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Test: Prynt Pocket macht iPhone zur Sofortbildkamera

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Prynt Pocket an das iPhone klemmen und sofort Visitenkarten-große Fotos drucken. Was nach einer guten Idee klingt, entpuppt sich im Test als wenig durchdacht.

Hier gehts zum großen Vergleichstest zwischen sechs Mini-Fotodrucker. Dort zeigen wir, welcher der folgenden mobilen Fotodrucker sich wirklich lohnt und von welchem man lieber die Finger lassen sollte.

Gut gedacht ist das Gegenteil von gut gemacht. Diese Redewendung trifft auf so viele Bereiche des Prynt Pocket zu. Denn allzu oft freuten wir uns im Test über gute Ideen. Nur um uns im nächsten Moment ernüchtert über die miese Umsetzung zu ärgern.

Das fängt bereits bei der Verpackung an. Der Prynt Pocket liegt in einer wunderschönen, aufklappbaren Schachtel. Sie ist mattweiß, mit Hochglanz-weißem Prynt-Aufdruck auf dem stabilen Deckel und orangenem Farbring als optischen Akzent. Richtig gut. Erinnert stark an Apples Verpackungsästhetik. Doch um an das schicke Schächtelchen zu kommen, muss man die Umverpackung ähnlich unschön an der Unterseite aufreißen wie eine Packung Aufschnitt aus dem Aldi.

Zum Lieferumfang gehört der 180 g schwere Prynt Pocket, eine Papierkassette, zehn Fotoblättchen, ein gebrandetes Micro-USB-Ladekabel und mehrere Anleitungen. Während Anleitungen bei durchdachten Produkten fast schon obsolet sein sollten, empfehlen wir beim Prynt Pocket dringend das Studium eben dieser.

Das erstmalige Befüllen und Einsetzen der Papierkassette ist wenig intuitiv. Zu Beginn irritiert ein nirgends erwähnter Staubschutzdeckel, der entfernt werden muss. Dann ist nicht ganz klar, wo das Papier wie herumeingelegt wird. Zu guter Letzt knarzt und knackt es beim Einsetzen der Papierkassette in den Prynt Pocket derart unangenehm, dass wohl jeder beim ersten Mal das Gefühl bekommt, irgendetwas falsch gemacht und den Mini-Drucker dauerhaft beschädigt zu haben.

Zum Glück helfen die drei Bildchen auf dem Anleitungsschnipsel mit dem euphemistischen Namen Load paper like a boss. Was die drei Bildchen nicht verraten: Beim Einlegen der vollen Kassette in den Mini-Drucker sollten Käufer das Papier etwas mit dem Finger gegen die Feder drücken, da es sonst verklemmt, knickt und in der Folge nicht mehr druckt.

Load paper like a boss – Ob sich Prynt mit diesem Titel wohl selber auf den Arm nehmen wollte?

Beim Test brauchten wir knapp zehn Versuche, bis der Prynt Pocket das jedem 10er-Pack beiliegende Smartsheet zur Farbkalibrierung annahm. Auch danach zickte der Mini-Drucker, wenn mehr als fünf Papierchen in der für zehn ausgelegten Kassette auf ihren Einsatz warteten.

Wahrscheinlich wollten die Entwickler mit der Papierkassette eine besonders hippe Lösung präsentieren. Das ging in die Hose. Völlig unverständlich, warum man nicht einen ebenso simplen wie funktionalen Weg wählte wie bei den mit der gleichen Drucktechnik arbeitenden Mini-Druckern HP Sprocket Plus (Testbericht), Canon Zoemini (Testbericht) und Polaroid Zip (Testbericht). Dort findet das Papier direkt im Gerät unter eine Klappe Platz und machte nie Probleme.

Bei jedem Aufziehen der Klammer hatten wir Bedenken, den Prynt Pocket zu beschädigen.

Doch die Papierkassette ist nicht der einzige Mechanik-Fail. Der Prynt Pocket kennt kein Bluetooth oder WLAN, verbunden wird er mit dem iPhone über einen Lightning-Stecker. Ein Schiebemechanismus sorgt dafür, dass er für verschieden große iPhones passt. Doch genau hier hakt es gewaltig. Es erfordert ordentlich Gewalt, die große Kunststoffklammer aufzuschieben. Eine Feder gibt es nicht, es fühlt sich an, als ob die Mechanik nicht lange durchhält. Mit eingesetztem iPhone drückt man anschließend das Ganze auf Anschlag zurück. Erstaunlicherweise sitzt das iPhone nun fest im Prynt Pocket. Immerhin braucht niemand Angst zu haben, dass es sich unbeabsichtigt aus der Verankerung löst.

Nach dem Download der Prynt-App erkennt das iPhone den Mini-Drucker sofort. Schön gemachte, kurze Video-Clips erklären, wie Papier eingelegt und der Prynt Pocket am iPhone befestigt wird. Nach dem Erteilen der Berechtigungen auf die internen Bilder, Kamera und Mikrofon zugreifen zu können sowie einem Update kann es losgehen. Externe Fotodienste wie Google Fotos, Facebook, Instagram und Co. kennt die App im Gegensatz zu ihren Konkurrenten nicht.

Ein Community-Feature erlaubt das Hochladen besonders gelungener Schnappschüsse, damit diese auch andere Prynt-Nutzer ausdrucken können. Nettes Feature, wobei wir die Sinnhaftigkeit hinterfragen, die Erinnerungen anderer Leute auszudrucken. Immerhin verteilt die App dafür und für andere Aktionen Lollipops, die ab einer gewissen Menge im Prynt-Store eingesetzt den Preis auf Zubehör und Fotopapier verringern. Theoretisch. Denn in der Praxis waren zum Zeitpunkt des Tests im eigenen Prynt-Shop der App sowohl Fotopapier, als auch Drucker ausverkauft.

Wer mehr als fünf Bilder in die Kassette legt, läuft Gefahr, das Papier beim Druck zu zerknicken.

Die Prynt App kann auf die Kamera zugreifen, um selbst Bilder zu schießen und ein paar Klicks später auszudrucken. Vor dem Druck legt die App auf Wunsch Filter über die Bilder oder passt Parameter wie Helligkeit, Sättigung, Schärfe und so weiter an. Emojis oder andere Sticker sucht man vergebens. Sehr eigenartig: Wurde ein Bild bereits ausgedruckt, kann es nicht noch einmal bearbeitet werden.

Besonders stolz ist Prynt auf die AR-Funktion Stories. Hier können Bilder mit einem Video hinterlegt werden. Scannt der Nutzer nun das fertige Foto mit der Prynt-App, fängt das Video in bester AR-Manier an darin zu laufen. Nett, aber sicher kein Kaufgrund.

Insgesamt ist die App selbsterklärend, lässt aber viele Features der Konkurrenz missen. Auch hatten wir bisher in keiner anderen Mini-Drucker-App derart viele Fehler-Screens wie in der Prynt-App. Das Beste an der App: Die wunderschöne Druck-Animation, in der sich das Bild in unzählige Pünktchen und Sternchen auflöst und so in eine stilisierte Druckmaschine fliegt.

Genau wie beim HP Sprocket Plus, Canon Zoemini und Polaroid Zip druckt der Prynt Pocket auf Zink-Papier und kommt ohne Tinte aus. Alle Farbinformationen liegen in Schichten auf dem unbelichteten Papier und kommen über verschiedene Temperaturen und Einwirkdauer zum Vorschein. Das Patent dafür liegt bei Zink Imaging, einer Tochterfirma von Polaroid.

Vor allem in hellen Bereichen offenbaren die Bilder qualitative Schwächen.

Ein Päckchen enthält zehn selbstklebende Bilder mit den Maßen 5 × 7,6 cm und ein Smartsheet, welches der Drucker mit jedem neuen Pack scannt und so den Druckvorgang an das Papier anpasst. Für 40 Stück will Prynt knapp 20 Euro. Das entspricht einem Preis von etwa 50 Cent pro Ausdruck und bewegt sich in auf dem Preis-Niveau des Papiers für den HP Sprocket Plus und den Polaroid Zip. Dabei ist das Druckpapier beim HP Sprocket Plus mit 5,8 × 8,7 cm etwa 30 Prozent größer als das Papier des Prynt Pocket. Wesentlich teurer, aber unserer Ansicht nach auch hübscher, sind mit je etwa 95 Cent die Bilder des Fujifilm Instax Share SP-3 (Testbericht).

Der Prynt Pocket ist mittlerweile der vierte Zink-Drucker im Test. Im Vergleich zeigt er das schlechteste Druckergebnis. Die selbstklebenden Bilder wirken unschärfer als die Konkurrenz und zeigen vor allem in hellen Bereichen deutliche Querstreifen vom Einzug. Alle Bilder kommen mit einem Rot- und teilweise Braunstich, vor dem Druck sollten Nutzer immer eine etwas kühlere Farbtemperatur wählen.

Prynt Pocket Lavender, violett (PW320001-LA)

Prynt Pocket Lavender, violett

Prynt Pocket Mint, grün (PW320001-MG)

Prynt Pocket Mint, grün

Prynt Pocket Graphite, schwarz (PW320001-DG)

Prynt Pocket Graphite, schwarz

(Kein Produktbild vorhanden)

40 x Prynt Fotopapier

Wir können den Prynt Pocket Mini-Drucker nicht empfehlen. Zum einen stört die unsaubere und hakelige Mechanik bei der Papierkassette und beim Einlegen des iPhones. Wir hatten jedes Mal Bedenken, den Prynt Pocket dabei dauerhaft zu beschädigen. Auch ist die Limitierung auf iPhones und das Fehlen kabelloser Bildübertragungsmethoden über Bluetooth und WLAN ein echtes Manko. Die App ist in Ordnung, aber auch das haben wir schon deutlich besser (und deutlich schlechter) gesehen. Was den Prynt Pocket aber in letzter Konsequenz disqualifiziert, ist seine unterdurchschnittliche Bildqualität.

Wer mit dem Gedanken spielt, einen Zink-Fun-Drucker zu kaufen, sollte sich den Canon Zoemini (Testbericht) genauer anschauen. Auch der HP Sprocket Plus (Testbericht) ist gut und druckt sogar auf etwas größeren Papierchen. Wer bereit ist, für das Druckpapier beinahe das Doppelte auszugeben, bekommt beim Fujifilm Instax Share SP-3 (Testbericht) die schicksten Ergebnisse. Als Preisleistungssieger entpuppt sich der etwas weniger transportable Canon Selphy CP-1300 (Testbericht). Hier kostet der Postkartengroße Ausdruck lediglich 20 Cent und bietet eine sehr gute Bildqualität.

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