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Test Huawei E5788: Gigabit-LTE-Router für die Hosentasche

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Bild: Harald Karcher

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Gigabit-schnelles LTE verspricht der mobile LTE-Router Huawei E5788. Wir testen das Gerät und zeigen, wie schnell es in der Realität funkt.

Der tragbare Huawei E5788 Router mit einem UVP von circa 300 Euro bringt Internet über die Luft mittels LTE-Cat-16 zum Endnutzer. Diese aktuell schnellste LTE-Gattung verspricht maximal 1000 MBit/s im Download und 150 MBit/s im Upload. Sollte der Router auf den 4G-Bändern mal kein Internet bekommen, schaltet er auf 3G-UMTS oder 2G-GSM zurück.

Der Huawei E5788 LTE-WLAN-Router ist in der Draufsicht etwas kleiner und dicker als ein Smartphone. Der Router passt gut in kleine Hemd- und Hosentaschen, in den Rucksack sowieso.

Der getestete E5788-R240h hat nur wenige Schnittstellen:

  • Links oben außen sitzt der Schlitz für eine Micro-SIM-Karte unter eine Plastiklasche.
  • Links mittig außen sitzt eine USB-Type-C-Schnittstelle. Man kann sie zum Laden oder zur Verbindung des Routers mit einem PC nutzen.
  • Links unten außen sitzt ein Reset-Taster in einer dünnen Vertiefung.
  • Rechts unten außen sitzt der Ein-Aus-Taster.
  • Frontal dominiert ein farbiges 2,4-Zoll-LC-Display.

Ansonsten gibt es an dem ganzen Gerät keine weiteren Öffnungen oder Vertiefungen, keine Buchsen für externe LTE-Antennen, keinen Wechsel-Akku.

Bild: Harald Karcher Der Huawei E5788 wurde mit einer Vodafone-SIM-Karte und einer vorkonfigurierten Vodafone-SSID zum Test angeliefert

Die Installation des Huawei E5788 war denkbar einfach: Links oben die SIM-Karte einstecken, rechts unten außen den Power-On-Taster drücken, die SIM-PIN bei Abfrage in das farbige LCD-Touchscreen eintippen. Circa 20 Sekunden später stand die LTE-Verbindung samt einem WLAN-Hotspot mit zwei SSIDs.

Nach diesem kurzen Hochfahren des Routers haben wir ein Sony Xperia XZ2 Premium (Testbericht) mit einer der zwei ausgestrahlten WLAN-SSIDs verbunden, das notwendige Passwort liegt bei. Danach hat das Surfen, Mailen und Streamen über den Huawei E5788 LTE-Hosentaschenrouter funktioniert.

Wer die Werkseinstellungen nicht mag, kann sie direkt am Touch-LCD des Routers ändern oder umbenennen. Alternativ kann man den Router über die kostenlose App Huawei Hilink vom Smartphone aus konfigurieren und verwalten.

Bild: Harald Karcher Von rechts oben: Der entfernte Funkturm schickt das Internet per LTE zum kleinen Huawei E5788 ins Dachgeschoss der Wohnung. Der E5788 verteilt es dort per WLAN in die umliegenden Räume. Der Tester wandert mit einem schnellen WLAN-Handy die sechs Positionen ab und misst den Durchsatz

Bei den Messungen im Haus geht es um die Frage, ob der LTE-Router einen herkömmlichen DSL- oder Kabel-Router samt eingebautem WLAN dauerhaft ersetzen kann. Zu diesem Zwecke stellen wir den Huawei E5788 an eine ähnliche Position wie bei früheren Tests, etwa zu WLAN-Repeatern (Übersicht). Anschließend wandern wir mit dem Sony Xperia sechs Räume ab und messen die Geschwindigkeit.

Die Router-Position rechts oben in der Gebäude-Grafik ist für eine gleichmäßige WLAN-Durchdringung der Wohnung gewollt ungünstig, weil dadurch in den Räumen 3 und 4 nur wenig WLAN ankommt. Just deshalb zeigt die Speed-Kurve bei schwachen WLAN-Routern in Zimmer 3 und 4 oft einen Durchhänger. Für den LTE-Empfang dagegen ist die Router-Position rechts oben im DG vorteilhaft, weil hier ein Fenster just in die Richtung eines großen Vodafone-Funkturmes zeigt.

Bild: Harald Karcher Links der Durchsatz bei 2,4 GHz, rechts im 5-GHz-Band.

War WLAN nur bei 2,4 GHz aktiv, lieferte der kleine Router ein brauchbares Internet. In den schwierigen Zimmern, Nummer 3 und 4, gab es wie erwartet einen Einbruch. War WLAN dagegen nur bei 5 GHz aktiv, war der Durchsatz an sich deutlich höher. Der Geschwindigkeitseinbruch ist weniger stark als beim 2,4-GHz-Band.

Bild: Harald Karcher Bei den Testfahrten lag der weiße GigaCube samt Extern-Akku im Fahrradkorb. Der kleine Huawei E 5788 samt Intern-Akku dagegen lag am S-Bahn-Fenster

Da der Router einen integrierten Akku besitzt, drängt sich eine mobile Messung förmlich auf. Bestückt mit einer Vodafone-SIM besteigen wir die Münchner Flughafenlinie S8 bei Daglfing und fahren zum Münchner Ostbahnhof, quer durch die City über Pasing bis zum Westkreuz und übers flache Land mit der S6 zum Starnberger See hinaus. Bei diesem Hindernislauf mussten die LTE-Router in der S-Bahn viele unterschiedliche LTE-Situationen bewältigen: Oberirdisch, unterirdisch, dicht besiedelte Stadtgebiete, locker bebaute Vororte, sowie eine kilometerlange Waldstrecke im Würmtal, kurz vor Starnberg. Zum Vergleich hatten wir einen Vodafone Gigacube im Gepäck. Er besitzt deutlich größere Antennen, muss aber mit einem externen Akku betrieben werden.

Die Messwerte notieren wir beim Ausfahren aus den 21 S-Bahnhöfen. Da sich die Gleise, Bahnhöfe und damit unsere Messpunkte über einen längeren Zeitraum hinweg nicht verschieben, können wir diese Messfahrten auch mit anderen LTE-Routern (und anderen LTE-SIM-Karten) vergleichbar wiederholen. Zwischen den Bahnhöfen dagegen nahmen wir nur Stichproben, vor allem in der langen Waldstrecke, die vor lauter Bäumen keinen markanten Fixpunkt hat.

Bild: Harald Karcher Rot-Orange zeigt den Speed im Download, Gelb im Upload. Speed-Werte links außen in Megabit pro Sekunde. Unten die S-Bahnhöfe, in denen gemessen wurde

Dabei machen sich die fehlenden Außenantennen bemerkbar. Während sich der große Gigacube von Vodafone mit seinem unspektakulären LTE-Cat-6-Funk-Modul auf der gesamten Strecke von München-Daglfing bis Starnberg wacker schlug, brachte der kleine Huawei E5788 Router trotz seiner LTE-Cat-16-Technik schlechtere Verbindungen zustande. Besonders in den schwierigen, unterirdischen Bahnhöfen Karlsplatz und Hauptbahnhof konnte der Huawei E5788 bei mehreren Durchfahrungen teils überhaupt keine LTE-Verbindung aufbauen. Hier schlagen die internen Antennen des Gigacube deutlich die modernste LTE-Cat-16-Elektronik des kleinen Huawei E5788.

Nichts zu meckern gibt es bei der Latenz. In der folgenden Tabelle sieht man neben den bloßen Speed-Werten in MBit/s auch die Ping-Zeiten in Millisekunden. Mit geringen Schwankungs-Breiten von 25 bis 48 ms sind sie in einem sehr guten Bereich, der für die meisten Anwendungen ausreicht. Allerdings war auch hier der große Gigacube mit 20 bis 39 ms noch ein kleines bisschen zackiger im Internet unterwegs als der kleine E5788.

LTE-Messung draußen
Bahnhof S-Bahn Bauart Ping (ms) Download (MByte/s) Upload (MByte/s)
Daglfing S8 oberirdisch 27 63,5 27,8
Leuchtenbergring S8 oberirdisch 27 12 25,6
Ostbahnhof S8 oberirdisch 29 22,5 20
Rosenheimer Platz S6 unterirdisch 29 14,3 5,7
Isartor S6 unterirdisch 26 15,5 6,1
Marienplatz S6 unterirdisch 29 13,1 3,8
Karlsplatz / Stachus S6 unterirdisch 0 0 0
Hauptbahnhof S6 unterirdisch 0 0 0
Hackerbrücke S6 oberirdisch 29 89,2 25,1
Donnersbergerbrücke S6 oberirdisch 25 10 7,1
Hirschgarten S6 oberirdisch 26 43,5 4,3
Laim S6 oberirdisch 38 1,9 6,2
Pasing S6 oberirdisch 37 94 7,2
Westkreuz S6 oberirdisch 35 2,9 5,6
Lochham S6 oberirdisch 32 11,5 6,9
Gräfelfing S6 oberirdisch 26 12,4 14,8
Planegg S6 oberirdisch 25 6,2 7,5
Stockdorf S6 oberirdisch 48 12 3,1
Gauting S6 oberirdisch 35 11,3 4,5
Stanberg Nord S6 oberirdisch 28 17,4 25
Stanberg S6 oberirdisch 30 5 4,7
Messung Dr. Harald Karcher Aug 18
Bild: Harald Karcher Ist der Hotspot nicht in Betrieb, sollte man ihn ausschalten.

Laut Huawei-Datenblatt hat der E5788 einen fest verbauten Li-Ion-Akku mit einer Kapazität von 3,8 V und 3000 mAh. Der maximale Verbrauch des Routers liege bei 3,5 W, die maximale Arbeitszeit bei 12 Stunden und die maximale Standby-Zeit bei 600 Stunden, je nach Netzwerk.

In einer Stichprobe hatten wir beide WLAN-Bänder bei 2,4 und 5 GHz mit maximalen Bandbreiten am Router eingeschaltet und ein Sony Smartphone verbunden, das etwa 300 E-Mails pro Tag abruft und 1-2 Stunden im Internet surft. Bei dieser Belastung hielt der Huawei E5788 Router definitiv keinen Tag durch. Das heißt: Hatten wir abends vergessen, das Gerät an ein Ladekabel zu hängen, dann war der mobile Router am nächsten Morgen leer.

Der theoretisch superschnelle LTE-Cat-16-Huawei-Router E5788 brachte die Gigabit-Speed im harten Praxistest weder auf der Straße, noch im Haus oder in der S-Bahn aufs per WLAN verbundene Smartphone. Davon abgesehen brachte er gerade unterwegs einen sehr respektablen Durchsatz, bis zu 94 MBit/s im Download waren in der S-Bahn drin. Ja, das ist weit weg vom Gigabit, reicht aber für ein realistisches Arbeiten unterwegs. Auch als Hotspot für die Ferienwohnung, den Campingplatz oder den Schrebergarten reicht der Router. Zumindest dann, wenn eine LTE-Abdeckung vorhanden ist.

Der Router punktet mit seinen kleinen Abmessungen und dem Touch-Display, über das er sich bequem konfigurieren lässt. Allerdings hat das seinen Preis. UVP des Routers liegt bei 300 Euro, der Straßenpreis zum Testzeitpunkt wenig darunter. Wer viel unterwegs ist, sollte sich vielleicht auch die Anschaffung einer leistungsstarken Powerbank überlegen, die das Gerät mit Strom versorgen.

Da wir offenbar ein sehr frühes Exemplar des Huawei E5788-R240h im Test hatten, sind eventuelle Anpassungen, gerade beim Aussehen, oder durch spätere Firmware-Updates nicht auszuschließen.

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