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Synology MR2200ac Router im Test: Wifi-5 mit NAS-DNA

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Zierliches Gehäuse, überzeugende Software, professionelle Netzwerk-Tools und Wifi-5 bis 2x 866 MBit/s: TechStage testet, was der Tri-Band-Funker Synology MR2200ac kann.

2017 kam der klobige Dual-Band-Router Synology T2600ac mit seinen vier langen Rund-Strahl-Antennen auf den hiesigen Markt (Testbericht). Im Oktober 2018 folgte der kleinere Tri-Band-Mesh-Router-Bruder Synology MR2200ac: rabenschwarz, aber ohne externe Funkruten, zum UVP von damals 134,50 Euro. Beide Router funken Wifi-5 durch die Luft, genauer gesagt IEEE 802.11ac in der Fassung Wave 2, also noch kein Wifi-6.

Beide WLAN-Router verwandeln sich per Mausklick in einen WLAN-Access-Point (AP), beide können Mesh mit Roaming und Band Steering samt IEEE 802.11k/v/r. Aber nur der jüngere Router trägt Mesh bereits im Namen, wohl auch, weil es WLAN-Mesh seit 2018 zum Marketing-Wort geschafft hatte.

Der Router erscheint in unserer Themenwelt WLAN-Mesh. Dort haben wir bereits andere passende Geräte getestet, etwa den Synology RT2600ac (Testbericht) oder die Fritzbox 7590 (Testbericht). Wer nach Wifi-6 sucht, dem empfehlen wir die Themenwelt Wifi-6-Router mit Tests zu Geräten wie dem Asus GT-AX11000 (Testbericht), der Fritzbox Cable 6660 (Testbericht) oder dem Netgear Nighthawk RAX80 (Testbericht).

Der Synology MR2200ac. (Bild: Harald Karcher)

Der Synology MR2200ac funkt 2x2-MU-MIMO, im 2,4 GHz Band bis zu 400 MBit/s, im 5 GHz Band bis zu 2x 866 MBit/s, zusammen also 2132 MBit/s. Etwas aufgerundet wird daraus 2200, daher der Name MR2200ac. Von hinten ist der MR2200ac genauso schwarz und nüchtern wie von vorne. Die Beschriftung der Schnittstellen ist schwarz auf schwarz in Plastik gepresst. Richtig gelesen, schwarz auf schwarz, also kaum lesbar. Das bitte beim nächsten Modell besser machen!

An der einzigen GBit-LAN-Buchse hängt in unserem Test eine Synology DS1618+ NAS-Station. Am WAN-Internet-Port ist die AVM Fritzbox 6600 Cable (Testbericht) angeschlossen, denn der Synology MR2200ac Router hat kein eigenes Internet-Modem.

Schnittstellen des Synology MR2200ac (Bild: Harald Karcher).

In vielen Fällen reicht 1x LAN und 1x WAN. Wer trotzdem vier LAN- und/oder zwei WAN-Ports direkt am Router braucht, sei auf den größeren Bruder Synology RT2600ac (Testbericht) verwiesen. Bei Firmen ist Dual-WAN gängig. Aber seit Mitarbeiter wegen Covid-19 auch zunehmend aus dem Home-Office agieren, dürften Dual-WAN-Router eventuell im privaten Heim an Bedeutung gewinnen, sofern zwei unabhängige Internetzugänge vorhanden sind.

Links unten hinten hat der Synology MR2200ac einen USB 3.0 Slot. Damit kann man den fest eingebauten Speicher ergänzen, etwa für eigene Daten oder professionelle Anwendungs-Programme aus dem Synology-App-Store.

Der Lieferumfang ist überschaubar: Neben dem Router MR2200ac liegt ein RJ-45 LAN-Kabel, das Netzteil und eine gedruckte Kurzinstallationsanleitung in der umweltfreundlichen Kartonage. Alles recht nüchtern. Die wahre Schönheit des MR2200ac tritt erst beim Setup in der Software zutage.

Wie schon beim RT2600ac ist die Software der eigentliche Star des Gerätes. Synology packt hier viele Funktionen und Features aus dem Profi-Umfeld in ein Endgerät für Consumer. Dabei gibt es durchaus Anleihen an die NAS-Serie von Synology (Themenwelt). Wer etwas in den Tiefen des Web-Interfaces sucht, der findet interessante Features.

Die folgende Bilderstrecke zeigt die Einrichtung des ersten Synology MR2200ac, bevor er mit dem zweiten MR2200ac Router per Funk gekoppelt wurde. Die Bilderstrecke zeigt die Features im Detail:

MR2200ac: Synology Betriebssystem (158 Bilder)

Der MR2200ac kam schon zum Start mit der aktuellsten WLAN-Verschlüsselung WPA3 auf den Markt. Das war (und ist noch immer) stark, denn WPA3 kommt bei den meisten WLAN-Herstellern erst ab Wifi-6 in die Router und Repeater. Nach einem Firmware-Update 05/2020 stand auch auf dem älteren Synology RT2600ac das jüngste WPA3 bereit. Genauer gesagt läuft WEP, WPA/WPA2-Personal, WPA/WPA2-Enterprise, WPA2/WPA3-Personal, WPA3-Personal/Enterprise und Wifi Enhanced Open (OWE) auf dem alten und dem neuen Router. Ein solcher Super-Service für bereits verkaufte Hardware ist nicht selbstverständlich: So beherrschte etwa der jüngere Wifi-6-Funker Netgear RAX80 (Testbericht) trotz unseres gewissenhaften Firmware-Updates per 05/2020 noch immer kein WPA3.

Die ab Werk installierte Router-Software ist bereits sehr professionell. Wer noch mehr will, findet im Synology Paket Zentrum kostenlose Programme wie Safe Access für die Kindersicherung, Threat Prevention für die Abwehr bösartiger Angriffe aus dem Internet, oder den VPN Plus Server, der den MR2200ac-Router in einen VPN-Server verwandelt.

Nicht alle Programme aus dem Paket Zentrum haben im Arbeitsspeicher des Synology MR2200ac Platz. Man kann sie aber auf einen USB-Stick am Router auslagern (Bild: Harald Karcher).

Der Speicher des großen RT2600ac-Funkers ist auf 512 MB begrenzt. Beim kleinen MR2200ac sind es nur 256 MB. Wenn der Speicher-Platz im Router nicht ausreicht, kann man weitere Daten und Programme auf USB-Stick auslagern.

Schlankere Netzwerktools wie Ping und Traceroute waren schon ab Werk auf dem MR2200ac installiert. Eine Verknüpfung der Internet-Paket-Routen mit Google Maps macht die knöcherne Netzwerk-Materie gleich viel anschaulicher.

Der kleine Tri-Band-Funker Synology MR2200ac kann maximal 80 MHz breite Kanäle nutzen, allerdings zwei gleichzeitig, im unteren und im oberen 5 GHz-Band, also auf 5G-1 und auf 5G-2. Trotzdem bleibt der maximale Netto-Speed (pro Band) weit unter 1000 MBit/s netto.

Größenvergleich: Links der 1x 1733 MBit/s schnelle Dual-Band-Router Synology T2600ac. Rechts der 2x 866 MBit/s schnelle Tri-Band-Router Synology MR2200ac, ebenfalls rabenschwarz, aber ohne externe Funkruten. Mesh können übrigens beide (Bild: Harald Karcher).

Der hohe Durchsatz bei Wifi-6 kommt unter anderem zustande, weil Router und Client sehr breite Frequenz-Kanäle bis 160 MHz verwenden können. Bei Wifi-5-Routern war die Grenze meist bei 80 MHz gesetzt, aber fette 160 MHz Kanäle sind auch bei herkömmlichen 11ac-Wave-2-Funkern nicht grundsätzlich verboten. Diese Freiheit nutzt der größere Synology RT2600ac, und nur deshalb kamen in den dortigen Messungen fast 1000 MBit/s netto, die man sonst eher bei Wifi-6-Routern erwartet, und auch findet. Siehe dazu den separaten Testbericht zum RT2600ac.

Bis jetzt hatten wir nur einen einzigen MR2200ac Router in Aktion. Die nächste Bilderstrecke zeigt, wie man einen zweiten MR2200ac mit dem ersten über die Luft koppelt. Die entsprechende Bedienerführung im Software-Bereich namens Wifi Connect ist hervorragend einfach gestaltet. Der zweite Mesh-Router blinkt beim Koppeln erst blau, danach grün, und sobald er nur noch Dauer-grün leuchtet, anstatt grün zu blinken, ist das Koppeln erfolgreich abgeschlossen.

Synology MR2200ac: Mesh einrichten (11 Bilder)

Bis jetzt hatten wir den Tri-Band-MR2200ac-Routern ausdrücklich erlaubt, in jedem Frequenz-Band einen gesonderten SSID-Netzwerk-Namen heraus zu funken: Drei getrennte Bänder, drei getrennte WLAN-Namen. Mit dieser klaren Trennung haben wir übrigens die besten Netto-Messwerte erzielt.

Die meisten Hersteller loben allerdings den Komfort eines einzigen WLAN-Namens im ganzen Heim. Das Mesh-System schaltet den Nutzer dann selber ungefragt durch die drei Frequenz-Bänder, je nachdem, was besser passt. Das ist dann so etwas wie die Automatik-Schaltung im Auto. Die war vor dreißig Jahren noch viel schlechter als jeder mittelmäßige Autofahrer. Doch inzwischen ist sie ausgereifter. So ähnlich ist es auch bei Mesh: Es dauert halt ein paar Jahre, bis die Automatik besser wird, als die Handschaltung.

Synology MR2200ac: SSIDs anpassen (12 Bilder)

Für die Messung des Durchsatzes haben wir das System in den Automatikmodus versetzt. Damit zeigen wir das wahrscheinlich typischste Szenario für die meisten Anwender, zudem ist es das Worst-Case-Szenario für den Router. Sprich, wer manuell fährt, der kann wahrscheinlich noch ein paar MBit/s rauskitzeln. Wie immer messen wir in unserer Testwohnung an fünf verschiedenen Punkten, zunächst das Gerät einzeln, dann im Mesh-Verbund. Den Mess-Laptop haben wir mit einem Wifi-6-Funkmodul aufgerüstet, wie das geht, erklären wir im Ratgeber: Notebook für 13 Euro auf Wifi-6 aufrüsten. Für den Test übertragen wir Daten von einer NAS, die am Gigabit-Anschluss des MR2200ac hängt.

Die folgende Grafik zeigt nur die Messwerte aus dem 5 GHz Band: In der blauen Kurve war ein einziger Synology MR2200ac eingeschaltet. In der roten Kurve arbeiten zwei Geräte im Mesh zusammen. Der zweite Funker zog den Durchsatz vor allem in den entfernteren Räumen 4 und 5 deutlich hoch. Zwar nicht auf das Doppelte, aber immerhin merklich besser als ohne so ein Mesh-Gespann.

Blaue Kurve: Hier funkt nur ein Synology MR2200ac allein. Rot: Hier hilft auch der Zweite mit: Das hebt den Netto-Durchsatz in Raum 3 und 4 merklich an (Bild: Harald Karcher).

Die Übersicht zeigt gut, dass der MR220ac mit einem weiteren Gerät vor allem an den schwierigen Messpunkten 4 und 5 punkten kann. Und das für einen vergleichsweise niedrigen Kostenaufwand.

Der Durchsatz der verschiedenen Mesh-Systeme im Test.

Für eine weitere Messung nutzen wir ein Samsung Galaxy Note+ mit Wifi-6-Modul. Die folgende Grafik zeigt eine Messung durch 5 Räume über zwei Etagen hinweg, zuerst mal mit nur einem eingeschalteten Synology MR2200ac Funker:

Das Wifi-6-Handy Samsung Galaxy Note10+ wird hier über 5 Räume und zwei Etagen hinweg nur von einem einzigen Synology MR2200ac Mesh Funker versorgt (Bild: Harald Karcher / mit AVM Software).

Bei der zweiten Messung waren beide Synology MR2200ac Mesh Router auf beiden Etagen eingeschaltet: Wie man sieht, hat das Handy jetzt mehrmals die Bänder gewechselt. Wie schon der Laptop, so hat auch das Handy vor allem in den Räumen 4 und 5 dank 2er-Mesh-Set einen merklich höheren Durchsatz erzielt, als wenn nur ein einziger Mesh-Funker aktiv war.

Das Wifi-6-Handy Samsung Galaxy Note10+ wurde hier über 5 Räume und zwei Etagen hinweg von zwei Synology MR2200ac Mesh Funkern versorgt (Bild: Harald Karcher / mit AVM Software).

Kabel-technisch war der Synology MR2200ac WLAN-Mesh-Router bei der Messung des Stromverbrauches über seinen 1-Gigabit-LAN-Port mit dem 10-Gigabit-Port eines Synology DS1618+ 10-Gigabit-NAS-Servers verbunden. Funk-technisch war der MR2200ac über das 5 GHz Band mit dem Wifi-6-Laptop per 11ax verbunden.

In diesem Setup hat der MR2200ac Minimum 6,29 Watt Strom im Standby verbraucht. Beim aktiven Herunterladen mehrerer 1-GB-Datenpakete vom Synology-NAS-Server via WLAN auf den 11ax-Laptop hat er maximal 10,94 Watt aus der 230-Volt-Dose gezogen.

Der Wifi-5-Mesh-Router Synology MR2200ac hat im Standby circa 6,3 Watt und bei mäßiger Funk-Last knapp 11 Watt Strom verbraucht (Bild: Harald Karcher / mit AVM Software).

Der MR2200ac kam für einen UVP von knapp 135 Euro auf den Markt. Dieser hat sich nicht großartig verändert. Der Router ist vergleichsweise preisstabil bei knapp 130 Euro, einmal fiel er auf unter 110 Euro.

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Wie schon der große Router-Bruder Synology RT2600ac mit den vier langen Antennen hat auch der kleinere Mesh-Bruder Synology MR2200ac ein viel spannenderes Innenleben, als die glanzlose Hülle vermuten lässt: Erst gefällt die logisch aufgeräumte Router-Software, dann die umfangreichen Netzwerktools wie Ping oder Traceroute, und am Ende überzeugen auch Speed, Stabilität und Reichweite des WLAN-Funkers: Dabei wird der Funk schon bis hinauf zu WPA3 verschlüsselt, was man sonst eher von den allerneusten Wifi-6-Routern erwarten würde.

Der Einsatz als Mesh-System funktioniert einfach, schön und elegant per Mausklick. Wer Synology schon von der NAS-Software her kennt, wird sich auch mit den Routern spontan heimisch fühlen. Doch auch der Synology-Neuling dürfte ruckzuck mit der schönen, bunten und trotzdem sehr professionellen Router-Management-Software klarkommen.

Wäre nur zu wünschen, dass es für diese schöne Software auch bald einen richtig schnellen Wifi-6-Hardware-Unterbau geben wird. Vielleicht fallen dann auch die Preise für die nach wie vor guten Wifi-5-Systeme von Synology.

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