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Top-Smartphone LG G7 Thinq im Test: klug, hell und laut

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Das G7 Thinq hat ein besonders helles Display sowie einen kräftigen Lautsprecher; künstliche Intelligenz soll für bessere Fotos sorgen. Wir haben getestet, ob das funktioniert und wie sich das LG im Alltag schlägt.

Das LG G7 Thinq kommt in einer unauffälligen und schwarzen Verpackung. Anders als bei vergleichbaren Smartphones, beispielsweise dem Oneplus 6 (Testbericht), hält LG die Box schlicht.

Im Lieferumfang ist neben dem Smartphone eine ganze Menge Zubehör enthalten. Strom erhält das Smartphone über ein 1 m langes USB-C-Kabel samt passendem Netzgerät. Letzteres arbeitet mit LGs Schnellladetechnik Fast Charge, die die zwei Standards Power Delivery und Qualcomm Quick Charge kombiniert. Im Test wurde der leere Akku mit 3000 mAh schon nach einer Stunde und 43 Minuten voll aufgeladen. Zum Reinigen des Gerätes ist ein Tuch aus Mikrofaser dabei.

LG G7 Thinq: Lieferumfang
Der Lieferumfang des LG G7 Thinq: Telefon, Ladegerät, Kabel mit USB-C, Kopfhörer und Tuch zum Reinigen.

Beim G7 Thinq legt LG gute In-Ear-Kopfhörer bei. Im Vergleich zum V30 (Testbericht) sind es zwar keine Markenhörer von B&O, trotzdem stimmen Verarbeitungsqualität und Klang. Das Kabel mit 3,5-mm-Klinkenstecker ist zu einem Teil mit Textil überzogen und verheddert sich nicht so leicht. Im Kabellauf sitzt eine Fernbedienung mit Mikrofon und Knöpfen für Musik- und Telefonsteuerung.

Was im Lieferumfang fehlt, ist eine einfache Schutzhülle, wie sie etwa dem Honor 10 (Testbericht) beiliegt. Außerdem wäre eine bereits installierte Display-Schutzfolie wünschenswert gewesen.

Ähnlich wie sein Vorgänger, das LG G6 (Testbericht), ist das G7 Thinq hochwertig verarbeitet. Das beginnt mit den verwendeten Materialien: Glas und Metall. Beide Elemente greifen nahtlos ineinander über und ergeben ein formschönes Design, das ansprechend aussieht und funktional ist.

Die Vorder- und die Rückseite sind aus gekrümmten Glas gefertigt, dadurch liegt das Gerät bequem in der Hand. Trotz der glatten Oberfläche rutscht das LG G7 Thinq nicht aus den Händen, wie es beim iPhone X (Testbericht) der Fall ist. In der Mitte des Smartphones sitzt der Metallrahmen, der beide Glasseiten miteinander verbindet. Die Übergänge sind weich und ohne sichtbare Spaltmaße.

LG G7 Thinq: Design
Das Gehäuse des LG G7 Thinq ist aus Glas und Metall.

Das G7 Thinq wirkt äußerst solide. Es bringt 162 g auf die Waage. Das ist ein angenehmer Wert für ein 153 mm hohes und 7,9 mm tiefes Smartphone. Trotz der geringen Breite von 71,9 mm ist eine Bedienung mit einer einzigen Hand nicht immer möglich. Wer oft und viel nur mit einer Hand am Telefon arbeiten möchte, sollte die optionalen Software-Hilfen in den Einstellungen aktivieren. Diese Funktionen verkleinern die Tastatur oder richten den gesamten Bildschirminhalt links oder rechts aus.

LG G7 Thinq: Fingerabdrucksensor
Der Fingerabdrucksensor des LG G7 Thinq sitzt auf der Rückseite und arbeitet zuverlässig.

Das G7 Thinq ist IP68 zertifiziert und damit auch für den einen oder anderen Tauchgang bis zu einer Tiefe von einem Meter geeignet. Erhöhte Luftfeuchtigkeit, Regen oder Süß- und Klarwasser machen dem Telefon nichts aus. Den permanenten Kontakt mit Salzwasser gilt es zu vermeiden. LG ist einer der wenigen Hersteller, die ihr Smartphone nicht nur staub- und wasserfest ausstatten, sondern auch in Richtung Outdoor gehen: Das G7 Thinq ist nach dem Militärstandard MIL-STD-810G1 zertifiziert und damit stoßfest – nicht zu verwechseln mit sturzfest. Im Test überlebte das Handy starke Kollisionen mit Hindernissen wie die Metallbeine eines Stuhls oder den Ecken eines harten Holztisches trotz Glas-Gehäuse unbeschadet.

LG G7 Thinq: Google Assistant Key
Vorne links und ganz unten sitzt der Google Assistant Key: Eine gesonderte Taste an dem LG G7 Thinq für den intelligenten Assistenten.

Beim G7 Thinq bringt LG eine kleine Besonderheit: Auf der linken Seite des Telefons sitzt eine gesonderte Taste für den Google Assistant. Der einmalige und kurze Druck bringt die Oberfläche zum Vorschein und initiiert den Assistent. Dieser lauscht auf Anfragen wie: „Wie ist das Wetter heute?“ oder „Wie schaut mein Kalender aus?“. Ein schneller und doppelter Druck startet Google Lens, den Dienst für Bild- und Objekterkennung mittels Googles künstlicher Intelligenz.

LG G7 Thinq: Monolautsprecher
Auf der unteren Seite des LG G7 Thinq sitzt der Monolautsprecher.

Das LG G7 Thinq ist ein hochaktuelles Smartphone mit zeitgemäßer Hardware-Ausstattung. Das Herz des Gerätes ist ein Qualcomm Snapdragon 845 mit 4 GByte RAM. Der Achtkern-Prozessor arbeitet mit einer maximalen Taktfrequenz von bis zu 2,8 GHz. Im leerlaufenden Bereitschaftszustand – Prozessorlast unter 5 Prozent – sind teilweise auch energieeffiziente 576 MHz messbar. LG hat die Oberfläche sowie das System fein auf die abrufbare Leistung abgestimmt. Das G7 Thinq arbeitet schnell und verzögerungsfrei. Spiele mit hochauflösender 3D-Grafik, Bildschatten und Tiefenschärfe bringen das G7 Thinq nicht so schnell an seine Grenzen; sie laufen flüssig. Auch bei der Bildverarbeitung schneidet das Telefon überdurchschnittlich gut ab.

LG G7 Thinq: Prozessorlast
Die Leistung des Prozessors im LG G7 Thinq ist volatil.

In der synthetischen Simulation von Antutu Benchmark erreicht das G7 Thinq einen Punktwert von 230.000. Damit ist das LG-Smartphone 5 Prozent schneller, als das Galaxy S9 von Samsung Electronics (Testbericht). Die aktuellen Speerspitzen im oberen Segment sind Xperia XZ2 Compact (Testbericht) sowie Xperia XZ2 (Testbericht) mit 275.000 Punkten und damit einem Leistungsvorsprung von 19,6 Prozent.

USB Type-C am LG G7 Thinq
USB Type-C am LG G7 Thinq

Im 15 minütigen Belastungstest reagierte das LG G7 Thinq instabil: Schon nach 18 Sekunden Laufzeit kam der erste Leistungseinbruch. Bei 2:06 sank die Leistung des Systems auf 40 Prozent, bevor es sich erholte. Dieses Verhalten ist untypisch für Flagship-Smartphones. Souverän dagegen verhielt sich die Temperatur des Akkus: Sie stieg von 27 auf lediglich 32 Grad Celsius.

Der interne Speicher des LG G7 Thinq hat eine Größe von 64 GByte. Nach Formatierung bleiben 46 GByte übrig. Nach Abzug der Firmware und den bereits vorinstallierten Apps hat der Nutzer Zugriff auf verbleibende 41 GByte. Neben der Nano-SIM-Karte speist das LG-Smartphone auch eine Micro-SD-Karte ein, so lässt sich bei Bedarf der Speicher um ein Vielfaches erweitern. Eine im Test verwendete Micro-SDXC mit 400 GByte funktionierte einwandfrei. Welche Speicherkarte die beste für Android ist, hat TechStage ausführlich getestet: Kaufberatung & Test: Welche Micro-SD-Karte für Android?

LG G7 Thinq

Eines der großen Schwachpunkte des LG G7 Thinq ist der festverbaute Akku mit einer Kapazität von 3000 mAh. Im Regelbetrieb kommt er grade einmal auf einen Tag, in ganz seltenen Fällen auf etwas mehr, wenn die Benutzung gering ist. Auch im Test mit einem durchlaufenden Videostream über das WLAN und maximaler Display-Helligkeit erreichte es eine Abspieldauer von 7 Stunden und 51 Minuten. Im gleichen Test kommt das Oneplus 6 auf über 13 Stunden, vergleichbar dagegen ist das Galaxy S9 Plus (Testbericht) mit 8:12 Stunden. Das Aufladen des Akkus funktioniert kabelgebunden über USB Type-C mit der Spezifikation USB 3.1 sowie drahtlos über den Ladestandard Qi.

LG ist bekannt für seinen Schwerpunkt auf Audio. Genau wie bei den Vorgängermodellen hat das Smartphone einen vierfachen 32-bit DAC für analoge-digitale Signalumwandlung. Anders als bei den meisten Smartphones sitzt der Digital-Analog-Wandler (DAC) nicht beim Prozessor, sondern ist eigenständig und autark. Das ermöglicht eine Spannung von bis zu 2 V. Das ist genug Power für eine hochauflösende Musikwiedergabe mit High-End-Kopfhörern. Neu dieses Jahr ist die Zertifizierung für DTS:X 3D. Wer auf dem LG G7 Thinq gerne Serien und Filme von Netflix und Amazon Instant Video schauen möchte, genießt über den Monolautsprecher eine gut simulierte Klangkulisse.

Was früher einmal ein Makel bei Smartphones war, ist heute ein aufregendes Feature beim LG G7 Thinq: Ähnlich wie bei den neuen Sony-Smartphones vibriert die Rückseite des LG-Gerätes, wenn man die Musik über den lauten Monolautsprecher ausgibt. LG nennt diese Funktion Boombox und verkauft sie wie folgt:

„Das G7 ThinQ verwendet den Innenraum als Resonanzkammer für einen stärkeren Bass und ein hochwertiges, lautes und raumfüllendes Klangerlebnis.“

In der Praxis macht sich der Bass kaum bemerkbar, obgleich der Klang klar und laut zu gleich ist. Das Vibrieren der Rückseite fühlt sich etwas merkwürdig an.

Ansonsten an Bord: Bluetooth 5.0, WLAN 802.11 ac mit 2,4 und 5 GHz sowie NFC. Klang und Empfang mit dem LG G7 Thinq waren während des Testzeitraums mit Vodafone und Telefónica Germany einwandfrei.

LG G7 Thinq: Display-Kerbe
Der Bildschirm des LG G7 Thinq besitzt eine Kerbe.

Das Display des LG G7 Thinq misst 6,1 Zoll in der Diagonalen. Was sich im ersten Augenblick nach einem gigantisch großen Smartphone anhört, ist in der Realität vergleichbar mit einem 5,5 Zoll großen iPhone 8 Plus (Testbericht). Das liegt vor allem am schlanken 19,5:9-Formatfaktor und den schmalen Rändern um den Bildschirm. Auch das G7 Thinq hat einen kleinen Schnitt am Bildschirm. In der Kerbe sitzen Kamera, LED-Leuchte, Hörmuschel und Sensoren für Licht und Nähe.

Display des LG G7 Thinq
Das Display des LG G7 Thinq ist 6,1 Zoll groß und löst mit QHD+ extrem hoch auf.

Die Anzeige des LG G7 Thinq basiert auf die Flüssigkristalltechnologie. Das IPS-LCD löst im Format QHD+ auf, das sind 3120 × 1440 Pixeln. Vergleicht man das Gerät mit dem Galaxy S9 (Testbericht), so besitzt das LG-Telefon 5,4 Prozent mehr Pixel in der Gesamtdarstellung: 4.492.800 gegen über 4.262.400 Bildpunkten. Macht sich der Unterschied im Alltag bemerkbar? Nein, das Delta ist marginal. Das bloße Auge erfasst keine Unterschiede bei einer derart hohen Schärfe.

Pixelstruktur des LG G7 Thinq
Die Pixelstruktur des LG G7 Thinq zeigt einen weißen Pixel neben RGB.

Eine weitere Besonderheit hat das Display des LG G7 Thinq auch noch: es ist unglaublich hell. Schon im Normalzustand (mittlere Helligkeit durch Automatik geregelt) leuchten die Pixel auf und sind heller, als die Maximal-Einstellung mancher Mittelklasse-Smartphones. Die 100-prozentige Helligkeit ist bei ausgeschaltetem Zimmerlicht zu hoch für die Augen. Wem es aber nicht reicht, der aktiviert zusätzlich noch einen sogenannten Verstärker in den Kurzeinstellungen. Dadurch gewinnt das Display an Helligkeit und leuchtet mit einer Lichtstärke von bis 950 Candela pro Quadratmeter. Üblich bei High-End-Smartphones sind es 700 bis 750 c/m2.

Dual-Kamera des LG G7 Thinq
Dual-Kamera des LG G7 Thinq

Ein Blick mit dem Mikroskop zeigt: Neben den gewöhnlichen Rot-, Grün- und Blau-Pixel verwendet LG noch einen vierten Pixel in Weiß. Dadurch wertet der Hersteller die Helligkeit auf.

Das LG-Smartphone besitzt drei Kameras: eine Dual-Kamera hinten sowie eine zu dem Nutzer gerichtete Selfie-Kamera auf der vorderen Seite.

Die Hauptkamera löst 16 Megapixel auf und kombiniert zwei Objekte mit unterschiedlichen Brennweiten. Die für Landschaft und große Gebäude geeignete Weitwinkelkamera hat ein Sichtfeld von 107 Grad – 18 Grad weniger als beim Vorgänger, dem LG G6. Es gäbe nun keine Verzerrung mehr, heißt es als Grund für den Rückschritt. Weitwinklige Bilder aus dem LG G7 Thinq zeigen nun in der Tat wenig ovalförmigen Charakter an den Ecken. Die Standardkamera für Portraits und Objekte hat ein Sichtfeld von 71 Grad und ist mit einer Blende von f/1.6 lichtstärker, als die f/1.9 der Weitwinkelkamera.

Durch die unterschiedlichen Brennweiten vergrößert der Nutzer den Bildausschnitt. In der Theorie funktioniert das ohne Qualitätsverlust. In der Praxis sieht es anders aus: Gerade in schlechten Lichtsituationen macht sich der Wechsel bemerkbar, da sich auch die Blenden unterscheiden: f/1.6 und f1.9. Das Bild verliert an Helligkeit und führt zu Bildfehlern.

Der Namenszusatz Thinq ist eine Anlehnung an Think für Englisch denken und soll die im Telefon verankerte künstlichen Intelligenz widerspiegeln. Ähnlich wie im Honor 10 (Testbericht) arbeitet im G7 Thinq im Hintergrund eine nicht lernfähige Interferenzmaschine, die Muster und Szenarien aus dem Bildmotiv erkennen soll und daraufhin die Einstellungen anpasst. Beispiel: Mit eingeschalteter KI-Funktion strahlen die Gesichter von Menschen und stehen trotz Gegenlicht im Vordergrund. Oder die Kamera interpretiert das Grün einer Pflanze intensiver und lebendiger. Wenn das Feature richtig funktioniert, ist das Ergebnis besser, als ohne die Funktion, doch in vielen Fällen schlägt die Interpretation fehl.

Im Allgemeinen ist die Kameraqualität des LG G7 Thinq mittelmäßig bis zufriedenstellend. Die Bildqualität ist nicht vergleichbar mit den Ergebnissen eines iPhone oder Oneplus 6. Gerade bei einem kontraststarken Motiv, wie einer roten Blume, schwächelt die LG-Kamera. In Situationen mit schwachem Licht kommt sie schnell an die Grenzen. Dabei bietet die App ziemlich viel Spielraum für manuelle Foto- und Videographie. Allerdings kommt man mit der besten Software nicht weit, wenn die Hardware (kleine Bildsensoren) mittelmäßig ist.

Auf dem LG G7 Thinq läuft Android in der Version 8.0 Oreo. Warum das Smartphone nicht direkt mit dem aktuelleren 8.1 Oreo ausgestattet ist, bleibt ein Rätsel. Der Sicherheits-Patch dagegen ist vom 1. Mai 2018 und damit auf den neusten Stand. Sicherheitsrelevante Updates möchte der Hersteller zeitnah ausliefern, heißt es in der Strategie. Mit den monatlichen Ausspielungen von Nokia und Google kann man jedoch nicht mithalten.

In Sachen Software und Bedienung macht LG mit dem G7 Thinq keinen Fortschritt. Das System schaut immer noch so aus wie vor Jahren. Die Symbole, die Typografie, die Design-Elemente und die Farben wirken altbacken. Auch das Bedienerkonzept ist nicht durchdacht und überwältig den Nutzer mit zigtausenden Funktionen für jede allzu kleine Einstellung.

LG G7 Thinq (Schwarz)

Schwarz

LG G7 Thinq (Blau)

Blau

LG G7 Thinq (Grau)

Grau

Das G7 Thinq von LG ist ein frisches Flaggschiff-Smartphone für rund 800 Euro. Zu den Stärken zählen das helle Display, die hohe Verarbeitungsqualität sowie die umfangreichen Sound-Möglichkeiten. Weniger positiv ist die Kamera sowie die geringe Laufzeit des Akkus. Auch die etwas in Jahre gekommene Software überzeugt nicht. Hier muss LG dringend nachbessern.

Wer auf drahtloses Laden und die Wasserfestigkeit verzichten kann und Wert auf eine saubere und übersichtliche Software legt, der sollte zu preiswerteren Alternativen wie dem Oneplus 6 greifen. Gegenüber dem Vorgänger, dem LG G6, hat sich das G7 Thinq wenig verbessert. Kaufen sollte man es daher nur bedingt, wenn der Preis unter 550 Euro fällt.

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