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Test: HTC Desire 820 – groß, günstig und ... gut?

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Mit dem HTC Desire 820 hat das taiwanesische Unternehmen auf der IFA 2014 in Berlin das Top-Modell der Desire-Reihe vorgestellt. Das Top-Modell war es allerdings nur für gefühlte drei Tage, denn kurze Zeit später wurde das Desire Eye angekündigt. Das große Phablet überzeugt auf dem Papier mit starken technischen Daten. Wir hatten das Desire 820 im Einsatz. Ob uns das Gerät überzeugen konnte oder nicht, erfahrt Ihr in unserem Testbericht.

Die Rückseite des HTC Desire 820

Die technischen Daten des Smartphones lesen sich wirklich gut: Im Inneren werkelt ein 64-Bit-Prozessor von Qualcomm, der Snapdragon 615 mit acht Rechenkernen. Das LCD misst 5,5 Zoll in der Diagonalen und löst 1280 × 720 Pixeln auf; die Pixeldichte beträgt demnach 267 ppi. Auf der Rückseite sitzt die 13-Megapixel-Hauptkamera, welche von einer (!) LED unterstützt wird. Hochauflösende Selfies ermöglicht eine zum Nutzer gerichtete 8-Megapixel-Kamera. Dank LTE Cat.4, Dual-Band-WLAN, Bluetooth 4.0, GPS und GLONASS gibt es genug Möglichkeiten zur Kommunikation mit der Außenwelt. Desweiteren gibt es 2 GByte Arbeitsspeicher und 16 GByte an internem Speicher, der sich über eine microSDXC-Karte erweitern lässt. Bei dem Desire 820 handelt es sich primär um ein Dual-SIM-Smartphone; Ihr könnt also zwei verschiedene SIM-Karten einsetzen. In Deutschland wird das Gerät jedoch nur mit einem SIM-Karten-Slot auf den Markt kommen.

Das HTC Desire 820 besteht komplett aus Polycarbonat. Je nach Modell ist das Gehäuse überwiegend Weiß oder Grau gefärbt, zusätzlich gibt es Aktzentfarben am Rahmen, um Kamera und Tasten sowie beim Herstellerlogo auf der Rückseite. Das Gerät lässt sich nicht öffnen, der Akku ist dementsprechend nicht ohne spezielles Werkzeug und Know-how erreichbar.

microUSB-Anchluss des HTC Desire 820


Das Gerät ist leider sehr groß geraten. Es ist größer als andere Smartphones mit vergleichbar großen Displays. Das liegt an den BoomSound-Lautsprechern an beiden Enden des Handys. Diese und der großzügige Rand machen das Desire 820 zu einem sehr großen Smartphone – einem Phablet eben, aber mit vergleichsweise kleinem Display. Das führt dazu, dass das Gerät sehr unhandlich ist. Und selbst wenn man es mit zwei Händen nutzt, was Pflicht ist, erreicht man das oberste Viertel der Anzeige nur schwer. Hinzu kommt, dass HTC sämtliche Tasten zwar auf der rechten Seite platziert hat, die Lautstärke-Wippe ist unserer Meinung nach aber einfach zu hoch für eine angenehme Nutzung.

Die Verarbeitung hingegen ist einwandfrei: Die Spaltmaße sind eng und gleichmäßig und alles sitzt so, wie es sitzen soll. Trotz Kunststoff-Gehäuses wirkt das Desire 820 sehr stabil. Allerdings: Dem glänzenden Kunststoff sieht man die Nutzung leider schon nach kurzer Zeit an. Die Stellen mit der Aktzentfarbe sind übrigens nicht einfach nur geklebt, sondern mit dem anderen Kunststoff verschmolzen. Danach wurden bei der Fertigung die Farbpartikel aufgetragen. Das sorgt dafür, dass man keinen Übergang spürt und es keine störenden Kanten oder Ritze gibt. Da die Bauteile durchgefärbt sind, scheint bei Kratzern oder Schrammen auch keine andere Farbe durch.

Uns sagt das Design sehr zu. Es ist nicht zwar nicht so elegant wie ein HTC One oder ein iPhone, wirkt dafür aber sportlich und jugendlich.

Unser Testgerät läuft mit Android OS 4.4.4 alias Kitkat und HTCs eigener Benutzeroberfläche Sense 6.0. Ein Update auf 5.0 hat der Hersteller schon zugesagt, einen Zeitpunkt aber noch nicht genannt. Wie wir es von HTC kennen, bietet Sense UI einen großen Funktionsumfang. Das Ganze wirkt aber nicht überladen, da die Oberfläche sehr modern, gut strukturiert und aufgeräumt ist. Neben den üblichen Android-Features gibt es beispielsweise den Blinkfeed – ein zentraler Ort für Nachrichten und Statusmeldungen. Darüber hinaus hat die Oberfläche eine umfangreiche Kameraapplikation und weitere mehr oder minder nützliche Funktionen.

Da das Gerät noch nicht mit Android OS Lollipop läuft, bringt die 64-Bit-Architektur des Porzessors herzlich wenig – denn erst mit der kommenden Version 5.0 wird die CPU voll ausgereizt. Das soll nicht heißen, dass das Desire 820 mit OS 4.4 KitKat lahm ist. Im Gegenteil: Die Performance ist mehr als lobenswert und vergleichbar mit der vieler Oberklasse-Smartphones. Größere Dokumente öffnet es im Nu, aufwändige Internetseiten werden rasch gerendert und auch mit anspruchsvolleren Spielen kommt das Desire 820 zurecht. Und mit dem Lollipop-Update wird sich die Performance sogar noch verbessern.

Display des HTC Desire 820

Das 5,5 Zoll große LCDisplay ist mit einer Auflösung von 1280 × 720 Pixeln und einer Pixeldichte von 267 nicht das schärfste. Dass HTC kein Full-HD-Display verbaut hat, ist wohl einfach dem Preis des Desire 820 geschuldet. Die geringe Pixeldichte macht sich allerdings negativ bemerkbar – vor allem beim Lesen längerer Texte. Auch etwas enttäuschend ist, dass die von den One-Smartphones bekannten Gesten nicht unterstützt werden. Mit einer Wischbewegung über das Display das Smartphone wecken? Ne, sagt HTC.

Die Farbwiedergabe der Anzeige ist in Ordnung, aber nicht perfekt. Das Weiß ist nicht so rein und das Schwarz nicht dunkel genug. Dafür werden Farben schön und realistisch wiedergegeben. Bei steileren Blickwinkeln sind Details nicht mehr ganz so gut zu erkennen, ist aber nicht im tragischen Bereich. Alles in allem ist das Display in Ordnung, aber nicht mehr als das. An dieser Stelle merkt man leider, warum unser Testgerät Desire und nicht One heißt.

Primär werden Fotos von einem 13-Megapixel-Sensor erfasst, der bei dunklen Situationen von einer LED unterstützt wird. Fangen wir mit der Kamera-Software an: HTC eigene App ist gut strukturiert und leicht verständlich. Sie bietet Filter, die in Echtzeit angezeigt werden, einen HDR-, sowie Split-Modus und vieles mehr.

Die Foto-Qualität ist leider weniger positiv und schlechter als zunächst erwartet. Auch bei gutem Licht geraten die Ergebnisse dunkel. Und wenn mal etwas mehr Licht fällt, fehlt es den Fotos an Schärfe und Details. Dasselbe gilt auch für die Frontkamera, nur eben in entsprechend stärkerer Form. Selbstportraits gelingen mit dem Desire 820 aber auf jeden Fall besser als mit vielen anderen Geräten – selbst im High-End-Bereich. Positiv anzumerken ist zudem die Weitwinkeloptik.

Kamera des HTC Desire 820

Als Stromquelle dient ein 2600 mAh großer, nicht austauschbarer Akku. Er ist zwar kleiner als der in vergleichbar großen Phablets, liefert aber auch bei intensiver Nutzung ausreichend Strom für einen Tag. Das dürfte wohl an der geringeren Displayauflösung liegen. Wenigstens einen Vorteil bringt die niedrige Pixeldichte dann doch mit. Während des Testzeitraumes haben wir diverse Konten in verschiedenen sozialen Netzwerken genutzt, im Internet gesurft und viele Nachrichten verschickt. Die Displayhelligkeit stand dabei so gut wie immer auf Maximum. Am Ende der Tage hatte das Gerät im Schnitt noch eine Reserve von 25 Prozent – ein guter Wert.

Weiter zu erwähnen sind definitiv die genialen BoomSound-Lautsprecher mit einer für Smartphones ausgezeichneten Qualität und Lautstärke. Die Sprachqualität während Telefonaten ist dank Geräuschunterdrückung super.

Das HTC Desire 820 gefällt uns eigentlich gut. Beim Display und – zu unserer Überraschung – auch bei der primären Kamera muss man Kompromisse eingehen. Deshalb wirkt das Phablet leider wenig komplett: Die Nachteile heben viele Vorteile auf. Was bringt einem das große Display, wenn die Auflösung zu gering ist und die Fotos nicht einmal mittelmäßig geraten? Die Frage muss man sich selbst stellen, bevor man sich das Desire 820 zulegt. Der Rest passt nämlich: Die Performance ist Lobenswert und die Verarbeitung ebenfalls. Zudem ist es dank 64-Bit-Prozessor gewappnet für die Zukunft. Und mit Android 5.0 kann das Desire 820 nur besser werden.

Können wir Euch das Desire 820 empfehlen? Nicht ganz, nein. Das liegt aber nicht daran, dass es ein schlechtes Produkt ist. Nur hat HTC ein ähnliches und besseres Gerät im Line-Up – quasi ein erweitertes Desire 820, das Desire Eye. Dieses Smartphone hat jeweils zwei LEDs mit verschiedenen Temperaturen auf der Rück-, sowie Vorderseite, eine 13-Megapixel Frontkamera und ein Full-HD-Display. Es wird zwar etwas teuer, aber wir denken, der Aufpreis lohnt sich. Mehr zu den beiden Geräten seht Ihr auch im BestFight.

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