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Sony Xperia Z3 Compact im Test: hochwertiger Kraftzwerg

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Das Xperia Z3 Compact ist in vielerlei Hinsicht ein ganz besonderes Android-Smartphone: Es ist ein Kompaktmodell, dem die in dieser Klasse ansonsten üblichen Einsparmaßnahmen weitgehend erspart blieben. Oder anders: Es ist ein Vollgas-Smartphone, das mit seinem 4,6-Zoll-Display in jede Tasche passt.

Sony hat beim Xperia Z3 Compact gute Arbeit geleistet. Das Design ist an den großen Bruder Xperia Z3 angelehnt und wirkt wie eine angenehme Modernisierung des Vorgängers Xperia Z1 Compact. Front und Rückseite sind aus Glas, der Rahmen ist nun aber nicht mehr aus Alu, sondern aus Plexiglas im Milchglas-Look. Und obwohl das eigentlich wie ein Rückschritt bei der Materialauswahl wirkt, kommt uns das kleine Xperia Z3 stimmiger vor. Aufgrund der abgerundeten Form des Rahmens liegt es besser in der Hand; gleichzeitig wirkt es aber nicht billig, sondern ebenfalls erfreulich hochwertig.

Bei der Handhabung fällt auf, dass das Display die Vorderseite ziemlich ausfüllt. Soft-Touch-Tasten oder gar mechanische Knöpfe für Home oder Zurück gibt es nicht. Dementsprechend weit unten beginnt der Touchscreen, was beim Halten am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist. In der Praxis hat uns das nicht lange gestört. Und es ist ein weiterer Punkt, der das Xperia Z3 Compact außergewöhnlich macht: Es dürfte das einzige Smartphone mit Snapdragon 801 sein, dessen unterer Bildschirmrand schwieriger zu erreichen ist als der obere.

Wo wir gerade bei Kritik sind: In den abgerundeten Ecken befindet sich zwischen Glas und Kunststoffrahmen sowohl auf der Vorder- als auch auf der Rückseite ein dünner Spalt, in dem sich gerne typischer Dreck aus Taschen sammelt. Krümel, Flusen und anderer Kleinkrams setzt sich dort immer wieder fest. Das sieht unschön aus. Doch die gute Nachricht: Auch ohne Zuhilfenahme von Werkzeug hat sich unser Testgerät immer wieder binnen kurzer Zeit selbst gereinigt und sah dann wieder gut aus.

Abgerundet und stimmig: Der Rahmen des Xperia Z3 compact.

Die negativen Punkte geraten schnell in Vergessenheit. Viel zu gut liegt das Xperia Z3 Compact in der Hand, viel zu angenehm ist der Formfaktor im Vergleich zu den elefantös großen Phablets, die wir ansonsten in dieser Leistungsklasse auf dem Schreibtisch haben.

Sony-typisch ist auch dieses Modell wasserdicht. Selbst wer nicht vorhat, im Planschbecken zu fotografieren, darf sich darüber freuen: Schließlich kann man das Xperia Z3 Compact so ohne schlechtes Gewissen auch bei fies-nassem Herbstwetter verwenden. Aber Vorsicht: Vor dem Einsatz im Wasser muss man sicherstellen, dass die Klappe über SIM- und Speicherkartenslot fest verschlossen ist. Ansonsten dringt Feuchtigkeit ein.

Immer schön zumachen: Die Klappe vor microSD- und SIM-Kartenslot hat eine Gummidichtung, um Wasser draußen zu halten.

Wer aufmerksam gelesen hat, ist über die leichte Einschränkung unserer Euphorie gestolpert, was die Vollausstattung angeht. Der Grund ist das Display: Statt Full-HD gibt es beim Xperia Z3 Compact nämlich „nur“ 1280 × 720. Als Top-Modell geht dieses Smartphone damit eigentlich nicht mehr durch. Die kleinere Display-Diagonale ist da allerdings einge ganz gute Ausrede, denn das Xperia Z3 Compact kommt dennoch auf eine Pixeldichte von 319 Pixeln pro Zoll – und das ist fast exakt das Niveau der aktuellen iPhones (326 ppi).

Schön scharf und kräftige Farben: Zwar hätte dem Sony-Krafzwerg ein Full-HD-Display gut getan, doch auch das verbaute LCD-Panel hinterlässt einen guten Eindruck.

Na klar, mehr Pixel wären schön. Dennoch wirkt die Anzeige scharf, sie ist verdammt hell und uns gefallen die kräftigen Farben. Besonders cool: Die Display-Fläche wirkt wie in einem Guss in der Geräteoberfläche integriert. Hauptgrund dafür ist die Fertigungstechnik. Touchscreen- und Display-Panel sind laminiert, es gibt also keinen Spalt dazwischen. Das sieht wirklich klasse aus.

Allerdings: Die Blickwinkel sind eine Schwäche. Vor allem von oben und unten verlieren sich Helligkeit und Farben schnell. Und „unten“ ist im Querformat rechts oder links: Damit eignet sich das Xperia Z3 Compact nur eingeschränkt, wenn man mal einen YouTube-Clip oder ein paar Fotos in einer kleinen Gruppe ansehen möchte.

Das Sony Xperia Z3 Compact hat eine 20-Megapixel-Kamera – die meisten Fotos landen allerdings mit deutlich weniger Pixeln im internen Speicher. Sowohl in der überlegenen Vollautomatik, dem Brot-und-Butter-Modus der Kamera, als auch in zahlreichen anderen Betriebsmodi wie HDR ist die Auflösung auf 8 Megapixel beschränkt. Leider ist der Umgang mit den unzähligen verschiedenen Modi etwas unglücklich gelöst.

Nicht schlecht, aber schon etwas älter ist das Kamera-Modul.

Eine sehr lästige Eigenart der Kamera-App ist es beispielsweise, dass sie gelegentlich nicht verfügbare Einstellungen versteckt – und gelegentlich zwar anzeigt, aber ausgraut. Sie verrät aber leider nicht, aufgrund welcher anderen gerade getroffenen Konfiguration die jeweilige Option jetzt nicht zur Verfügung steht. Wer den ausgegrauten HDR-Modus aktiveren möchte, muss sich dann auf die Jagd nach dem schuldigen Parameter machen. Und das frustriert.

Außerdem wechselt die Kamera gelegentlich beim Treffen von Einstellungen ungefragt den Modus. Wer im Szenenprogramm Gegenlichtkorrektur HDR etwa die Auflösung von 8 auf 20 Megapixel hochschraubt, wird in den manuellen Modus geworfen. Der SCN-Button für die Motivprogramme ist dann ausgegraut. Dass man die Auflösung in den Einstellungen wieder reduzieren muss, um das zu ändern, verschweigt die App. Wirr ist außerdem, dass es einen (meistens ausgegrauten) HDR-Modus-Schieber in den Einstellungen gibt – und einen zusätzlichen speziellen HDR-Modus in den Motivprogrammen.

Auch die Standard-Einstellungen der Kamera sind etwas verwirrend. Wer beispielsweise mit den maximalen 20 Megapixeln fotografieren möchte, aktiviert den manuellen Modus – und keines der Motivprogramme. Dann ist es allerdings plötzlich nicht mehr möglich, mit dem Finger an eine beliebige Stelle im Bild zu fokussieren. Der Fokusmodus steht nämlich standardmäßig auf Einzel-Autofokus, und damit zielt die Kamera dickköpfig in die Bildmitte. Ein Umstellen auf die nichtssagende Option Sensorfokus hilft weiter. Im Videomodus entfällt diese Einstellung hier aber plötzlich – wer beim Filmen fokussieren möchte, muss in die überlegene Vollautomatik wechseln. Prinzipiell funktioniert alles, es ist nur unnötig kompliziert.

Die Frontkamera hat eine Auflösung von 2,2 Megapixeln.

Darüber hinaus überschüttet Sony den Nutzer geradezu mit Aufnahmemodi in der Kamera. Das reicht von Standards wie der Schwenkpanorama-Funktion bis hin zu Augmented-Reality-Effekten, bei denen Dinos durchs Bild stampfen. Außerdem ist es auch möglich, weitere Plug-ins für die Kamera herunterzuladen, die sich dann ebenfalls in der Kamera-App wiederfinden. Beispiele wären hier ein PDF-Scanner, Wikitude oder Vine.

Jetzt aber zur Bildqualität: Der 20,7-Megapixel-Sensor des kleinen Xperia Z3 ist mit einer Diagonale von 1/2,3 Zoll grob 50 Prozent größer als die in Smartphones üblichen 1/3-Zoll-Chips. Ein deutlicher Vorsprung zu anderen Smartphones dieser Klasse ist aber leider nicht zu sehen. Die Bildqualität ist solide, aber keine Besonderheit (mehr). Möglicherweise liegt das daran, dass der 1/2,3-Zoll-Chip schon etwas betagt ist – der Sensor namens Sony IMX220 kam bereits im Xperia Z1 zum Einsatz, dass auf der IFA 2013 vorgestellt wurde. Die nächste Sensor-Generation soll Gerüchten zufolge erst im Xperia Z4 zum Einsatz kommen.

Bei Tageslicht liefert das Sony Xperia Z3 Compact sehr farbenprächtige Bilder, die schon fast übertrieben kräftig wirken. Auch wenn der Sensor größer ist als bei vielen anderen Smartphones, kann der Dynamikbereich nicht beeindrucken. Bei kontrastreichen Motiven gibt es immer wieder über- und unterbelichtete Bildbereiche. Der HDR-Modus hilft hier weiter – leider aktiviert ihn die überlegene Vollautomatik nicht selbsttätig.

Bei schlechten Lichtverhältnissen fällt auf, dass das Xperia Z3 mit recht optimistischen Belichtungszeiten fotografiert, um die Empfindlichkeit niedrig zu halten. Das kommt zwar der Bildqualität zu Gute, erhöht aber das Risiko von verwackelten Fotos. Dennoch nimmt mit sich verschlechternden Lichtverhältnissen das Rauschen sukzessive zu.

Im Videomodus zeichnet das Sony Xperia Z3 Compact auf Wunsch mit 4K-Auflösung auf – allerdings funktioniert das nicht im normalen Aufnahmemodus. Stattdessen muss der Nutzer den speziellen 4K-Videomodus aktivieren, der sich recht weit unten in den diversen Aufnahmemodi versteckt. Die Bildqualität im Videomodus ist aber gut, die Stereo-Mikrofone nehmen den Ton klar und mit einer spürbaren räumlichen Trennung auf.

Unter der nicht abnehmbaren Rückseite befindet sich der 2600 mAh starke Akku. Das ist vergleichsweise viel für ein so „kleines“ Smartphone, und das wirkt sich positiv auf die Laufzeit aus.

Gut versteckt: Wer genau hinsieht, findet die Status-LED links oberhalb des Sensorfelds.

Nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist die Status-LED im oberen linken Eck. Wer genau hinsieht, erkennt links vom Helligkeits- und Annäherungssensor einen kleinen Punkt im von unten weiß lackierten Glas: Hier blinkt das Xperia Z3 Compact, wenn es seinem Besitzer etwas mitteilen möchte.

Erfreulich: Nach HTC-Vorbild verbaut Sony Stereo-Lautsprecher an der Vorderseite. Wer sie über den etwas fummelig-kleinen Wippschalter an der rechten Seite voll aufdreht, darf sich über kräftigen und vergleichsweise basslastigen Sound freuen. Besonders, wenn das Xperia Z3 Compact dabei auf dem Tisch liegt, rummst es wirklich ordentlich. Im Vergleich zu iPhone 6 (mit Mono-Lautsprecher) und HTC One (M8) wirkt der Sound aber nicht ganz so klar.

Hinter den Gittern ober- und unterhalb des Displays versteckt sich je ein kräftiger Lautsprecher für Stereo-Sound. Oben im Bild zu sehen sind die Software-Tasten.

Technisch erreicht das Smartphone mit dem Snapdragon 801, 2 GByte RAM und 16 GByte Speicher plus microSD-Kartenslot hohes, aber nicht höchstes Niveau. Doch selbst App- und Game-Fetischisten werden mit der Power des Kraftzwergs problemlos auskommen.

Über die genauen technischen Details informiert das folgende Datenblatt.

Technische Daten vom Sony Xperia Z3 Compact
Modell Sony Xperia Z3 Compact
Straßenpreis 374 Euro
Betriebssystem Android
Display 4,60 Zoll / IPS
Auflösung 1280 × 720 Pixel / 319 ppi
Kamera 21 Megapixel / k. A.
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Auflösung (Video) 3840 x 2160
Frontkamera 2,2 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 801 MSM8974AC / 2,5 GHz / 4 Kerne
Speicherkartenslot k. A. / microSDXC bis 128 GByte
LTE ja / 700, 700, 800, 850, 900, 1700, 1800, 1900, 2100, 2600 (nicht in allen Märkten verfügbar)
WLAN 802.11a/b/g/n und ac
Bluetooth 4.0
NFC ja
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter ja / nein
Akku-Kapazität 2600 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G k. A. / k. A.
Abmessung 64 × 126 × 9 mm
Gewicht 129 Gramm

Auf dem Sony läuft Android in der Version 4.4.4, ein Update auf das neue 5.0 alias Lolipop soll im Januar 2015 kommen. Die Sony-eigene Oberfläche ist weniger stark angepasst als zum Beispiel HTCs Sense – Android-Puristen freut das.

Der runde Ein-Aus-Taster ist gut zu erreichen, der Wippschalter daneben leider etwas zu kurz geraten, um gut bedienbar zu sein.

Uns gefällt die Sony-Oberfläche. Sie bringt nette Extras und Spielereien mit, wirkt aber gleichzeitig nicht übertrieben verspielt und bunt. Sinnvolle Ergänzungen ermöglichen beispielsweise die Sortierung der Apps im App-Drawer von Hand, alphabetisch oder nach Nutzungs-Häufigkeit. Außerdem sind diverse Programme vorinstalliert, darunter eine Navigationssoftware von Navigon (mit Offline-Karten), Fitness-Tools oder die Sony-eigene Shazam-Alternative TrackID (die es übrigens schon viel länger gibt als Shazam).

Vor allem Nutzer weiterer Sony-Produkte profitieren von diversen Möglichkeiten der Konnektivität: Wer beispielsweise beim Zocken mit der PlayStation 4 vom Fernseher vertrieben wird, kann auf dem Smartphone weiterspielen, sofern die Playsi mit dem gleichen WLAN verbunden ist.

Die vorinstallierten Apps wirken auf uns nicht wie Vaporware, die uns aufgezwungen wird – denn die meisten Programme haben einen echten Mehrwert. Erfreulich: Wer beispielsweise keine PlayStation hat und die App von seinem Smartphone schmeißen will, kann sie einfach in den Einstellungen deinstallieren. Allerdings klappt das nicht mit allen Anwendungen – der Musik-Player Walkman mit Musik-Abo-Option lässt sich nicht komplett vom Handy löschen, aber immerhin vollständig deaktivieren. So verschwindet das Programm aus den Menüs und startet nicht mehr, wenn man Musik wiedergeben möchte. Aus unserer Sicht ist das ein vorbildlicher Umgang mit vorinstallierten Programmen.

Glasrückseite mit Kamera, Foto-LED und NFC-Antenne.

Wer ein im wahrsten Sinne kompaktes Smartphone möchte, hat gar keine andere Möglichkeit, als das Xperia Z3 Compact zu kaufen: Gute Ausstattung und kleines Format gibt's eigentlich nur hier. Und auch ansonsten überzeugt uns das Sony-Smartphone in den meisten Punkten: Es sieht gut aus, fühlt sich gut an, wirkt hochwertig, ist gut ausgestattet und für heutige Verhältnisse angenehm klein. Dass wir das zu einem immerhin 4,6 Zoll großen Smartphone sagen werden, hätten wir vor ein paar Jahren aber auch nicht gedacht.

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