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Test: Das Samsung Galaxy S20 Ultra setzt neue Maßstäbe

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Das Samsung Galaxy S20 Ultra will in allen Bereichen das Beste vom besten liefern, der Hersteller greift dafür tief in die Technik-, aber auch die PR-Kiste.

Samsungs S-Klasse stellt – abgesehen von der Note-Reihe mit seinem derzeitigen Topmodell Galaxy Note 10+ (Testbericht) – die Speerspitze der koreanischen Smartphone-Kunst dar. Um deren Spitzenplatz zu behaupten, der beim Vorgänger Galaxy S10 (Testbericht) und S10+ (Testbericht) zumindest teilweise zu bröckeln begonnen hatte, legt der Hersteller bei mehreren Punkte deutlich nach. Vor allem die Kamera soll endlich im Vergleich zu Huawei- und Apple-Geräten klar vorn liegen.

Das Topmodell der neuen S20-Modelle, das den Zusatz „Ultra“ trägt, hat auf dem Papier schon einmal beste Chancen, in allen Bereichen Klassenprimus zu werden. Denn mit 5G-Unterstützung, ultraschnellem Chipsatz, extrem viel Speicher, hochauflösendem 120-Hz-Display und 100-fachem Zoom kann das Smartphone zumindest in der Theorie deutlich mehr als die Konkurrenz. Und in der Praxis?

Glas vorn, Glas hinten – alles wie gehabt, könnte man meinen. Tatsächlich verzichtet Samsung beim Galaxy S20 Ultra aber erstmals seit mehreren S-Klasse-Generationen auf die stark gebogenen Display-Ränder. Die sahen zwar schick aus und machten die Samsung-Modelle eine Zeit lang unverwechselbar, einzigartig ist dieses Design aber dank der Nachahmung anderer Hersteller schon lange nicht mehr. Außerdem bietet die starke Display-Rundung auch Nachteile. So wird einerseits der Rahmen dadurch so dünn, dass normales Halten ohne Berührung des Touchscreens Glückssache ist, außerdem sind störende Reflexionen auf den Krümmungen nicht zu vermeiden. Beim neuen S20 Ultra hat sich Samsung daher wieder für einen Screen entschieden, der nur an den äußersten Rändern eine leichte Wölbung aufweist. Neben den angesprochenen Vorteilen erlaubt das dem Hersteller außerdem, eine Schutzfolie aufzubringen.

Kaum sichtbare Frontkamera in der Punchhole-Notch

Klingt gut, ist es bei unserem Testgerät aber leider nicht. Denn einerseits wies diese Schutzschicht bereits direkt aus dem Karton Kratzer auf, außerdem war die Folie nicht exakt zentriert aufgebracht, sodass die durch eine Punchhole-Notch lugende Frontkamera nicht ganz mittig eingebaut zu sein schien – eine optische Täuschung. Die Beschädigung sollte bei einem nagelneuen Produkt eigentlich nicht vorkommen, da unser Testmuster allerdings bei Ankunft noch versiegelt war, ist ein Anwender- oder Testfehler auszuschließen. Natürlich ist das ein kleines Ärgernis, immerhin lässt sich die Folie mit wenig Aufwand und einem Werkzeug entfernen. Da sie an den Rändern beim Drüberstreichen mit dem Finger ohnehin als zu scharfkantig empfunden wird, entfernten wir sie daher kurzerhand. Dank Gorilla Glas 6 sollte sich das im Alltag eigentlich nicht nachteilig auswirken.

Nicht der Mount Everest, aber alles andere als zierlich

Bei den Vorgängermodellen war der ohnehin schon schmale Rahmen wegen der Display-Krümmung so gut wie gar nicht mehr zu sehen, das ist jetzt wieder anders. Schlimm finden wir das aber nicht, denn die hauchdünnen schwarzen Striche rings um den Screen sind so schmal, dass sie ohnehin nur bei genauem Hinsehen auffallen. Die Front des Galaxy S20 Ultra sieht auch ohne Display-Krümmung modern aus. Von der Rückseite kann man das nur bedingt behaupten. Das Ultra-Modell kommt nur in den etwas biederen Farben Schwarz und Grau daher, das versprüht wenig hippen Charm. Schlimmer wiegt allerdings die extrem ausladende Kameraeinheit in der linken oberen Ecke. Wobei „in der Ecke“ viel zu sehr nach einer überschaubaren Größe klingt. Tatsächlich ist die Kameraeinheit halb so breit wie das ganze Smartphone und nimmt in der Länge auch immer noch etwa ein Drittel ein. Hinzu kommt, dass die Linsensammlung rund 2 Millimeter aus dem restlichen Gehäuse hervorsteht.

Zum Protzen mag dieser Look mit seiner exzentrischen Kameratechnik (mehr dazu im Kamera-Kapitel) geeignet sein, schließlich gibt es Nutzer, die auf ein altes Smartphone größere Fake-Linsen aufkleben, um ein neueres Modell zu imitieren. Ästhetisch geht aber anders. Spötter könnten aufgrund der Form der Kameraeinheit gar behaupten, das Ultra-Modell sehe so aus, als habe es ein kleineres, dickeres Handy verschluckt – irgendwie passend, aber wenig vorteilhaft für Samsung. Bei den anderen S20-Modellen ist die Kameraeinheit zum Glück kleiner.

Keine Bixby-Taste mehr

Ansonsten ist das Design des Smartphones durchaus gelungen. Der Metallrahmen, der Front und Rückseite zusammenhält, ist weiterhin schmal und wirkt extrem hochwertig. Um darin Lautstärke- und Powertaste unterbringen zu können, ist das Material an den entsprechenden Stellen verbreitert. Er verläuft aber mangels entsprechender Display-Krümmung nicht mehr mittig, sondern leicht nach vorn zum Display-Rand versetzt. Dadurch können Nutzer das Smartphone wie beschrieben trotz ähnlich schmalem Rahmen wie beim Vorgänger besser in der Hand halten. Die Antennenfugen sind perfekt in das Metall eingelassen, der SIM-Schlitten auf der Stirnseite optimal in den Rahmen implementiert. Beim S20 Ultra macht Samsung bezüglich der Wertigkeit alles richtig. Die typische Rutschigkeit des Glasgehäuses ist natürlich auch beim S20-Modell gegeben, ebenso die generelle Bruchanfälligkeit im Falle des Falles, die jedem Glas-Smartphone gemein ist. Durch den hohen Anteil an verklebten Bauteilen bietet im Gegenzug das S20 Ultra wieder IP68-Zertifizierung und ist somit gegen Eindringen von Staub und Wasser bis zu einem gewissen Grad geschützt.

Bleibt ein letztes, nicht zu übersehendes Thema: Die Größe des S20 Ultra. 167 × 76 Millimeter und satte 222 Gramm sind ein Hammer – im negativen Sinne. Zudem kommen zu den angegebenen 8,8 Millimeter Dicke noch rund 2 Millimeter für die aufgepropfte Kameraeinheit. Das alles wirkt sich negativ auf die Handhabung aus, bei längerer Nutzung merkt man das Gewicht durchaus. In erster Linie dürfte das aber Geschmackssache sein: Verzichte ich zugunsten des Riesen-Displays auf Handlichkeit, will ich eine potenziell hervorragende Kamera und kann dafür auch mit dem Buckel auf der Rückseite leben? Menschen mit kleinen Händen und Hosentaschen sollten wohl lieber zu einem anderen Gerät greifen.

Das Ultra-Modell ist das Größte der drei S20-Versionen. Stolze 6,9 Zoll misst der beeindruckende OLED-Bildschirm, der eine knackscharfe Auflösung von 3200 × 1440 Pixel bietet und somit auf fast 510 PPI. Besser geht es aktuell kaum. Der Screen ist damit sogar größer, als ein komplettes Huawei P30 Pro (Testbericht). Aber nicht nur die schiere Größe und die Auflösung beeindrucken, sondern auch die Bildwiederholungsrate. Denn die gibt Samsung mit 120 Hertz an – doppelt so schnell wie „normale“ Smartphones und immer noch mehr als bei Apples iPhone 11 und Oneplus 7T Pro (Testbericht) mit je 90 Hz. Allerdings schummelt Samsung bei seiner Angabe etwas, denn die gilt nicht für die volle Display-Auflösung, sondern bei Aktivierung der 120 Hz wird sie automatisch auf 2400 × 1080 Pixel und somit nur noch rund 380 PPI reduziert. Das ist zwar auch nicht unscharf und um einen Unterschied zu sehen muss man am besten schon gleich mit optischen Hilfsmitteln wie einer Lupe an den Screen herangehen. Vollmundig von 120 Hz zu sprechen und diese dann aber nur mit solchen – angeblichen – Stromspartricks zu erreichen, hinterlässt durchaus ein Geschmäckle.

Gut, dass die restlichen Werte des Riesen-Panels über alle Zweifel erhaben sind. Wie immer bei Samsung besticht der OLED-Screen mit starken Kontrasten, tiefem Schwarz, auf Wunsch intensiven Farben und einer sehr guten Blickwinkelstabilität. Letztere haben wir bei Spitzenmodellen aus Südkorea gefühlt aber schon noch besser gesehen. Sei es drum; Die Helligkeit ist auf jeden Fall wieder beeindruckend. Das bezieht sich wie immer bei Samsungs OLED-Screens nicht auf den Maximalwert im manuellen Modus, denn hier leistet das Panel nur etwa 390 cd/m². Das ist zwar kein schlechter Wert, aber auch kein herausragender. Erst im Automatikmodus dreht das S20 Ultra richtig auf – wortwörtlich. Wenn dann nämlich helles Licht auf den Umgebungslichtsensor fällt, steigt die maximale Helligkeit auf fast 900 cd/m² und das ist dann durchaus ein bemerkenswert hoher Wert. Probleme mit der Ablesbarkeit sind damit selbst bei direkter Sonneneinstrahlung unwahrscheinlich.

Die angesprochene riesige Kameraeinheit hat einen Grund: Im Gegensatz zu den anderen beiden S20-Modellen verfügt das Ultra-Modell nicht nur über einen riesigen 108-Megapixel-Sensor, sondern bietet auch 10-fach Hybridzoom. Wie viel dabei optisch (vermutlich 4-fach) und wie viel elektronisch ist, verrät Samsung nicht. Um den Zoom in das Gehäuse zu bekommen, reichte auch der Kamerabuckel nicht. Stattdessen hat Samsung die Mechanik dafür wie schon Huawei im P30 Pro (Testbericht) ins Gehäuse gelegt und leitet die Blickrichtung der Kamera ähnlich wie bei einem Periskop um.

Klobige kameraeinheit beim Ultra-Modell

Beim PR-wirksamen 100-fach-Zoom kommt hingegen ausschließlich elektronische Vergrößerung zum Einsatz. Und um das vorweg zu nehmen: Das sieht man auch. Wirklich nutzbar ist der daher nur, um auf große Distanz überhaupt noch etwas erkennen zu können. Das ist durchaus faszinierend, von „guter Bildqualität“ kann dann aber keine Rede mehr sein. Das ist bei Huaweis 50-fach-Zoom genauso, auffällig ist außerdem, dass die tatsächliche Vergrößerung beider Modelle kaum unterschiedlich ist – trotz auf dem Papier doppelter Vergrößerung beim Samsung-Modell. Hier hat Samsungs Presseabteilung, die den „Space Zoom“ gern in den Vordergrund von Werbeaktionen stellt, es etwas übertrieben. Besser als Huawei hat Samsung allerdings ein anderes, mit dem Zoom einhergehendes Problem gelöst. Wer derart weit hineinzoomt, findet schnell das anvisierte Objekt nicht mehr wieder. Beim Galaxy S20 Ultra zeigt hingegen ein kleines Software-Fenster ab 20-facher Vergrößerung ein ungezoomtes Bild des Motives mit Fadenkreuz. Spitze, damit bleibt die Übersicht erhalten.

Davon unabhängig sind die technischen Daten beeindruckend. Die riesige 108-Megapixel-Optik mit dem zusammen mit Xiaomi entwickelten und weiter verbesserten Isocell-Bright-HM1-Sensor verfügt über eine Blende von f/1.8 und eine Brennweite von 26 Millimeter. Der 1/1.33 Zoll große Sensor ist im Vergleich zu Spitzen-Smartphones der Konkurrenz zwar riesig, wegen der hohen Megapixel-Zahl sind einzelne Bildpunkte letztendlich doch wieder nur 0.8µm klein. Aus diesem Grund dürfte die Voreinstellung für die Ultra-Kamera auch bei 12 Megapixel liegen, bei der mittels Pixel Binning nicht nur Informationen aus 4 Pixel wie bei der Konkurrenz, sondern aus satten 9 Pixel zu einem Superpixel vereint werden. Ein Phasenvergleichs-Autofokus (PDAF) und ein optischer Bildstabilisator (OIS) für diese Linse runden das überwältigende Technik-Overkill-Bild ab.

Die zweithöche Auflösung liefert mit 48 Megapixel die periskopartig eingebaute Zoom-Kamera. Sie kommt allerdings nur auf eine maximale Offenblende von f/3.5 und ist entsprechend deutlich weniger lichtempfindlich. Sie weist eine Brennweite von 103mm auf und verwendet einen 1/2.0 Zoll großen Sensor mit ebenfalls 0,8 µm großen Bildpunkten. Sie bietet PDAF, OIS und neben 10-fach-Hybrid-Vergrößerung auch bis zu 100-fachen Zoom. Die dritte Linse ist für Ultraweitwinkelaufnahmen zuständig. Die werden mit 12 Megapixel in den Speicher gebannt, entstehen mit einer Blende von f/2.2 und 13 Millimeter und die Pixel-Größe beträgt 1.4 µm. Neben Fotos werden auch Videos im Super-Steady-Mode mit dieser Linse aufgenommen. Die vierte Optik lässt sich nur indirekt für Aufnahmen nutzen. Bei ihr handelt es sich um eine TOF-3D-Kamera (Time of Flight) mit 0,3 Megapixel und f/1.0, um Entfernungen zu Objekten präzise bestimmen zu können und bessere Bokeh-Effekte zu ermöglichen. Damit bietet das Ultra zumindest auf dem Papier die beste Kamera der drei S20-Modelle und auch die Konkurrenz sieht ziemlich alt aus. Die variable Bende aus dem Vorgänger Galaxy S10+ (Testbericht) ist übrigens nicht mehr an Bord.

Originalaufnahmen mit dem Samsung Galaxy S20 Ultra mit Space Zoom (19 Bilder)

Standard-Fotomodus, Freihand, keine Vergrößerung

Wow – da muss die Qualität von Fotos ja eigentlich hervorragend sein. Tatsächlich ist sie das, zumindest überwiegend. In normaler Umgebung liefert das S20 Ultra die besten Ergebnisse im voreingestellten 4:3-Format, denn hier kommen die eingangs angesprochenen 12 Megapixel (16:9 und 1:1 nur 9 Megapixel, Full 7,2 Megapixel) mit 9-fachem Pixel Binning zum Einsatz und sorgen für scharfe, detailreiche Aufnahmen mit so gut wie keinem Bildrauschen und dank Auto-HDR toller Bilddynamik. Helle Bildbereiche brennen dabei selten aus, dunkle saufen nicht ab – klasse! Wer noch mehr feine Strukturen erkennen will, darf sogar echte 108-Megapixel-Aufnahmen machen. Die volle Auflösung lohnt sich außerdem, wenn feststeht, dass der genaue Bildausschnitt erst später am PC gewählt werden soll. Allerdings sind 108-Megapixel-Aufnahmen nur bei optimalen Lichtverhältnissen zu empfehlen. Bei strahlendem Sonnenschein brennen helle Bildbereiche schneller als bei 12-Megapixelaufnahmen aus, bei zu wenig Licht steigt schnell Bildrauschen an und dunkle Bereiche saufen ab. Wenn alles stimmt, ist der Detailreichtum solcher Aufnahmen aber bemerkenswert.

Das gilt auch für Nachtaufnahmen, mit denen es Samsung erstmals schafft, komplett zur Konkurrenz von Huawei aufzuschließen. Fotos, die im manuell zu aktivierenden Nachtmodus geknipst werden, müssen sich nicht mehr hinter der Konkurrenz verstecken und überzeugen im direkten Vergleich mit wenig Bildrauschen, guter Bildschärfe und hoher Detaildarstellung – sogar Freihand. Wer gern selbst Hand anlegt, wird mit dem Pro-Modus glücklich, denn es auch für Videoaufnahmen gibt. Nicht nur nachts zaubert das Samsung Galaxy S20 Ultra damit und mit den richtigen Einstellungen Bilder in den Speicher, die auf ähnlichem Niveau wie der bisherige Nachtprimus Google Pixel 4 XL (Testbericht) liegen. Zudem erlaubt das Samsung-Modell in diesem Modus auch RAW-Aufnahmen für die spätere Bildbearbeitung. Ebenfalls überzeugend: Weitwinkelaufnahmen. Dabei rechnet das Smartphone in der Voreinstellung Verzerrungen selbständig heraus und liefert dank sehr guter Werte bei Dynamik und Farbwiedergabe ähnlich gute Bildqualität wie „normale“ Aufnahmen. Der herkömmliche Zoom des Galaxy S20 Ultra, also alles bis 10-fache Vergrößerung, weiß ebenfalls zu überzeugen und liegt jetzt mindestens auf dem Niveau des bisherigen Zoom-Königs Huawei P30 Pro. Wer diesen Hybrid-Zoom des S20-Modells nutzt, erhält in allen Zoom-Stufen beeindruckend scharfe Bilder, bei denen auch Details nicht übermäßig verloren gehen. Der Begriff „Zoom-Stufen“ ist dabei sogar eigentlich falsch, denn die Vergrößerung geschieht vom absoluten Weitwinkel bis zur 100-fachen Vergrößerung stufenlos.

Alle Bilder vom Test des Samsung Galaxy S20 Ultra (24 Bilder)

Beeindruckend ist wieder einmal der Videomodus. Das liegt weniger an dem neuen Auflösungs-Bestwert (das S20 Ultra erlaubt jetzt Aufnahmen in 8K), zumal die Bildqualität in 8K in Kombination mit niedriger Bildwiederholungsrate (24 FPS) ziemlich enttäuscht. Ein weiteres Problem: Für 8K-Videos gibt es bislang kaum Abspielgeräte wie Fernseher und wenn, dann sind sie extrem teuer. Selbst auf einem PC verweigern die meisten Player die (flüssige!) Wiedergabe. Zum Glück sehen Videos in 4K/60 und FHD/60 dank hervorragender Bildstabilisierung richtig gut aus, sodass die 8K-Funktion kaum jemand vermissen dürfte. Allerdings ist 8K schon das dritte Feature des S20 Ultra, dass der Hersteller in den Fokus seiner Werbung für das Gerät rückt und das nicht vollends überzeugt...

Selfies mit der Frontkamera dürfen Nutzer mit 40 Megapixel erstellen, entweder mit voller Auflösung oder mit reduzierter Pixel-Zahl und Pixel Binning. Da erneut Auto-HDR zum Einsatz kommt, passt in den meisten Bildern die Bilddynamik. Bildschärfe und Details sind sogar bei weniger Licht ebenfalls auf hohem Niveau. Videos sind in 4K/60 möglich und bieten unter anderem Features wie Audio-Zoom, bei dem Ton vor allem von der Geräuschquelle im Sucherzentrum aufgefangen, während der Rest reduziert aufgezeichnet wird.

Herz des Samsung Galaxy S20 Ultra ist der neue Exynos 990, dessen acht Kerne mit bis zu 2,73 GHz takten. Er kombiniert eine Mali-G77 MP11 als GPU mit je nach Version 12 oder sogar 16 GByte RAM. Mehr geht derzeit nicht. Damit erreicht das neue Smartphone stolze 510.00 Punkte im Antutu-Benchmark und schlägt sogar den bisherigen Android-Spitzenreiter Asus ROG Phone 2 (Testbericht). Die überbordende Power macht sich auch im Alltag bemerkbar, in dem das Samsung-Smartphone zu keinem Zeitpunkt annähernd an seine Grenzen kommt. Die werden derzeit eher noch von Google gesetzt. So fand sich der oben erwähnte Antutu-Benchmark nicht im Play Store, sondern musste per Side-Load installiert werden. Mit offizieller Verfügbarkeit sollte dieses Problem aber schnell behoben sein. Wer übrigens noch schneller oder zumindest flüssiger etwa durch Websites scrollen will, sollte die 120-Hz-Option aktivieren. Wie oben angesprochen reduziert sich dadurch die Auflösung und der Stromverbrauch ist dennoch höher als bei 60 Hz.

Beim internen Speicher setzt Samsung Bestmarken: Die „kleine“ Version kommt mit 128 GByte (in Deutschland nur mit 12 GByte RAM), die Große sogar mit 512 GByte (16 GByte RAM) – beide Versionen lassen sich dann sogar noch per Micro-SD erweitern. Alternativ schluckt das Ultra auch zwei SIM-Karten oder Nutzer greifen auf die eSIM zurück, sofern sie dafür einen ordentlichen Tarif finden. Bei den Vorgängern gab es noch keine eSIM. Auch bei der restlichen Konnektivität greift Samsung tief in die Ausstattungskiste. 5G ist mit dabei, ebenso LTE Cat 20 mit bis zu 2 Gbit/s im Down- und 150 Mbit/s im Upload, außerdem neuestes Wifi-6, Bluetooth 5.0, NFC und USB C 3.2. Der Fingerabdrucksensor ist unter dem Display versteckt. Er liegt etwas höher als bei den Vorgängern und somit leichter erreichbar und funktionierte im Test recht schnell und zuverlässig. Eine Klinkenbuchse fehlt mittlerweile, die war bei den Vorgängern noch dabei. Dafür sind die beiden Lautsprecher auf Stirn- und Fußseite des Gerätes kräftig und klar, ohne dabei zu übersteuern. Mit dem im Lieferumfang befindlichen AKG-Headset klingt das natürlich trotzdem deutlich besser.

Als Betriebssystem läuft auf dem Samsung Galaxy S20 Ultra Android 10, darüber legt der Hersteller seine Benutzeroberfläche One UI 2.1. Im Vergleich zu früher punktet OneUI mittlerweile mit guter Übersichtlichkeit trotz vieler Zusatzoptionen. Gut gefallen haben uns der neue Quick-Share-Schnellzugriff in der Statuszeile, mittels dessen Inhalte mit Nutzern im näheren Umkreis schnell und einfach geteilt werden können. Außerdem gibt es jetzt nicht mehr Bixby Home, sondern an dessen Stelle ist Samsung Daily gerückt. Ohnehin ist Bixby endlich wenigstens auf den ersten Blick vom S20 verschwunden, zumindest die dedizierte Bixby-Taste gibt es nicht mehr. Den dürften die wenigesten Nutzer vermissen.

Andere gute Dinge wurden hingegen beibehalten. Dazu gehört etwa der Desktop-Modus Dex, der aus jedem HDMI-fähigen Fernseher oder Monitor mittels USB-auf-HDMI-Kabel einen PC-Ersatz macht, wenn man zur Optimierung zusätzlich noch Bluetooth-Maus- und Tastatur ankoppelt. In diesem Zusammenhang praktisch: Ein Software-Paket von Microsoft (OneDrive Office) ist bereits auf dem S20 Ultra vorinstalliert.

Stolze 5000 mAh liefert der Akku des Samsung Galaxy S20 Ultra, soviel bietet kaum ein anderes Smartphone. Die hohen Erwartungen, die so eine hohe Kapazität erwecken, kann das Ultra-Modell aber nicht ganz erfüllen. Im Battery Test von PCmark kommt das Gerät auf sehr ordentliche 12 Stunden, mit aktivierter 120-Hz-Wiedergabe rund 1,5 Stunden weniger – das ist ziemlich gut, aber es gibt eben noch bessere Smartphones, die darüber hinaus bisweilen sogar kleinere Akkus haben. Im Alltag spielen solche Betrachtungen aber keine Rolle, Sorgen müssen sich Nutzer des Mega-Modells nicht machen. Ein Tag ist bei intensiver Nutzung drin, Normalnutzer werden locker auch über den zweiten Tag kommen.

Etwas entäuschend ist der Umstand, dass Samsung zwar ein 45-Watt Ladegerät für das S20 Ultra anbietet, dafür aber 50 Euro extra haben will – bei einem Smartphone für mindestens 1249 Euro! Stattdessen liegt nur ein 25-Watt-Netzteil im Lieferkarton. Damit benötigt das Gerät etwa 1,5 Stunden, was in Anbetracht des großen Akkus dennoch ein guter Wert ist. Nach einer halben Stunde ist das Ultra sogar schon halb voll, schnelles Zwischenladen ist also auch mit dem Standardzubehör möglich. Natürlich versteht sich das Spitzenmodell der S20-Reihe auch auf kabelloses Laden per Qi-Standard, theoretisch sogar mit bis zu 15 Watt. Eine passende Ladeschale muss allerdings zusätzlich gekauft werden. Erneut kann das S20 Ultra anderen kompatiblen Geräten als kabellose Ladestelle dienen. Das ist gerade mit kabellosen In-Ears wie den neuen Samsung Galaxy Buds+ praktisch, deren Ladeschale kabellos laden kann.

In Deutschland gibt es das Ultra-Modell offiziell nur in Grau und Schwarz und zusätzlich in den Speicherversionen 128/12 GByte und 512/16 GByte. Die Varianten mit Qualcomm Snapdragon 865 sind hierzulande nicht erhältlich. Die UVP für die beiden deutschen Versionen liegen bei stolzen 1349 und 1549 Euro – das entspricht je nach Region einer doppelten Monatsmiete oder mehr. Zum Testzeitpunkt vor dem offiziellen Verkaufsstart der S20-Modelle waren die Preise noch nicht wesentlich gefallen.

Samsung Galaxy S20 Ultra 5G G988B/DS 128GB cosmic black

Samsung Galaxy S20 Ultra 128/12 GB schwarz

Samsung Galaxy S20 Ultra 5G G988B/DS 512GB cosmic black

Samsung Galaxy S20 Ultra 512/16 GB schwarz

Samsung Galaxy S20 Ultra 5G G988B/DS 128GB cosmic gray

Samsung Galaxy S20 Ultra 128/12 GB Grau

Samsung Galaxy S20 Ultra 5G G988B/DS 512GB cosmic gray

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  • Ist das Samsung Galaxy S20 Ultra das perfekte Smartphone? Sicherlich nicht. Denn es verspricht werbewirksam Dinge, die es teilweise nicht oder nur eingeschränkt halten kann (120 Hz, 8K, Space Zoom) und dürfte auch beim Design mit seinem Kamera-Buckel nicht jeden überzeugen. Allein schon die schiere Größe wird wohl für einige Interessenten ein Ausschlusskriterium sein, aber für die gibt es dann ja noch die zwei kleineren Modelle. Hinzu kommt allerdings ein exorbitanter Preis, dessen neutral betrachteter Unverschämtheit zum Trotz (derer sich auch alle anderen Spitzenhersteller schuldig machen) sich auch das S20 Ultra wieder blendend verkaufen wird. Grundsätzlich zu recht, denn das Gesamtpaket des Smartphones ist einfach richtig gut. Nur sollte sich dann eben auch niemand über die ständig steigenden Preise der Top-Smartphones beschweren – der Kunde entscheidet mit seinem Kaufverhalten, was Unternehmen auf den Markt bringen und wie sie es verkaufen.

    Highlights des Samsung Galaxy S20 Ultra sind das grandiose Display, die Verarbeitung, die Rechenpower, die Kameraqualität bei Tag und Nacht (abgesehen vom Space Zoom und 8K) und die Speichermenge. Dazu kommen dann noch Finessen wie 5G und Wifi-6 – das alles machen das Ultra-Modell zu einem, wenn nicht gar DEM Spitzenmodell. Zumindest, bis die Konkurrenz nachzieht.

    Wer der Preisspirale entfliehen will, der sollte einen Blick auf Modelle wie das Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht) oder das Huawei P30 Pro (Testbericht) aus dem vergangenen Jahr werfen. Beide Modelle kosten nur einen Bruchteil der UVP des S20 Ultra. Weitere Alternativen haben wir in unserem Artikel Samsung Galaxy S20: Günstige Alternativen zum Topmodell zusammengefasst. Noch günstiger wird es mit unserem Ratgeber: Die besten Smartphones bis 400 Euro und bei unserer Kaufberatung: Smartphones mit OLED bis 300 Euro.

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