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Test: HTC One max – die Maxivariante des One (M7)

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"Maxi- oder Normalmenü?" Fast-Food-Fans in Deutschland kennen die Frage – und meist gibt es keinen Grund, den überschaubaren Aufpreis für die größere Portion Pommes und ein um 100 Mililiter größeres Getränk nicht zu investieren. Doch wer in den USA leichtfertig das große Menü ordert, bekommt einen Schiffscontainer Pommes. Ausreichend, um eine komplette Familie zu ernähren, und dazu gibt es gefühlte sechs Liter Cola. Einfach eine Nummer zu viel. Und so wirkt auch das HTC One Max auf uns.

Aus sicherer Entfernung betrachtet, könnte man das One Max auch für ein One Mini halten. Es ähnelt dem kleinen Bruder des One deutlich mehr als dem One selbst. Verantwortlich dafür ist der in unserem Fall weiße Plastikrahmen, der sich um das Smartphone zieht – und leider etwas billig wirkt. Beim Mini ist das okay, beim deutlich teureren Max wirkt es irgendwie wie ein Fremdkörper.

Wer sich das Smartphone aus der Nähe ansieht, wird förmlich erschlagen von seinen Abmessungen. Dass Größe relativ ist, fällt selten so krass auf wie beim HTC One Max. Auf Anhieb fühlt es sich einfach viel zu groß an, doch man gewöhnt sich schnell daran. Schon nach einer Stunde wirken alle anderen Smartphones im Vergleich wie Kinderspielzeug.

Das HTC One Max hat einen Kunststoffrahmen wie das One Mini.

Das komische Gefühl schwindet also, wenn man das Max benutzt – aber die Nachteile bleiben. Selbst mit großen Pranken ist es nicht möglich, das HTC-Flaggschiff einhändig zu bedienen, und aufgrund der elefantösen Abmessungen ist das Umgreifen mit einer Hand so schwierig wie das Lösen eines Rubikwürfels. Wer es übt, kommt damit klar, aber auf Anhieb ist das One Max einfach nicht handlich, sondern eine komplexe Aufgabe.

Um die Bedienung überhaupt zu ermöglichen, hat HTC den Ein/Aus-Taster erstmals auf der rechten Seite in Daumenhöhe platziert. Gute Entscheidung. Darüber sitzt der Wippschalter zur Lautstärkeregelung, oben haben Klinkenbuchse und Infrarot-Port zum Einsatz als Universalfernbedienung ihren Platz gefunden. Unten befinden sich Mikrofon und Micro-USB-Port – und am linken Rand sitzt oben ein kleiner Schiebeschalter. Er dient nicht etwa als Lautlos-Switch wie beim iPhone, sondern entriegelt den Alu-Deckel auf der Rückseite. Darunter: SIM- und microSD-Kartenslot. Ja genau: Das Max hat als erstes Smartphone der One-Serie einen Speicherkartenleser spendiert bekommen. Danke, HTC! Den Akku dagegen sieht man unterm Deckel nicht, und deswegen wirkt die große Klappe auf der Rückseite etwas wie eine Farce – die beiden Kartenleser hätte man sicherlich auch woanders unterbringen können. Noch dazu schließt der Deckel bei unserem Testgerät nicht auf Anhieb: Wir müssen ihn ganz schön hin- und herbewegen, bis er einrastet.

Die Rückseite hat noch eine Überraschung parat. Unterhalb der Kamera befindet sich eine viereckige Aussparung im Deckel, hinter der sich der Fingerabdruckscanner verbirgt. Er arbeitet im Gegensatz zu Touch ID des iPhone 5S nicht optisch, sondern kapazitiv. Der Nutzer muss mit dem Finger über die Sensorfläche wischen. Hier und da hören wir Beschwerden, dass der Sensor schwer erreichbar wäre oder den Finger nicht zuverlässig einliest, aber das können wir nicht bestätigen.

Insgesamt ist das One Max also eingentlich ein zu groß geratenes One Mini. Irgendwie wirkt es etwas zu klobig und zu unförmig. Der Fakt, dass das vom Display her fast gleich große Samsung Galaxy Note 3 ein deutlich kleineres Gehäuse hat, unterstreicht diesen Punkt zusätzlich.

Die Anzeige ist ausreichend hell, farbenfroh und hat große Blickwinkel. Allerdings spiegelt sie stark.

Mit einer Diagonale von 5,9 Zoll erreicht die Anzeige des HTC One Max schon fast das Niveau kleiner Tablets à la Nexus 7 oder iPad Mini. Es stellt 1920 × 1080 Pixel, also Full-HD dar, und kommt somit auf eine Pixeldichte von 373 ppi. Damit ist die Anzeige schärfer als die Retina-Displays von Apples iPhone.

Auch ansonsten hinterlässt der Bildschirm einen guten Eindruck. Es gibt keine starke Blickwinkelabhängigkeit, so dass auch kleinere Gruppen problemlos gleichzeitig einen Youtube-Clip oder Fotos betrachten können. Auch die Helligkeit ist mit knapp 400 cd/m² auf einem ordentlichen Niveau und sehr gleichmäßig über die komplette Display-Fläche verteilt – das ist einer der typischen Fallstricke von großen Anzeigen. Nur in der Mitte leuchtet das One Max etwas heller als an den Rändern, aber der Unterschied ist mit unter fünf Prozent mit dem Auge nicht zu erkennen. Allerdings spiegelt die Glasoberfläche stark. Das stört.

Bei voller Helligkeit messen wir ein Kontrastverhältnis von 1 zu 1000. Das ist auf dem gleichen Niveau wie etwa bei Sonys Xperia Z Ultra und eigentlich ein guter Wert: Schwarz sieht schwarz aus und nicht grau. "Eigentlich" deshalb, weil Samsung bei seinem Galaxy Note 3 auf ein Super-AMOLED-Display setzt, das prinzipbedingt einen unendlichen Kontrast aufweist, da schwarze Pixel gar nicht leuchten. Der Preis dafür sind schon fast unnatürlich kräftige Farben. Ob man LCDs oder OLED-Displays vorzieht, ist aber Geschmackssache. Fakt ist: Die Anzeige des One Max ist absolut konkurrenzfähig.

Die Kamera kennen wir schon – allerdings vom One Mini und nicht vom One. Der Unterschied ist der im Vergleich zum One fehlende optische Bildstabilisator. Ansonsten setzt HTC weiterhin auf seine Ultrapixel, sprich: Die Kamera hat eine Auflösung von 4 Megapixeln. Im Vergleich zur Digicam des Galaxy Note 3 fehlt es mächtig an Pixeln: Samsung verbaut einen Sensor mit einer Auflösung von 13 Megapixeln.

Die Kamera-Hardware ist exakt die gleiche wie im One Mini. Das normale One verfügt zusätzlich über einen Bildstabilisator. Übrigens: Das schwarze Viereck unterhalb der Linse ist der Fingerabdruckscanner.

In der Praxis fällt der Unterschied nur auf, wenn man große Abzüge auf Papier bannen oder die Fotos bearbeiten will. Bei Facebook, Flickr & Co. ist die geringere Pixelzahl kein Nachteil. Dafür hat sie aber einen Vorteil: Die anfallenden Datenmengen sind weitaus geringer. Daher nimmt das One Max wie seine Brüder statt einzelner Bilder auf Wunsch immer kurze Video-Clips auf, die es automatisch zu einem kleinen Video zusammenschneidet. Mit der aktuellen Sense-Version lässt sich dabei auch die Hintergrundmusik auswählen – feine Sache. Allerdings bemängeln einige Nutzer, dass die Vorlagen der früheren Zoe-Version nicht mehr mitgeliefert sind. Schade.

Wer wenig selbst mit seinen Fotos macht, also keine Photoshop-Orgien feiert oder regelmäßig Fotobücher drucken lässt, fährt gut damit. Mit wenig Aufwand schafft die HTC-Software Ergebnisse, die sich sehen lassen können. Wer aber lieber selbst Hand anlegt und genau weiß, was er fototechnisch will, fährt mit einem der Konkurrenten mit höher auflösender Kamera wohl besser.

Die Stereo-Lautsprecher sind kräftig, müssen aber ohne Beats-Audio-Option auskommen. Deswegen klingen sie bei manchen Songs nicht so gut wie die des One.

Klasse, denken wir uns: Die gleichen Stereo-Lautsprecher wie beim One, oberhalb und unterhalb des Displays, auf den Nutzer gerichtet, und gleichzeitig noch ein größeres Gehäuse. Das könnte für mehr Volumen und kräftigeren Bass sorgen. Aber in der Praxis leidet das One Max ein wenig darunter, dass HTC und der Kopfhörerhersteller Beats Audio künftig getrennte Wege gehen: Die Beats-Option ist aus dem Audio-Menü verschwunden.

Eigentlich handelt es sich dabei ohnehin nur um eine Equalizer-Voreinstellung. Doch deren Nutzen fällt erst dann so richtig auf, wenn sie fehlt: Im direkten Vergleich wirkt der Klang des One einfach satter und kräftiger als der des One Max. Natürlich führt so ein Equalizer auch dazu, dass der Sound verändert wird. Fans von klassischer Musik oder anderen Songs mit einem gewissen akustischen Anspruch werden beim One die Beats-Funktion sicherlich ausschalten. Der Unterschied ist nur: Dort hat man die Wahl. Beim One Max nicht. Die Einstellung ist weg.

Die mitgelieferten In-Ear-Kopfhörer kennen wir ebenfalls schon vom One. Im Paket sind drei Paar Ohrstöpsel enthalten – eins davon krallt sich sicherlich in jedem Ohr passend fest. Sie sitzen gut und sind vergleichsweise kräftig und basslastig. Leider fehlt nach wie vor ein Lautstärkeregler an der Kabel-Fernbedienung.

Auf dem One Max läuft Android in der Version 4.3. Dazu gibt es die HTC-eigene Sense-Oberfläche in der Version 5.5. Das ist eine gute Kombination, wobei eine Frage vielen Lesern schon jetzt unter den Nägeln brennen dürfte: Wann kommt das Update auf Android 4.4? Offiziell hat sich HTC noch nicht zu dem Thema geäußert. Das One wird die neue Version im Januar bekommen, zu Mini und Max gibt es noch keine Informationen. Wir würden allerdings die Hand dafür ins Feuer halten, dass das Update kommt – und tippen noch auf das erste Quartal 2014.

Hinter der schwarzen Abdeckung befindet sich wie beim One die Infrarotdiode, mit der das Max zur Universalfernbedienung wird. Allerdings ist in diesem Fall kein Ein-Aus-Taster integriert – er befindet sich auf der rechten Seite des Rahmens.

Die neue Version der Sense-Oberfläche kommt Android-Puristen durchaus gelegen. Denn die mit dem HTC One und Sense 5 eingeführte BlinkFeed-Oberfläche lässt sich nun auf Wunsch komplett abschalten. Im BlinkFeed sammelt das Smartphone aktuelle Nachrichten und Informationen aus den Social Networks, angepasst an die Interessen des Nutzers. Uns gefällt's, deswegen bleibt BlinkFeed bei unserem Testgerät auch an.

Ganz neu ist freilich die Unterstützung für den Fingerabdruckscanner. Einmal eingerichtet, entsperrt er das Smartphone per Fingerwisch. Zusätzlich lassen sich für bis zu drei Finger unterschiedliche Apps hinterlegen, die beim Wischen gestartet werden. So bringt etwa der Zeigefinger den Homescreen in den Vordergrund und der Mittelfinger die Kamera-App. Genial wäre es, wenn man diese Abkürzung in verschiedene Anwendungen jederzeit nutzen könnte – also ein Wisch mit dem Mittelfinger immer die Kamera startet. Leider klappt das aber nicht: Der Scanner ist nur dann aktiv, wenn das One Max gesperrt ist. Um aus dem laufenden Betrieb in die Kamera-App zu springen, müsste man das Smartphone also erst ab- und dann wieder anschalten, um es dann mit dem Mittelfinger zu entsperren. Und das ist schon wieder so ein großer Umweg, dass er in der Praxis nicht in Frage kommt.

Im One Max steckt quasi die gleiche Ausstattung wie im One: Ein Snapdragon-600-Quad-Core-Prozessor, der hier wie dort mit 1,7 GHz läuft, 2 GByte RAM, 32 GByte interner Speicher und so weiter – und damit sind auch die Leistungsdaten auf einer Linie, wie die Benchmarks zeigen.

Ist der Verzicht auf Qualcomms Top-Modell Snapdragon 800 ein Problem? Zwar erzielt der 800er spürbar bessere Ergebnisse in Benchmarks, aber in der Praxis fällt der Untschied deutlich weniger auf, als die Zahlen es vermuten lassen. Noch dazu profitieren sowohl Käufer des One als auch Käufer des One Max von der gemeinsamen Plattform: Es ist weniger Aufwand für die Entwickler, Software-Updates anzupassen – und damit profitieren die Besitzer beider Smartphones von kürzeren Update-Zyklen.

3DMark Ice Storm Unlimited 1.2 10203
Antutu 2 26114
Coremark v0.3 Single-Thread 5318
Coremark v0.3 Multi-Thread 16029
GFXBench 2.7 T-Rex HD offscreen 15 fps
GFXBench 2.7 T-Rex HD onscreen 15 fps
GLBenchmark Egypt HD Offscreen 42 fps
GLBenchmark Egypt HD Onscreen 39 fps
Quadrant 11972
Sunspider 1055 ms
Display-Ausleuchtung 81%
Display-Helligkeit (gemessen) 390 cd/m²
Akkulaufzeit (Video bei 200cd/m²) 13 h
Akkulaufzeit (Video maximale Helligkeit) 10.5 h
Akkulaufzeit (Spiel bei 200cd/m²) 5.3 h
Akkulaufzeit (Surfen über WLAN bei 200cd/m²) 13.4 h

Kurz und knapp: Beim One Max ruckelt nichts. Die Oberfläche reagiert flüssig, Apps starten schnell, und Spiele laufen klasse durch. Doch wer auf das letzte Stückchen Leistung steht, bekommt mit Samsungs Galaxy Note 3 oder Sonys Xperia Z Ultra deutlich bessere Ergebnisse.

Unter der Klappe sitzen die Slots für Speicherkarte und SIM-Karte. Der Akku ist allerdings fest verbaut.

Mit einer Kapazität von 3300 mAh spielt das One Max auf dem Datenblatt schon in der Oberliga der Stromspeicher. Er überragt nicht nur seinen eigenen Bruder deutlich (HTC One: 2300 mAh), sondern auch die Konkurrenz (Galaxy Note 3: 3200 mAh, Sony Xperia Z Ultra: 3000 mAh).

Im Test sorgt das für sehr ordentliche Ergebnisse. Beim Zocken hielt der Akku in unserem Test exakt 8 Stunden durch (Reckless Racing 2), beim Surfen über WLAN mit voller Display-Helligkeit 11 Stunden und 34 Minuten. Wenn wir die Display-Helligkeit auf etwa zwei Drittel reduzieren (gemessene 200 cd/m²), schafft das One Max sogar 14 Stunden und 55 Minuten. Das reicht selbst für Langstreckenflüge.

Die folgende Tabelle informiert über die Hardware-Ausstattung des One max.

Smartphone HTC One max Samsung Galaxy Note 3
Straßenpreis unbekannt unbekannt
Betriebssystem Android Android
Display 5,90 Zoll / LCD 5,70 Zoll / AMOLED
Auflösung 1920 × 1080 Pixel / 373 ppi 1920 × 1080 Pixel / 386 ppi
Kamera 4 Megapixel / BSI-CMOS 13 Megapixel / BSI-CMOS
Blitz, Videoleuchte Foto-LED Foto-LED
Auflösung (Video) 1920 x 1080 3840 x 2160
Frontkamera 2,1 Megapixel 2 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 600 APQ8064T / 1,7 GHz / 4 Kerne Qualcomm Snapdragon 800 MSM8974 / 1,9 GHz / 4 Kerne
Speicherkartenslot ja / microSDXC bis 64 GByte ja / microSDXC bis 64 GByte
LTE ja / 800, 1800, 2600 ja / 800, 850, 900, 1800, 2100, 2600
WLAN 802.11a/b/g/n und ac 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4 4.0 Low Energy
NFC ja ja
GPS / Glonass ja / k. A. ja / ja
Radio / FM-Transmitter ja / k. A. k. A. / k. A.
Akku-Kapazität 3300 mAh / k. A. 3200 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A. k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A. k. A. / k. A.
Abmessung 83 × 164 × 11 mm 79 × 151 × 8.4 mm
Gewicht 219 Gramm 168 Gramm

Das HTC One Max ist ein echter Klopper. Kein Maxi-, sondern ein XXL-Menü. Technisch ist es auf dem Niveau des One – und damit sehr ordentlich ausgestattet, im Vergleich zum Note 3 aber nicht mehr die absolute Oberliga. Dafür gibt es aber ein wertiges Metallgehäuse mit leicht klemmender Haubenmechanik, einen Fingerabdruckscanner, eine attraktive Oberfläche und einen Akku, der mindestens genau so kräftig ist wie das komplette Smartphone Phablet.

Kaufen oder nicht? Geschmackssache. Technisch spricht nichts dagegen. Alle Komponenten sind auf hohem oder sehr hohem Niveau. Die Software gehört zur Spitzenklasse im Android-Markt, und die Kamera-Funktionen sind nicht nur eine witzige Spielerei, sondern auch praktisch. Ob man sich mit dem großen Gehäuse im Allgemeinen anfreunden kann, muss man selbst entscheiden. Das Galaxy Note 3 kann im direkten Vergleich aber noch einen kräftigen Pluspunkt sammeln: Stift und entsprechende Software sind dabei.

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