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UHD-OLED-TV Sony KD-65AG9 im Test: Schwärzestes Schwarz

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Mit dem 4K-Fernseher KD-65AG9 zeigt Sony, wie gut OLED sein kann. Wir testen den TV, finden viel Licht aber auch etwas Schatten.

Rund 2700 Euro verlangt Sony für seinen 65 Zoll großen OLED-TV KD-65AG9, der Inhalte mit UHD (3840 × 2160) Bildpunkten darstellt. Wir haben den flachen 4K-TV getestet und prüfen, ob er sein Geld wert ist. Der Sony OLED TV erscheint im Rahmen unserer Themenwelt UHD TVs. Dort sind bereits Tests zum OLED-TV Philips 55OLED803 (Testbericht), dem LCD Panasonic TX-65FXW784 sowie dem QLED Samsung GQ65Q90R (Testbericht) erschienen. Wer eine Alternative mit mehr Raum fürs Bild sucht, dem empfehlen wir die Themenwelt Kurzdistanz-Beamer.

Mit dem UHD-TV KD-65AG9 spielt Sony alle Stärken eines OLED-Fernsehers aus. Der Bildschirm mit seiner Diagonale von 163,9 cm steht direkt auf dem Standfuß. Der hebt den Fernseher nur minimal an, so dass der Eindruck entsteht, der TV steht plan und stabil auf dem Fernsehtisch oder im Regal. Dazu kommt, dass Sony die Elemente auf der Rückseite mittig verbaut hat und man so seitlich vor allem das schmale Display sieht. Bezüglich des Designs ein cleverer Schachzug, der allerdings die Anschlüsse etwas nach innen verlagert. Da sich der TV auf dem Standfuß nicht drehen lässt, muss den Fernseher immer etwas auf die Seite schieben, wenn man eine Komponente an- oder umstecken will. Schade, dass sich Sony hier nicht von der Connection-Box von Samsungs GQ65Q90R (Testbericht) inspirieren ließ, die Anschlüsse komplett vom TV trennt.

Bei den Anschlussmöglichkeiten lässt der KD-65AG9 wenig Wünsche offen. Es gibt vier HDMI-Anschlüsse, die HDCP 2.3 bieten. Einer davon unterstützt eARC, hier bietet sich etwa der Anschluss einer Soundbar (Themenseite) an. Nur ein HDMI-Anschluss ist seitlich zugänglich, die andern gehen nach unten weg. Seitlich gibt es zudem zwei USB-Anschlüsse, ein weiterer USB-Steckplatz mit USB-3 geht nach unten weg. Dieser Anschluss bietet sich für eine externe Festplatte an, im Test konnten wir einfache 2,5-Zoll-Festplatten problemlos am Gerät betreiben.

Die Anschlüsse am unteren Ende des TVs.

Abschließend hat der KD-65AG9 zwei Eingänge für Satelliten TV, einen für Antenne oder Kabel, sowie ein CI+-Modul für die Entschlüsselung von Fernsehprogrammen.

Der Aufbau ist vergleichsweise einfach, sollte aber unbedingt von zwei Personen durchgeführt werden. Das 65-Zoll-Display ist sonst einfach zu unhandlich. Grundsätzlich werden zuerst zwei Winkel auf die Bodenplatte geschraubt, anschließend wird das Display aufgesetzt und handfest angeschraubt. Simpel und effektiv.

Im Sony KD-65AG9 arbeitet Android als Betriebssystem. Das macht das Setup vergleichbar mit dem Aufsetzen eines neuen Telefons. Wer bereits einen Google-Account hat, kann den hier verknüpfen und darüber dann neue Apps installieren. Etwas schade ist, dass die Fernbedienung (die übrigens Bluetooth statt Infrarot nutzt) keine vollwertige Tastatur besitzt. Ja, man kann dem TV auch per Mikrofon Anweisungen erteilen, bei der Eingabe komplexer Passwörter (etwa für WLAN oder das Google-Konto) wäre aber eine vollständige Tastatur hilfreich.

Die Fernbedienung zum KD-65AG9 ist per Bluetooth mit dem TV gekoppelt. Es fehlt aber leider eine vollständige Tastatur, etwa zur Eingabe von komplexen Passwörtern.

Während des Setups kann man auch die TV-Sender einrichten. Mit einer passiven DVB-T2-Antenne dauerte das einige Minuten, anschließend wurden aber die kostenlos empfangbaren Sender sinnvoll sortiert und aufgelistet.

Wer keine Lust auf Live-TV hat, dank Android hat man Zugriff auf die üblichen Streaming-Dienste und -Portale. Netflix ist dabei nicht nur vorinstalliert, sondern hat ebenso wie Google Play eine feste Taste auf der Fernbedienung. Ins Internet kommt der TV übrigens per WLAN (Wifi 5) oder über den Ethernet-Anschluss.

Sony stattet den Fernseher mit Chromecast aus. Damit kann man direkt vom Android-Handy oder aus Chrome heraus Inhalte auf dem TV wiedergeben. Das funktioniert im Test einwandfrei und ist eine ziemlich bequeme Art, um Fotos auf dem fantastischen Display zu zeigen. Zusätzlich lassen sich Bilder, Musik oder Videos von einem UPnP-Server im Netzwerk streamen.

Wie bereits erwähnt besitzt der TV ein Mikrofon, über das man per Sprache Anweisungen erteilen kann. Damit kann man beispielsweise über die Google Suche nach Filmen, Kategorien oder Begriffen suchen. Alternativ ist der TV mit Alexa kompatibel, lässt sich also per Sprache über die Echo-Geräte (Themenseite) steuern.

Kurz: Das OLED-Display des Sony KD-65AG9 ist sensationell. Der X1-Ultimate-Bildprozessor zaubert satte Farben auf den Bildschirm, die vor allem durch den starken Kontrast zum echten Schwarz richtig hervorstechen. Hier zeigt sich einfach die Stärke von OLED an die kaum ein LCD-basierter TV herankommt.

Allerdings darf man sich zu Beginn nicht von der vermeintlich niedrigen Helligkeit täuschen lassen. In Menüs oder bei Standbildern ist der TV bei weißen Flächen tatsächlich nicht sehr hell. Im Durchschnitt maßen wir im hellsten Modus knapp 139 cd/m2 über ein komplett weißes Bild auf der gesamten Fläche. Bei Filmen dreht der Bildprozessor richtig auf und hebt weiße und helle Bereiche dediziert hervor. So konnten wir in Fast & Furious 7 über 750 cd/m2 in einzelnen, hellen Bildabschnitten messen.

Interessant ist, dass die Abmischung des jeweiligen Films massiven Einfluss auf die Wahrnehmung der Helligkeit hat. Fast & Furious 7 etwa ist insgesamt ein recht heller Film, dessen maximale Helligkeit sich dann aber vergleichsweise wenig von anderen Szenen abhebt. Im Vergleich dazu spielt Avengers: Infinity War deutlich mehr mit Hell und Dunkel. Die Szene, in der die fliehenden Ex-Avengers in Wakanda landen beinhaltet einen prominenten „God Ray” der am Himmel stehenden Sonne. Das wirkt enorm hell, dabei maßen wir aber um die 580 cd/m2. Eine weitere Szene, bei der Thor die Iris des Neutronensterns Nidavellier öffnet und einen gebündelten Energiestrahl zur Schmiede schickt, schaffte rund 680 cd/m2. Das ist dunkler als bei Fast & Furious 7, wirkt aber aufgrund des krassen Kontrasts zu den gedämpften Farben deutlich stärker.

Die seitlichen Anschlüsse. Ganz oben sitzen die Federklemmen, mit denen der Sony-TV zum Center-Lautsprecher in einem Surround-Sound-System wird.

Es lohnt sich nicht nur die Voreinstellungen zum Bild zu nutzen, sondern selbst Hand anzulegen. Uns hat die Voreinstellung „Brilliant“ am besten gefallen, sobald wir die Farben in den Einstellungen von 60 auf 45 gestellt hatten. Damit bekommt man das hellste Weiß, ohne dass die Farben der Schauspieler überzogen und falsch wirken.

Seine Stärken spielte das HDR-taugliche Display bei Videospielen aus. Sowohl Spider-Man auf der Playstation 4 Pro wie auch Mario Kart 8 Deluxe auf der Nintendo Switch wirkten gestochen scharf. Man merkt einfach, wie gut der Bildprozessor mit HDR10 und Dolby Vision die Anweisungen der komplett digitalen Inhalte umsetzen und aufpolieren kann. Es war einfach eine Freude, sich durch das digitale New York zu schwingen oder sich mit anderen Redakteuren Verfolgungsjagden zu liefern.

Und das, obwohl die Switch (Testbericht) die Inhalte nur in 1080p liefert. Überhaupt, das Upscaling gefiel uns im Test enorm gut. Selbst das DVB-T2-Signal sah mehr als brauchbar aus, egal ob in Filmen oder Nachrichten. Lediglich bei alten DVD-Folgen der Schreckich netten Familie merkte man dem Ausgangsformat sein Alter an. Wobei das 4:3-Format den Inhalten dabei auch nicht gerade hilft. Sprich, wer nicht ständig alte VHS-Aufnahmen oder ältere DVD-Serien ansieht, dem fällt kaum auf, dass die Aufnahmen nicht nativ in UHD auf dem TV ankommen.

Ein paar Kritikpunkte haben wir bei der Wiedergabe von USB-Sticks. Nicht nur, dass der TV das Bilderformat PNG nicht erkennt. Bei einer Testfestplatte voller Videoclips wurden nicht alle Ordner eingelesen, entsprechend konnten wir nur einen Teil der Inhalte ansehen. Das ist meckern auf hohem Niveau, schließlich kann man bequem per UPnP streamen. Für den TV spricht wiederum sein exzellenter Blickwinkel, der jedem auf dem Sofa ein vernünftiges Bild bietet.

Ein so schmaler TV klingt auch schmal, oder? Mitnichten. Klar, mit einem echten Surround-System oder einer vernünftigen Soundbar kann der Sony KD-65AG9 nicht mithalten. Doch der Klang war dennoch insgesamt sehr gut, Filme und Spiele lassen sich damit problemlos genießen. Kein Wunder, Sony nutzt mit einer Technik namens Acoustic Surface Audio+ die Displayfläche, um den Klang wiederzugeben. Das verschafft dem schmalen TV einen erstaunlich guten Klang. Wer dennoch mehr möchte, dem empfehlen wir eine Soundbar. Unser Vergleichstest zu 2.1-Soundbars stellt vier günstige Systeme vor.

Was uns besonders gut gefallen hat: Seitlich am TV sind zwei Federklemmen, mit denen sich der TV als Center-Lautsprecher in ein 5.1-System integrieren lässt. Das ist eine clevere Erweiterung fürs Heimkino und spart die Suche nach einem Standplatz für den Center-Speaker.

Alternativ kann man per Bluetooth einen kabellosen Kopfhörer mit dem TV koppeln. Im Test nutzen wir das True-Wireless-Headset Melomania 1 von Cambridge Audio (Testbericht). Der Ton kam klar und ohne merkbare Verzögerung zum Bild im Ohr an. Eine gute Lösung für alle, die etwa Nachts mit ordentlichem Sound Filme sehen oder Spiele zocken möchten.

Die Achillesferse eines OLEDs ist der Strombedarf. Das merkt man auch beim KD-65AG9, der bereits ab Haus nur eine „B”-Einordnung bei der Energieeffizienz bekommt. Im Modus „Standard” maßen wir einen Verbrauch zwischen 97 Watt beim Fernsehen, bis zu 154 Watt bei Blue Rays und bis zu 200 Watt beim Gaming. Der noch hellere „Brilliant”-Modus schlägt da noch mehr zu, Sony selbst gibt einen Bedarf von bis zu 490 Watt in der Spitze an. Im Standby sollte der zwar auf 0,5 Watt fallen, wenn aber Software oder das EPG aktualisiert werden, können schonmal um die 20 Watt anfallen. Anders gesagt: Wer einen stromsparenden Fernseher sucht, der ist bei OLED falsch.

Sony KD-65AG9

Sony KD-65AG9

Sony KD-55AG9

Sony KD-55AG9

Sony KD-77AG9

Sony KD-77AG9

Der Sony KD-65AG9 ist kein billiger Fernseher. Wer das Geld in die Hand nimmt, der bekommt einen großen TV, der ein exzellentes Bild liefert. Und das nicht nur aus UHD-Quellen, sondern gerade auch der Upscaler macht einen sehr guten Job. Ebenfalls gut ist der Klang, etwas, das wir bei diesem dünnen Design nicht erwartet hatten.

Negativ fällt aber der Strombedarf sowie einige Kleinigkeiten bei den abspielbaren Datenformaten ins Gewicht. Wer aber nicht den Großteil seiner Inhalte von USB konsumiert, der wird das wahrscheinlich kaum merken.

Alles in allem bündelt der KD-65AG9 die Vorteile von OLED mit einem modernen, zukunftstauglichen Betriebssystem, einer breiten App-Auswahl und einem sehr guten Bild.

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