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Test: Huawei Watch 2 – innen hui, außen pfui

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Nach über zwei Jahren bringt Huawei Device eine Neuauflage seiner Smartwatch auf den Markt. Dieses Mal gibt es die Uhr in einem sportlichen Design als Watch 2 sowie mit edlen Materialen als Watch 2 Classic. Wir tragen die intelligente Armbanduhr nun seit einigen Tagen. Warum wir die Start-UVP von 329 Euro für zu viel finden, das und mehr lest Ihr in diesem Testbericht von TechStage.

Es ist schon recht schwer, ein Produkt hinzunehmen, wenn dessen Qualität in der ersten Generation deutlich besser und hochwertiger war, als jetzt. Genau das ist der Fall bei der Watch 2, die zwar optisch einer Baby-G von Casio ähnelt, sich aber im geringsten nicht so toll anfühlt. Das mitgelieferte Band bei unserer Ausführung, die Carbon Black heißt, könnte sonst wo für 20 Cent produziert worden sein. Und das gesamte Konstrukt könnte von einem Kaugummiautomaten für zwei Euro stammen. Zum Glück gleicht die Hardware vieles aus, dazu im Nachfolgenden mehr.

HUAWEI Watch 2: Band
Ab Werk gibt es simple Gummiarmbänder von Huawei.

„Sind nicht alle sportliche Uhren so?“, fragt ein Arbeitskollege gegen, als er nach seiner Meinung gefragt wird. Klar: Smartwatches mit einem Sportansatz dürfen natürlich nicht mit einem Lederarmband ausgestattet sein. Aber muss dafür wirklich der billigste Kunststoff zum Einsatz kommen? Im Vergleich zu den Armbändern von Apple, Fitbit oder Garmin fühlt sich die Komponente von Huawei etwas schäbig an. Das angebrachte Band ist starr und hart. Die haptische Wahrnehmung ist alles andere als positiv. Selbiges gilt auch für die Ladeschale, die nicht nur unglaublich dürftig ausschaut, sondern sich auch entsprechend Empfinden vermittelt. Hier wurde nur das Mindeste umgesetzt, ohne die emotionale Bedeutung einer Armbanduhr zu beachten. Bestätigt wird die Vermutung unter anderem dadurch, dass die Vorrichtung immer in der Farbe Weiß gehalten ist, wohingegen die Uhr in Schwarz daher kommt. Toller mixed look!

Glücklicherweise lassen sich die Bänder austauschen, denn die eigentliche Smartwatch-Einheit ist gegenüber dem Rest doch wertvoller aufgebaut: Metall- und hochwertige Kunststoff-Elemente, wasserdichtes Gehäuse mit IP68-Zertifizierung und angenehm drück- und hörbare Tasten an der rechten Seite. Die Armbänder haben eine Breite von 20 Millimeter und sind für Handumfänge von 140 bis 210 mm geeignet.

HUAWEI Watch 2: Hardware
Die Hardware der Watch 2 von Huawei ist top.

Die Watch 2 von Huawei besitzt all das, was eine Android-Wear-Smartwatch aktuell verfügen sollte: energieeffizienter Prozessor, 768 MByte Arbeitsspeicher und 4 GByte Speicher zum Füllen von Daten wie Musik. Im Gegensatz zu anderen Uhren ist der RAM um 256 MByte größer, dadurch können zeitgleich mehrere Anwendungen in den Zwischenspeicher abgelegt werden. Auch der Prozessor Snapdragon Wear 2100 von Qualcomm ist schnell und sorgt für eine reibungslose Benutzung im Alltag.

HUAWEI Watch 2: GPS
Neben dem russischen GLONASS besitzt die Watch 2 auch das US-amerikanische GPS, das leider nicht ganz schnell und akkurat funktionierte.

Neben Bluetooth 4.1 und NFC gibt es optional auch Modelle mit 4G. Unabhängig davon ist das Telefonieren in allen Ausführungen möglich – sowohl eigenständig, als auch als weitergeleiteter Anruf über das Smartphone. Die Gesprächsqualität ist nicht so gut und klar, wie bei einem kabellosen Headset. Für kurze Telefonate, wenn einmal die Hände nicht frei sein sollten, reicht es aber vollkommen aus. Weiterhin verfügt die Uhr über WLAN 802.11 bgn und verbindet sich auf Wunsch drahtlos mit einem auf dem Smartphone eingestellten Netzwerk. So können unter anderem auch Daten mit Google und Co. ausgetauscht werden.

Der Herzfrequenzmesser auf der unteren Seite der Uhr arbeitet nach einem Intervall und liefert ziemliche präzise Werte. Eine parallel gestartete Messung mit anderen Geräten zeigte selten große Abweichungen. Die Darstellung der Daten ist sowohl auf dem hellen 1,2 Zoll großen AMOLED-Display möglich, als auch auf dem verbundenen Smartphone. Etwas zu langsam fanden wir das integrierte GPS. Im Schnitt vergehen 25 Sekunden, bis eine Lokalisierung hergerichtet ist. Zudem ist eine Positionsermittlung um einige Meter ungenau.

In der 40 Gramm schweren Watch 2 hat Huawei einen Akku mit einer Nennladung von 420 Milliamperestunden verbaut. Bei einem unverbundenen Smartphone hielt die Uhr rund sechs Tage. Mit dem im Test genutzten BlackBerry KEYone von TCL Communications sind wir auf 2 bis 2,5 Tage gekommen. Das ist beeindruckend, da der derzeitige Standard bei rund einem Tag liegt. Aufgeladen wird die Smartwatch in weniger als einer Stunde und 30 Minuten über das mitgelieferte Cradle-System mit vier Kontaktstiften. Drahtloses Laden wäre uns lieber.

Huawei Watch 2 mit Sportarmband grau (55021682)

Schwarz

Huawei Watch 2 mit Sportarmband grau (55021682)

Grau

Huawei Watch 2 4G mit Sportarmband schwarz (55021666)

4G Schwarz

Huawei Watch 2 4G mit Sportarmband orange (55021665)

4G Orange

Huawei Watch 2 Classic grau mit Lederarmband schwarz (55021787)

Classic

Auf der Watch 2 ist Android als Betriebssystem installiert. Es ist die aktuellste Version von Android Wear OS. Eine Huawei-eigene Oberfläche sucht man vergebens, da Google den Herstellern eine Individualisierung verbietet. Das ist auch gut so, denn der Look und Feel von Android-basierten Uhren soll einheitlich sein.

Die Menüführung ist simple und intuitiv gehalten. Drückt man auf die obere physische Tasten am Rand, startet ein Halbkreis mit allen verfügbaren Apps. In einem anderen Systemkontext dient der Button auch zum Aufrufen von Google Assistant, dem universellen Assistenten, der exzellent auf Sprache reagiert und Antworten zu Fragen wie „Wie viel Kilometer sind 300 Miles?“ liefert.

Die Watch 2 von Huawei ist keine schlechte Smartwatch; sie ist aktuell und aufgrund ihrer Hardware schnell. Zudem gefällt uns die besonders gute Akkulaufzeit. Im Vergleich zum Modell aus dem Jahr 2015 ist das Display kleiner geworden, tragisch ist das aber nicht. Die Auflösung und Helligkeit sind trotzdem zufriedenstellend.

HUAWEI Watch 2: Tasten
Die untere Taste der Huawei Watch kann von dem Nutzer frei belegt werden. Ab Werk startet sie die Fitness-Applikation, die Schritte zählt, ein umfängliches Trainingsprogramm anbietet und den VO2Max-Wert ermittelt.

Das größte Problem haben wir mit der Verarbeitung und dem Preispunkt von 329 Euro. Für die optional erhältliche 4G-Variante zahlt man 50 Euro oben drauf. Alternative Smartwatches mit ähnlicher Ausstattung liegen unter 250 Euro. Wer hier oder dort Abstriche machen kann, zum Beispiel auf das ungenaue GPS, der sollte lieber zu einer Moto 360 2te Generation greifen oder die Huawei Watch der ersten Generation in Betracht ziehen.

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