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Test Pocketbook Color: Farbiger E-Reader für Comics und Co.

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Schwarz-Weiß-E-Reader sind perfekt zum Lesen von E-Books. Der Pocketbook Color hat ein Farbdisplay und soll sich so etwa für Comics eignen. Wir zeigen im Test, wie gut das funktioniert.

E-Book-Reader können immer mehr. Sie sind meist schick, gut verarbeitet und bieten selbst im Einstiegssegment ein gut lesbares und hintergrundbeleuchtetes E-Ink-Display. Sogar Hörbücher geben viele über Bluetooth wieder. Eine gute Übersicht bietet unser Vergleichstest E-Reader: Tolino vs Paperwhite vs Pocketbook. Dank ihrer kompakten Maße bieten sie sich auch für Reisen an, wie unsere Kaufberatung: E-Book-Reader für den Urlaub zeigt. Dabei denken die Hersteller auch uns unsere Kleinsten, mehr Informationen dazu im Ratgeber: E-Book-Reader für Kinder.

Was ihnen jedoch von Anfang an fehlt, ist ein farbiges Display. Pocketbook bringt nun mit dem Color einen der ersten E-Reader auf den Markt, der neben Graustufen auch Farben darstellt. Damit soll er sich besonders für Comics, Grafiken aber auch Magazine anbieten. Wir haben ihn ausprobiert und zeigen im Test, ob sich der Aufpreis für das Farb-Display lohnt.

Der Bildschirm des Pocketbook Color besteht aus einer klassischen E-Ink-Carta-Schicht mit einer Darstellungstiefe von 16 Graustufen und einer Auflösung von 300 ppi. Darüber liegt die halbtransparente Schicht CFA (Color Filter Array), welche 4096 Farben darstellen kann, aber nur eine Auflösung von 100 ppi bietet. Die Kombination der beiden Schichten nennt E-Ink Kaleido. Es handelt sich hier also nicht um das viel beschworene ACeP (Advanced Color ePaper).

Pocketbook Color (9 Bilder)

Äußerlich ähnelt der Pocketbook Color dem Pocketbook Touch HD3 sehr.

Das Zusammenspiel von hochauflösender Graustufendarstellung und niedrigauflösender Farbdarstellung erreicht in der Praxis Ergebnisse, die schärfer wirken, als es die 100 ppi der Farbschicht vermuten lassen. Gerade bei rein schwarzem Text auf hellem Hintergrund ist bezüglich der Schärfe kaum ein Unterschied zu Modellen mit dem bewährten E-Ink-Carta-Displays zu sehen. Die Schärfe ist vergleichbar mit dem Premium-Modell Kindle Oasis 2019 (Testbericht) und deutlich besser als etwa beim Kindle 2019 (Testbericht). Das gilt auch, wenn schwarze Schrift auf buntem Hintergrund erscheint. Verwaschen wird es, wenn die Schrift komplett farbig ist. Hier merkt man die niedrige Auflösung der Farbschicht deutlich.

Bei direkter Sonneneinstrahlung spielt das E-Ink-Kaleido-Display seine Stärken voll aus.

Die Farbschicht nutzt für ihre Darstellung eine RGBW-Matrix, die auch bei eigentlich weißem Hintergrund mit bloßem Auge sichtbar ist. Dadurch wirkt etwa schwarze Schrift auf weißem Hintergrund deutlich kontrastärmer als bei E-Ink-Displays ohne Farbschicht. Weiß ist hier eben nie wirklich weiß, sondern stets leicht grau. Das fällt vor allem bei ausgeschalteter Hintergrundbeleuchtung auf. Schaltet man diese regelmäßig auch bei heller Umgebung dazu, minimiert sich das Problem. Bei direkter Sonneneinstrahlung stört die RGBW-Matrix am wenigsten. Pocketbook verzichtet beim Color auf verschiedene Farbtemperaturen der Hintergrundbeleuchtung.

Bei genauem Hinsehen sind die einzelnen Elemente der RGBW-Matrix mit bloßem Auge erkennbar.

Die 4096 Farben stellt der Pocketbook Color ordentlich dar, auch wenn man bauartbedingt keine Farbbrillanz wie bei einem LCD oder OLED-Display bei Smartphones (Fünf günstige Modelle) erwarten darf. Bei Comics wirken die Farben noch am besten, da sie häufig von Haus aus eher übersättigt daherkommen. Grafiken stellt das E-Ink-Kaleido gut dar, auch wenn farbige Ränder häufig ausgefranzt wirken. Bei Fotos fällt die Qualität ab. Sie sind häufig unruhig mit unsauberen Farbverläufen.

Trotzdem ist die farbige Darstellung auf einem E-Book-Reader ein Segen. Dabei geht es nicht nur um Comics und Magazine. Farbige Buch-Cover und gelegentliche Bilder im Buch selbst bieten in Farbe so viel mehr als in der gewohnten Schwarz-Weiß-Darstellung. Auch wenn die Farbdarstellung bei Weitem noch nicht perfekt ist, will man nie wieder auf eine reine Schwarz-Weiß-Variante wechseln – trotz stets sichtbarer RGBW-Matrix. Mehr Informationen zur Technik hinter dem E-Ink-Kaleido-Display haben unsere Kollegen im heise+-Beitrag Endlich bunte E-Books: Pocketbook Color mit E-Ink-Farbdisplay für Comics und Co. zusammengefasst.

Der Pocketbook Color sieht dem Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) zum Verwechseln ähnlich. Er kommt in den schlanken Maßen von 16,1 × 10,8 × 0,8 Zentimetern und wiegt 159 Gramm. Er bietet jedoch im Gegensatz zum Touch HD 3 keine IP-Zertifizierung gegen das Eindringen von Wasser.

Pocketbook setzt beim Color auf Micro-USB statt USB-C. Schade.

Unter dem großen Pocketbook-Logo liegen vier physische Knöpfe, unter anderem zum Seitenblättern. Auf der Unterseite sitzt neben dem On-/Off-Taster ein Slot für eine Micro-SD-Karte, mit dem der ohnehin schon recht große interne Speicher von 16 GByte (14 GByte verfügbar) erweitert werden kann. Durchaus sinnvoll, fressen doch Comics und weitere bildlastige Inhalte ein Vielfaches mehr Speicher als E-Books ohne Bilder. Enttäuscht sind wir davon, dass Pocketbook zwar mit seinem Farbdisplay „Zukunftstechnologie“ einbaut, aber dennoch auf einen veralteten Micro-USB-Port zu Laden und zur Datenübertragung setzt. USB-C sollte heute für Geräte mit einer längeren Lebenszeit Pflicht sein.

Der Pocketbook Color bietet eine 1-GHz-CPU mit zwei Kernen, unterstützt von 1 GByte RAM. Das klingt erst einmal völlig in Ordnung, enttäuscht jedoch im Praxiseinsatz. Denn der Pocketbook Color erlaubt sich in seiner Bedienung deutlich zu lange Denkpausen. Und zwar nicht nur beim Seitenaufbau komplexer Farbseiten, sondern auch beim Navigieren im Menü oder beim Tippen eines Textes über die virtuelle Tastatur. An dieser Stelle sollte Pocketbook bei der nächsten Version dringend nachbessern.

Der Akku des Pocketbook Color ist mit 1900 mAh größer als beim Touch HD 3. Dieses Extra ist wohl der zusätzlichen Farbschicht geschuldet. Diese verbraucht vergleichbar zum klassischen E-Paper-Display lediglich beim Wechsel auf eine neue Seite Energie.

Der Pocketbook Color bietet einen immensen Funktionsumfang, bei dem Geräte wie der Kindle Paperwhite 2018 (Testbericht) vor Neid erblassen. Das fängt schon damit an, dass er komplett ohne Registrierungszwang nicht nur das beliebte Epub-Format, sondern auch die E-Book-, Text- und Dateiformate PDF, DJVU, FB2, FB2.ZIP, DOCX, RTF, PRC, TXT, CHM, HTM, HTML, MOBI und ACSM versteht und sowohl in Farbe als auch Schwarz-Weiß korrekt wiedergibt. Dabei vergisst er auch das Dateiformat speziell für Comivs cbz nicht und gibt es fehlerfrei und korrekt wieder. Lediglich beim Amazon-eigene AZW-Format verweigert er die Wiedergabe. Bei Bildern verarbeitet er JPEG, BMP, PNG und TIFF, für Musik und Hörbücher MP3 und M4B. Für die Audiodateien benötigt der Touch HD 3 Kopfhörer oder externe Boxen, die entweder über Bluetooth oder über den beiliegenden Micro-USB-auf-Klinke-Adapter angeschlossen werden.

Buchhandlungen haben beim Verkauf des E-Readers die Möglichkeit, ihren eigenen Online-Shop mit dem Gerät zu verknüpfen. Alternativ holt sich der Touch HD 3 Dateien über ein Dropbox-Konto, der Pocketbook-Cloud oder man schickt die Dateien an die E-Mail-Adresse des Geräts. Sobald es sich dann im WLAN befindet, zieht es sich die Dokumente automatisch. Ganz klassisch verbindet sich der Touch HD 3 auch über ein Micro-USB-Kabel mit dem Rechner. Die so auf dem E-Book-Reader abgelegten Dateien finden Nutzer im Datei-Browser des Geräts.

Nutzer können sich Texte auch vorlesen lassen. Dabei ist die Sprachausgabe auf Englisch bereits vorinstalliert, Deutsch und andere Sprachen sind kostenfrei verfügbar. Nette Idee, aber leider lässt die Computer-Stimme mit ihrem hakeligen Lesefluss kaum Atmosphäre aufkommen. Als Zeitvertreib bietet der Touch HD 3 eine Handvoll Spiele. Außerdem stehen Browser, Taschenrechner, Wörterbuch, RSS-Nachrichten-Feed, Galerie und einiges mehr zur Verfügung.

Hat man den Pocketbook Color erst einmal benutzt, will man nie wieder zur reinen Schwarz-Weiß-Anzeige all der anderen E-Reader zurück. Besonders spielt der Pocketbook Color seine Stärken bei Comics aus, aber auch Grafiken stellt er gut dar. Fotos wirken verwaschen mit unsauberen Farbverläufen. Trotzdem: Lieber ein Foto in nicht perfekter Farbe und etwas unscharf, als monochrom. Die Farbschicht hat jedoch einen deutlichen Nachteil: Auch ausgeschaltet ist ihre RGBW-Matrix stets sichtbar, weshalb es nie ein reines Weiß gibt, heller Hintergrund wirkt irgendwie unruhig und grau. Wir gewöhnten uns jedoch sehr schnell daran.

Weniger gut hat uns die Leistung gefallen. Auch hätten wir uns eine IP-Zertifizierung, einen Nachtmodus in Form von warmweißen LEDs und USB-C statt Micro-USB gewünscht. Dafür ist seine Verarbeitung hochwertig und der Funktionsumfang riesig. Gerade die vielen unterstützten Dateiformate suchen ihresgleichen.

Alternativen gibt es wenige, ist der Pocketbook Color doch der erste in Deutschland erhältliche E-Reader eines Big-Players mit E-Ink-Farbdisplay. Wer mit einem monochromen Display leben kann, könnte dem etwa 50 Euro günstigeren Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) eine Chance geben. Auch die Amazon-Alternativen in Form des Kindle 2019 (Testbericht), des Kindle Paperwhite 2018 (Testbericht) und des Kindle Oasis 2019 (Testbericht) sind einen Blick wert. Eine gute Übersicht bietet unser Vergleichstest E-Reader: Tolino vs Paperwhite vs Pocketbook.

Dank ihrer kompakten Maße bieten sich E-Reader auch für Reisen an, wie unsere Kaufberatung: E-Book-Reader für den Urlaub zeigt. Dabei denken die Hersteller zudem uns unsere Kleinsten, mehr Infos dazu im Ratgeber: E-Book-Reader für Kinder.

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