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Tado Thermostat V3+ im Test: Wirklich smart nur im Abo

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Je weiter weg ein Hausbewohner ist, desto mehr drehen die smarten Thermostate V3+ von Tado die Heizkörper herunter – zumindest bei zahlenden Abonnenten.

Die Heizkörperthermostate von Tado verbinden sich über ein Bridge mit dem Router und sind so stets online. Dadurch weiß man auch im Thailandurlaub die Temperatur und Luftfeuchtigkeit der eigenen Wohnung und dreht die Thermostate an den Heizkörpern auf Wunsch per App auf oder ab.

Doch wenn es nach Tado geht, ist das nicht mal nötig. Denn das System reduziert die Temperatur der Wohnung entsprechend zur Entfernung der Bewohner. Beim Gang zum Bäcker um die Ecke gibt es kaum einen Temperaturabfall. Beim Urlaub in Thailand reduziert Tado die Raumtemperatur dagegen auf ein vorher festgelegtes Minimum. Befinden sich die Urlauber wieder auf dem Weg nach Hause, will Tado rechtzeitig einheizen und den Heimkommenden damit ein warmes Willkommen bescheren.

Das Ganze hat jedoch einen Haken: Für den vollen Funktionsumfang will Tado seit Version V3+ seiner Thermostate eine monatliche oder jährliche Gebühr. Dieses plötzlich eingeführte Geschäftsmodell stößt vor allem Bestandskunden negativ auf.

Im Rahmen unserer Themenwelt smarte Heizkörperthermostate testen wir folgende Produkte und fassen die Ergebnisse anschließen in einem Vergleichstest zusammen.

Jedes einzelne Thermostat wird dauerhaft einem Account zugeordnet. Lösen kann diese Verbindung dann nur noch der Service.

Für die Installation hängt man zunächst die Bridge in der Größe einer Kaugummiverpackung an einen freien LAN-Port des Routers. Strom bezieht sie entweder über ein an der Steckdose hängendes Netzteil, oder alternativ über einen stromführenden USB-Port des Routers. So spart Tado Platz und vermeidet unnötigen Kabelsalat.

Das ist besser gelöst als bei der viel zu großen Bridge von Innogy (Testbericht). Noch besser hat uns das jedoch bei Wiser Heat (Testbericht) gefallen. Dort verbindet sich die Bridge über WLAN mit dem Router und braucht keine direkte Kabelverbindung.

Die App erkennt nach dem Scan eines auf den Geräten klebenden QR-Codes und dem Drücken eines Pairing-Tasters die einzelnen Komponenten im System. Das klappte bei uns auf Anhieb, kann aber zu Problemen führen, wenn die Geräte schon einmal von jemand anderem genutzt wurden. Denn Tado merkt sich dauerhaft seinen Erstnutzer. Die Teile sind erst wieder von anderen nutzbar, wenn der Erstnutzer den Service bittet, die einzelnen Komponenten wieder freizuschalten.

Dank Bajonettverschluss lösen sich die Thermostate einfach vom Heizkörper.

Die ohnehin meist unkomplizierte Installation der Thermostate am Heizkörper gestaltet sich bei Tado nochmal eine Ecke einfacher als bei der Konkurrenz. Denn zum einen liegen den Tado Thermostaten für exotische Ventile ganz besonders viele Adapter bei. Zum anderen befestigt man zunächst lediglich den kurzen Zylinder eines Bajonettverschlusses am Heizkörperventil, an dem anschließend das eigentliche Heizkörperthermostat durch ineinanderstecken einklickt. Das hat zwei Vorteile: Die die Installation des kleinen Rings an schwer zugänglichen Orten fällt leichter und sich das Tado-Thermostat löst sich unkompliziert mit einem Handgriff, wenn mal ein Wechsel der zwei AA-Batterien ansteht.

Die Thermostate selbst gehören zu den schönsten und am besten verarbeiteten auf dem Markt. Der schlichte, weiße Zylinder ist mit einer Länge von 65 mm und einem Durchmesser von 49 mm vergleichbar groß wie ein mechanisches Thermostat. Besonders gut hat uns die Anzeige der Solltemperatur gefallen. Diese scheint beim mechanischen Verstellen am Thermostat oder digitalen Verstellen in der App für einige Sekunden sehr gut lesbar durch den weißen Kunststoff und ist ansonsten unsichtbar.

Toll ist auch der leise und schnelle Motor. Es vergehen nur gut 10 Sekunden zwischen dem Verändern der Solltemperatur in der App und dem leisen Surren der Motoren, die diesen neuen Wert an das Ventil übertragen.

Die Tado-Thermostate sind kompakter als einige mechanische Thermostate.

Tado wird komplett über eine Android- oder iOS-App gesteuert. Alternativ steht ein optisch sowie funktionell vergleichbares Web-Interface für die Nutzung vom Rechner bereit. Egal für welches Szenario sich der Nutzer entscheidet, die Oberfläche wirkt aufgeräumt und übersichtlich. Die oberen Kacheln zeigen für die einzelnen Räume mit Tado-Heizkörperthermostaten groß die tatsächliche Temperatur und etwas kleiner die Solltemperatur an. Die Färbung der Kacheln hilft dabei, auf den ersten Blick zu sehen, in welchen Räumen es eventuell zu warm oder kalt ist. Nach einem Klick auf die Raumkacheln kann der Nutzer die jeweilige Solltemperatur entweder dauerhaft bis zur nächsten manuellen Änderung oder temporär über einen Schieberegler auf bis zu 25 Grad stellen.

Ein Klick auf Intelligenter Zeitplan führt zu einer grafischen Oberfläche, um den täglichen Heizplans festzulegen. Wieder gefällt uns die grafische Aufbereitung und die vergleichsweise unkomplizierte Programmierung jedes einzelnen Raumes. Morgens 22 Grad, tagsüber 20 Grad, abends 22 Grad, nachts 17 Grad – alles kein Problem und schnell programmiert. Lediglich eine Kopierfunktion für die einzelnen Tage wie in der App von Wiser Heat (Testbericht) vermissten wir. Die optionale Funktion Early Start sorgt dafür, dass Tado bereits vor einem Temperatursprung anfängt zu heizen, damit es zum festgelegten Zeitpunkt bereits die Solltemperatur erreicht.

Sehr gut haben uns auch die Statistiken in Form eines Diagramms gefallen. Dort zeigt die App übersichtlich jeden Tag grafisch den Temperaturverlauf, die Luftfeuchtigkeit und die Außentemperatur an. Außerdem zeigt die Kurve sehr schön, wann die Thermostate auf- und wann sie zugedreht waren.

Außerdem zeigt die App einen Frischluftindikator, der sich aus Daten der Außenluft, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit zusammensetzt. Das System erkennt über einen plötzlichen Temperaturabfall am Thermostat geöffnete Fenster. Die Thermostate drehen dann für 15 Minuten die Heizung ab – ab Version V3+ erhalten Nutzer dazu eine Push-Benachrichtigung oder sie sind zahlende Abonnenten.

Tado wirbt damit, bis zu 31 Prozent an Heizkosten zu sparen. Das halten wir vor allem in Haushalten die ohnehin auf ihr Heizverhalten achten für übertrieben. Allerdings kann dieser Wert erreicht werden, wenn vor Tado die Heizungen meist aufgedreht waren, auch wenn zum Beispiel mehrere Stunden niemand zu Hause war.

Um die Heizkostenersparnis zu belegen, dokumentiert Tado unter dem Punkt Energieeinsparungen monatlich, wie häufig die Thermostate die Temperatur regeln. Das hängt unter anderem an dem Standort der Nutzer, der Wettervorhersage, dem festgelegten Heizplan und der manuellen Steuerung am Thermostat. Tado schätzt so die Energiekostenersparnis in Prozent. Unser Testzeitraum war zu kurz, um hier eine qualifizierte Einschätzung zu geben. Allerdings nutzen wir die Thermostate weiter bis zum Ende der Heizperiode und reichen das an dieser Stelle nach.

Das Thermostat selbst zeigt die Solltemperatur an und regelt diese über den Drehregler.

Die Temperatur misst Tado direkt am Heizkörperthermostat. Das hat bauartbedingt einige Nachteile. Zum einen ist der Temperaturfühler stets recht nah am Heizkörper und misst so tendenziell eine höhere Temperatur als die tatsächlich im Raum vorherrschende. Zum anderen kann es die Temperatur weiter verfälschen, wenn sich der Heizkörper zum Beispiel hinter einer Couch versteckt und die Hitze staut. Beides lässt sich in der App über ein Offset verstellen. Das Thermostat misst eine Temperatur von 23 Grad, im Raum sind es aber nur 20 Grad, also bestimmen wir in der App ein Offset von -3 Grad.

Die ortsabhängige Steuerung funktioniert nur nach dem Abschluss eines Abos im vollen Umfang.

Tado ist auch über das Webinterface von Rechner steuerbar. Wer jedoch alle Funktionen nutzen will, muss für alle Hausbewohner die Tado-App auf ihren Mobilgeräten installieren, nur so ist eine ortsabhängige Steuerung möglich. Doch hier kommt der Haken: Mit den neuen Thermostaten V3+ stehen nur noch monatlich zahlenden Nutzern alle Funktionen zur Verfügung. Wer nicht bereit ist, 2,99 Euro pro Monat oder 24,99 Euro pro Jahr zu zahlen, erhält lediglich eine Benachrichtigung, wenn alle Bewohner außer Haus sind und muss die Temperatur dann händisch in der App regeln.

Bei zahlenden Kunden lernt Tado dynamisch vom Verhalten der Nutzer. Wurde zum Beispiel unter der Woche festgelegt, ab 18 Uhr zu heizen, merkt die App irgendwann, dass der Bewohner regelmäßig erst 19 Uhr zu Hause ist und passt automatisch den Heizplan an.

Außerdem regelt Tado die Temperatur entsprechend des Abstandes der Bewohner zum Heim. Ist der Nutzer beim Bäcker um die Ecke, hat das kaum Einfluss. Reist er dagegen in eine andere Stadt oder noch weiter weg, reduziert Tado die Temperatur aller Thermostate auf den Standartmäßig auf 6 Grad. Wer die Away-Temperatur höher mag, kann sie anpassen.

Einige Nutzer klagten jedoch darüber, dass bei einer Flugreise die Thermostate erst bei der Landung am Heimflughafen wieder aufdrehten, was dazu führte, dass die Wohnung bei der Ankunft noch zu kühl war. Überprüfen konnten wir das nicht. Allerdings besteht immer noch die Möglichkeit, die Thermostate beim Antritt der Heimreise manuell über die App hochzudrehen. Dann ist die Wohnung bei der Ankunft warm.

Die dafür nötige Installation und Standortfreigabe auf allen Mobilgeräten der Bewohner hat auch Nachteile. Zum einen hat nicht jeder Minderjährige ein Mobiltelefon. Zum anderen gibt es durchaus Datenschutzbedenken. Denn auch wenn Tado versichert, lediglich anonymisierte Daten und nur den Abstand zur Wohnung und nicht den genauen Standort zu kennen, wissen Hausbewohner mit installierter App stets, ob jemand zu Hause ist und auch wie weit weg sich die Bewohner befinden. Unklar bleibt jedoch auch für sie, wer genau wie weit weg ist. Trotzdem entpuppt sich Tado damit als effektive Stalker-App.

Bezüglich eines externen Hacks verspricht Tado, hohe Sicherheitsstandards zu erfüllen. Die einzelnen Thermostate funken nach dem energiesparenden 6LoWPAN-Protokoll auf dem 868-MHz-Band. Verschlüsselt wird die Kommunikation zur Bridge und zu den Servern über TSL 1.2. Insofern Tado hier keine groben Schnitzer unterlaufen sind, sollte es Hackern schwerfallen, dort einzudringen.

Trotzdem sind die Standort-Daten gerade für Diebe sehr verlockend. Angreifer könnten zum Beispiel einen Phishing-Angriff starten, um an die wertvollen Login-Daten der Nutzer zu kommen.

Im Test verknüpfen wir Tado mit den Spachassistenten von Amazon und Google. Daraufhin hörte Tado aufs Wort. Auch die Verknüpfung mit Apples Homekit klappte auf Anhieb. So können Nutzer Tado zum Beispiel mit Smart-Home-Komponenten von Eve verknüpfen und Szenarien erstellen. Außerdem bietet Tado IFTTT-Unterstützung. Dort erstellt verknüpft man bereits in IFTTT integrierte Smart-Home-Geräte oder bedient sich der zahlreichen, vorschlagenden Rezepte. Über IFTTT ist es auch möglich, per Geo-Fencing die Heizung zu regeln. Das geht zwar nicht so feinkörnig wie über das native Abomodell, ist dafür aber kostenfrei.

Das Set bestehend einem Thermostat V3+ und der Bridge kostet 110 Euro, das etwas ältere Set bestehend aus zwei Thermostaten V3 und einer Bridge kostet 180 Euro. Jedes weitere Thermostat V3+ schlägt mit 60, beziehungsweise 65 Euro zu Buche. Sets aus mehreren zusätzlichen Thermostaten versprechen keine Ersparnis verglichen mit dem Einzelpreis.

tado Smartes Heizkörperthermostat Starter Kit V3+, horizontale Montage (V3P-SK-SRT01HIB01-TC-ML/103111)

tado Smartes Heizkörperthermostat Starter Kit V3+

tado Smartes Funk-Heizkörperthermostat, vertikale Montage (V3P-SRT01V-TC-ML/103108)

tado Smartes Heizkörperthermostat V3+, vertikaler Einbau

tado Smartes Funk-Heizkörperthermostat, horizontale Montage (V3P-SRT01H-TC-ML/103107/HLMF2ZM/A)

tado Smartes Heizkörperthermostat V3+, horizontaler Einbau

tado Smart Funk-Heizkörperthermostat Duo Pack, horizontale Montage (V3P-2SRT01H-TC-ML/103113)

tado Smartes Heizkörperthermostat V3+ Doppelpack, horizontaler Einbau

tado Smart Funk-Heizkörperthermostat Quattro Pack, horizontale Montage (V3P-4SRT01H-TC-ML/103115)

tado Smartes Heizkörperthermostat V3+ Viererpack, horizontaler Einbau

Die Heizkörperthermostate von Tado gefallen uns richtig gut. Sie sind hervorragend verarbeitet, bieten eine sehr gut ablesbare und sonst unsichtbare Anzeige, einen praktischen Bajonettverschluss und eine übersichtliche sowie gut funktionierende App. Außerdem gefällt das Geo-Fencing, dass sogar die Entfernung der Bewohner zum Heim berücksichtigt. Das hat jedoch seinen Preis. Denn Tado ist sowohl in der Anschaffung, als auch im Unterhalt teuer. Denn wer alle Funktionen nutzen will, wird mit 2,99 Euro pro Monat, beziehungsweise 24,99 Euro pro Jahr zur Kasse gebeten.

Das ist besonders für Bestandskunden von Tado ärgerlich. Schließlich führte Tado das Geschäftsmodell erst mit den Thermostaten der Version V3+ ein. Nutzer älterer Thermostate dürfen zwar weiterhin alle bisherigen Funktionen kostenfrei nutzen, sehen aber eine ältere Nutzeroberfläche als Käufer der Thermostate V3+. Wollen Bestandskunden ebenfalls auf die neue Oberfläche upgraden, müssen sie 20 Euro zahlen, dafür soll laut Tado der Auto-Assist dauerhaft kostenfrei bleiben. Dies ist ein entgegenkommen seitens Tado. Dennoch zeigen Kommentare unter der Ankündigung, das der Unmut unter vielen Tado-Käufern groß ist.

Wer sich also für Tado interessiert, dem empfehlen wir zum Set mit V3-Thermostaten zu greifen, solange diese noch auf dem Markt sind.

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