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Trace 1 von Akaso im Test: Dashcam mit zweiter Linse

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Full-HD-Auflösung, Bewegungssensor, zusätzliche Innenraum-Kamera und moderater Preis – die Dashcam Trace 1 klingt verlockend. Wir haben sie getestet.

Wenn es im Straßenverkehr kracht, steht oft die Schuldfrage im Raum. Wer sich absichern möchte, braucht handfeste Beweise. Diese dürfen nach einem Urteil des BGH auch in Form eines Videos vorgelegt werden.

Unter bestimmten Bedingungen sind Aufzeichnungen einer Dashcam als Beweismittel bei Unfällen zulässig (BGH-Urteil vom 15. Mai 2018 – VI ZR 233/17). Grundsätzlich verstoßen die Aufnahmen gegen das Datenschutzrecht. Eine Ausnahme sind kurze, anlassbezogene Aufzeichnungen eines Unfallgeschehens. Letztlich bedeutet dies, dass die Videoaufzeichnungen der Dashcam nur dann erlaubt sind, wenn sie lediglich einen kurzen Zeitraum um das Unfallgeschehen speichern. Videos, die keinen Unfall zeigen, dürfen nicht gespeichert und erst recht nicht im Internet veröffentlicht werden. Mehr dazu in unserem Ratgeber
So erfüllen Dashcams alle Kriterien.

In der Vergangenheit haben wir bereits folgende Modelle getestet:

Das Äußere der Trace 1 von Akaso erinnert mehr an eine Actioncam als an eine Dashcam. Einzig die aufgesteckte Frontscheiben-Halterung und die zweite, nach hinten gerichteter Linse unterscheiden die Auto-Kamera von Gopro und Co. Die Halterung funktioniert mittels eines starken Saugnapfs. Dank einer Verriegelung ist der Halt ordentlich, die Kamera hängt auch bei sportlicher Fahrweise zuverlässig an ihrem Platz.

Auf der Vorderseite sitzt das lichtstarke Front-Objektiv mit einem Sichtwinkel von 170 Grad und einer Blende von f/1,8. Die linken zwei Drittel der Rückseite nimmt der 2-Zoll-Monitor ein. Rechts davon sitzen das zweite 170-Grad-Objektiv und vier Infrarot-Dioden. Diese sorgen auch bei Dunkelheit für ein kontrastreiches schwarz-weiß-Bild des Innenraums.

Auf der linken Seite sind der On-Off-Taster, Mikrofon und Micro-SD-Kartenslot angebracht. Die maximale Größe der Speicherkarte beträgt 128 GByte. Auf der Unterseite sitzen vier Bedientaster und der Reset-Taster. Der Mini-USB-Eingang für die Stromversorgung sitzt auf der Gehäuse-Oberseite. Das Micro-USB-Netzteil für den Zigarettenanzünder ist mit 2 m Länge ausreichend dimensioniert. Was uns gut gefällt, sind die im Lieferumfang enthaltenen Kabelhalter, die bei der ordentlichen Verlegung im Auto-Innenraum helfen.

Neben Kamera, Scheibenhalterung, Kabelhalter und 12-V-Netzteil gehört auch ein USB-auf-Micro-USB-Kabel und ein Werkzeug zum lösen des Saugnapfs zum Lieferumfang.

Das Gewicht inklusive Halterung liegt bei lediglich 98 Gramm. Ohne Halterung sind es nur 69 Gramm. Damit ist die Kamera deutlich leichter als das kürzlich von uns getestete Modell 422GW von Nextbase. Qualitativ bemerkt man den Unterschied vor allem in Sachen Haptik. Die Trace 1 fühlt sich deutlich weniger wertig und stabil an. Die Verarbeitung gibt aber keinen Grund zur Beanstandung. Die Kanten und Spaltmaße sind ordentlich und gleichmäßig.

Zum Lieferumfang gehört auch ein Werkzeug zum Lösen des Saugnapfs.

Die Menüführung der Akaso-Dashcam ist zwar übersichtlich, aber weniger intuitiv als bei teuren Markengeräten. Das liegt insbesondere an den verhältnismäßig vielen Bedientasten. Verglichen mit anderen günstigen Dashcams ist das aber Gejammer auf hohem Niveau. Die Bedienung ist insgesamt gut verständlich und funktioniert zuverlässig.

Bei der Anbringung an der Frontscheibe ist die Trace 1 deutlich weniger flexibel als andere Dashcams. Grund hierfür ist die nicht verstellbare Linse in den Innenraum. Wer die Rückkamera ordentlich ausrichten will, darf die Kamera weder hinter dem Spiegel noch seitlich montieren. Die Akaso-Dashcam will zentral unter dem Spiegel montiert sein.

Das Design erinnert an eine Actioncam.

Die Dashcam nimmt das Geschehen vor der Linse dauerhaft auf und überspeichert alle drei Minuten die ältesten Videoclips auf der Speicherkarte. Wer einen Teil der Fahrt dauerhaft speichern möchte, muss das der Dashcam mit einem kurzen Druck auf die Sperren-Taste Auslöser mitteilen. Registriert der interne Beschleunigungssensor eine heftige Erschütterung oder einen extremen Lastwechselt, speichert die Kamera die aktuellen Videos automatisch in einem gesonderten Ordner, ohne es automatisch zu löschen.

Die Videos von Font- und Rückkamera landen als eigenständige Dateien in unterschiedlichen Ordnern (front und rear). Wer ein Unfallgeschehen mit beiden Blickwinkeln dokumentieren möchte, muss immer mit zwei einzelnen Videos arbeiten.

Nach der Trennung vom Bordnetz stoppt die Aufnahme nach wenigen Sekunden und die Trace 1 schaltet sich selbstständig ab. Die Videodateien gehen, dank des verbauten Akkus, beim Abstellen der Zündung weder verloren noch werden sie korrupt.

Die Ausstattung der Dashcam umfasst ist abgesehen von der zweiten Linse und dem obligatorischen Beschleunigungssensor spartanisch. Ein GPS-Empfänger zur Ermittlung des Standorts und der Geschwindigkeit ist nicht verbaut. Im Videomaterial blendet die Dashcam Datum und Zeit ein. Wer das nicht möchte, kann die Funktion im Menü deaktivieren.

Über der zweiten Kamera sind die IR-Leuchten angebracht.

Wer die Trace 1 während des Parkens mit Strom versorgt, kann seinen PKW auch im Ruhezustand überwachen. Die Aufnahme läuft dann weiter und die Dashcam speichert die Videoclips, sobald der Beschleunigungs-Sensor eine Erschütterung registriert – beispielsweise bei einem Parkrempler.

Die Bildqualität ist insgesamt ordentlich. Sowohl bei guter Ausleuchtung als auch bei Nacht macht die Trace 1 brauchbare Aufnahmen. Die Videdos des Innenraums sind überraschenderweise auch tagsüber im Nachtsichtmodi aufgenommen. Die Infrarotausleuchtung ist also auch bei ausreichend Licht aktiv. Das Ergebnis ist eine wirklich scharfe und kontrastreiche Schwarz-Weiß-Aufnahme des Innenraums. Vom rückwärtigen Verkehr ist darauf allerdings nur wenig zu erkennen. Die Belichtungspriorität liegt auf dem Innenraum, weshalb die Heckscheibe tagsüber nur als überblendeter, weißer Bereich erkennbar ist. Die Aufnahmen des Innenraums dienen also rein zur Abschätzung der Situation des Fahrers und des Beifahrers, nicht aber zur Beurteilung des rückwärtigen Verkehrs.

Die Standbilder der Trace 1 sind zwar nicht übermäßig scharf, aber ausreichend erkennbar.

Die Aufnahmen der Front-Kamera sind in Ordnung. Zwar sind die Standbilder des Videos bei weitem nicht so gestochen scharf wie bei der Nextbase 422GW (Einzeltest), aber das Ergebnis ist auswertbar. Nummernschilder, Straßennamen und Schriftzüge sind auch bei höherer Geschwindigkeit ablesbar. Die automatische Anpassung des Weißabgleichs funktioniert schnell und zuverlässig.

Der riesige 340-Grad-Blickwinkel der Trace 1 bietet aus unserer Sicht kaum Vorteile gegenüber Kameras mit nur einer Linse. Abgesehen von lustigen Clips von Fahrer und Mitfahrern trägt die zweite Kamera wenig zur Aufklärung von Unfällen bei. Dafür ist einfach zu wenig vom Geschehen hinter dem Auto zu sehen. Drängler sind auf dem Video schlicht gar nicht zu erkennen. Dank des 170-Grad-FOVs der Frontkamera ist immerhin das Geschehen vor dem PKW gut zu erkennen. Auch Fahrzeuge auf annähernd selber Höhe sind sichtbar.

Die Full-HD-Aufnahmen sind dank einer Bildwiederholungsrate von bis zu 60 fps flüssig und ausreichend scharf. Der Kontrast ist auch bei Gegenlicht ausreichend. Selbst bei Dunkelheit ist die Bildqualität noch okay. Zumindest das Geschehen im Scheinwerferpegel ist gut zu erkennen. Lediglich reflektierende Schilder sind aber kaum bis gar nicht ablesbar. Dieses Problem haben aber auch die teuren Marken-Dashcams.

Die Akaso Trace 1 ist insgesamt eine gute Dashcam. Wer eine zuverlässige Kamera für sein Auto sucht, kann zuschlagen. Neben der verständlichen Bedienung und der insgesamt ordentlichen Videoqualität, überzeugt auch der moderate Preis.

Wer keinen Wert darauf legt, Fahrer und Mitfahrer zu filmen, kann die zweite Kamera jederzeit deaktivieren. Im Test hat uns die Rückkamera nur auf den ersten Fahrten irritiert. Nach wenigen Tagen haben wir nicht mehr daran gedacht. Wer sich trotzdem daran stört, sollte sich die günstige Yi Compact Dash Camera (Einzeltest) ansehen. Diese hat eine vergleichbare Bildqualität, kostet aber deutlich weniger.

Für eine spürbar höhere Videoqualität und eine komfortablere Bedienung muss man mehr Geld ausgeben und in ein Gerät von Garmin (Einzeltest) oder Nextbase (Einzeltest) investieren.

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