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Test E-Reader Tolino Shine 3: klein, günstig, sehr gut

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Der günstige E-Book-Reader Tolino Shine 3 überzeugt uns mit seinem stimmigen Gesamtpaket. Wo es trotzdem hakt, zeigt der Test.

Der auf der Frankfurter Buchmesse 2018 von der Tolino-Allianz vorgestellte E-Book-Reader Shine 3 beerbt nach drei Jahren seinen Vorgänger Tolino Shine 2 HD. Wer nun Angst hat, der E-Reader würde mit dem Wegfall des Namenszusatzes HD auf eine hochauflösende Darstellung verzichten, darf aufatmen. Nach wie vor kommt das sehr gute, 6 Zoll große E-Ink-Carta-Touch-Display mit einer Auflösung von 1448 × 1072 Pixel (300 ppi) zum Einsatz, das so auch schon im Amazon Kindle Paperwhite (Testbericht) und Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) für eine gestochen scharfe Darstellung sorgt. Ghosting, also das Durchscheinen der vorherigen Seite, ist nur bei sehr genauem Hinsehen feststellbar.

Neben dem neuen Namen stellt der Wegfall des Tolino-typischen Home-Buttons einen weiteren Traditionsbruch dar. Damit verliert der Shine 3 ein Tolino-Erkennungsmerkmal und nähert sich optisch dem Kindle Paperwhite an. Um zum Startbildschirm zu kommen, erkennt die Software nun Wischgesten vom unteren Rand nach oben.

Von warmweiß bis kaltweiß: Die Farbtemperatur ist variabel.

Toll: Die Beleuchtung des E-Reader kennt verschiedene Farbtemperaturen. Besonders abends kann es beim Einschlafen helfen, die Farbtemperatur von kaltweiß auf warmweiß zu stellen. Dies geschieht entweder manuell in den Einstellungen über einen Schieberegler in elf Stufen oder auf Wunsch abhängig von der Tageszeit automatisiert. Direkt zu den Beleuchtungseinstellungen führt von jedem Bildschirm eine Wischgeste vom oberen Display-Rand nach unten.

Insgesamt ist die Displaybeleuchtung gelungen. Kein Lichthof stört bei unserem Gerät den Lesefluss. Die minimale Helligkeit ist akzeptabel, hätte aber gerne noch etwas dunkler ausfallen dürfen. Zu Beginn waren wir von der recht geringen maximalen Helligkeit enttäuscht. Allerdings lässt sich durch ein längeres Tippen auf das Wort Hell in den Beleuchtungsoptionen die maximale Helligkeit deutlich erhöhen. Nun überstrahlt der Shine 3 viele seiner Konkurrenten. Im bald folgenden Vergleichstest zwischen dem aktuellen Kindle Paperwhite, dem Pocketbook Touch HD 3 und eben diesem Gerät werden wir darauf genauer eingehen.

Der Shine 3 basiert aufgrund einer Technologiekooperation mit Rakuten Kobo sowohl optisch, als auch technisch auf dem fast identischen Kobo Clara HD. Dieser ist ebenfalls in Deutschland verfügbar, kostet jedoch mehr. Der Shine 3 kommt ohne IP-Zertifizierung gegen das Eindringen von Staub und Wasser. Das ist schade, handelt es sich doch um ein Feature, dass sich nach und nach auch im Einstiegsbereich durchsetzt.

Der Tolino Shine 3 hat eine Rückseite zum Abgewöhnen.
Der einzige physische Knopf am Shine 3 erinnert an einen Schlitten für SIM-Karten – inklusive Loch für die SIM-Nadel.

Die Rückseite besteht aus einer Hartplastik mit angedeuteter Perforation und eingelassenem Tolino-Schriftzug. Das schaut nicht nur billig aus, sondern fühlt sich auch so an. Vor zehn Jahren fand man derartiges Material noch ab und an auf der Rückseite von Einstiegs-Smartphones und regte sich schon damals darüber auf. Das ist heute kaum anders. Auch deswegen empfehlen wir ein Schutz-Cover, so erledigt sich dieses Problem quasi von selbst.

Außer dem breiten On-/Off-Button auf der Unterseite gibt es keine physischen Knöpfe. Schade, gerade beim Seitenwechsel sind solche Knöpfe eine gern gesehene Alternative zum Touch-Screen. Eine ebenfalls an der Unterseite befindliche Micro-USB-Buchse verbindet den E-Book-Reader für den Datenaustausch mit dem Rechner und lädt den 1500-mAh-Akku. Im Gegensatz zum Paperwhite schließt das Display nicht plan ab, sondern ist leicht eingelassen.

Mit 165 g ist der Shine 3 deutlich leichter als der Amazon Kindle Paperwhite (191 g), wenn auch nicht ganz so leicht wie der Pocketbook Touch HD 3 (157 g). Mit 156.4 × 110.2 × 8.35 mm unterbietet er beide Konkurrenten bezüglich seiner Maße leicht.

Im Gegensatz zum Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) reagiert der Shine 3 flott und ohne merkliche Verzögerungen auf Nutzereingaben. Durch die sehr gute Performance funktioniert auch die Schrifteingabe über die virtuelle QWERTZ-Tastatur sehr gut.

Für Daten stehen 5,8 von 8 GByte zur Verfügung. Einen Einschub für eine Speichererweiterung sucht man vergebens. Da der E-Reader keine Hörbücher wiedergeben kann, sollte der Platz jedoch reichen. Auf die Durchschnittgröße eines E-Books umgerechnet passen etwa 6000 digitale Bücher auf das Gerät. Der Shine 3 versteht die Formate Epub (DRM), PDF (DRM) und TXT.

Mit der auf Android basierenden Firmware 12.1.0 führt Tolino die bereits oben erwähnte Gestensteuerung ein. Außerdem gibt es nun einen Linkshändermodus, in dem das linke Bilddrittel eine Seite vorwärts blättert. Die neue Option, das Standby-Bild zu individualisieren, ist eher Spielerei. Ansonsten hat sich nicht viel geändert. Das ist grundsätzlich okay, war die Bedienung doch bereits bei den Vorgängern aufgeräumt und selbsterklärend.

Der Tolino Shine 3 ist dank des Android-Unterbaus besonders für Bastler interessant, die über ADB Root-Zugriff erhalten und eigene Apps wie zum Beispiel alternative Leseapps via Sideloading installieren.

Die Bücher werden dank Cloud-Anbindung geräteübergreifend seitengenau synchronisiert.
Der Browser gehört zu den besten E-Book-Browsern überhaupt – was nicht bedeutet, dass man auf ihm gut surfen kann.

Der vorinstallierte Shop im Tolino Shine 3 lässt sich nicht ändern und zeigt auf dem Startbildschirm E-Book-Empfehlungen an – ob man will oder nicht. Seine Wahl hängt davon ab, wo man das Gerät gekauft hat. In unserem Fall ist Thalia vorinstalliert. Wer bei Weltbild kauf, hat den Weltbild-Shop und so weiter. Über die Bibliotheksverknüpfung können Nutzer anderer von Tolino unterstützter Shops diese verbinden, um dort gekaufte Bücher auf den E-Book-Reader zu importieren.

Einmal beim vorinstallierten Shop angemeldet, steht dem Nutzer auch die Tolino-Cloud in Form des Tolino Webreaders und der Tolino Apps (iOS/Android) zur Verfügung. Dort werden alle Bücher auf bis zu fünf Geräten seitengenau synchronisiert. Im Test funktionierte das anstandslos.

Der E-Reader bietet einen Webbrowser mit Lesezeichenunterstützung, der Webseiten fehlerfrei und vergleichsweise flott darstellt. Damit gehört er zu den besten Browsern, die man auf einem E-Book-Reader finden kann. Zu viel sollte man sich dennoch nicht erwarten, da vor allem Scrollen auf einem E-Ink-Display wirklich keinen Spaß macht. Allerdings ist es so möglich, alternative Shops oder das Onleihe-Angebot der Bibliotheken zu nutzen.

Die Lieblingsschriftart ist nicht dabei? Kein Problem, Comic Sans MS kann wie die meisten Fonts nachinstalliert werden.

Tippt man im Buch ins rechte Drittel des Bildschirms, blättert der Shine 3 nach vorne. Das linke Drittel führt eine Seite zurück. Gleiches funktioniert unabhängig von Bildschirmbereich auch mit einer Wischgeste in entsprechende Richtung. Die Optionen öffnen sich durch das Tippen in den mittleren Bildbereich. Dort kippt das Bild auf Wunsch ins Querformat, zeigt das Inhaltsverzeichnis an, führt ins Notizverzeichnis, sucht nach Stichwörtern oder passt die Textdarstellung an. Zur Wahl stehen Zeilenabstand, Ausrichtung, Seitenrand sowie neun Schriftgrößen und sieben verschiedene Schriftarten. Die Fonts können durch das Ablegen in das entsprechende Geräteverzeichnis erweitert werden. Beim Abstecken vom Rechner bestätigt ein Pop-Up die Installation.

Das Pop-Up-Menü erscheint nach dem langen Drücken eines Wortes.

Das längere Drücken eines Wortes führt zu einem Pop-Up-Menü mit den Optionen Markieren, Notiz erstellen, Nachschlagen und Übersetzen. Markierungen und Notizen lassen sich anschließend im vom Gerät erstellten E-Book Meine Notizen nachlesen. Dank Cloud steht dies auf allen verknüpften Geräten bereit. Für Nachschlagen und Übersetzen muss man zunächst unkompliziert direkt am Gerät ein passendes Wörterbuch (Wiktionary), beziehungsweise für das Übersetzen die passende Sprache herunterladen.

PDFs stellt der Shine 3 im Vollbild dar. Dank Pinch-to-Zoom-Geste sind auch kleine Passagen gut lesbar. Allerdings gibt es keine Anzeigemodi wie eine Navigationsleiste. Der E-Reader wandelt das PDF auf Wunsch in ein Textformat um. Das klappt je nach PDF-Formatierung mal besser und mal schlechter.

Der im Oktober 2018 eingeführte Tolino Shine 3 kostet laut Preisverlauf seit gut zwei Monaten relativ konstant knapp 100 Euro. Nur einmal war er drei Tage lang auf unter 90 Euro reduziert. Wir empfehlen, ihn zusammen mit einem Cover zu nutzen. Dank des identischen Designs passen auch Hüllen für den Kobo Clara HD.

tolino shine 3

Tolino Shine 3

reboon booncover S3 beige/türkis (5013)

reboon booncover S3 beige/türkis

Kobo Clara HD SleepCover schwarz (N249-AC-BK-E-PU)

Kobo Clara Sleepcover schwarz

Kobo Clara HD SleepCover blau (N249-AC-BL-E-PU)

Kobo Clara Sleepcover blau

Der Tolino Shine 3 ist mit knapp 100 Euro eins der günstigsten Geräte am Markt. Dafür bietet er eine sehr gute Beleuchtung mit unterschiedlichen Farbtemperaturen, mit der sogar einige teurere Geräte nicht mithalten können. Das E-Ink-Carta-Display ist hervorragend. Hervorzuheben sind die schnelle Performance, der gute Browser und die Möglichkeit zum ADB-Root.

Die rutschige, Fingerabdruck-anfällige und einfach billige wirkende Materialwahl der Rückseite ist sehr fragwürdig. Mit einer optionalen Schutzhülle, die wir ohnehin empfehlen, erledigt sich das Problem jedoch von selbst.

Toll hätten wir noch Wasserdichtigkeit sowie das Unterstützen von Hörbüchern gefunden. Für den günstigen Preis war dies jedoch auch nicht zu erwarten. Für Käufer die auf diese beiden Punkte verzichten können, ist der Tolino Shine 3 eine würdige Alternative zum Amazon Kindle Paperwhite (Testbericht) und muss sich auch vor dem deutlich teureren Pocketbook Touch HD 3 (Testbericht) nicht verstecken.

Alle drei Geräte haben bei uns mit der Gesamtnote Sehr Gut abgeschlossen. Im bald folgenden Vergleichstest schicken wir sie ins Rennen um Platz Eins.

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