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Test DJI Osmo Pocket: das kleinste Gimbal mit Kamera

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Das DJI Osmo Pocket bietet 4K-Videos mit 60 FPS und Gimbal-Stabilisierung auf drei Achsen in der Größe eines Schokoriegels. Wir haben das Handheld-Gimbal im Test.

Die beste Kamera ist die, die man dabei hat. Damit hat das Smartphone klar die Nase vorn. Noch dazu filmen und fotografieren einige wie das Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) oder das Google Pixel 3 (Testbericht) fast schon in Profi-Qualität. Doch sobald man sich beim Filmen bewegt, verwackelt das Bild trotz optischer und/oder digitaler Stabilisierung. Hier helfen Smartphone-Gimbals (Vergleichstest) mit einer Drei-Achsen-Stabilisierung. Doch diese sind groß und unhandlich, passen nicht mal eben in eine Hosentasche. Entsprechend sind sie häufig nicht mit dabei, wenn man sie eigentlich bräuchte.

Genau hier setzt das DJI Osmo Pocket an. Es ist kaum größer als ein Schokoriegel und passt damit in wirklich jede Hosentasche. DJI verbaut in dem Zwerg unter anderem ein winziges Gimbal mit Stabilisierung auf drei Achsen, eine leistungsfähige 4K-Kamera und ein 1-Zoll-Display. Im Test muss das DJI Osmo Pocket zeigen, was es kann.

Das DJI Osmo Pocket kommt inklusive einer einfachen Schutzhülle.

Das DJI Osmo Pocket ist mit 12,2 × 2,9 × 3,7 cm klein, sehr klein sogar, und wiegt nur 116 g. Dabei ist allein das Gimbal zusammen mit der Kamera nur etwa 3,7 cm hoch und damit sogar etwas kompakter als an den aktuellen DJI-Drohnen Mavic Air, Pro und Zoom (Vergleichstest). Das Gimbal hat seine Schrumpfkur hervorragend vertragen und steht bezüglich seiner Stabilisierung auch deutlich größeren Modellen in nichts nach.

Drei Modi bestimmen maßgeblich das Verhalten des Gimbals. Tilt Lock hält die Kamera auf einer horizontalen Linie fest, nach links und rechts folgt sie der Bewegung des Nutzers. FPV folgt jeder Handbewegung, macht sie jedoch weicher. Follow folgt der Handbewegung wie im FPV-Modus, neigt die Kamera allerdings nicht nach links und rechts.

Außerdem dreht das Gimbal auf Wunsch die Kamera zum Nutzer und verfolgt nach einem Doppelklick das Gesicht oder beliebige Objekte. Das freut besonders Vlogger, die allerdings beim Filmen aufpassen müssen, nicht das Mikrofon an der Unterseite mit der Hand zu verdecken. Alternativ lässt sich über einen bald erhältlichen Adapter ein externes Mikrofon anschließen.

Ungewöhnlich und schade: Die drei Achsen des Gimbals schaffen keine volle Umdrehung, sondern stoßen nach etwa 330 Grad an ihre Grenzen. Einmal im Face-Track-Modus komplett um das DJI Osmo Pocket zu laufen, um zum Beispiel die Umgebung zu präsentieren, ist also nicht möglich.

Was wir vermissen, ist der von anderen DJI-Gimbals bekannte Free-Mode, der eine Richtung fixiert und sie dann unabhängig von der Handbewegung verfolgt. Das kann zum Beispiel praktisch sein, wenn man eine Straße entlang läuft, Passanten ausweicht und dennoch will, dass die Kamera stur in eine Richtung zeigt. Die Kamera folgt immer den Links-/Rechtsbewegungen der Hand, egal welcher Modus. Noch dazu bereits ab einem sehr geringen Abweichwinkel von geschätzt zwei bis drei Grad, der sich nicht anpassen lässt. Immerhin kann man von Fast Follow auf Slow Follow stellen, damit die Kamera bei Bewegung nicht mehr allzu hektisch nach links oder rechts springt.

Die fehlende Anpassungmöglichkeit des Winkels ist schade und fast schon ein Grund, zu einer anderen Lösung zu greifen. Allerding ließe sich das Problem relativ einfach über ein Software-Update beheben.

Bild: Unten verbaut DJI einen USB-C-Ladeport – aber leider kein Stativgewinde.

Videos nimmt das DJI Osmo Pocket in Full-HD- (1920 × 1080) oder UHD-Auflösung (3840 × 2160) mit 24, 25, 48, 50 oder 60 FPS auf. In voller Auflösung mit 30 FPS filmt das Gerät knapp zwei Stunden, bevor es wieder für ein Stunde ans nicht mitgelieferte Netzteil muss. Der Akku ist nicht austauschbar, allerdings funktioniert das Gerät auch ohne Einschränkungen mit einer Power-Bank am USB-C-Port.

In den Pro-Einstellungen wählt man für Videos unter anderem zwischen den Videoformaten MP4 und MOV, bestimmt den Weißabgleich oder blendet eine Überbelichtungswarnung ein. Der Bildsensor der Kamera ist 1/2,3 Zoll groß und damit etwas größer als bei guten Foto-Smartphones. Die Pixelgröße beträgt 1,55 μm. Das sind hervorragende Bedingungen für eine gute Foto- und Videoqualität. Tatsächlich gefallen uns die Ergebnisse gut. Gerade bei optimale Lichtbedingungen spielt die Kamera ihre Stärken voll aus. Sie zeigt viele Details und passt sich schnell der jeweiligen Helligkeit an. Zu Beispielaufnahmen geht es hier und hier und hier. In den Beispielaufnahmen besteht unten rechts die Möglichkeit, die maximal Auflösung von 4K zu wählen.

Allerdings ist der Autofokus langsam und konzentriert sich häufiger auf das falsche Objekt. Bei wenig Licht pumpt er auch gerne mal mitten in der Aufnahme scheinbar grundlos auf der Suche nach neuen Fokuspunkten, siehe diese Testaufnahme. Kein Vergleich zur Fokusleistung aktueller Foto-Handys wie dem Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) oder dem Google Pixel 3 (XL) (Testbericht). Zum Glück lässt sich der automatische Fokus ausschalten.

Nachtaufnahmen sind trotz der beachtlichen Sensor- sowie Pixelgröße in Verbindung mit der Gimbal-Stabilisierung keine Paradedisziplin des Osmo Pocket. Die Videos zeigen zwar wenig Bildrauschen, sind in den meisten Fällen aber zu dunkel, wie in dieser Testaufnahme zu sehen. Besser wird es, wenn man die Bildwiederholungsrate von 60 auf 30 FPS herunterregelt. So fängt der Sensor dank einer längeren Belichtungszeit für jedes einzelne Bild mehr Licht ein. Außerdem sorgt beim Filmen in Full-HD die Einstellung Fine für etwas bessere Aufnahmen.

Der rechte der beiden Knöpfe schaltet zwischen Foto und Video hin und her, der linke löst aus.

Fotos speichert das Gerät mit 12 Megapixeln ab, auf Wunsch auch als Raw-Datei. Auch hier ist die Qualität gut, kommt aber wie beim Video nicht an die besten Foto-Handys heran. Testbilder hier. Gut haben uns die Panorama-Aufnahmen gefallen. Neben dem klassischen Modus, in dem vier Bildern direkt hintereinander horizontal aufgenommen und zu einem Bild zusammengefügt werden (4040 × 1016 Pixel), schießt das Osmo Pocket auch Panoramabilder mit 3 × 3 Bildern und speichert sie im 4:3-Format (2277 × 1690 Pixel) ab. Beides funktionierte im Test zumindest bei ruhigen Objekten gut. Testbilder hier.

Zeitlupe nimmt das Osmo Pocket mit 1080p / 120 FPS auf und rechnet es auf 30 FPS herunter. Dafür wird vom Bild deutlich mehr abgeschnitten, als man es von anderen Geräten gewohnt ist. Trotzdem sind die Ergebnisse gerade in Verbindung mit der hervorragenden Bildstabilisierung faszinierend. Testaufnahme hier.

Schön ist auch der Zeitraffer-Modus. Hier bestimmt der Nutzer zuvor die Dauer der Aufnahme und das Intervall. Außerdem setzt man bis zu vier Fokuspunkte, die das Gimbal während der Aufnahme der Reihe nach ansteuert. Die Bilder speichert das Osmo Pocket einzeln in voller Auflösung ab und setzt sie mit 1080p eigenständig zusammen. Testaufnahme hier.

Die meisten Funktionen sind über das briefmarkengroße Display erreichbar. Das klappt trotz der geringen Größe erstaunlich gut. Dafür hat sich DJI ein cleveres Konzept überlegt. So öffnet sich, je nachdem von welcher der vier Seiten man in Richtung Displaymitte streicht, ein anders Menü. Die einzelnen Punkte sind groß genug dargestellt, um sie auch mit großen Daumen sicher zu treffen.

Neben der Ein-/Ausschaltfunktion wechselt der rechte der beiden physischen Knöpfe zwischen Foto und Video, der linke dient als Auslöser. Die Höhenverstellung der Kamera funktioniert über einen sehr kleinen Schiebeschalter auf der rechten Seite des Displays. Auch wenn DJI die Bedienung über das Winz-Display im Grunde gut gelöst hat, diesen Schiebeschalter beim Filmen zu treffen, gleicht einem Glücksspiel.

Direkt über den beiden physischen Knöpfchen verstecken sich hinter eine Abdeckung acht offene Pins, um wahlweise die mitgelieferten Lightning- oder USB-C-Adapter anzuschließen. Im Grunde eine gute Idee. Allerdings sind die Adapter sehr klein und gehen schnell verloren.

Einmal eingesteckt, ragt der Lightning- oder USB-C-Port zur direkten Verbindung mit dem entsprechenden Smartphone an der Seite heraus. Das funktioniert in unserem Fall auch mit Smartphone-Hülle. Derartig miteinander verbunden lassen sich nicht nur Daten auf das Telefon schieben. Auch dient nun das große Smartphones-Display als Sucher und zeigt außerdem zusätzliche Optionen wie den Pro-Modus an.

Die neue DJI-App Mimo erstellt auf iOS-Geräten auf Wunsch vorgefertigte Stories, die passende App für Android soll noch folgen. Allerdings kann man die aufgenommenen Videos auch per App händisch zusammenschneiden und mit Musik hinterlegen sowie einen Titel einblenden. Im Test funktionierte das allerdings nicht mit 4K-Aufnahmen, was bei einer 4K-Kamera absurd anmutet.

Leider verfügt das DJI Osmo Pocket weder über Bluetooth noch über WLAN – für die Steuerung oder Datenübertragung bedarf es also immer einer physischen Verbindung. Außer man kauft das passende Zubehör.

Das Funkmodul kostet 60 Euro. Es steckt unten am USB-C-Port und erweitert das Osmo Pocket um Bluetooth und WLAN. Diese Verbindungstandards hätten wir uns gegen einen Aufpreis von Haus aus im Gerät gewünscht. Die Ladeschale verstaut Adapter, Micro-SD-Karten, Filter sowie das Gerät und lädt es dank Akku bis zu zweimal komplett auf.

Der Verlängerungsstab integriert einen Joystick sowie Tasten zur Gimbal-Steuerung und ergänzt das Osmo Pocket um ein Stativgewinde. Einen zusätzlichen Akku verbaut DJI trotz ausreichend Platz im Griff nicht. Toll finden wir das wasserdichte Gehäuse für Tauchgänge von bis zu 60 Metern. Eine komplette Übersicht über das Zubehör zeigt DJI hier.

Das DJI Osmo Pocket kostet zu seiner Einführung 359 Euro. Von dem Zubehör ist bisher lediglich das Funkmodul (59 Euro) sowie das Erweiterungsset (109 Euro) bestehend aus Funkmodul, Bedienrädchen, Zubehörbefestigung sowie einer 32-GByte-Micro-SD-Karte erhältlich. Wer mit dem Kauf eines DJI Osmo Pocket liebäugelt, sollte sich ernsthaft überlegen, gleich das sehr sinnvolle Erweiterungsset dazu zu kaufen.

DJI Osmo Pocket (CP.ZM.00000097.01)

DJI Osmo Pocket

(Kein Produktbild vorhanden)

Funkmodul

(Kein Produktbild vorhanden)

Erweiterungsset

Die Entwicklungskosten für das DJI Osmo Pocket waren mit Sicherheit überschaubar. Schließlich zeigt DJI hier nur Technik, die sie so oder so ähnlich schon in ihren Drohnen nutzen. Dabei funktioniert vor allem die Stabilisierung richtig gut, aber auch das Bild kann sich in den meisten Situationen sehen lassen.

Besonders faszinierend und für viele sicher ein Kaufgrund ist die unfassbar geringe Größe. Dank ihr ist das DJI Osmo Pocket das perfekte Urlaubs-Gimbal. Auch haben uns die für ein Consumer-Gerät umfangreichen Einstellungsmöglichkeiten gut gefallen.

Doch in vielen Bereichen merkt man dem Osmo Pocket an, dass es noch nicht ganz ausgereift ist, beziehungssweise Luft nach oben wäre. So gibt es keinen Free-Mode des Gimbals, die Low-Light-Performance ist nicht immer perfekt und einige essentielle Funktionen wie eine Gimbal-Steuerung über physische Knöpfe, Drahtlosverbindungen und ein Stativ-Gewinde hätten wir uns gewünscht. Zumindest kann man letzteres über das umfangreiche Zubehör nachrüsten. Trotzdem allem ist das DJI Osmo Pocket ein gutes Gerät und filmt bei Bewegung deutlich besser als ein unstabilisiertes Smartphone.

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