinander haftenden Teilen, die vergleichbar einem Burger auseinandergenommen werden können. Zusammengeklappt sitzen auf der einen Seite ein Gummiband, auf der anderen zwei UV-C-Leuchtstoffröhren, ein Taster sowie ein Sensorfeld. Nimmt man den Part mit dem Gummiband ab, der im Grunde nur die Funktion eines Deckels hat, zeigen sich auf der Unterseite zwei weitere UV-C-Lampen, zwei gummierte Rollen, ein verschlossenes Fach für den wechselbaren 9,6-Wattstunden-Akku und zahlreiche um den Rand positionierte Sensoren. Cleansebot spricht von 18 Stück. Die UV-C-Röhren sind etwa 6,5 Zentimeter lang und etwas nach innen versetzt. Ein Glas schützt die zwei außenliegenden Leuchtmittel vor Beschädigungen.

Insgesamt macht der Cleansebot einen hochwertigen Eindruck. Die Entwickler haben offenbar viel Zeit in Design und eine wertige Verarbeitung investiert.

Das Gummiband am Cleansebot dient als Haltegriff.

Der Cleansebot bietet zwei unterschiedliche Methoden, Oberflächen zu entkeimen. Zusammengeklappt kann man ihn am Gummiband hochheben und beliebige Oberflächen behandeln. Nähert man sich so einem Objekt, erkennt das der Sensor und schaltet die außenliegenden UV-Lampen ab einem gewissen Abstand ein. Nun soll man Oberflächen wie Kissen, Lichtschalter, TV-Fernbedienungen, Armaturen, Spielzeug, Tastaturen, Mäuse und Smartphones mit einem Abstand von 2,5 bis 7,5 Zentimetern entkeimen.

Cleansebot weist darauf hin, dass man schwarze und reflektierende Oberflächen meiden soll. Das widerspricht der Empfehlung, den Cleansebot auf Smartphones anzuwenden. Schließlich ist zumindest die Vorderseite stets sowohl schwarz als auch reflektierend.

Aufgeklappt navigiert der Cleansebot dank seiner zwei Rollen ähnlich einem Staubsaugerroboter (Kaufberatung von 50 bis 1000 Euro) über Flächen. Dabei macht er einen sehr guten Job, unebene Flächen zu überwinden. Matratzen, Decken und Kissen stellten ihn selten vor echte Herausforderungen. Seine Sensoren sollen verhindern, dass er über Kanten fährt und dann zum Beispiel vom Bett fällt. Das klappt jedoch nicht immer zuverlässig. Während er auf zwei getesteten Sofas auch nach 30 Minuten nicht abstürzte, verweigerte er auf zwei weiteren stets das Erkennen einer Absturzkante. Beim Testbett mit weißem Baumwollbezug blieb er auf dem Bett, ohne herunterzufallen. Dabei zieht er auch unter einer Decke seine Bahnen und aktiviert hier zusätzlich die oben liegenden UV-Lampen, um Decke und Matratze gleichzeitig zu belichten. Der Hersteller empfiehlt je nach Größe des Bettes eine Reinigungszeit von 30 bis 60 Minuten.

Dank seiner zwei gummierten Rollen überwindet der Cleansebot Hindernisse meist problemlos.

Der Cleansebot fährt Oberflächen nach dem Chaosprinzip ab, seine Bahnen sind also zufälliger Natur. Wer einen Eindruck der Navigation und Kantenerkennung gewinnen will, kann sich dieses Video anschauen. Dort fährt der Cleansebot knapp zehn Minuten lang auf einer Ottomane, bevor er dann doch abstürzt.

Der Cleansebot hat neben dem USB-C-Port zum Laden des Geräts auch einen klassischen USB-A-Port. Über ihn ist er als Powerbank etwa für das Smartphone nutzbar. Mit einer vollen Ladung fährt er etwa 90 Minuten lang selbstständig Flächen ab. Danach benötigt der Akku am nicht mitgelieferten Netzteil fünf Stunden, bis er wieder voll ist.

Als der Cleansebot Anfang 2019 erfolgreiche über Crowdfunding finanziert wurde, kostete er Backer etwa 100 Euro. Danach stieg sein Preis zwischenzeitlich auf über 250 Euro. Mittlerweile ist er deutlich im Preis gefallen. So kostet er auf Geekmaxi (Kauflink) mit dem Gutscheincode K91GDPK6 60 Euro, verschickt wird aus einem europäischen Lager. Andere Händler wollen für das Gerät ab 65 Euro.

Hilft der Cleansebot nun, Oberflächen von Keimen und Viren zu befreien oder nicht? Diese Frage können wir nicht abschließend beantworten. Studien zeigen, dass UV-C-Licht zwar einen entkeimenden Effekt hat. Dieser ist abhängig von der Wellenlänge, der Stärke der Lampe und dem Bestrahlungszeitraum. Allerdings können wir dies nicht beim Cleansebot nachweisen – dafür fehlt uns schlicht Erfahrung und Ausrüstung in Form von Bakterienkulturen, Petrischalen, steriler Umgebung und so weiter. Cleansebot behauptet, ihre UV-Röhren leuchten im 254-nm-Wellenbereich und sind ausreichend stark. Dies bestätigt auch einen von ihnen selbst in Auftrag gegebene Studie. Der kann man glauben – oder eben nicht.

Bezüglich Optik, Haptik und Mobilität überzeugt der Cleansebot. Im Handheld-Modus gibt es nichts zu beanstanden. Im selbst navigierenden Automatikmodus fährt er zwar zuverlässig auch über grobe Unebenheiten, stürzt jedoch trotz zahlreicher Sensoren zu regelmäßig ab. Der Akku ist stark genug. Die Möglichkeit, den Cleansebot auch als Powerbank zu nutzen, ist gerade auf Reisen ein nettes Extra.

Letztendlich hilft der Cleansebot seinen Nutzern auch dabei, ein besseres Gefühl zu bekommen. Allerdings sollte man sich mit dem Cleansebot, selbst wenn man ihm eine stark desinfizierende Wirkung unterstellt, vor allem in Bezug auf den neuen Corona-Virus nicht in Sicherheit wiegen. Wie noch recht jungen Studien nahelegen, überträgt sich dieser überwiegend über die Luft und nur zu einem recht geringen Anteil über Schmierinfektionen von Oberflächen.

Nicht so mobil wie der Cleansebot, dafür zu Hause zuverlässige Staubentferner, sind Staubsaugroboter. Wir empfehlen dazu unsere Kaufberatung Staubsaugroboter von 50 bis 1000 Euro. Wer aktuell ein Fieberthermometer sucht, der sollte sich unseren Ratgeber Von Low- bis High-End: Drei Fieberthermometer im Vergleich durchlesen.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben